Johannes 8,59
Andachten
Da hoben sie Steine auf, dass sie auf ihn würfen. Aber Jesus verbarg sich, und ging zum Tempel hinaus, mitten durch sie hinstreichend.
Aus dem Evangelium des heutigen Sonntags spricht Wort für Wort bitterer Hass der Juden gegen den Herrn. Er hatte seine Sündlosigkeit betont, hatte von seiner heiligen ewigen Gottheit geredet; da bricht ihr Grimm los, sie wollten ihn töten: Immer mehr wächst der Hass. Ja der Hass wächst schneller als irgendein Baum im Garten, als irgendeine Schlingpflanze im Walde. Es ist einmal die Art des Bösen, dass es seine Gedanken beschleunigt und seine Taten beeilt wie ein Raub. Vor acht Tagen liegt ein großes Volk im Schatten der Barmherzigkeit Christi, hört auf seine Rede, isst von seinem Tische. Da wollte man ihn haschen und zum Könige machen. Heute steht ein großes Volk, und zwar besonders die Mächtigen Israels um ihn, und führen eine bittere, lieblose Disputation. Heute hebt man Steine auf, um ihn zu steinigen. Vor acht Tagen dachte man mit ihm an den Königsthron, heute an den Tod. Wie aber ein Fortschritt im Hasse sichtbar ist, so ist doch auch wieder ein Fortschritt in Jesu Verherrlichung sichtbar. Durch alle Feindschaft strahlt der Königsthron hindurch, den er von Anfang hatte, und in Ewigkeit haben wird. Auch durch das bittere Evangelium begleitet uns das Gefühl des Sieges, der dem Herrn und seinen Gläubigen endlich nicht entgehen kann.
Ach Herr, gib uns ein Herz nach deinem Herzen. Entzünde in uns den Glauben, in dem du fest gestanden hast bis ans Ende. Aus dem Glauben erwecke den fröhlichen Bekenntnismut, mit dem du allen Widersachern fest unter die Augen tratest. Aus dem Glauben und der heiligen Liebe erwecke du die Klugheit, die ohne Falsch ist, und die mitten in der Drangsal noch Seelen zu retten und Herzen zu gewinnen weiß. Herr, mit diesen Gnadengaben segne uns in der heutigen Andacht. Du weißt ja, wie nötig uns dies Alles sei zu aller Zeit und besonders zu dieser Zeit. Amen. (Friedrich Ahlfeld)