Johannes 19,25

Andachten

Es standen aber bei dem Kreuze Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, Kleophas Weib, und Maria Magdalena. Da nun Jesus seine Mutter sah und den Jünger dabei stehen, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Weib, siehe, das ist dein Sohn! Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
An Jesu Kreuze standen, nachdem alle andern Jünger ihn verlassen hatten, Maria, seine Mutter, und der Jünger, den Jesus lieb hatte, Johannes. Da ward erfüllt, was Simeon bald nach der Geburt dieses wunderbaren Kindes zu ihr gesagt hatte: „Auch durch deine Seele wird ein Schwert dringen“. Er, den ein Engel ihr verkündigt, den sie als Jungfrau wunderbar geboren, den die himmlischen Heerscharen mit Lobgesängen begrüßt hatten, hing sterbend vor ihr am Kreuze. Was war das für ein ungeheurer Schmerz! Ein Schmerz nicht nur der mitfühlenden Mutterliebe, ein Schmerz (das war noch furchtbarer) des irregewordenen Glaubens und Hoffens. Als auf der Hochzeit zu Kana Maria ihrem Sohne vorgreifen und ihn drängen wollte, durch ein Wunder der Hochzeitsgesellschaft zu helfen, da sprach er das harte Wort zu ihr: „Weib, was habe ich mit dir zu schaffen? Das, was in mir Wunder tut, hast du nicht geboren“. Aber am Kreuz spricht er in der innigsten Liebe: „Weib, siehe, das ist dein Sohn“!

Wir lernen aus diesem Worte, wie Jesus, auch da er in seinem Heilandsamte umherzog, doch zugleich im vollen, ganzen Sinne ein Sohn seiner Mutter geblieben war. Seinen göttlichen Beruf und die treueste Erfüllung seiner Kindespflichten hatte er zu vereinigen gewusst. Nun denkt er an ihre baldige Verlassenheit, denkt daran, was er als Sohn seiner Mutter wohl noch für ein besonderes Vermächtnis der Liebe zurücklassen möchte, und sein Blick fällt auf den Jünger, der noch bei dem letzten Abendmahle an seiner Brust gelegen hatte, der jetzt am Kreuze bei ihm stand, als alle Jünger geflohen waren, auf Johannnes, den er lieb hatte; und er schenkt ihn ihr als ihren Sohn, der seine Stelle bei ihr vertreten sollte. Und so übergab er dann auch dem Johannes seine Mutter. Von Anfang an hatte Johannes seinem Herzen besonders nahe gestanden; nun besiegelte er sterbend den Herzensbund mit ihm. Welch eine Ehre für Johannes, dass Christus ihn würdigte, seine eigene Stelle als Sohn zu vertreten! Welch ein Feuertrieb für ihn, durch unzertrennliche Herzensgemeinschaft Jesu immer ähnlicher zu werden!

Seht ihr nicht in diesen Worten wie vor euch abgebildet: „Wie er geliebt hatte die Seinen, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende?“ Spiegelt sich nicht in diesem letzten Liebeswort seine erlösende Liebe zu den Seinigen überhaupt ab? Und nun denket an seinen Ausspruch: Wer mein Wort hält, der ist meine Mutter, mein Bruder, meine Schwester“! Glaubst du an Jesum Christum, hängst du an ihm mit inniger Liebe, o so eigne dir dieses Wort fürsorgender, zarter, inniger Liebe getrost an! Seine Hirtentreue will alle seine schwachen Lämmer im Busen tragen und die Schafmütter führen; das Verwundete will er heilen und das Schwache behüten. Deine Not, deine Verlassenheit, deine Trostbedürftigkeit kennt er, und hat dir am Kreuze bewiesen: Kann auch ein Weib ihres Kindleins vergessen, dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes und ob sie desselbigen vergäße, will ich doch deiner nicht vergessen! (O. v. Gerlach.)

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nt/43/johannes_19_25.txt · Zuletzt geändert: von aj
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