Johannes 12,1

Andachten

Lebendiger Heiland, gekreuzigter Erlöser, dem Andenken an Dein Leiden Deinen Tod, Deine Auferstehung ist die gegenwärtige Zeit des Kirchenjahres gewidmet. Ach, wir haben schon Fastenzeiten genug in unserm Leben gefeiert, in denen wir kein Haar besser geworden sind als wir vorher gewesen; ja, in denen wir wohl noch viel schlimmer geworden sind und das Wort von Deinem Kreuze uns ein Geruch des Todes zum Tode geworden ist, während es uns hätte ein Geruch des Lebens zum Leben werden können. O treuer Heiland, so gib nun, dass die heilige Zeit, die wir jetzt vor uns haben, recht sorgfältig von uns möge ausgekauft werden, dass wir an dem heutigen Tage den rechten Bund vor Deinem Angesicht machen, diese sieben Passions-Wochen keinen Tag hingehen zu lassen, da wir nicht etwas von unserer Zeit zur Betrachtung Deines Leidens anwenden, darin wir uns nicht in eine stille Erwägung Deiner herzlichen Liebe einlassen, die Dich für uns in den Tod und in die Schmach gedrängt hat. Gib, o Herr, dass das Evangelium von Deinem Leiden und Tode uns nicht möge vergeblich verkündigt werden, sondern dass es uns zu unserm Heil gepredigt werde. Segne aber die Predigt von Deinem Leiden nicht nur an uns, sondern überall, wo sie in der Christenheit verkündigt wird. Lass Dein Leiden allen denen, welche es betrachten, ein Geruch des Lebens zum Leben werden, zur Stärkung ihres Glaubens und ihres blöden und verzagten Gewissens. Stärke Deine Knechte, und rüste sie aus mit Kraft und Weisheit, Dein Leiden recht zu verkündigen. Lass um Deines Blutes willen alle Zuhörer teilhaftig werden der Früchte Deines Leidens und Todes. Erbarme Dich aller Kranken, elenden, Armen, aller Sterbenden, aller unschuldig Verfolgten und Gefangenen. Gib einem jeden, der zu Dir in dieser Not schreiet, Gnade, und lass kein Gebet unerhört, keine Träne umsonst vergossen werden, welche aus einer wahren Erkenntnis und aus einem lebendigen Gefühl der Sünde herfließt; sondern siehe allesamt gnädig an und erhöre, was ein Jeder in seiner Not von Dir bittet, erhöre, was auch ich in dieser gesegneten Zeit, in diesen Tagen des Heils von Dir erflehen werde, um Deines Leidens, Deines Todes und Deiner Auferstehung willen. Amen. (Friedrich Arndt)


Sechs Tage vor den Ostern kam Jesus gen Bethanien, da Lazarus war, der Verstorbene, welchen Jesus auferweckt hatte von den Toten. Daselbst machten sie ihm ein Abendmahl, und Martha diente, Lazarus aber war deren einer, die mit ihm zu Tische saßen. Da nahm Maria ein Pfund Salbe von ungefälschter köstlicher Narde, und salbte die Füße Jesu, und trocknete mit ihrem Haar seine Füße; das Haus aber ward voll vom Geruch der Salbe.

Sechs Tage vor Ostern kam Jesus nach Bethanien. Es ist die letzte Ruhestunde vor seinem schweren Leidenskampfe. Das Festmahl, das sie ihm bereiten, ist eine Abschiedsfeier. Aber sie wissen es nicht, nur eine Seele ahnt es, dass es die letzte Stunde ist. Sie hat bisher nur still zu seinen Füßen gesessen. Sie hat vor den Menschen ihres Herzens tiefe Liebe verborgen. Jetzt aber, da es zu Ende geht, bricht ihre Liebe mit Macht hervor. Das Beste und Edelste, was sie hat, opfert sie und gibt sie ihm hin, und mit der köstlichen Narde schüttet sie ihr Herz voll Liebe über ihn aus, mit der ungefälschten Narde, die ungefälschte Liebe ihres Herzens. Ihre ganze Seele gibt sie ihm hin, die ganze Narde bis zum letzten Tropfen. So beweist Maria dem Heiland ihre Liebe, sechs Tage vor Ostern und doch hatte sie nur erst eine dunkle Ahnung von dem, was ihm bevorstand. Und du? Soll es dir nicht noch viel mehr gelten: Die Liebe Christi dringt uns also? In dieser Passionszeit zumal. Höre die Stimme: „Das Alles tat ich für dich, was tust du für mich? Simon Johanna, hast du mich lieb?“ Folge der Maria nach. Bring dem Herrn in dieser Zeit dein Bestes dar, das ihm noch köstlicher ist, als die köstlichste Narde: deines Herzens ungefälschte Liebe. Leg deine Seele ihm zu Füßen. O lasst uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. Lasst uns ihm in dieser Zeit die Opfer der Buße, des Glaubens und des neuen Gehorsams bringen. Lasst darin keinen Spott und keine Verachtung der Welt uns irre machen, sondern wie Maria, dabei allein auf Jesum sehen und gedenken, welche Beit es ist: sechs Tage vor Ostern! (Adolf Clemen)

Predigten

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nt/43/johannes_12_1.txt · Zuletzt geändert: von aj
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