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Lukas 22,41

Lukas 22,41

Andachten

Und er riss sich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder und betete, und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Es erschien aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und es kam, dass er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde.
Hätte Jesus nicht an unserer Statt in Gethsemane gezittert und gezagt, wäre seine Seele nicht betrübt gewesen bis in den Tod, hätte er nicht gerungen mit dem Tode, so würden wir ewig zittern und zagen, bis zum Tode betrübt sein, ja ewiglich mit dem Tode ringen müssen. Ja, dann wäre es aus mit uns; dann gäbe es keinen Trost, keine Hoffnung, keine Gnade und Rettung mehr für uns, wenn der dreimal heilige, über die Sünde schrecklich zürnende Gott mit uns ins Gericht ginge, wenn des Gesetzes Fluch gleich einem vernichtenden Blitzstrahle unsere schuldigen Häupter träfe, und der höllische Feind, ja, unser eigenes Herz, unser Leben verklagte. Nun aber können wir Moses, dem Bluträcher, nun können wir Satan, dem Verkläger, ja, dem göttlichen Gerichte selber in gläubigem Hinblicke auf den in Gethsemane bis aufs Blut kämpfenden und siegenden Erlöser wiewohl tiefgebeugt durch unsere schwere Schuld dennoch getrost entgegentreten und allen Feinden unserer Seele getrost entgegenrufen: „Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Welcher auch seines eigenen Sohnes nicht hat verschont, sondern hat ihn für uns alle dahin gegeben; wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? Wer will die Auserwählten Gottes beschuldigen? Gott ist hier, der da gerecht macht. Wer will verdammen? Christus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, welcher ist zur Rechten Gottes und vertritt uns!“

Seht da den unaussprechlich reichen Segen, den uns der große Kämpfer in jener Angstnacht am Ölberge errungen hat! In jener Nacht ist unserer Seele ein Tag des Friedens und der Freude aufgegangen, der nimmer, der selbst im Tode ihr nicht mehr untergeht, so sie an den glaubt, der in jener Nacht den Kelch des bittersten Leidens bis auf die Hefen geleert hat.

Ja, damit wir nicht zittern und zagen müssten, damit wir Freudigkeit hätten im Tode und im Gerichte, darum hast du, liebster Herr Jesu! in Gethsemane gezittert und gezagt, und deine heilige Seele ist betrübt gewesen bis in den Tod! Damit wir unser Haupt einmal freudig empor heben könnten am Tage des Gerichtes, fielst du auf dein Angesicht zur Erde und krümmtest dich gleich einem Wurm im Staube! Damit wir in Frieden dahinfahren und sanft und selig sterben könnten und des Angstschweißes in der Stunde des Todes überhoben wären, darum hast du mit dem Tode gerungen und hast Blut geschwitzt! Damit unsere Tränen einmal dort alle könnten abgewischt werden, und kein Leid, noch Geschrei, noch Schmerzen dort mehr seien, hast du in Gethsemane „Gebet und Flehen geopfert mit starkem Geschrei und Tränen zu dem, der dir von dem Tode konnte aushelfen!“ (Hebr. 5, 7.) Damit wir dort ewig getränkt werden möchten mit Wollust, als mit einem Strome“ (Ps. 36, 9), hast du den bitteren Zorneskelch geleert bis auf den letzten Tropfen. Ja, dort in jenem verhängnisvollen Ölgarten ist all unserer Angst und Not und aller Furcht des Todes und der Hölle ein Ziel gesetzt worden, durch deine, unseres Blutbürgen, Seelenangst und Todeskampf; dort fließen jetzt für uns, nachdem du allein die Kelter des Zornes Gottes allda getreten hast, Ströme des göttlichen Gnadenöls; an jenem stillen, entscheidenden Kampfplage, da sind für uns jetzt die Siegeskränze über Sünde, Tod und Teufel aufgehängt, und die rechten Friedens- und Freudenkränze gewunden, eines Friedens, der höher ist, denn alle Vernunft, und einer Freude, die niemand von uns nehmen soll. Und das alles, o Herr Jesu! hast du uns unter Kämpfen und Leiden ohne Maß errungen und erworben aus reinem, lauterem Erbarmen mit unserem unsäglichen Elende! Ja, das alles tatest du für uns, und nun, was tun wir, deine Erlösten, für Dich? (Dietz).


Er riss sich von ihnen bei einem Steinwurf und kniete nieder, betete und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel und stärkte ihn. Und es kam, dass er mit dem Tode rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf die Erde. Und er stand auf von dem Gebet und kam zu seinen Jüngern und fand sie schlafen vor Traurigkeit.
Deine drei vertrautesten Jünger hast du zurückgelassen, lieber Herr. Allein willst du sein, allein sollst du und willst du die große Angst bestehen, die wir deinen Seelenkampf in Gethsemane nennen. Wir haben kein Verständnis davon. Eine vollkommenere Erkenntnis, eine richtigere Vorstellung werden wir ja wohl davon in der Ewigkeit erhalten, wenn wir erst schauen werden in Recht und Gericht des heiligen Gottes und ihre Tiefen. Wir glauben, dass du für unsere Sünden im Gerichte warst, und halten dafür, dass dieses Gottesgericht über dich an unserer Statt ein erschreckliches war, weil deine Seele schmerzlich aufseufzte: Vater, ists möglich, so gehe dieser Kelch der Leiden an mir vorüber! und weil dein Schweiß gleich Blutstropfen zur Erde fiel. Ach, welche Stunde voller Ängsten, da dir, dem einzig Geliebten, das Antlitz deines Vaters sich verhüllte und deine Seele erbebte vor dem bitteren Kelch der Leiden, der dir jetzt bis auf den Grund zu leeren gegeben ward. Teurer Heiland, in dieser Stunde, von welcher der Evangelist uns solches berichtet, warst du mitten im Gerichte. Da rollten die Donner des starken und eifrigen Gottes über dich her, da wälzten sich seine erschrecklichen Zornesfluten gegen dich heran, da fuhren die Verderben und Tod züngelnden Blitze Sinais auf dich herein, da trafen dich die Flüche Ebals wie Schlag auf Schlag. Dich, der von keiner Sünde wusste, machte Gott zur Sünde für uns. Ach, wir ahnen die Dunkel und Schrecken der Stunde deines Seelenkampfes in Gethsemane. Du krümmst dich im Staube wie ein Wurm; du seufzt in der Angst deines Herzens: Vater, ists möglich, so nimm diesen Kelch von mir! Doch beugst du augenblicklich dich wieder unter das Unvermeidliche mit Lammesgeduld; nicht wie ich will, Vater, rufst du, sondern dein Wille geschehe! Keiner deiner Jünger, deiner Freunde steht bei dir; keiner spricht ein Wort des Trostes dir zu; keiner trocknet dir den Blutschweiß vom Angesicht. Sie schlafen alle und gedenken nicht deiner Angst. Aber ein Engel vom Himmel kommt und stärket dich. Das lässt mir einen Lichtstrahl fallen in das schauerliche Dunkel, lässt mich merken, dass ein Segen hinter den Flüchen, die auf dich herabdonnern, eine Gnade hinter dem Zorne ist, der herabflutet auf dich. Der heilige Gott hat es nicht auf dein Verderben abgesehen; es wäre zugleich mein Verderben gewesen. Er ist dein Vater und er will auch mein Vater sein. Du hast für mich gesiegt im Kampfe. Ich soll ein Recht haben, mich des trösten zu dürfen, dass deine Tränenopfer angenommen sind, dass dein Geschrei in den Himmel gedrungen ist, und ich nun ein durch dich begnadigtes Kind und Erbe Gottes geworden bin. Halleluja. Amen. (Carl Gottlieb Just)

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