Lukas 21,25
Andachten
Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wie ist doch das heutige Evangelium, aus dem diese Worte genommen, so ganz anders als vor acht Tagen. Dort kam Christus vom Ölberg hernieder, hier vom Thron seiner ewigen Herrlichkeit. Dort inmitten eines armen Volks- und Kinderhaufens, reitend auf einer Eselin, hier inmitten der himmlischen Heerscharen in des Himmels Wolken. Dort unter dem „Hosianna“ seiner Begleiter, hier heißt es: „Das Meer und die Wasserwogen werden brausen.“ Dort zieht er in Jerusalem ein, hier in den ganzen Kreis der Erde. So steht in den beiden Evangelien die erste und letzte Ankunft des Herrn nebeneinander: sein Kommen in die Niedrigkeit, sein Kommen in die Herrlichkeit; sein Kommen in die Geschichte, sein Kommen zum Gericht. Daran sollst Du erkennen, wie Alles beschlossen ist in Jesum Christum, wie er das A und O, der Anfang und das Ende ist. Kann dich der Demutszug des Herrn nicht aufwecken, so soll dich sein Siegesgang, sein letzter Advent aufschrecken. Er wird kommen mit großer Kraft und Herrlichkeit. Dann werden alle Völker um ihn versammelt, die da waren und die da sind. Dann wird er Gericht halten, dann wird er den Weizen von der Spreu, die Schafe von den Böcken scheiden. Das ist der Schluss aller Geschichte. Sünde und Gnade haben ausgerungen miteinander. Die Gnade hat gesiegt. In wem sie aber nicht gesiegt hat, für den ist alle Gnadenzeit aus, er fällt in den Arm der Gerechtigkeit. Schrecklich ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen.
Herr und König in deinen dreien Reichen. Der du uns schon aus Erbarmung in dein Gnadenreich gesetzt hast, ziehe an uns mit deinem teuren, mächtigen Wort, dass wir in demselben zu Bürgern des Reiches der Herrlichkeit heranreifen. Rücke uns immer mehr heraus aus dem Dienst des Fürsten dieser Welt. Richte unsere Sünden im Leben, damit wir im Tod nicht gerichtet werden. Halte unsere Herzen bereit auf Deine große Zukunft; gib uns Treue und Beharrlichkeit, dass unsere Lampen brennen und wir Öl haben in den Gefäßen. Amen. (Fr. Ahlfeld)
Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden, denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wann aber dieses anfängt zu geschehen, so seht auf und hebt eure Häupter auf, darum, dass sich eure Erlösung naht.
Von deiner letzten Zukunft zum Gericht redest und zeugst du solches, Herr Jesu. Alsdann werden Himmel und Erde in Bewegung geraten und den Menschen wird bange werden vor dem Warten der Dinge, die da kommen sollen, wenn du erscheinen wirst und mit dir der Deinen Erlösung sich nahen wird. Indessen willst du jetzt noch uns und Allen, die dich annehmen im Glauben, ein gnadenreicher Erbarmer sein, der nicht gekommen ist, die Welt zu richten, sondern die Welt selig zu machen. Denn das ist ja doch je gewiss wahr und ein teuer wertes Wort, dass Jesus Christus gekommen ist in die Welt, die Sünder selig zu machen. Und das ist die Liebe Gottes, dass der Vater seinen Sohn zu uns gesandt hat, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Darum gibst du denen, die an dich glauben und dich annehmen als ihren Heiland, Macht, Gottes Kinder zu werden. Aber wer nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht glaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes. Denn wie groß deine Gnade und dein Erbarmen über uns war bei deiner ersten Zukunft, so erschrecklich wird dein Ernst, so verderblich wird dein Zorn bei deiner letzten Zukunft sein, wenn du erscheinen wirst in deiner Herrlichkeit, getragen von den Wolken des Himmels, zu richten die Lebendigen und die Toten. Dann werden deine Jünger und Freunde, die an dich glauben und dich lieb hatten, vor dir stehen; deinen Verächtern und Feinden aber wirst du geben ihren verdienten Lohn. Ach Herr, so erbarme dich unser, weil es noch heute heißt und lass nicht ab von uns, zu überwinden durch deinen Heiligen Geist in unsern Herzen allen Widerstand des Unglaubens und der Sünde. Komm täglich zu uns und richte unsere Häupter auf zu einem beständigen Ausschauen nach dir, bis unsre Erlösung naht. Komm insbesondere auch heute zu uns, wenn wir in deinem Tempel sein und die selige Predigt deines teuren Wortes hören werden. Komm zu uns mit dem vollen Segen deiner Gerechtigkeit. Komm zu uns mit dem ganzen Feuer deiner Sünder rettenden Liebe. Mach uns los von der Welt, mach uns dein eigen, dass wir in dir erfunden werden und bei dir ausharren im Glauben, in der Liebe, in der Geduld bis ans Ende, bis des Himmels Kräfte sich bewegen und wir mit Freuden rufen werden: Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Amen. (Carl Gottlieb Just)
Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne und Mond und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen, die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Der Herr verkündigt in diesem Evangelio seine Zukunft am Jüngsten Tage. In seiner ersten Zukunft hat er uns den größten Dienst erzeigt, den kein Engel noch Kreatur tun kann. Wenn aber die Zahl der Auserwählten voll ist, so wird er kommen, nicht als ein Knecht, sondern als ein Herr, und wird darum kommen, dass er uns aus der Erde, Verwesung und Tod erlöse.
Nun warnt der HErr seine Christen, dass sie sich vor Sicherheit hüten sollen, auf dass sie dieser Tag seiner Zukunft nicht plötzlich überfalle; tröstet sie auch, dass sie nicht erschrecken sollen für den Zeichen, welche vor dem Jüngsten Tage hergehen rc. Wir sollen wissen, dass unser Herr und Erlöser kommen wird vom Himmel und wir also bereit sein alle Stunden seiner Zukunft zu erwarten; also, dass wir nur halb und mit der linken Hand in diesem Leben sein; mit der rechten Hand und mit dem ganzen Herzen sollen wir sein in der Erwartung dieses Tages, wenn unser Herr kommen wird in solcher Majestät und Pracht, die kein Mensch ausreden kann. Das ist nun die Warnung, auf dass wir uns darauf schicken und nicht wie die Gottlosen sagen: O! wer weiß, wann der Jüngste Tag kommen wird.
Wir sollen hierbei merken, aus welcher Ursache der HErr diese Predigt getan hat, und warum es not ist, solche zuvor zu sagen und zu wissen: nämlich zum ersten, dass die Kirche wissen soll, solche Zeichen und Strafen fallen nicht von ungefähr daher, wie die ruchlose Welt wähnt, sondern sie sind von GOtt zur Strafe gedroht und ergehen, dass man dabei GOttes ernsten und schrecklichen Zorn über die Sünde sehen müsse, sonderlich weil solche zur letzten Zeit immer größer und schwerer gehen sollen, dass gewisslich die Welt endlich verderben und untergehen muss, weil sie nicht von Sünden ablässt, sondern auch unter der Strafe in Gottes Verachtung fortfährt, und also auch bei ihrem Untergang darin begriffen wird sein, dass auch GOttes Zorn und Strafe ohne Ende über ihr bleiben wird.
Von den Zeichen redet Christus, dass sie an der Sonne, Mond, am ganzen Himmel gesehen werden, welches nicht allein auf eine Zeit zu deuten ist, sondern geredet ist von allerlei Zeichen, so in der Welt allenthalben und immer vor dem Ende geschehen sollen. Es wird aber auch den Leuten bange werden und werden zagen vor Furcht und warten der Dinge, die da kommen sollen. Diejenigen, an denen solche Angst und Schrecken gesehen werden, sind wohl die gottesfürchtigen Leute, die die Warnung vor den zukünftigen Gerichten annehmen und seufzen nach Trost und Errettung. (Martin Luther)
Und auf Erden wird den Leuten bange sein.
Zum Zittern hat ein Mensch, der nicht in Gemeinschaft mit seinem Schöpfer steht, immer vielfache Gelegenheit. Wir leben in einer Welt, wo Alles in eine solche Stellung gegen uns treten kann, dass wir dadurch aus der Fassung gebracht und geängstet werden; man denke nur an eine Feuersbrunst, an ein Erdbeben usw.
Und auch abgesehen von den Elementen und ihrem Einfluss trägt ja Jeder den Keim des Todes in sich, und vor dem Tod hat jeder Mensch einen Schrecken, der durch die geheime Ahnung eines zukünftigen Gerichts noch vermehrt wird. Aber der Heiland spricht im obigen Text von einer anderen Zeit, von der Zeit, wo auch diejenigen, die sich gegen die Schrecken des gewöhnlichen Weltlaufs abgestumpft und gewaffnet haben, auch alle Starken, alle Gewaltigen, alle Mutigen, alle Männlichen, alle Knechte und Freie und Könige heulen werden; das ist die Zeit seiner Zukunft. Schon was dieser Zukunft vorangeht, wird den Beuten bange machen auf Erden, denn es werden Zeichen geschehen an Sonne und Mond und Sternen, das Meer und die Wasserwogen werden brausen und auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden, d. h. die bisherige Ordnungsmäßigkeit und Gesetzmäßigkeit des Ganges dieser Welt wird sich aufheben, es wird nichts mehr zutreffen, was man vorher ausrechnen konnte, wovon man sonst gewiss wusste, dass es kommen müsse, wie man es z. B. jetzt in unserer Gegend als natürlich annimmt, dass die Sonne des Winters um acht Uhr auf- und um vier Uhr untergeht, und dass sie des Sommers neun Stunden länger scheint u. dgl. Denke dich einmal in die Zeit hinein, wenn die Sonne nicht aufginge, wenn es Nacht bliebe, wenn es Morgens neun Uhr wäre oder elf Uhr und immer noch Nacht. O wie übel wird es dann denen zu Mute sein, die von nichts gewusst haben als vom Irdischen, von Sommer und Winter und Wetter und Säen und Pflanzen und Geraten. Da wird dann den Leuten bange sein. Die Gelehrten werden sagen: es muss ein Komet in der Nähe sein, die Ungelehrten: es muss irgendetwas geben. Man wird einander zu trösten suchen, sie werdens auf das Papier hinrechnen, dass es so habe kommen müssen, Viele werden sich ihre Angst zu vertreiben suchen, indem sie sprechen: lasst uns essen und trinken; dass der HErr Jesus im Anzug ist, wird Niemand denken. Aber gerade alsdann werden sie etwas ganz Unerwartetes noch sehen, das sie sich nicht hatten einfallen lassen, sie werden auf einmal Jesum sehen (V. 27), den schon längst vergessenen, unerkannten, verachteten Jesus - auf einer Wolke, nicht in Schwachheit, in Kraft, nicht in Verachtung, sondern in Herrlichkeit. O wie wird es ihnen dann zu Mute sein, die nicht zu den Seinigen gehören. Das ist die Zeit, wo sie sagen werden: ach wenn nur die Berge uns bedeckten. Luk. 23, 30. (Ludwig Hofacker)