Sie befinden sich hier: Andachtsbibel » Neues Testament » Lukasevangelium » Lukas 1,39
Zuletzt angesehen: Matthäus 18,3 Matthäus 8,16 Psalm 115,13 Prediger 8 Lukas 1,39

Lukas 1,39

Lukas 1,39

Andachten

Maria aber stand auf in diesen Tagen und ging auf das Gebirge endelich (das ist eilfertig) zu der Stadt Juda und kam in das Haus des Zacharias und grüßte Elisabeth.
Der hochbeglückten Maria wird es in ihrer Hütte zu einsam; sie muss sich gegen einen Menschen, dem sie sich ganz hingeben kann, weil er sie ganz versteht, aussprechen. In Nazareth war Niemand, den sie in so geheimnisvolle Gottestiefen hineinschauen lassen konnte. Dass sie auch ihrem Verlobten davon nichts zu sagen wagte, versteht leicht, wer nur etwas vom weiblichen Wesen kennt. Nur Eine war auf Erden, der konnte sie getrost ihr ganzes Herz aufschließen, das war Elisabeth, das Weib des Zacharias, - eine edle mütterliche Freundin und die Pflegerin derselben heiligen Hoffnungen.

Freilich, der Weg von Nazareth zum Gebirge Juda erforderte fast drei Tagereisen. Welch ein Unternehmen für eine einzelne arme Jungfrau, dahin zu wandern! Aber so stark ist der Trieb zur Gemeinschaft, so groß auch der Mut und die Energie dieser einfaltsvollen jungfräulichen Seele, dass sie sich eilend, ohne Zögern auf den Weg begibt, nachdem sie die göttliche Botschaft empfangen hat. Gottes Engel aber ist ihr treuer Schutzmann gewesen. Luther bemerkt zu dieser Reise in seiner originellen kindlichen Weise: „Billig wäre es gewesen, dass man ihr einen güldenen Wagen bestellt und sie mit 4000 Pferden geleitet und vor dem Wagen her getrommelt und geschrien hätte: „Hie fährt die Frau aller Frauen!“ Aber Solches ist alles geschwiegen. Das arme Mägdlein gehet zu Fuß so einen weiten Weg bis in die zwanzig Meilen. Da wäre es kein Wunder, wenn alle Berge gehüpft und getanzt hätten vor Freuden!“ Indessen, so wie kein Wagen gewesen ist, so haben auch die Berge des Tanzes vergessen. Für die Demut und Einfalt der Maria wird das auch heilsamer gewesen sein.

Wie mächtig aber musste es doch die Maria zur Gemeinschaft ziehen, dass sie diese weite Reise wagte und so viel Gefahr, Beschwerde und Hindernis verachtete! Ja, der Trieb zur Gemeinschaft ist gar ein edler gottgezeugter Trieb in der Menschenbrust. Niemand soll sich etwas darauf zu Gute tun, wenn er aller Menschen entraten kann. Das ist, wenigstens in der Regel, mitnichten ein Zeichen von besonderer Hoheit, Frömmigkeit und Seelengröße, sondern von Stolz, Einbildung und Stumpfheit. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei,“ - so sagt Der, der ihn geschaffen hat und ihn also auch am besten kennt. Darum schickt auch Jesus seine Jünger zu zwei und zwei und Paulus ist schier trostlos, wenn er auf seinen Reisen keinen Gefährten zur Seite hat.

Besonders aber in großen Momenten des Lebens, sei es in hoher Freude oder in tiefem Schmerz, finden wir in unserer Brust das schreiendste Bedürfnis nicht nur vor dem unsichtbaren Gott, sondern auch gegenüber einem Menschen, einem sinnlichnahen, uns gleichartigen Wesen, das ganz mit uns empfindet, unser Herz auszuschütten. Dann wird die Not erträglicher, dann wird die Freude doppelt groß. Zum Verzweifeln aber ist's und für Leib und Seele ungesund, wenn man in solcher Zeit Alles in seiner Brust verschließen muss. Wir erinnern hier auch an die Gemeinschaft zwischen David und Jonathan; ja, selbst unserem Heiland war es, nicht nur unter den Todesschatten von Gethsemane, sondern auch auf der lichten Höhe des Verklärungsberges, tief innerliches Bedürfnis Gemeinschaft zu haben.

O wohl Dem, der, zumal in finsteren Zeiten seines Lebens, wenigstens eine Seele hat, die dann nicht flieht und nicht schläft, sondern in Wahrheit mit ihm leidet und mit ihm trägt und mit ihm vor Gott hintritt. Es ist wohl ein Gebet, das durch die Wolken dringen muss, wenn Einer, der einsam steht, seinen Gott um Gemeinschaft bittet. Wer aber klagt, dass er von allen Menschen verlassen sei, der untersuche sich doch auch wohl, ob die Schuld nicht an ihm liegt, ob er nicht zu hochmütig, zu einseitig, zu wählerisch und launig ist. Er ringe nach dem einfaltsvollen Kindessinn der Maria und es wird ihm auf die Dauer an Freunden, wie Zacharias und Elisabeth waren, nicht fehlen.

Gott stehet mir vor Allen
Den meine Seele liebt,
Dann soll mir auch gefallen
Der mir sich herzlich gibt. (Otto Funcke)


Maria aber stand auf in den Tagen, und ging auf das Gebirge endlich, zu der Stadt Juda. Und kam in das Haus Zacharias, und grüßte Elisabeth. Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß Mariä hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und Elisabeth ward des Heiligen Geistes voll, und rief laut und sprach: Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes. Und woher kommt mir das, dass die Mutter meines HErrn zu mir kommt? Siehe, da ich die Stimme deines Grußes hörte, hüpfte mit Freuden das Kind in meinem Leibe. Und o selig bist du, die du geglaubt hast; denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist von dem HErrn.
Unser Text erzählt uns von dem Zusammentreffen der beiden Mütter, welchen so große Gnade widerfahren war. Maria ging zu ihrer Freundin Elisabeth, welche in einer Stadt Judas wohnte, vielleicht in Hebron. Sie wollte in der Stille bei ihr einige Monate verleben, vielleicht um dem Stadtklatsch und auch der Nähe ihres Bräutigams überhoben zu sein. Das sind gewiss köstliche Monate gewesen, welche sie im Hause der Elisabeth zubrachte. Da wurden wohl kaum die Dinge besprochen, welche sonst ein Frauenherz entzücken, wohl aber die Geheimnisse des lebendigen GOttes, die große Gnade, durch welche Er die Seinen erquickt. O, es ist nichts Köstlicheres als um ein so trautes Gespräch über die wichtigsten Fragen des Lebens. Wer von euch hat nicht den Genuss solcher Stunden im Freundeskreise erlebt? und wenn Stunden im Freundeskreise schon köstlich sind, dann sind die Stunden, in denen christliche Freunde über ihren Glaubensgrund mit einander reden, Stunden der Seligkeit. Wenn du sie nicht kennst, dann will ich dir wünschen, dass du sie kennen lernest, und wenn du sie kennen gelernt hast, so wirst du ganz sicherlich dich umso mehr nach der Seligkeit sehnen, wo tagtäglich nicht törichtes Geschwätz getrieben wird, sondern geredet über die wunderbaren, geheimnisvollen Tiefen der Gottheit.

Ach, möchten denn auch unsere Freundschaften immer mehr christliche Freundschaften werden, und möchte der Gegenstand unserer Gespräche immer mehr das wahre Leben sein, dann würden sicherlich auch unsere Herzen voll größerer Seligkeit werden und unser Leben voll Lauterkeit und Wahrheit.

Elisabeth ward nun des Heiligen Geistes voll, als sie die Mutter JEsu Christi vor sich sah, und wo der Heilige GEist das Herz erfüllt, da strömt der Mund vom Lobe GOttes über, da redet der Mensch nicht mehr seine Weisheit, sondern seine Rede ist das Gefäß, da hinein der Heilige GEist die Perlen göttlicher Wahrheit legt. So hat denn auch die Elisabeth als eine Prophetin die Maria als Mutter ihres HErrn begrüßt. Sie hat ausgesprochen, dass das Kind, welches sie unter dem Herzen trug, der HErr aller derer ist, welche selig werden. Ja, sie erzählt, dass selbst das Kind unter ihrem Herzen vor Freuden hüpfte, als es den Gruß der Maria vernahm, denn der HErr JEsus ist ein HErr, dem die Fische im Meere und die Winde in der Luft gehorchen. Wie sollte da nicht das Kind im Mutterleibe Ihm gehorchen und auf Seine Stimme achten?

Selig bist du, die du geglaubt hast, so zeugt die Elisabeth, indem sie auf ihren ungläubigen Mann hinblickt. O, lieber Christ, wie wird einst das Wort auch an uns erfüllt: Selig bist du, der du geglaubt! wenn selbst die Feinde Christi es bezeugen müssen. So lasst uns denn diese Glaubensseligkeit hier erwerben, indem wir nimmer zweifeln, nimmer vom Worte GOttes abweichen. Hier ist es oft schwer und bedenklich, im Glauben treu zu sein; aber wer die Rosen will, darf die Dornen nicht scheuen. Wohl dem, dem einst das Zeugnis wird: Selig, der du geglaubt hast! Amen. (Johannes Paulsen)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/42/lukas_1_39.txt · Zuletzt geändert:
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain