Lukas 10,20
Andachten
Freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen in Himmel geschrieben sind.
Der Herr sandte seine 70 Jünger aus mit der Vollmacht, die Kranken zu heilen und das Reich Gottes zu verkündigen. Unter den Kranken, die sie heilten, waren ohne Zweifel auch besessene, von denen sie die bösen Geister austrieben. Ihre Arbeit hatte Erfolg, und so kamen sie mit Freuden zurück und meldeten dem Herrn, dass ihnen auch die Dämonen in seinem Namen untertan seien. An und für sich war diese Freude berechtigt und erlaubt; allein es war doch eine Gefahr für sie in derselben. Wie leicht konnte ihnen der Erfolg die Hauptsache sein, und wohl auch ein wenig in den Kopf steigen. Daran ist ja schon mancher Arbeiter im Reich Gottes zu Grund gegangen. Deshalb sagt ihnen der Herr: Darinnen freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Der Sinn seiner Worte ist: nicht eure Arbeit ist die Hauptsache; ihr seid die Hauptsache; nicht euer Tun ist das Wichtigste, sondern das, was eure Person ist, was Gott aus euch machen kann, wie ihr selber im Himmel taxiert1) werdet. Dieses Wort gilt einem jeden Christen. Man kann scheinbar große Taten tun und dabei ewig verloren gehen. Der Herr selber sagt in Matthäus 7,22.23: es werden viele zu mir sagen an jenem Tag: Herr, Herr, haben wir nicht in Deinem Namen geweissagt? haben wir nicht in Deinem Namen Teufel ausgetrieben? haben wir nicht in Deinem Namen viele Taten getan? Dann werde ich ihnen bekennen: ich habe euch noch nie erkannt, weicht alle von mir, ihr Übeltäter. Sehen wir vor Allem darauf, dass wir bei unserem Wirken in der Demut bleiben; dass wir das tun, was der Herr uns aufträgt, und geben wir allein ihm die Ehre, wenn er uns Erfolg schenkt.
Ach Herr! wie arm sind wir doch! Wie leicht kommt Selbstgefälligkeit in das beste Tun hinein. Bewahre Du mich und erhalte mich bei aller Arbeit täglich im Wachen und Beten. Amen. (Elias Schrenk)
Schon gestern sind diese Worte des Herrn an seine siebzig Jünger berührt worden. Sie sind aber so wichtig, dass wir noch einmal darauf eingehen wollen. Etwa acht Mal ist im alten und neuen Testament in verschiedener Weise von Menschennamen die Rede, die im Himmel angeschrieben sind. Schon Mose glaubte nach 2. Mose 32,32, dass sein Name in Gottes Buch geschrieben sei. David redet in Psalm 69,29 ebenfalls von einem Buch der Lebendigen, was aber einen etwas anderen Sinn haben kann, als bei Mose. Auch Daniel in Kap. 12,1 kennt ein Buch Gottes für sein Volk, das errettet werden wird, Paulus nennt dieses Buch in Philipper 4,3 „das Buch des Lebens“. In Offenbg. 3,5 und 17,8 heißt das Buch ebenfalls das Buch des Lebens und in Offenbg. 13,8 und 21,27 wird es „Buch des Lebens des Lammes genannt, das geschlachtet ward“. Von den in diesem Buch eingeschriebenen Namen heißt es zwei Male in Offenbg. 13,8 und 17,8: geschrieben von Grundlegung der Welt an. Alle diese Stellen sind wichtig und beleuchten einander. Von Grundlegung der Welt an hat Gott zuvor erkannt, wer seinem Gnadenruf folgen und gerettet werden wird Röm. 8,29; und von Grundlegung der Welt, ehe nur ein Mensch geschaffen war, stehen die Namen aller Geretteten im oberen Heiligtum vor Gottes Angesicht. Alle die, deren Namen im Buche des Lebens des Lammes stehen, sind durch das Lamm Gottes aus dem Tod errettet worden und haben ihr Leben durch das Lamm empfangen. Willst du zur Gewissheit kommen und dich freuen, dass dein Name im Himmel angeschrieben sei, so musst du alle deine Sünden auf das Lamm Gottes legen und glauben, dass auch du in die durchgrabene Hand des Lammes gezeichnet bist. Alle mit Jesu dem Gekreuzigten im Glauben Verbundenen stehen im Buch des Lebens Des Lammes.
Lamm Gottes, für mich erwürgt! Anbetung und Dank sei Dir, dass durch Dein Blut auch mein Name droben geschrieben ist. Amen. (Elias Schrenk)
“Doch darin freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“
„Freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.“ Mir ist es lieb, dass diese Freude aus dem Glauben entspringt und dass dies die Freude ist, der wir uns völlig hingeben dürfen, weil es eine ist, in der alle Heiligen sich vereinigen können und ihren Anteil daran haben. Wenn du an den Herrn Jesus Christus glaubst, so darfst du, auch wenn du nur wenig für Ihn tun kannst, dich doch freuen, dass dein Name im Himmel angeschrieben ist. Hierüber kann die bettlägerige Schwester sich freuen! Hierüber kann der unheilbare Kranke frohlocken. Das Kind Gottes, dessen Zunge durch Schwachheit gebunden und dessen Kämpfe mit Teufeln auf sein Kämmerlein und sein Krankenzimmer beschränkt sind, kann herkommen und sagen: „Auch ich kann mich freuen, dass mein Name im Himmel angeschrieben ist.“
Und dann freue dich an diesem Tag über die Gnade, welche deinen Namen in jenem himmlischen Buch erhalten hat, so dass über dich jene alte Drohung des Gesetzes keine Macht gehabt hat: „Ich will den aus meinem Buch tilgen, der an mir sündigt.“ 2. Mose 32, 33. Bis hierher hast du unter jenen gestanden, von denen der Geist ausdrücklich in der Offenbarung spricht: „Wer überwindet, der soll mit weißen Kleidern angelegt werden; und ich werde seinen Namen nicht austilgen aus dem Buch des Lebens, und ich will seinen Namen bekennen vor meinem Vater und vor seinen Engeln.“ Da steht dein Name noch immer in dem lebendigen Buch des Lammes verzeichnet, obgleich wohl manche Träne von dir darauf fallen könnte, wenn du denkst, welche Gnade es ist, die ihn da erhalten hat und für immer erhalten wird. Ein Name unter den Söhnen und Töchtern Gottes ist weit besser für dich, als wenn dein Namen im Fürstenkalender geschrieben wäre. Dass es im Buch des Lebens steht, verbürgt dir Friede, Freude, Sicherheit, Segen für jetzt und sichert dir künftig einen Platz unter dem im Blut gewaschenen Heer in den „vielen Wohnungen“, dahin Christus gegangen ist, um sie zu bereiten für die, welche der Vater Ihm gegeben hat.
Und beugten dich auch Schmerz und Weh
In deinem Pilgerlauf:
Ein Augenblick in Jesu Näh‘
Wiegt tausend Schmerzen auf (Charles Haddon Spurgeon)
Darinnen freut euch nicht, dass euch die Geister untertan sind; freut euch aber, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
Luk. 10.20.
Das edle Gewächs, das Jesus in seine Jünger pflanzte, hat er sorgsam vor Beschädigung behütet. Das Größte, was er ihnen gab, war die Liebe, die die Gequälten heilt und die Gebundenen befreit. Um zu helfen, braucht die Liebe Macht und Jesus gibt ihr Macht und Sieg auch über das Satanische. Weil sie das Größte ist, was er uns gibt, verleiht sie uns auch die stärkste und reinste Freude. Wie könnte es eine andere Freude geben, die sich neben die stellen ließe, die dann hell und voll durch unsere Seele rauscht, wenn wir helfen konnten und die Heilandsmacht Jesu durch unseren Dienst wirksam wurde? Aber je edler ein Gewächs ist, um so schmerzhafter ist es, wenn Schädlinge an ihm nagen; um so mehr bedarf es der Hut, die es vor Verletzungen bewahrt. Leicht drängt sich auch in unsere Liebe das eigensüchtige Begehren hinein, indem unser Blick bei der Macht verweilt, die uns zuteil wurde, und den Erfolg genießt, den wir errungen haben. So beugen wir uns auf uns selbst zurück und erwecken in uns das Wohlgefallen an uns selbst, das Kraftgefühl des Siegers, der trotzig spricht: „Und wenn die Welt voll Teufel wär!“ Jesus schalt die Freude der Liebe, die seine Jünger erquickte nicht, sondern schützte sie dadurch, dass er über die Freude der Liebe die Freude des Glaubens setzt. „Euer Name steht im Buch des Lebens“, das zu wissen beschenkt uns mit der Freude des Glaubens. Heftet sich unser Blick auf das, was wir für die anderen bedeuten und ihn zu geben vermögen, dann ist die Stunde da, in der der Glaube hervortritt und sich über die Liebe stellt. Nun verschwinden die anderen wieder völlig und alles Erreichte versinkt und vor uns steht wieder die Frage nach unserem eigenen Heil und die Antwort, die ihr Jesus dadurch gibt, dass er uns die frei gebende Gnade Gottes zeigt, die unseren Namen in das Buch des Lebens schrieb. Bedeutung, Geltung und Unvergänglichkeit bekommt unser Name nicht durch das, was unsere Liebe schafft, sondern durch das, was Gottes Gnade unserem Glauben gibt. Er allein ist und bleibt auch in der höchsten Machtübung unserer Liebe unsere Gerechtigkeit.
Durch deine Gnade bin ich, Vater, in mein Werk gestellt. Es muss aber dein Werk bleiben und verdirbt, wenn ich es zum meinigen mache. Löse mich in der Kraft deines Wortes und Geistes von allem, was ich bin und schaffe, von meinen Sünden und von meinem dir dienenden Werk, damit ich auf deine Gnade traue und deinen Namen preise, nicht den meinen. Amen. (Adolf Schlatter)
Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind.
Wer seinen Geburtstag feiert, steht auf der Warte und lässt die Jahre, welche gewesen sind, an sich vorübergehen. Sein Blick fällt auf die Barmherzigkeit Gottes, die so lang und alt geworden ist wie sein Leben. Und auf diese schaue du auch. Gedenke daran, dass der Herr, dein Gott, dich geführt hat. Siehe an seine gnädige Bewahrung die ganze Zeit des Lebens hindurch. Wie oft hat er dich verschonet mit seinen wohlverdienten Strafen! In wie vielen Trübsalen hat er dich gestärkt und oben erhalten! Er ließ dich sinken, aber nicht ertrinken. Wer ist denn dein Führer und Regent gewesen? Wer hat dich erzogen? Wer hat, was du böse gemacht hattest, wieder gut gemacht? Gott waltete über dir, er führte ungesehen ein oberes Regiment; er griff hier und dort mit seiner starken Hand ein. Du erkanntest, wie das, was du nach deinem blöden Verstande für dein größtes Glück hieltest, meist dein Unheil war. Du erkanntest aber auch, wie die Führungen, welche dich Anfangs so schwer däuchten, dein Segen geworden sind.
Herr, lass mich eingedenk sein deiner großen Barmherzigkeit, die von Kindesbeinen an mich gehalten, getragen und errettet hat. Lass mich recht bedenken, wie ich mit jedem Jahre meinem Tode einen großen Schrift näher gekommen bin. Ich weiß nicht, ob ich noch ein Jahr übrig habe und ob ich hier auf der Erde meinen Geburtstag noch einmal feiere. Darum gib mir Barmherzigkeit, dass du, wenn du kommst mich von der Erde abzurufen, mich im Glauben bei dir findest und mich mitnehmen könnest in deine Herrlichkeit. So lange ich lebe, lass mich dir leben, damit ich, wenn mein letztes Stündlein kommt, auch dir sterbe. Behüte mich, dass mich der Feind nicht noch verderben und aus deiner Hand reißen dürfe. Amen. (Friedrich Ahlfeld)