Markus 16,2
Andachten
Sie kamen sehr früh zum Grabe — um die Zeit des Sonnenaufgangs, und fragten: Wer wird uns den Stein vom Grab wälzen? Als sie aber hineinblickten, sahen sie, dass der Stein weggewälzt war.
Die Jüngerinnen des Herrn sind früh aufgestanden, um den Herrn ohne Furcht und Säumen zu suchen. Weder die Wache, noch der große Stein, den sie nicht heben konnten, noch das Siegel, das die Pharisäer darauf drückten, noch sonst eine Besorgnis konnte ihre heiße Liebe abschrecken. O wenn die Liebe sucht, so findet sie allemal; denn sie glaubt alles und hoffet alles und duldet alles, um zu Zwecke zu kommen. Sie denkt: ich muss ihn finden, denn ich muss ihn haben, und wenn tausend Steine, wenn Berge im Wege lägen. Wo aber Gott solchen Ernst der Liebe sieht, da hebt er auch die Steine weg, die wir nicht heben können, und wirft die Berge ins Meer, die wir nicht übersteigen können findest du auch große Steine in deinem Wege und mancherlei Hindernisse in deinem Gange, wie die Frauen beim Grabe; findest du Jesum nicht sogleich in dir, so harre sehnsuchtsvoll, stehe früh auf und lass nicht ab, so wirst du ihn gewiss finden. Du kannst dir alle Tage einen Ostermorgen, eine Osterfreude verschaffen, wenn du alle Morgen so frühe aufstehst, so sehnsuchtsvoll suchest, so unverdrossen harrest und so heiß und brünstig verlangest nach dem auferstandenen Heiland, wie Maria. Wer sucht, der findet. (Johannes Evangelista Gossner)
Und sehr frühe am ersten Tag der Woche kamen sie zum Grabe, als die Sonne aufging. Und sie sagten zu einander: wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen dahin und wurden gewahr, dass der Stein abgewälzt war; denn er war sehr groß.
Die treue Liebe des Joseph von Arimathia wälzte einen großen Stein vor das Grab des Heilandes, zur Verwahrung seines Leichnams. Das böse Gewissen und der Hass der Hohenpriester und Pharisäer versiegelten den Stein, und verwahrten ihn mit Hütern, die sie von Pilatus erbeten hatten. So musste Liebe und Hass dazu dienen, dass die Auferstehung des Herrn von den Toten um so gewisser bezeugt wurde. Es ist lieblich zu sehen, wie die drei Frauen Maria Magdalena, Maria des jüngeren Jakobus und Salome, die nicht von Jesu Kreuze wichen, bis er verschieden war, auch am Ostermorgen wieder die ersten sind, die zum Grabe eilen, um ihn zu salben. Gewiss alle drei, besonders aber Maria Magdalena hatte den Herrn in tiefgehender Weise am Herzen erfahren und so erfüllte sie eine Liebe, die der schmachvolle Kreuzestod nicht erschüttern konnte. Wohl uns, wenn auch in unseren Herzen durch die rettende Gnade des Heilandes die Liebe und Treue für ihn wohnt, die keine Schmach austilgen kann, die ewig ist. Diese Liebe trieb sie zum Grabe; noch einmal wollten sie ihm im Tode dienen, nachdem sie ihm im Leben so treulich gedient hatten. Sie seufzen: wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Beantworten konnten sie diese Frage nicht und doch setzten sie ihren Gang zu dem Grabe fort, in der stillen Hoffnung, irgend Jemand werde ihnen Hilfe leisten; ihre Herzen schwebten an jenem Morgen zwischen Furcht und Hoffnung, und in Augenblicken mochte jene Ahnung auftauchen, die so oft der Vorbote seliger Freude ist. Der Stein war weggewälzt. Der Vater, der seinem Sohne Engelsdienst sandte, als er in Gethsemane mit dem Tode rang, sendet ihm, dem Todesüberwinder, wieder Engelsdienst am Ostermorgen. Ein himmlischer Bote muss ihm das Grab öffnen, trotz Siegel und Hütern. Das Grab ist leer; Halleluja! Von nun an sind alle Feinde machtlos und bleiben es, bis sie alle zum Schemel seiner Füße gelegt werden. Er, der eine kleine Weile unter die Engel erniedrigt war, ist nun mit Preis und Ehre gekrönt.
Ja, Dein Grab ist leer. Vor Dir dem Todesüberwinder beuge ich mich. Dir huldige ich als meinem Herrn und Gott. Dir verschreibe ich mich als ewiges Eigentum. Amen. (Elias Schrenk)
Predigten
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