Matthäus 6,16
Andachten
Religiöses Fasten ist eine Pflicht, die von den Jüngern des Herrn verlangt wird, aber es ist nicht so sehr eine Pflicht an sich, als ein Mittel, um uns für andere Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Fasten ist die Erniedrigung der Seele (Psalm 35,13). Dies ist das Eigentliche der Aufgabe. Lass dies daher zuerst dein Hauptanliegen sein, und trachte nach außen hin nicht danach, dass es gesehen wird. Gott sieht in ein Geheimnis hinein und wird reichlich belohnen. (Matthew Henry)
Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer sehen, wie die Heuchler; denn sie verstellen ihre Angesichter, auf dass sie vor den Leuten scheinen mit ihrem Fasten. Wahrlich, ich sage euch, sie haben ihren Lohn dahin. Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt und wasche dein Angesicht. Auf dass du nicht scheinst vor den Leuten mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, welcher verborgen ist, und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten öffentlich.
Nirgends hat der Herr das Fasten geboten, nirgends aber auch hat Er es verboten, indes geübt hat Er es selbst und dadurch es geheiligt. Das Fasten muss also sein Gutes haben, und auch Luther sagt, Fasten und leiblich sich Bereiten sei eine feine äußerliche Zucht. Und warum dies? Weil das zeitweilige Enthalten von Speise und Trank die Seele frei und nüchtern macht zum Wachen und Beten, zur Selbstbeschauung und zur Anschauung Gottes, woran der Leib so oft uns hindert, namentlich, wenn er durch den Genuss von Speise und Trank noch träger gemacht wird, als er sonst ist. Und so lange wir im Leibe wallen, wird derselbe allzeit einen großen Einfluss auf unsern Geist ausüben, welchen, so viel als möglich zu brechen, unsere stete Sorge sein muss, denn es wohnet in unserem Leibe nichts Gutes, und seine Lüsten streiten beständig wider die Seele. Es ist wohl nicht zu leugnen, dass die vervielfältigten und verfeinerten Leibesgenüsse, welche dem Geschlechte unsrer Tage zu Gebote stehen, das Ihre dazu beitragen, dasselbe so weltselig und so ungeistlich zu machen, wie es ist, und das Fasten kann daher denselben nur empfohlen werden. Aber das rechte Fasten. Das Fasten der Pharisäer, welches sie zweimal wöchentlich übten, tadelte der Herr als ein falsches und heuchlerisches. Am Tage fasteten sie zwar, aber am Abend holten sie das Versäumte ein; sie gingen an ihren Fasttagen so sauer einher, dass Jedermann es sehen musste, sie hätten Fasttag. Es war ihnen aber nicht um ihre Heiligung zu tun, sondern darum, vor den Leuten als solche zu scheinen, die es sich um die Sorge für ihre Seele sauer werden lassen. Und weil ihr Fasten nichts war, als ein äußerliches Werk, mit welchem sie sich berühmt machen wollten den Leuten, und welches daher ihren Seelen nicht förderlich, sondern hinderlich war, so gibt uns der Herr die Vorschrift, wir sollten unser Fasten vor den Leuten zu verbergen suchen, damit uns sein Segen nicht verloren gehe. Denn alles bloß äußerliche Werk ist immer vom Nebel, weil es uns darauf bringt, als hätten wir dadurch ein Verdienst vor Gott und Menschen. Geht es aber aus der Absicht, deine Seele nüchtern und frisch zum Gebet zu machen, so wirst du es dir eben so wenig zum Verdienst machen wollen, wie wenn du zur Genesung des Leibes die gewöhnliche Speise dir versagst. Aber auch das vorgeschriebene und aufgezwungene Fasten ist nicht das rechte. Es ist Gesetzeswerk und geschieht mit saurem Gesichte. Es ist ein neues Aufhalsen des knechtischen Joches, davon uns Christus befreit hat, und wird immer zu einem bloßen Formelwesen, bei welchem wir mehr scheinen, als wir sind, und bei welchem die Seele Gott nicht näher, sondern ferner gerückt wird. Willst du aber fasten, so faste im Verborgenen, freiwillig, und einzig aus dem Grunde, deine Seele zum Wachen und Beten zu ernüchtern und zu ermuntern. Es ist aber noch ein anderes Fasten, welches nicht bloß von Zeit zu Zeit, sondern unausgesetzt gehalten sein will, nämlich die Mäßigkeit bei jeglichem Genuss von Speise und Trank, die Herrschaft über alle Begierden des Leibes, die Versagung auch sonst erlaubter Vergnügen, wenn es die Pflicht erfordert, und die Erhaltung der Nüchternheit und Besonnenheit jeden Augenblick des Lebens. Wie der Apostel ermahnt: „Habt nicht lieb die Welt, noch was in der Welt ist; denn wer die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters. Wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde. Die da Weiber haben, als hätten sie keine; die sich freuen, als freuten sie sich nicht; die da weinen, als weinten sie nicht, die dieser Welt brauchen, dass sie derselbigen nicht missbrauchen. Und was ihr tut, das tut Alles zu Gottes Ehre.“ (Anton Camillo Bertoldy)