Matthäus 5,11
Andachten
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und reden allerlei Übels wider euch, so sie daran lügen.
Dies ist auch eine große, schwere Verfolgung, und (wie gesagt) das rechte Leiden der Christen, dass man sie aufs allerbitterste und giftigste lästert und schmähet. Denn ob wohl andere Leute auch müssen Verfolgung leiden, dass man ihnen Gewalt und Unrecht tut, so lässt mans dennoch daran genug sein, dass sie ihre Ehre und guten Namen behalten. Darum ist solches noch nicht ein recht christlich Leiden. Denn hier ists nicht genug, dass man ihnen alle Marter und Plage anlegt, sondern muss dazu ihren Namen aufs allerschändlichste anspeien und durchlästern, so dass die Welt noch herrlich rühme, wenn sie die Christen würget, sie habe die ärgsten Buben hingerichtet, so die Erde nicht habe können tragen, und habe Gott den größten, angenehmsten Dienst getan, wie Christus sagt Joh. (16, 2), dass kein schmählicher und schändlicher Name auf Erden kommen ist, denn eines Christen, und kein Volk, dem man so bitter feind ist und mit so bösen, giftigen Zungen zusetzt, als den Christen.
Darum sage ich abermals. Wer ein Christ will sein, der wisse des zu gewarten, dass er solche Verfolgung von giftigen, bösen Lästermäulern leiden muss (sonderlich, wo sie mit der Faust Nichts vermögen), dass er alle Welt ihre Zunge an ihm wetzen und auf ihn zielen, stechen und hauen lasse, und er dagegen solches Alles nur trotzig verachte und dazu lache in Gottes Namen, und lasse sie zürnen in ihres Gottes, des Teufels, Namen, auf den Trost und Sicherheit, wie gesagt, dass unsere Sache recht und Gottes eigen ist, welches auch sie selbst bestätigen müssen, ob sie uns wohl verdammen und doch sagen, es sei die Wahrheit. Dazu unser Herz und Gewissen vor Gott sicher ist, dass wir recht lehren. Denn wir ja nicht aus unserm Kopfe und eigener Vernunft oder Weisheit lehren, noch unsern Nutzen, Gut oder Ehre bei der Welt damit suchen, sondern allein Gottes Wort und Werk predigen und preisen.
Dagegen sie, unsere Feinde, Nichts, denn ihr eigen Werk, Verdienst und Heiligkeit rühmen, und uns, die wir solches nicht mit ihnen treiben, darüber verfolgen. Denn sie verfolgen uns nicht, als seien wir Ehebrecher, Räuber oder Diebe, können die verzweifeltsten Schälke und Buben wohl unter sich leiden, sondern darüber erhebt sich ein Zetergeschrei, dass wir ihre Lehre und Leben nicht wollen recht heißen, und allein das Evangelium, Christum, den Glauben, und recht gute Werke preisen, und also nicht für uns, sondern Alles um des Herrn Christi willen leiden. Darum wollen wirs auch mit ihnen aussingen, und so harten Kopf sollen sie nicht haben; wir wollen noch härteren haben. Denn sie sollen noch kurzum den Mann lassen bleiben, es sei ihnen lieb oder leid. (Martin Luther)
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um Meinetwillen schmähen und verfolgen.
Schon damals, da der HErr Jesus die Bergpredigt hielt, welches bald nach dem Anfang Seines öffentlichen Lehramts geschah, standen die Menschen in der Gefahr, um Seinetwillen geschmäht und verfolgt zu werden, denn Er hatte Sich zu Jerusalem durch Seinen Eifer, womit Er die Käufer und Verkäufer aus dem Tempel getrieben hatte, und durch die missverstandene Rede von dem Abbrechen und Aufrichten des Tempels verhasst gemacht, Joh. 2., und in der Bergpredigt selber zu vieler Leute Erstaunen öffentlich gesagt: es sei denn eure Gerechtigkeit besser, denn die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so könnt ihr nicht ins Himmelreich kommen. Wenn sich also einige Leute zu Ihm hielten, so konnte man sagen: diese sind Anhänger desjenigen, der zu Jerusalem hat ein Reformator sein wollen, und die Hohenpriester und den Hauptmann des Tempels dadurch beschimpft hat, dass er den Jahrmarkt zerstört hat, den dieselben geduldet und gebilligt haben; und diese halten es mit dem Mann, der die Gerechtigkeit der Schriftgelehrten und Pharisäer, welche die Frömmsten im Volk sind, öffentlich verworfen hat. Hernach kam’s mit dem Hass und der Schmach noch weiter, wie allen verständigen Christen bekannt sein kann.
Zu unserer Zeit kann man mitten unter den Christen um Christi willen geschmäht und verfolgt werden, wenn man nämlich wie Er wider das ungöttliche Weltwesen und die alten sündlichen Gewohnheiten, welche von der Welt privilegiert sind, eifert, und wenn man sowohl mit Worten als auch durch einen vorsichtigen und heiligen Wandel offenbart, dass man die falsche Gerechtigkeit unbekehrter Christen verwerfe, oder wenn man durch einen lebendigen und tätigen Glauben die Welt verdammt, wie von Noah Hebr. 11,7. gesagt wird. Wer dieses tut, wird von der Welt geschmäht und verfolgt, weil man ihm entweder eine Ketzerei oder wenigstens einen Mangel der Liebe und Klugheit und böse Absichten beimisst. Dass aber dieses eine alte Weise sei, kann man aus dem Buch der Weisheit lernen, wo Kap. 2. den Gottlosen diese Rede in den Mund gelegt wird: lasse uns auf den Gerechten lauern, denn er macht uns viel Unlust, und setzet sich wider unser Tun, und schilt uns, dass wir wider das Gesetz sündigen, und rufet aus unser Wesen für Sünde. Er gibt vor, dass er Gott kenne, und rühmet sich, Gottes Kind (zu sein, und) strafet, was wir im Herzen haben. Er ist uns nicht leidlich auch anzusehen, denn sein Leben reimet sich nicht mit den Anderen, und sein Wesen ist gar anders. Er hält uns für untüchtig, und meidet unser Tun als einen Unflat. Selig sind diejenigen, die auf diese Weise um Christi willen geschmäht und verfolgt werden, und was wäre mehr zu wünschen, als dass es viele solche lautere und standhafte Christen gäbe, deren Leben sich in keinem Stück mit dem Leben der Maulchristen reimte, und deren Wesen gar anders wäre, als das Wesen der Welt. Wehe aber denjenigen, die sich der Welt gleich stellen und dadurch gefällig machen, die um des Bauches willen heucheln, und schweigen, wo sie zeugen sollten, und lächeln und bejahen, wo sie weinen und bestrafen sollten. Solche Leute verfehlen oft bei der Welt ihren Zweck wie Bileam, und ziehen sich überdies die Ungnade des großen Gottes zu. (Magnus Friedrich Roos)
Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen, und allerlei Übels wider euch reden, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost, es wird euch im Himmel wohl belohnet werden.
Die Jünger Jesu, die treu und offen zu ihm stehen und seine Sache vertreten, haben es schriftlich vom Herrn, dass sie von der Welt gehasst werden. Matth. 10,22; 24,9, Joh. 15,18.19. Licht und Finsternis bleiben im Gegensatz. Ist nicht viel von diesem Gegensatz und Hass zu sehen, so steht es nicht richtig mit dem Geistesleben derer, die Jünger Jesu sein wollen. So lange der Feind keine Gefahr sieht, rumort er nicht; scheint aber das Licht helle, so begehren die Kinder der Finsternis auf. Schimpfreden, böse Nachreden, allerlei Verleumdungen und Lügen sind die gewöhnlichen Äußerungen des Zornes der Gottlosen, und es wird darin Großes geleistet. Unter Umständen wagt man es auch, sich am Leben und an der Person der Jünger des Herrn zu vergreifen. Wohl uns, wenn das Wort des Herrn in solchen Tagen gilt: „sie lügen“. Es könnte ja auch anders sein: man kann auch leiden müssen, wegen falschen Eifers, aus Torheit, Taktlosigkeit, oder wegen noch bedenklicherer Ursache. Das ist dann traurig und schadet der Sache des Herrn viel. Der Herr bewahre uns vor solchem selbstverschuldeten Leiden.
Leiden wir um Jesu willen, so heißt uns der Herr fröhlich und getrost sein. Diese Stimmung versteht sich nicht von selbst, man lernt sie nur im Leiden. Vielleicht leidest du erst mit innerem Widerwillen und hast keinen Segen; oder aber leidest du mit Geduld, ohne Faust in der Tasche; dazu gehört schon viel Gnade. Willst du aber fröhlich und getrost fein bei Schmach, Lästerung, Lügen und Verfolgung, so gehört noch mehr Gnade dazu. Diese Gnade hatten die Apostel und nach ihnen Tausende. Habe ich ein reines Gewissen, verzichte ich ganz auf alle Ehre der Welt, und habe ich erkannt, dass Leiden um Jesu willen das höchste Ehrenzeichen in dieser Welt ist, dann kann ich fröhlich und getrost sein. Unser Weg geht durch Leiden zur Herrlichkeit, und die Herrlichkeit ist unser großer Lohn im Himmel. Lass es sich nicht befremden, wenn der Heiland dir praktische Übung gibt, damit du erkennest, ob du unter Lästerung und Lügen fröhlich und getrost sein könnest. Ohne Praxis lernst du das nicht.
Herr, bringe mich in die Gemeinschaft Deiner Leiden, damit ich Dich allewege verherrliche. Amen. (Elias Schrenk)