Matthäus 5,1
Andachten
Es ist eins der wichtigsten Kapitel der Heiligen Schrift, das wir gelesen haben, und gegen welches wir uns so oft versündigen, indem wir bald zu viel aus dem Gesetze machen und durch des Gesetzes Werke gerecht werden wollen vor Gott, bald wieder zu wenig daraus machen, indem wir meinen, weil Du, Herr Jesu, das Gesetz erfüllt habest, so seien wir davon frei und können durch einen werklosen Glauben selig werden. Lehre Du uns die rechte Mittelstraße Deines Evangeliums, dass wir als arme Sünder in Glauben ergreifen Deine vollkommene Gesetzerfüllung, um dadurch vor Gott gerecht zu werden, hernach aber auch Deinem Lebensbeispiele zu folgen, und nach demselben das Gesetz zur Richtschnur unseres Tuns und Lassens machen in rechtschaffenem Fleiße der Heiligung. Wir wissen ja, dass Du nicht nur das Gesetz und die Propheten vor uns und für uns erfüllt hast, sondern sie auch in uns und durch uns erfüllen willst, und das Gesetz nicht aufhebest, sondern aufrichtest. Und du willst es in uns tun und in uns das Wollen und Vollbringen des Guten wirken nach Deinem Wohlgefallen, wenn wir nur glauben, nur Deine Gnadenmittel fleißig brauchen und bitten um den heiligen Geist. Wenn wir in fröhlichem Glauben die Versöhnung ergreifen, die in Dir geschehen ist, so haben wir die alten Sühnopfer vollendet; und wenn wir Dich täglich loben und preisen, dass Du uns errettet hast aus der Obrigkeit der Finsternis und versetzet in Dein Gnadenreich, so sind das unsere Dankopfer. Komm denn täglich zu uns aufs neue, Herr Jesus, am Morgen und am Abend, als unsere einzige und ewige Gerechtigkeit, als der Christus für uns und in uns; komm auch jetzt, und wasche uns von allen heutigen Sünden rein und mache uns Deinem Vater wohlgefällig und angenehm durch Dein heiliges Verdienst. Du bist des Gesetzes Ende, seine vollen Enthüllung und Erfüllung, auch in uns, und Du bist des Evangelii Inhalt und Kraft, lauter „Nein, Nein“ zu allem, was ungöttlich und schädlich ist, lauter „Ja, Ja“ zu allem, was heilig und zum wahren Besten dienlich ist. Du bist Anfang, Mittel und Ende, unser A und O, im Leben und im Sterben. Amen. (Friedrich Arndt)
Da Jesus aber das Volk sah, ging er auf einen Berg und setzte sich, und seine Jünger traten zu ihm.
Der Herr hat sich niedergesetzt auf dem Berge. Zunächst um ihn stehen seine Jünger, dann folgt am Bergabhange und in der Ebene das Volk. Der Berg aber wird uns in jeder Weise bedeutungsvoll. Denken wir an die Natur, so weht auf den Bergen eine gesunde, frische Luft, und Tausende, welchen im Gewühle der Städte ihre Gesundheit schwankend geworden, suchen sie in dieser Zeit in den Bergen zu stärken. Eine rechte Lebensluft weht auch von diesem Berge herab. Freilich ist sie gar fühl für den weichlichen natürlichen Menschen. Von den Bergen strömen die frischen Quellen, welche Pflanzen und Tiere und Menschen erquicken. Ist doch jedes Wort der Bergpredigt ein solcher Quell. Keiner ist bis heute vertrocknet, keiner hat sich an den durstigen Herzen unbezeugt gelassen. Denken wir in die Geschichte zurück, so ist einst auf dem Berge Sinai das Gesetz gegeben worden. Jesus Christus, Er die Gnade und Wahrheit selber, sizt auf lieblichem Hügel und verkündigt von da herunter das Grundgesetz des neuen Reiches. War das Gesetz gegeben unter Blitz und Donner, war dort an jedes Gebot sein Fluch angeknüpft: so thronet hier der Herr auf seinem Berge in unaussprechlicher Barmherzigkeit. Die Liebe ruht auf seinem Angesichte; die Herzen erbeben von Wort zu Wort durch die überschwängliche Gnade, welche dem Sünder verkündigt wird; und anstatt des Donners und Fluches heißt es: „Selig, selig“, und immer wieder: „selig.“
O treuer Heiland, auch wir wollen uns im Geiste mit zu deinen Füßen setzen, um deine lieblichen Worte zu hören. O lass von heiliger Höhe, von den Bergen von welchen uns Hilfe kommt, deine Seligpreisungen herab zu uns bis ins tiefste Herz klingen. Mache uns deine heilige Wahrheit so lieb, dass wir uns diesen ganzen Tag an sie halten. Lass deine Stimme mitten im Geräusch des Tages zu uns dringen, dass sie uns halte, tröste, mahne, warne und immer inniger zu dir rufe. Amen. (Friedrich Ahlfeld)