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Matthäus 22,11

Matthäus 22,11

Andachten

Da ging der König hinein, seine Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an.
Einer von den Hochzeitgästen wurde ausgestoßen, und der war ohne Zweifel der Ansehnlichste; denn dass er kein Hochzeitkleid annehmen wollte, beweiset deutlich, dass er keiner von den Bettlern, keiner von den abgerissenen Pflastertretern, sondern, dass er wohl bekleidet gewesen. Es war eine alte Gewohnheit, dass man Hochzeitkleider bekam, auch die reichsten, vornehmsten Leute erhielten ein Feierkleid umsonst, wenn sie zur Hochzeit kamen. Es ist nicht möglich, dass einer von den Bettelleuten das Kleid sollte verworfen und nicht vielmehr sich dessen gefreut haben, wenn er halbnackend gekommen wäre, und man hätte ihm ein Kleid gegeben, er würde Gott gedankt haben, dass er ein Kleid bekäme. Aber ein, entweder natürlich angesehener, oder tugendhafter Mann, voll geistlicher Gaben, voll Geschicklichkeit und Verdienste, fand nicht nötig ein Kleid anzunehmen, weil er vielleicht dachte, sein eigen Kleid wäre besser; - und er wurde mit Unehre hinausgeworfen, weil er nicht aussehen wollte, wie die andern, und sich das Feierkleid hatte schenken lassen. Was das für ein Kleid ist, wissen wir. Christi Blut und Gerechtigkeit ist das bekannte Ehrenkleid, damit man kann vor Gott bestehen, wenn man zur Freude soll eingehen. (Johannes Evangelista Gossner)


Errettet werden wollen, ist was wir sollen. Gott zwingt uns nicht. Wir müssen unsern Willen dazu hergeben, und seinem Ruf und Zug folgen; wir müssen den Weg zur Seligkeit antreten, sonst kommen wir nie zum Ziel. Aber mit solch einem ersten Anfang ist es eben noch nicht ausgerichtet. Im Vorzimmer des Königs geht etwas vor, das man sich auch muss gefallen lassen, wenn man als ein würdiger Gast zu Tische sitzen will. Der König hat die Art an sich, dass er seine Gäste nur in feinen, des Königs, Kleidern sehen will. Zu dem Ende hat er die Einrichtung getroffen, dass im Vorzimmer des Hochzeitsaals herrliche königliche Kleider bereit liegen, die von den Gästen angezogen werden müssen, nachdem sie ihre eigenen mitgebrachten Kleider ausgezogen haben. Wenn dann der König hineingeht, die Gäste zu besehen, so schaut er mit seinen feuerflammenden, Alles durchdringenden Augen vorzüglich in der Absicht auf die Gäste umher, um zu sehen, ob sie auch alle in seinen königlichen Schmuck gekleidet seien. Wenn wir nun dies Alles ohne Bild und Gleichnis sagen sollen, so heißt es ungefähr so viel: es ist nicht genug, dass man anfänglich eine Willigkeit zeigt, dem Ruf der Knechte zu folgen; es muss auch eine Willigkeit da sein, sich allem dem zu unterwerfen, was zur Zubereitung auf die selige Ewigkeit gehört. Es ist wahr, der Heiland hat uns die Seligkeit erworben; aber er hat uns nicht nur diese erworben, sondern auch die unaussprechliche Gnade, dass wir können durch den Glauben an ihn gereinigt und vorbereitet und würdig gemacht werden zum Gastmahl des Königs. Was meint ihr? Meint ihr, der Heiland wolle Säue und Wölfe und Bären an seinem Tisch haben, welche Naturen doch an dem unbekehrten Menschen nicht selten sichtbar sind? Solche Naturen würden auch gar keine Freude am Tisch des Heilandes haben, sondern Langeweile. Wenn unser irdischer König heute einen verlaufenen Bettelknaben an Kindesstatt annähme, meint ihr, man werde ihn in seinen zerlumpten Kleidern, in seinem Schmutz, mit seinen anerlernten Unarten an die königliche Tafel sitzen lassen? Nein, vorher wird er gereinigt, gewaschen, gekämmt; seine Kleider werden ihm ausgezogen; er wird mit königlichen Kleidern bekleidet; er wird in der Hofsitte unterrichtet; dann erst ist er tüchtig, sich seiner Kindesrechte zu gebrauchen. (Ludwig Hofacker)


O Christen! Gelüstet euch nach der himmlischen ewigen Berufung in Christo JEsu und nach dem Erbe des ewigen Lebens, so trachtet mit Ernst, mit Furcht und Zittern nach dem hochzeitlichen Gewand der Gerechtigkeit Christi, damit ihr hier und dereinst völligen Anteil haben mögt an dem Hochzeitsmahl des himmlischen Bräutigams! Wenn wir einst bloß erfunden würden, ohne das hochzeitliche Kleid, wie wollten wir bestehen vor dem Angesicht des Heiligen Gottes? wie es ertragen in der Nähe der Engel Gottes? wie das Auge aufschlagen in der Gemeinde der Heiligen? wie uns darstellen vor dem Menschensohn, der unser Richter ist? Ach, HErr JEsu, kleide uns selbst mit reiner, weißer Seide und schmücke uns wohl, damit wir vor Dir bestehen und bleiben mögen in Deinem ewigen Hochzeitssaal! (Alwill Müthel)


Da ging der König hinein, die Gäste zu besehen, und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitliches Kleid an, und sprach zu ihm: „Freund, wie bist du hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches Kleid an?“ Er aber verstummte.
Weil Israel Gottes Weinberg an sich rafft und zu seinem Fest nicht kommen will, geht nun die Berufung frei zu den Völkern hinaus. Sie fragt nicht: wer bist du, weder, was ist deine natürliche Art, noch, was hast du als Sünde oder Frömmigkeit in dir? Darum weil die Einladung sich an alle wendet, setzt sie für alle an den Anfang ihres Christenstandes die Taufe, die allen die Vergebung der Sünden gewährt. In seinem Vorblick auf das, was nach dem Kreuz geschehen wird, wird Jesus von keinem Zweifel gequält. Nun kommen die Geladenen, nun findet die gute Botschaft offene Ohren; denn das ist unmöglich, dass Gottes Festsaal leer bliebe. Aber auch dann, wenn das göttliche Wort in neuer Weise die von allen Bedingungen freie Gnade zu allen trägt, bleibt es heilig und eins mit Gottes Gerechtigkeit. Das zeigt sich an dem, der sich ohne ein festliches Gewand in den Festsaal begibt und deshalb ins Gefängnis kommt. Was ist sein Verbrechen? Er begehrt nach der Freude des Festes; soll sie ihn nicht locken? Er hört begierig die Einladung; soll er ihr nicht folgen? Allein er soll bedenken, was ihm gegeben wird, und den ehren, der ihn zu seinem Gaste macht. Will er am Fest teilnehmen, jedoch ohne das festliche Kleid, so spaltet er seinen Willen und erzeugt in sich den Widerspruch, das Gegenteil der Wahrhaftigkeit. Das ist die Haltung dessen, der selig werden will, doch ohne Gehorsam, der bleiben will, was er ist, und doch in der Gemeinde Jesu und in Gottes Gnade stehen will, der sich auf Gottes Gnade stützen und in seiner eigensüchtigen Lieblosigkeit verharren will. Mit dem Gast ohne Festkleid beschreibt uns Jesus den Mann, der zwei Seelen hat, der seinem Ja doch wieder ein Nein entgegenstellt und das, was er möchte, doch nicht mit einem ganzen Willen ergreift. Was uns hier über die Teilnahme an der Hochzeit des Christus gesagt wird, gibt uns auch dann die Regel, wenn wir uns am Tisch Jesu versammeln. Auch hier macht die Einladung die frei gebende Gnade Gottes sichtbar und stellt an keinen irgendeine Bedingung. Denn der Tod Jesu soll von jedem gepriesen werden, der Mensch ist und weiß, was Sünde ist. Aber „unterscheidet den Leib des Herrn“, sagt Paulus und damit blieb er völlig beim Wort des Herrn. Wir müssen das schätzen und ehren, was Jesus für uns mit seinem getöteten Leib und vergossenen Blut erworben hat.
Das Fleisch und der Geist streiten gegeneinander und Du allein, gnädiger Gott, kannst mich davor bewahren, dass daraus ein Bruch entstehe, der mich inwendig zerreißt. Dein Werk ist es, wenn der Trieb Deines Geistes mich ganz bewegt, meinen ganzen Willen zu Dir zieht und meine ganze Liebe an Dich bindet. Wehre aller inneren Zwiespältigkeit und Unwahrhaftigkeit. Amen. (Adolf Schlatter)


Und der König sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an, und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen, und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte.
Dass nur einer unter so vielen kein hochzeitlich Kleid anhatte, heißt ihn seine Liebe sagen. Diese möchte noch lieber sagen: keiner. Aber weil er wohl wusste, dass es Verhärtete gäbe und geben würde, denen er sie zum Schreck und zur Buße hinstellen wollte, stellt er doch aus Liebe nur einen hin. Und wie der Sohn durch den Einen seine Liebe zu dem ganzen Geschlechte ausspricht, so spricht sie der Vater auch zu diesem Verlornen durch seine Anrede aus: „Freund“ nennt er ihn, weil er ihn geliebt hat von Anfang an, weil er auch für ihn seinen lieben Sohn gegeben hat, weil die Seligkeit auch ihm bereitet war. Aber er hatte es nicht gewollt, er hatte die Zeit versäumet, darinnen er heimgesucht war. Er verstummte. Er konnte kein Wort zu seiner Verteidigung sagen, denn vor dem Angesicht Gottes ward ihm seine Schuld und sein bußloses Herz klar, wie die Tiefen und Schluchten der Erde klar vorliegen, wenn die Sonne darüber steht. Und er ward hinausgestoßen in die äußerste Finsternis. Licht ist nur, wo der Vater wohnt, und wo der Sohn thront. Bitter ist es, wenn wir auf Jahr und Tag von unserm Vater auf Erden wegwandern müssen. Die Fremde hat einen schweren Klang. Nun fasse die Last zu Herzen: wegwandern müssen von seinem himmlischen Vater, der allein die Liebe und das Leben ist. Die Gottesferne, die ewige Gottesfremde hat den schwersten Klang.

Herr, noch ist es Zeit für uns, das hochzeitliche Kleid uns von dir geben zu lassen. Noch schenkst du uns ja wieder einen Tag der Gnadenfrist. Lass ihn uns benutzen, um dir als Kaufpreis unser ganzes Herz zu geben. Wir wissen ja nicht, wann du kommst um uns zu prüfen. Wenn wir da noch nicht gekleidet sind in den Rock der Gerechtigkeit, ist die Fremde auch unser Los, wir müssten verstummen vor dir, um dann zu klagen fern von dir. Darum hilf uns und errette uns nach deiner Barmherzigkeit. Amen. (Friedrich Ahlfeld)


Da ging der König hinein die Gäste zu besehen; und sah allda einen Menschen, der hatte kein hochzeitlich Kleid an; und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hereingekommen, und hast doch kein hochzeitlich Kleid an? Er aber verstummte.
Also es kann ein Mensch in Allem aussehen wie ein Christ; es kann sich einer selber für einen wahren Jünger des Herrn halten und von aller Welt dafür gehalten werden, und wird doch zuletzt vom Herrn verworfen. Es kann ein Mensch lange Zeit, das ganze Leben lang in Selbsttäuschung hingehen, aber es kommt ein Tag, der die Täuschung zerreißt und die Wahrheit ans Licht bringt. Darum will ich bitten: Erforsche mich, Gott, und prüfe mein Herz, und siehe, ob ich auf rechtem Wege bin. Denn, wenn an jenem Tage der König kommt, seine Gäste zu besehen, dann kommt die Erkenntnis zu spät. Darum will ich mich jetzt prüfen, ob mein Christentum Wahrheit ist. Ich bin ein Hörer des Wortes; bin ich auch ein Täter? Ich hebe hier Hände des Gebetes alle Morgen zu Gott empor; sind es reine, heilige Hände? Ich bekenne meinen Glauben; sind auch an mir die Früchte des Glaubens zu sehen, die guten Werke, der Wandel in der Heiligung? Ich getröste mich meiner Gotteskindschaft, lebe ich nun aber auch wie ein Gotteskind? Ich getröste mich des Kreuzes Christi zu meiner Versöhnung, habe ich nun aber auch meinen alten Menschen und die Lüste des Fleisches mit an sein Kreuz geschlagen? Ich rechne mich zu den Jüngern Jesu und halte mich zu seiner Gemeinschaft, habe ich auch das hochzeitliche Kleid an? Lautet auch mein Bekenntnis: „Christi Blut und Gerechtigkeit, Das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, Damit will ich vor Gott bestehn, Wenn ich werd zum Himmel gehn.“ Schafft, dass ihr selig werdet, mit Furcht und Zittern. (Adolf Clemen)

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nt/40/matthaeus_22_11.txt · Zuletzt geändert: von aj
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