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Matthäus 21,16

Matthäus 21,16

Andachten

Sie sprachen zu ihm: „Hörst du auch, was diese sagen?“ Jesus sprach zu ihnen: „Ja! Habt ihr nie gelesen: ,Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet?“

Das Loblied der Jünger, mit dem sie die königliche Sendung Jesu priesen, war verstummt. Die Stadt hatte es nicht gewagt, sich zu Jesus zu bekennen. Wer ihn den Christus nannte, ergab sich ihm ganz und gar und machte ihn zum Herrn über sich selbst und über die ganze Stadt und das ganze Volk. Dem Christus Gottes glaubt man, gehorcht man und erkennt in ihm den, dem alles von Gott übergeben ist. Dazu waren auch die Frommen Jerusalems nicht bereit. Nur die Knaben wiederholten noch den jubelnden Ruf: Hosianna dem Sohne Davids! Sie waren durch die Bedenken der Alten nicht gebunden; war es nicht herrlich, dass der Christus gekommen war? Jesus war nicht betrübt, dass nur die Kinder ihn feierten. Freilich schützte ihn ihr Lob nicht vor dem Kreuz und das Schweigen der Alten verkündete das kommende Unheil. Dennoch war das Lob der Knaben Jesu Freude. Es muss sein, dass Gott gelobt wird; das ist unzerbrechliche Notwendigkeit. Wird ihm das Lob versagt, so ist das Tod; denn daran hängt der Fluch der Gottlosigkeit. Auch das, dass es nur Kinder sind, die ihn preisen, ist Gottes würdig und macht sein Reich offenbar. Indem er sich aus dem Mund der Unmündigen die Anbetung bereitet, macht er die Größe des Menschen zunichte und füllt die Kleinheit des Menschen mit seinen gnädigen Gaben. So wird sichtbar, wozu er seinen Sohn gesandt hat und was seine Gegenwart uns bringt. Mit ihm endet alles Großsein des Menschen und sein Ruhm wird hinausgesperrt und stattdessen beginnt die Danksagung des Menschen, der Gottes Gnadengabe empfängt. Die Lehrer begriffen nicht, weshalb Jesus dem Rufen der Kleinen nicht wehre. Was hatte es für einen Sinn, wenn nur Kinder ihn priesen, während die Alten schwiegen? Jesu Antwort hat sie überrascht; denn sie macht die gänzliche Verschiedenheit sichtbar, die unsere Gedanken von denen Gottes trennt. Unsere Gedanken hängen an dem, was wir Menschen sind, wollen und leisten, und Gottes Gedanken schauen auf das, was er schafft und gibt.
Nun darf auch ich zu Dir reden, lieber Herr, denn Du hörst es, wenn die Kleinen Deinen Namen nennen, und darf Dich loben, da auch das Lob der Unmündigen Dir wohlgefällt. Du hast von Deiner Sendung gesagt, sie sei erfüllt, weil sie den Kleinen Gottes Gnade zeigte. Nach dieser Deiner Weise hast Du sie auch mir gezeigt. Auch die kommenden Tage werden mir nichts Großes bringen, sondern sich mit Kleinem füllen. Darum danke ich Dir, dass von Dir klein und groß nichts gilt und Du auch die Herzen Deiner Kleinen mit Deinem Lobe füllst. Amen. (Adolf Schlatter)


Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen: „Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du Lob zugerichtet?“
Man hört oft sagen: „das Weihnachtsfest gehört den Kindern“. Solche Rede lautet ja recht freundlich, ist aber dennoch eine sehr unvorsichtige und gefährliche Rede. Es soll doch zunächst dem Kind, dem einen, das in Bethlehem geboren wurde, gelten. Und es ist gar traurig, wenn es geschieht, dass am Weihnachtsfest über den Kindern das heilige Kind, in dem allein wir über unsern Kindern Licht und Frieden haben, vergessen wird. Das ist arg und so ist es doch in unzähligen Familien. Die Kinder sind die Poesie des Weihnachtsfestes, sagt man.

Und es widmen sich in diesen Tagen ihren Kindern auch Die, die sonst, (wie sie meinen) nie Zeit dazu haben, und in den Berichten über das Weihnachtsfest spielen die lieben Kinder immer die Hauptrolle. Was an und für sich sehr schön wäre, wird dadurch schlimm, wenn man darüber nicht zu dem einen Kind, das über alle Kinder und für alle Kinder ist, durchdringt.

Das aber ist wahr, dass Jesus der größte Freund der Kinder gewesen ist, und das ist auch wahr, dass Der erst die wahre Freude an seinen Kindern hat, wer sie in ihm hat. Darum soll auch in den folgenden Andachten einmal ganz besonders von den Kindern die Rede sein.

Ja, seit unser Heiland und König auf dem Schoß der Maria ein armes Menschenkindlein geworden ist, seitdem sind die Kinder auf Erden ganz außerordentlich im Werte und in der Achtung gestiegen. Es ist über sie und über die jungen Mütter von Bethlehems Krippe aus ein Zauber ausgegossen, der vorher nicht über ihnen gewesen ist.

Wie mag auch jenes furchtbare Ereignis, da so viele Kinder um seinetwillen den Tod erlitten (Matthäus 2), wie mag das Jesu mitleidiges Herz mächtig zu den Kleinen hingezogen haben! Jedenfalls sehen wir, dass Jesus überall den Kindern große Zärtlichkeit beweist. Wir wollen hier nur darauf hindeuten, wie es ihm nicht genug war, das Töchterlein des Jairus zu erwecken; nein, mit einer mütterlichen Zärtlichkeit sorgt Er auch dafür, dass es sogleich, nach seinem kurzen Todesschlaf, etwas zu essen bekommt. (Mark. 5,43.)

Und Er, dem sonst die Menschen, seine lieben Jünger nicht ausgenommen, so viel Not und Kummer machten, hat an den Kindern nur Freude erlebt und sie immer geliebkost, gelobt und geschützt. Das sehen wir auch aus obigem Wort, wo Jesus von dem Lob aus dem Mund der Unmündigen, das heißt also Derer, die noch keinen Mund haben, so dankbar redet. Zum letzten Mal war Er eingezogen in die heilige Stadt, umtönt von dem Halleluja Israels. Aber aus seinen Augen strömen Tränen, von seinen Lippen tönen tiefe, bange Klagen, in seiner Hand hält er die Geißel. So kommt Er in den Tempel. Hier erwartet ihn eine Kinderschar. Die jubeln Ihm das „Hosianna! Hosianna!“ entgegen, so wie sie's auf der Straße oder auch von ihren Müttern gehört hatten. Jedenfalls hatten diese Letzteren ihre Freude daran. Nicht aber die neidischen, unkindlichen, selbst klugen Priester und Schriftgelehrten. Sie meinten, es sei schicklich, dass Jesus den Kindern Schweigen gebiete, da diese doch nicht verstünden, was sie sagten. Aber da kamen sie schlecht an. Ausdrücklich bezeugt Jesus, dass solches Lob der Kinder Ihm lieblich und kostbar sei. Dass sie so freudig jauchzten, als sie in sein Angesicht voll himmlischer Hoheit und Milde hineinschauten, das ist ein unmittelbarer, wenn auch unbewusster Ausfluss ihrer Sehnsucht zum Heiland hin. Verstanden sie auch nicht, was sie riefen, so zog sie doch ein ahnungsvolles Verlangen zu dem Mann, dessen Lob sie sangen.

Und wahrlich, wir brauchen unseren Kindern nur von Jesu zu erzählen, brauchen ihnen nur das Bild des Heilandes, wie Er „umherzog und wohltat“, so recht lebendig und warm vor Augen zu führen, so lesen wir auch in ihren freudestrahlenden Augen etwas von dem Hosianna, das vor 18 Jahrhunderten die israelitischen Kinder in den Marmorhallen des Tempels erschallen ließen. Und das Hosianna, das wir in die Herzen der Kinder pflanzen, es wird dann wieder auf ihren Lippen eine Himmelsmacht werden, die unsere Ohnmacht und Trägheit durchbricht und uns der göttlichen Kindschaft näher bringt. Aber - aber! wir können nicht geben, was wir nicht haben. Wie steht's mit dem Hosianna in unserem eigenen Herzen? O, dass wir beten lernten mit Inbrunst und aus der Tiefe:

Lass mich deinen Ruhm
Als dein Eigentum
Durch des Geistes Licht erkennen,
Stets in deiner Liebe brennen
Als dein Eigentum,
Allerschönster Ruhm. (Otto Funcke)

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