Psalm 7,10
Andachten
Du gerechter Gott prüfest Herzen und Nieren.
David war von einem Jeminiten, das ist von einem Mann vom Geschlecht Jemini, den er wegen seiner Rohheit einen Mohren oder Cuschiten nennt (gleichwie man heut zu Tag einen solchen Menschen einen Türken oder Heiden zu nennen pflegt), gröblich geschmäht und beschuldigt worden, und dieses veranlasste ihn unter der Eingebung des Heiligen Geistes, den siebenten Psalmen zu schreiben. Jener Mann war Simei, der Sohn Gera, vom Geschlecht des Hauses Sauls, folglich vom Geschlecht Jemini, von dem auch Saul abstammte, s. 1 Sam. 9,1.2. Seine mit Fluchen und Schelten ausgestoßene Beschuldigung bestand darin, dass David ein Bluthund und loser Mann sei, und dass er am Blut des Hauses Sauls schuldig sei, und von Gott deswegen durch seinen Sohn Absalom gestraft werde; 2 Sam. 16,5-11. Dagegen konnte David mit einem guten Gewissen zu Gott sagen: HErr, mein Gott! habe ich solches getan, und ist Unrecht in meinen Händen, habe ich Böses vergolten denen, so friedlich mit mir lebten, oder die, so mir ohne Ursache feind waren, beschädiget: so verfolge mein Feind meine Seele, und ergreife sie, und trete mein Leben zu Boden, und lege meine Seele in den Staub. Ps. 7,4.5.6. Und da Simei gesagt hatte: gleichwie David unrechtmäßiger Weise König worden sei, also habe nun der HErr in Seinem Zorn das Reich in die Hand seines Sohnes Absalom übergeben, und er stecke nun in seinem Unglück, so konnte er dagegen mit Zuversicht beten: stehe auf HErr, in Deinem Zorn, erhebe Dich über den Grimm meiner Feinde, und hilf mir wieder in das Amt, das Du mir befohlen hast; dass sich die Leute wieder zu Dir sammeln, und um derselben willen komme wieder empor. V. 7.8. Simei hatte ihn einen losen Mann genannt, er aber konnte beten: richte mich, HErr, nach meiner Gerechtigkeit und Frömmigkeit: lass der Gottlosen Bosheit ein Ende werden, und fördere die Gerechten; denn Du gerechter Gott, prüfest Herzen und Nieren usw. V. 9.10.11.
O wie nötig ist’s, dass man Lieben von reinem Herzen, von gutem Gewissen und von ungefärbtem Glauben bewahre, und sich vor Blutschulden, Unterdrückung anderer, Sammlung eines unrechten Guts und andern bösen Tücken hüte; denn es kommt eine Zeit, da man Vorwürfe bekommt, und sich auch gegen Gott auf seine Gerechtigkeit und Frömmigkeit soll berufen können. David wusste wohl, dass wenn Gott Sünden zurechnen wolle, kein Mensch vor Ihm bestehen könne, und dass kein Lebendiger vor Ihm gerecht sei: aber gegen die Beschuldigung des Simei konnte er sich auf seine Gerechtigkeit und Frömmigkeit berufen. Sein Gewissen gab ihm Zeugnis, dass er nicht wegen des Hauses Sauls, das er nie vorsätzlich beleidigt hatte, von Gott gestraft werde. Er stellte sich in seinem Geist vor Gott als seinen Richter hin, und dachte daran, dass Derselbe Herzen und Nieren prüfe. Das Herz ist die Quelle der Anschläge, die vernünftig ausgedacht werden: die Nieren deuten die Begierden und Affekten an, nach welchen man oft zufährt, ehe ein Anschlag künstlich ausgedacht ist. David hat dem Saul nie nach dem Leben getrachtet, und sein Reich nie hinterlistig an sich zu bringen gesucht, wie er beschuldigt wurde. Sein Herz ist mit solchen bösen Tücken nie umgegangen. Er hat aber auch den König Saul nie in einer schnellen Hitze getötet, wie er zweimal wohl hätte tun können. Seine Nieren, das ist, seine schnellen Begierden haben ihn nicht dazu getrieben. (Magnus Friedrich Roos)