Psalm 3,4
Andachten
Du, HErr! bist der Schild für mich, der mich zu Ehren setzt, und mein Haupt aufrichtet.
Ein Christ muss mit seinem HErrn Christo unter der Schmach seine Ehre, unter dem Kreuz seine Herrlichkeit, unter der Traurigkeit seine Freude, unter dem Tod das Leben suchen. Was die Welt verunehrt, das ehrt Gott. Gleichwie die Welt alles tut, was Gott zuwider ist; also tut Gott alles, was der Welt zuwider ist: Was die Welt verachtet, das ehrt Gott; was die Welt hasst, das liebt Gott; was die Welt verflucht, das segnet Gott; was die Welt verwirft, das nimmt Gott auf; was die Welt unterdrückt, das erhält Gott; was die Welt tötet, das macht Gott lebendig; was die Welt verdammt, das macht Gott selig. Und das tut alles Gottes Liebe. In dem allen überwinden wir weit um des willen; der uns geliebt hat, Röm. 3,37. Seht, das ist unser Sieg, Gottes Liebe! das muss man aber alles im Glauben sehen, und die fleischlichen Augen zutun. (Johann Arnd)
Aber du, Herr, bist der Schild für mich, und der mich zu Ehren seht und mein Haupt aufrichtet. Ich rufe an mit meiner Stimme den Herrn, so erhört er mich von seinem heiligen Berge. Ich liege und schlafe und erwache, denn der Herr hält mich!
Dieses „Aber Du“ steht dem gestrigen „Aber Ich“ gegenüber. Es ist die freudige und zuversichtliche Antwort des gläubigen Herzens auf die herrliche Offenbarung seines Gottes; es tritt damit auf eine freie Höhe und lässt all' Not und Qual dieser Welt weit hinter sich. Denn weil nun unser Haupt im Himmel ist und triumphiert, so haben wir Ihn zum Schilde und können ganz sicher wohnen; und weil der himmlische Vater Ihn so hoch zu Ehren gesetzt hat, so sollen wir solche Ehren mit Ihm teilen als Seine erlösten Brüder und Miterben Seines Reiches; und weil Er Sein Haupt aufgerichtet hat aus dem Tode und die Dornenkrone abgestreift, so dürfen auch wir unser Haupt aufrichten und sprechen: Der Herr legt uns wohl eine Last auf, aber Er hilft uns auch! - Darauf beruht nun der beständige und lebendige Umgang der Glieder mit dem Haupte: Ich rufe mit meiner Stimme und Er erhört mich von Seinem heiligen Berge! also steigt zu Ihm aufwärts das Beten, Bitten, Fürbitten, Loben und Danken und auf Seiner Seite findet sich ein immer offenes Ohr und ein zugeneigtes Herz. Denn Sein heiliger Berg ist wahrlich nicht so hoch, dass ich Ihn nicht mit meiner Stimme erreichen könnte; wiederum aber auch ist Er so hoch, dass Seine Augen Alles übersehen und Seine Ohren Nichts überhören. Darum, so fehlt uns denn nun auch nicht das letzte, dass wir uns getrost niederlegen und schlafen, wenn die Schlafenszeit gekommen ist, wie Kinder, die müde geworden sind am Abend, sind auch wir, wie sie, des Erwachens ganz sicher, weil wir's wissen: Der Herr hält mich! in Seinem Arm und Schoß hält Er mich bis zum großen seligen Erwachen. Er hat's ja auch selbst gesagt: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Ich will euch wiedersehn und euer Herz soll sich freuen! O, des schönen Ostermorgens! (Nikolaus Fries)