Psalm 30,4
Andachten
HErr, Du hast meine Seele aus der Hölle geführt; Du hast mich lebendig behalten, da die in die Hölle fuhren.
Hier haben wir eine Beschreibung großer und hoher Anfechtung, die da herrührt entweder aus geistlichen Trübsalen oder aus leiblichem Jammer, darüber mancher verzweifelt, und lehrt uns hier der Prophet, dass Gott Seine Kinder auch in die Hölle führe, das ist, in große hohe und tiefe Anfechtungen, die so tief sind, als die Hölle, da wir oft keine Hilfe, keine Erlösung sehen, dass hie eine Tiefe und da eine Tiefe brauset. Daraus müssen wir zu Gott rufen, wie Jonas aus dem Bauche des Walfisches, und wie David: Aus der Tiefe rufe ich HErr! zu Dir, Ps. 130, 2. Weil nun Gott nicht unser Verderber ist, sondern unser Erhalter und Erbarmer, so lässt Er uns nicht in der Hölle und in den hohen Anfechtungen, sondern führt uns wieder heraus, wenn die Zeit kommt; denn der HErr tötet und macht lebendig, Er führt in die Hölle und wieder heraus. Gleichwie ein Gold, das oft umgeschmolzen wird, besser wird, also wollte Gott gerne uns als Sein Werk verbessern, welches aber ohne das Feuer der Trübsal nicht geschehen kann. Die aber an der Welt Trost allein hangen, die müssen im Kreuze verzweifeln.
Zu Dir flieh ich: Verstoß mich nicht, wie ichs wohl hab verdient. Ach Gott, zürn nicht, geh nicht ins Gricht; Dein Sohn hat mich versühnet. (Johann Arnd)