Psalm 23,1
Andachten
Herr Jesu, Du großer Hirt der Schafe, Du bist ja auch mein treuer Hirt, der mir verheißen hat: „Siehe, ich will mich meiner Heerde selbst annehmen und sie suchen, wie ein Hirt seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Heerde verirrt sind. (Ezech. 34,11.) Ich will selbst meine Schafe weiden und ich will sie lagern. Ich will das Verlorene wiedersuchen und das Verirrte wiederbringen, und das Verwundete verbinden und des Schwachen warten, und was fett und stark ist, will ich behüten, und will ihrer pflegen, wie es recht ist.“ (34,15.16.) Darum trage ich das Vertrauen zu Dir, Du werdest es mir nicht mangeln lassen an allem, was mir nützlich und selig ist. ich danke Dir von Herzen, dass Du mich bis auf diese Stunde hast geweidet auf Deinen gesegneten Auen und geführt zu den frischen Wassern Deines Worts und heiligen Sakraments; und ich bereue nur, dass ich Deine Hirtenstimme nicht jederzeit gehört habe und Dir nicht immer nachgefolgt bin, in bösen wie in guten Tagen. Dennoch hast Du nicht nachgelassen, mir zuzurufen, dass ich von meinen Irrwegen zurückgehen sollte. O wie unbegreiflich groß ist Deine Langmut, und wie nicht minder unbegreiflich groß meine Torheit, dass ich meine eigne Wohlfahrt so wenig erkenne! Nun, ich will Dir durch den Beistand des heiligen Geistes folgen, wohin Du mich lockest. Ach, sei noch ferner mein Hirte, so wird mir nichts mangeln. Wer ist, der mir schaden könnte, so ich Dir, Herr Christe, anhänge? Bist Du für mich, in und bei mir, wer mag wider mich sein? Dein Stecken und Stab trösten mich. Der Stab Deines Wortes leitet mich, dass ich nicht strauchle. Dein heiliges Kreuz ist mein Wanderstab, daran halte ich mich fest. Dein mächtiger Arm kann den Kopf meiner Seelenfeinde zerschlagen. Tobe, Welt, und springe, ich stehe hier und singe in gar sicherer Ruh. Wer Jesum bei sich hat, kann sicher reisen, Er wird ihm schon den Weg zum Himmel weisen, wer Jesum bei sich hat, kann nicht verderben; wer Jesum bei sich hat, kann fröhlich sterben. Amen. (Friedrich Arndt)
Merkt auf Sein Treiben; merkt auf Sein Ruhegeben! Merkt auf Sein Strafen, merkt aber auch auf Sein Lieben, auf Sein Drohen, aber auch auf Sein Verheißen; auf Sein Züchtigen, aber auch auf Sein Vergeben; auf Sein Betrüben, aber auch auf Sein Freudemachen! JEsu Leib und Blut gibt Aug und Ohr dafür, weckt Sinn und Herz und Verstand, dass man merkt auf die Führungen des guten Hirten und sie verstehen und Seinen Stecken und Stab lieben lernt, bis dass man errettet, ganz fröhlich wird rühmen können. Nun, HErr Jesu, schenke uns ein solches gesegnetes Essen und Trinken Deines Leibes und Blutes! Sei und bleibe unser Hirte, auf dass uns in Ewigkeit nichts mangle! Führe uns unser Leben lang auf rechter Straße, um Deines Namens willen! Und wenn wir schon wanderten im finstern Tal, so sei Du bei uns, auf dass wir kein Unglück fürchten! Dein Stecken und Stab walte über uns und tröste uns, im Leben und im Sterben! (August Ferdinand Huhn)
Mangelt mir nichts? Ich trage heiße Wünsche in mir und nicht nur solche, die auf meinen eigenen Zustand zielen. Wenn ich auf die Lage unseres Volkes und unserer Christenheit sehe, dann drängen sich die Wünsche in Scharen und mit Gewalt ans Licht. Wäre der Spruch: „Mir mangelt nichts“ das Wort des Satten, der sich sein Glück selber bereitet und dabei bis dahin gelange, dass ihm nichts mehr fehlt, so wäre es die Summe der Gottlosigkeit. Warum mangelt mir nichts? Weil der Herr mein Hirt ist. Das ist ein ganz anderes Wort als das jenes Bauern, den eine reiche Ernte beglückte, weshalb ihn Jesus sagen lässt: „Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat auf viele Jahre. Habe nun Ruhe, iss, trink und habe guten Mut.“ Zu solchem Glück gehört mit unfehlbarer Gerechtigkeit der Spruch: Gib deine Seele her; fehlt dir nichts, dann stirb; die Satten machen Platz; dich hat dein Glück zu den Toten gebracht; denn du hast dein Gutes empfangen. Wenn aber der Herr mein Hirte ist, soll ich sagen: Du versorgst mich kärglich; die Aue, auf die du mich führst, ist dürr; du lässt mich dürsten, machst mich todmüde, und wenn ich im Dunkeln wandle, höre ich nichts von dir und du bist nicht bei mir? Soll ich den Hirten beschuldigen? Nein, weil der Herr mein Hirte ist, darum ist das, was mir gegeben ist, völlig das, was ich bedarf. Von oben kommen keine anderen als gute und vollkommene Gaben herab. Ergibt das Selbstbetrug, die Einbildung, die schwarz weiß und Bitteres süß nennt? Das ist Glaube und der Glaube ist das volle Gegenteil des Selbstbetrugs. Der Hirte hat mich an meinen Platz gestellt unter die Hemmungen, die mich drücken, und in die Bitterkeiten, die mich stechen, und deshalb, weil der Herr mein Hirte ist und mich an diesen Ort gestellt hat, darum ist es für mich der rechte Ort und es fehlt mir nichts, wenn ich an meinen Sünden leide, denn er setzt zu meiner Sünde sein Vergeben hinzu, und es mangelt mir nichts, wenn er mich in die Stille setzt und mein Wirken auf unüberwindliche Schranken stößt, weil er nicht mein erfolgreiches Werk zu meiner Gerechtigkeit macht, und es fehlt mir nichts, wenn mein Leben kurz bleibt und rasch zerbricht, weil er mein Leben ist. Der Psalm spricht so, wie der Glaube spricht. Wenn der Psalm uns unerreichbar scheint, so rührt dies daher, dass uns der Glaube unerreichbar ist.
Meine Wünsche sind nicht weise. Du, Herr, bist weise. Meine Maßstäbe taugen nichts. Deine Straße ist die gerade. Ich will mir von Deinem Wort sagen lassen, wie der Glaube von Dir spricht. Vergib mir und der ganzen Christenheit unser Klagen. Amen. (Adolf Schlatter)
Jesu, mein Erlöser, wer kann dich preisen, du unaussprechliche Macht und Weisheit des Vaters? O wie gern möchte ich ganz in deinem Lobe aufgehen! Aber weil ich solches nicht kann, soll ich darum schweigen? Wehe Denen, die von dir schweigen, der du den Stummen den Mund öffnest und die Zungen der Kinder beredt machst! Wehe Denen, die von dir schweigen, denn bei all ihrem Reden sind sie stumm, wenn sie dein Lob nicht verkündigen!
Unendlich bist du, o Herr, und unendliche Liebe sind wir dir schuldig, die du durch dein teures Blut erkauft hast. Denn wenn ein Mensch den andern also liebt, dass er kaum ohne ihn sein kann, wenn die Braut dem Bräutigam so innig zugetan ist, dass sie nimmer Ruhe hat, wenn ihr Freund nicht bei ihr ist; mit welcher Liebe und Inbrunst muss dich die dir im Glauben vertraute Seele lieben, ihren wahren Gott und Bräutigam, der du so Vieles und Großes an uns getan hast!
Und überdies ist deine Liebe so süß und so ruhevoll Auch die Welt hat zwar ihre Lust und Ergötzlichkeiten, aber die Seelen, welche sich ihr hingeben, können nicht still sein; von Argwohn, Unruhe und mannigfachen Befürchtungen werden sie umgetrieben. Bei dir hingegen ist ungestörtes Leben. Wer zu dir kommt, lieber Herr, der gehet ein zur Freude seines Herrn, der kann sprechen: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln; er weidet mich auf einer grünen Aue. Amen! (Christian Wilhelm Spieker)
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.
O seliges Vertrauen einer gläubigen Seele, die da ruft in himmlischem Frieden und voll reiner hoher Freude: Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln!
Ja und das kannst Du rufen, Du Seele, die Du verlassen hast den eignen Weg, der zum Verderben führt, die Du der Lust und der Weltfreude nicht mehr folgst, sondern Dich stracks umgewandt hast zu den Bergen, von welchen Hilfe kommt und die Du dort den treuen und guten Hirten gefunden hast! Wie die Lämmlein ihrem Hirten folgen, wo er sie führe, wie sie horchen auf seine Stimme und nimmer weichen von dem Wege, den er wandelt, also sollen wir dem Heilande folgen! Er weidet uns auf einer grünen Aue, Er führt uns zu frischem Wasser! O dass wir es sagen könnten: Der Herr ist mein Hirt! Wie klein, wie unbedeutend erscheint da uns alles Leid und aller Schmerz, den die Erde zu bieten vermag. Ob wir im finstern Tale, ob Menschen uns verlassen, verspotten und verunehren, - ob wir gefangen und geschlagen, wir fürchten kein Unglück, denn der Herr ist bei uns! Sein Wort, Sein Leiden und Sterben tröstet uns und macht uns fröhlich und gutes Mutes! Und ob Feinde uns umringen, ob Armut, Jammer und Not an uns drängen der Herr richtet eine Mauer um unsere Seele, davon Er der Grundstein und der Eckstein ist, und da muss es wohl vergeblich sein, dass der Böse einen Anlauf nimmt, die Mauer umzustoßen und uns zu verderben!
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Ströme von Lebenswasser fließen zur Seite des Heilandes und Er will, dass Seine Lämmlein davon trinken und leben! Köstlich ist die Speise, die Er denen reicht, die hungrig zu Ihm treten, lieblich und milde sind die Tröstungen, die Er denen spendet, die voll göttlicher Traurigkeit, matt und krank zu Ihm kommen! Und wenn auf weiten Wegen sich eins Seiner Lämmlein verirrt, wenn es gelockt ward von den gefährlich blühenden Blumen, die zur Seite des Weges stehen, und dann weiter und weiter abschweift in die trostlose Leere der Wüste, da zeigt es sich, wie lieb der Hirt Sein Lämmlein hat! Er ruft, Er sucht, Er dringt durch Dorn und Disteln, bis Er es gefunden. O und wenn es dann nur folgen will, dann nimmt Er es an Seine Brust und führt es zurück zur Heerde und vergisst und vergibt in unendlicher Liebe Untreue und Verirrung!
So wollen wir Gott bitten, dass wir immer eingedenk sind Seiner Gebote und aufschauen zu Ihm, von dem Hilfe kommt, und in ganzer Wahrheit und so recht von Herzens Grunde sprechen mögen und dürfen: Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser; Er erquickt meine Seele und führt mich auf rechter Straße um Seines Namens Willen! Amen. (Burghard von Cramm)
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue, und führet mich zum frischen Wasser; er erquickt meine Seele; er führt mich auf rechter Straße, um seines Namens willen. Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir: dein Stecken und Stab trösten mich. Du bereitest vor mir einen Tisch gegen meine Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl, und schenkst mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des Herrn immerdar.
Das war ein glückseliger Mensch, der also beten und bekennen konnte. Er überblickt seinen ganzen Lebensweg, helle und auch finstre Täler; und er fühlt sich sicher und wohlgeborgen. Was auch komme, er hat eine behütete Seele, ein erquicktes Herz. Denn der Herr ist sein Hirt. Und doch kannte er Jesum noch nicht. Sollten denn nun wir, die wir Jesu Namen kennen, nicht noch viel besser geloben und bekennen: Der Herr ist mein Hirt? O wenn ich dich nur habe, dann habe ich Alles. Wenn ich dich nur auf meinem Wege sehe vor mir hergehen, dann kann ich getrost sein. Dann habe ich keinen Mangel. Dann gehe ich sicher hindurch durch alle meine Feinde, sie können mich nicht zu Falle bringen. Dann können mir auch die Irrwege und Abgründe nicht schrecklich werden, du führst mich unversehrt hindurch. Dann hat meine Seele auch in der Wüste grüne Auen und frische Wasser. Darum soll's auch mein Bekenntnis sein: Der Herr ist mein Hirt. Ihm will ich folgen, ihm allein. Seinem Gebot, seinem Winke will ich nachgehen. An ihn will ich mich halten, und nichts soll mich von ihm abbringen; nicht Freund noch Feind, nicht Luft noch Leid. Der Herr ist mein Hirt, und er allein. Bei ihm will ich bleiben in Treue und Gehorsam. (Adolf Clemen)
Der HErr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Dies ist eine schöne Schluss-Rede: Denn was kann demjenigen Schäflein mangeln, dessen Hirte Gott selbst ist? Gott hat beschlossen, oder, es hat Ihm wohlgefallen, dass in Christo alle Fülle wohnen und alles durch Ihn versöhnt werden sollte. Christi Person ist vollkommen, ein vollkommener Gott, ein vollkommener Mensch. Christi Amt ist vollkommen, Christi Gaben und Salbung sind vollkommen. Und von Seiner Fülle haben wir alle empfangen Gnade um Gnade. Daran mangelt nichts, was zum Trost und Seligkeit vonnöten ist. Christi Verdienst und Versöhnung ist vollkommen für alle Menschen. So behalte nun, lieber Christ! diesen Trost: Bist du ein wahres Schäflein Christi, so mag es dir gehen in dieser Welt, wie Gott will, es soll dir doch am höchsten Gut deiner Seele nichts mangeln; Christus JEsus, dein Hirte, mit allen Seinen Wohltaten und Herrlichkeit, und der ganze Reichtum des ewigen Lebens ist dein. Dieser gute Hirte verspricht: Seine Schäflein sollen nimmermehr umkommen, und niemand soll sie aus Seiner Hand reißen.
Jehovah ist mein Hirt und Hüter: nun wird kein Mangel treffen mich. Auf grüner Auen Seiner Güter erquickt Er mich süßiglich; Er leitet mich zu frischen Quellen, da häufig mir sich zugesellen viel krank und matte Schäfelein. Wenn ich in Ohnmacht sinke nieder, so holt Er meine Seele wieder und flößt ihr Lebensbalsam ein. (Johann Arnd)
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Wiewohl die Schrift Gott viel freundliche Namen gibt, so ist doch der, den der Prophet Gott hier gibt, zumal ein lieblicher, holdseliger Name, da er ihnen einen Hirten heißet und spricht: „Der Herr ist mein Hirte“. Es ist sehr tröstlich, wenn die Schrift Gott nennt unsere Zuversicht, unsere Stärke, unsern Fels, unsere Burg, Schild, Hoffnung, unsern Trost, Erretter, König usw. Denn er beweist es auch wahrlich ohne Unterlass mit der Tat an den Seinen, dass er durchaus so sei, wie ihn die Schrift abmalt. Aber überaus tröstlich ist es, dass er hier und sonst oftmals in der Schrift ein Hirte genannt wird. Denn mit diesem einigen Wörtlein Hirte“ wird schier alles begriffen auf einen Haufen, was nur Gutes und Tröstliches von Gott gerühmt wird. – Auch lauten die andern Namen, welche die Schrift Gott gibt, einesteils etwas zu herrlich und majestätisch, und bringen gleich eine Scheu und Furcht mit sich, wenn man sie hört nennen; als wenn die Schrift Gott nennt unsern Herrn, König, Schöpfer usw. Der Art ist dies Wörtlein „Hirte“ nicht, sondern es lautet gar freundlich und bringt den Gottseligen, wenn sie es lesen oder hören, gleich eine Zuversicht, Trost und Sicherheit mit, wie das Wort „Vater“ und andere, wenn sie Gott zugeeignet werden. Darum ist dies Bild der allerlieblichsten und tröstlichsten eins, und doch sehr gemein in der Schrift, dass sie die göttliche Majestät einem frommen, treuen oder, wie Christus spricht, guten Hirten, und uns arme, schwäche, elende Sünder einem Schäflein vergleicht.
Es ist aber dies eines frommen Hirten Amt, dass er seine Schäflein nicht allein wohl versorgt mit guter Weide und anderem mehr, was dazu gehört, sondern wehret auch, dass ihnen kein Leid widerfahre. Überdies gibt er fleißig Achtung darauf, dass sich keins verliert; verirrt sich aber eins, so läuft er ihm nach, sucht es und holt es wieder; mit den jungen, schwachen und kranken Lämmlein geht er säuberlich um, wartet ihrer, hebet und trägt sie, bis sie alt, stark und gesund werden. Ebenso geht es auch in der geistlichen Schäferei, das ist in der Christenheit, zu.
Darum, willst du reichlich versorgt sein, beides an Leib und Seele, so habe vor allen Dingen fleißig Achtung auf deines Hirten Stimme; höre genau, was er dir sagt, lass dich ihn weiden, regieren, leiten, schützen, trösten, das ist, halt dich zu seinem Wort, höre und lerne es gerne, so wirst du gewiss wohl versorgt sein, beider an Leib und Seele. (Martin Luther.)
Der Herr ist mein Hirte, mir wird nicht mangeln! Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser. Er erquickt meine Seele und führt mich auf rechter Straße, um seines Namens willen.
Das ist der holdselige Sang und Klang, der sich für diese freudenreiche, österliche Zeit wohl schickt. Der Herr hatte den Hirten geschlagen, und die Schafe der Herde hatten sich zerstreut, nun aber hat Er diesen großen Erzhirten ausgeführt von den Toten, und die Herde hat Er wieder um sich gesammelt, da Er, nach Seiner Verheißung, vor ihnen hingeht in Galiläa, weidet sie auf den grünen Auen Seines Worts, und führt sie zu den frischen Wassern ewiger, himmlischer Tröstungen. Wie mögen sie solcher Seelen-Erquickung gedacht haben bis in den Tod, und wie ist seitdem dieser Hirte ihr Führer gewesen auf rechter Straße bis in die selige Ewigkeit! O, wir glückseligen Leute, dass auch uns gleiches Los bereitet ist! das ist die Fülle aller Lieblichkeit und Seligkeit, dass Jesus, der da lebt, Sein teures Hirtenamt an uns übt, dass wir ohne Ihn keinen Schritt, aber mit Ihm allewege und wär's auch durch Dorn und Hecken, getrost hingehen, dass wir an jedem Morgen zuerst und an jedem Abend zuletzt auf Seinen Hirtenstab sehen, jedes Winkes gewärtig; dass Er selbst durch Sein Aufsehen und Nahesein uns das teure Wort und Evangelium zu einer grünen, saftigen Aue macht, durchströmt von dem lebendigen Wasser Seiner gegenwärtigen und ewigen Heilandsliebe; da findet die Seele Erquickung, als in ihrer Heimat, auch in dürrer Zeit; darum auch, wo die Kinder der Welt verschmachten und vertrocknen, da bleiben die Kinder Gottes fruchtbar und frisch, bis ins Alter und bis sie grau werden. Und vor ihnen liegt die rechte Straße, der schmale Himmels-Weg, wo Jesus führt, hebt und trägt mit Seiner eigenen Hirtenhand, die man an den Nägelmalen erkennt. Wer den Auferstandenen nicht so als den guten Hirten kennt und hat, für Den ist Er nicht auferstanden und Der ist nicht mit Ihm auferstanden. Man möchte es mit tausend Zungen in die Welt hinausrufen: Ihr Menschen, hört doch die heilige und teure Hirtenstimme: „Ich lasse mein Leben für die Schafe!“ (Nikolaus Fries)