Psalm 19,2
Andachten
Gottes Gnade gibt sich uns dadurch, dass er uns sein Wort schenkt. Indem er zu uns spricht, stellt er uns in seine gnädige Gegenwart. Uns das Wort zu bringen, das ist Jesu Gabe, nicht das Werk der Natur. Das ergibt den Unterschied zwischen derjenigen Güte, die uns die Natur zuträgt, und der Gnade Gottes, die wir von Jesus empfangen. Diejenige Güte, an der uns die Natur Anteil gibt, füllt unser Auge, wendet sich aber noch nicht an unser Ohr. Gottes Kraft wird uns hier sichtbar gemacht, aber noch nicht Gottes Wille gesagt. Wir erhalten daher von der Natur, weil sie stumm bleibt, noch nicht die Antwort auf das, was in uns selbst als Frage im Blick auf Gott entsteht und oft genug uns mit drängender Gewalt erschüttert. Ist unsere Seele unruhig geworden, weil die Frage in ihr erwachte, wie Gott sich zu uns selbst verhalte, zu unserem eigenen Leben mit der uns gegebenen Pflicht und der uns bedrängenden Schuld, so können wir die Hilfe nicht bei der Natur suchen, sondern müssen zu Jesus kommen, damit er uns das Wort sage, in dem uns Gottes Gnade besucht. Dennoch spricht der Psalmist mit gutem Grund von der Botschaft, die die Himmel an uns ausrichten, und beschreibt das, was sie uns geben, als eine Verkündigung der göttlichen Herrlichkeit. Denn aus dem Anblick dessen, was uns die Himmel zeigen, entstehen Worte, die das benennen, beschreiben und deuten, was uns dort sichtbar ist, und diese uns gegebenen Worte, die das aussprechen, was wir schauen, lauten: „Herrlichkeit und Ehre“, nicht nur Herrlichkeit der Sterne oder wirkliche Macht der Sonne oder Unendlichkeit der Weltenräume und Wunderbarkeit der Natur, sondern nur dann sprechen wir richtig aus, was unseren Augen gezeigt ist, wenn wir sagen: Gottes Herrlichkeit und Ehre, wirkende Macht seiner Hand, und wir wissen, dass wir, wenn wir das Zeugnis der Natur so deuten, nichts selber erfinden, nicht dichten und träumen, sondern vernommen haben, was die Himmel erzählen, und nur wiederholen, was uns die Natur selber sagt. Entsteht aus dem Zeugnis von Gott, das die Natur uns bringt, unser Gott anbetendes Wort, dann leitet uns die Natur zu Jesus hin, zudem, in dem Gott nicht schweigt, sondern spricht und uns nicht nur das Werk seiner Hände zeigt, sondern uns seinen gnädigen Willen offenbart, der uns die Gemeinschaft seines Geistes schenkt.
Danksagung und Anbetung, Vater, darf ich aus allem empfangen, was die Natur mir zeigt und gibt, wenn ich ihre Rede vernehme, die mir von Dir erzählt, bin ich davor behütet, dass ich in die Natur versinke und nur noch sehe und begehre, was sie mir gibt. Was mir die Himmel nicht kundtun, sagst Du mir, Herr Jesus Christ, in Deinem Kreuzesbild und in Deiner Ostergröße. Nun vernehme ich auch in der Rede der Himmel das seligmachende Wort, das Dich mir offenbart. Amen. (Adolf Schlatter)
„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Veste verkündigt seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern und eine Nacht tut's kund der andern. Es ist keine Sprache noch Rede, da man nicht ihre Stimme höre.“
Du bist groß, mein Gott, und gehest in großer Majestät durch deine Welten. Du setzest die Berge fest in deiner Kraft und bist gerüstet mit Macht. Du stillest das Brausen des Meeres, das Toben seiner Wellen. Du suchest das Land heim und wässerst es, und machest es sehr reich. Gottes Brunnlein hat Wassers die Fülle. Du lässest das Getreide wohlgeraten, denn also bauest du das Land. Du tränkest seine Furchen und feuchtest sein Gepflügtes; mit Regen machst du es weich und segnest sein Gewächs. Du krönest das Jahr mit deinem Gut und füllest die Erde mit deinem Segen. Aller Augen warten auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit, und wenn du gibst, so sammeln wir; wenn du deine Hand auftust, so werden wir mit Gute gesättigt. Du lässest aus deinen Odem, so entstehen Welten und es erneuert sich die Gestalt der Erde. Die Ehre des Herrn ist ewig; er hat Wohlgefallen an seinen Werken. Er schauet die Erde an, so bebet sie; er rührt die Berge an, so rauchen sie. Ich will dem Herrn singen mein Lebelang, und meinen Gott loben, so lange ich bin. Es ist ein köstlich Ding, dem Herrn danken und lobsingen deinem Namen, du Allerhöchster. Du bist würdig zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen und durch deinen Willen haben sie ihr Wesen. Dich kennen ist die rechte Weisheit und dich lieben die Fülle der Seligkeit. Meine Seele dürstet nach dir und in der Frühe schauen meine Augen zu deiner Höhe. Ich hebe meine Hände in deinem Namen auf und meine Lippen preisen deine große Barmherzigkeit. Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, und wenn ich erwache, so rede ich von dir; denn du bist mein Helfer und unter dem Schalten deiner Flügel ruhe ich in Frieden. Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich loben kann mit fröhlichem Munde und meine Hände aufheben kann in deinem Heiligtum. Darum lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen. Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Amen. (Christian Wilhelm Spieker)
„Die Himmel erzählen die Ehre Gottes, und die Beste verkündiget seiner Hände Werk. Ein Tag sagt's dem andern, und eine Nacht tut's kund der andern.“ .
Ein ewiges Loblied verherrlicht den Herrn der Schöpfung, ein Chor von Millionen Stimmen preiset seinen Ruhm. Wer diese Stimmen zu deuten versteht, wie es David verstand, dem wird die weite Schöpfung zu einem großen Dom voll brausenden Lobgesangs, und das Herz wird ihm bewegt, und er muss heiliger Begeisterung voll mit einstimmen in das tausendstimmige Lied. - Wir wissen ja wohl, die Kreatur selbst kennt ihres Liedes Inhalt nicht, aber es ist der Hauch Gottes, der in ihrem Liede lebt, es M der Schöpfer, der durch sie seine ewige Herrlichkeit feiert, damit wir, die wir ihn kennen, mit klarem Bewusstsein ihn als den Einen, dem Lob und Preis gebührt, feiern.
Tritt nur hinaus auf die Flur in der Morgenfrühe; kaum erwacht der junge Tag, so werden jubelnde Morgenlieder laut, die die Sonne begrüßen, die wie ein Held ihre Bahn zu laufen beginnt, . und wenn der Tag sich neigt und die letzten Strahlen die Wolken über uns verklären, klingt nicht aus dem Abendpurpur und Abendgold über uns noch der Lerchen fröhliches Danklied herab? - Und auch die stumme Kreatur trägt den Namen Gottes; ersteht geschrieben auf jedem Blatt im Hain, auf jeder Blüte, jedem Halm, auf den Netzflügeln der Mücke, die sich im Sonnenglanze wiegt, wie auf den Fittigen des Adlers, der hoch in den Lüsten über uns kreist.
Und steht, er nicht geschrieben auch in deinem Herzen, o Mensch? Hat sich dir nicht dein Gott geoffenbart in seiner unendlichen Herrlichkeit? Schaust du nicht seiner Gottheit Fülle, seine Herrlichkeit, Liebe und Gnade in seinem Worte, das Fleisch ward auf Erden, in der Gestalt seines Sohnes, die dir aus den Büchern der heiligen Schrift entgegentritt, eine Knechtsgestalt, dir gleich, dem äußern nach, aber umwallt vom Glorienschein himmlischer Verklärung? Und du, o Mensch, wolltest schweigen? Du allein wolltest deinem Herrn die Ehre nicht geben, die ihm gebührt? Dann ständest du tief unter der vernunftlosen Kreatur.
Du hast deine Freude an der reichen Schöpfung, wohlan, vergiss über dem Kleide nicht den, der es sich webt und der es trägt, feiere nicht die Kreatur, wie so viele Toren tun, sondern erhebe lobpreisend ihren ewigen Herrn! Sprich zu dir selbst, wie der königliche Sänger zu sich sprach: „Ich will den Herrn loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein. Meine Seele soll sich rühmen des Herrn, dass die Elenden hören und sich freuen. Preiset mit mir den Herrn, und lasst uns mit einander seinen Namen erhöhen.“
O dass ich tausend Zungen hätte
Und einen tausendfachen Mund,
So stimmt' ich damit um die Wette
Aus allertiefstem Herzensgrund
Ein Loblied nach dem andern an
Von dem, was Gott an mir getan.
O dass doch meine Stimme schallte
Bis dahin, wo die Sonne steht!
O dass mein. Herz mit Jauchzen wallte,
So lang' es noch im Laufe geht!
Ach, wär' ein jeder Puls ein Dank
Und jeder Odem ein Gesang!
Amen! (Christian Wilhelm Spieker)
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Veste verkündigt seiner Hände Werk; ein Tag sagt es dem andern und eine Nacht tut es kund der andern; ihre Schnur geht aus in alle Lande, es ist keine Sprache noch Rede, da man ihre Stimme nicht höre.
Ja dich, o Gott, lobt auch dieser Tag, der sein Licht gebreitet hat über Tal und Höhen. Deine Ehre verkündigen die zahllosen Geschöpfe, die jetzt zu neuem Leben erwacht sind; deine Ehre verkündigt auch meine Seele und preist von dir: deine Güte ist's, dass wir nicht gar aus sind und deine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu und deine Treue ist groß. O mache du selbst uns tüchtig, deine Ehre zu verkünden, nicht bloß mit Worten, sondern auch mit Werken. Mache uns recht dankbar für deine Gaben, zufrieden bei dem, was da ist, unverdrossen und treu bei unserer Arbeit, wohlgemut unter der Sorge und Last des Tages. Gib uns den Geist der Wachsamkeit, dass wir auf der Hut seien vor uns selber, und den Geist der Milde und der Nachsicht gegen unsere Brüder. Du lässt die Sonne hervortreten, wie ein Bräutigam aus seiner Kammer; so lass auch hervortreten und unsern Seelen voranleuchten den himmlischen Bräutigam Jesus Christus, geschmückt mit dem strahlenden Gewand seiner Wahrheit und Liebe, seiner ganzen geistigen Herrlichkeit; er vertreibe durch sein Licht das Dunkel der Sünde aus unsern Herzen und aus unserm Leben, verkläre unsern Wandel und erfülle uns mit seliger Freude, dass wir in seiner Gemeinschaft stehen und dass wir durch ihn deine Kinder seien, welche nichts von deiner Liebe scheiden kann. Und wenn auch wir die Bitterkeiten des Lebens kosten müssen, o so lass uns nicht missmutig noch verzagt werden, sondern laufen mit Geduld in den Kampf, der uns verordnet ist, im Aufblick zu ihm, dem Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der, da er hätte mögen Frieden haben, das Kreuz erduldete und der Schande nicht achtete. So verkündige auch dieser letzte Wochentag deine Ehre, vom Morgen bis zum Abend, mit jedem Gedanken, den wir in uns tragen, mit jedem Wort, das unsern Lippen entflieht, mit jedem Werk, das unsere Hände treiben. So verkündige jeder Tag unseres Lebens deine Ehre, bis der letzte Tag sich zu Ende neigt und der Morgenstern der Ewigkeit aufgeht über unsern Herzen. Amen. (Robert Grubenmann)
Die Himmel erzählen die Ehre Gottes und die Veste verkündet seiner Hände Werk.
Vater des Lichtes, bei welchem keine Veränderung ist noch Wechsel des Lichtes und der Finsternis, deine Gabe ist auch dieses freundliche Morgenlicht, welches uns wachgerufen hat zur Arbeit einer neuen Woche. Du, an dessen Segen Alles gelegen ist, gibst deinen Segen auch zu unserm Tagewerk. Lass uns fröhlichen Mutes an die Arbeit gehen und dieselbe nicht bloß verrichten um des zeitlichen Gewinnes oder um des Ruhms vor Menschen, sondern um des Gewissens willen und in rechter Liebe zu dir und allem Guten. Und wenn der Erfolg unserer Arbeit nur langsam reifen will und ein geringer scheint, so lass uns die Geduld nicht verlieren, sondern unverdrossen unsere Pflicht erfüllen in vollem Vertrauen auf dich, der du es dem Redlichen am Ende doch gelingen lässt. Lass keine Aussicht auf Gewinn, keine Macht der Erde uns hinreißen, etwas zu sagen oder zu tun, was wider die Seele und das Gewissen streitet. Vater der Liebe, der du deine Hand auftust und sättigst alles, was lebt, mit Speise und Wohlgefallen, tue auch jetzt wieder deine Hand auf und reiche uns dar alle Notdurft des Lebens. Gib uns zum Genuss deiner Gaben auch den Geist der Dankbarkeit und Zufriedenheit, der erbarmenden und tatkräftigen Liebe zu den Brüdern. Lass wachsen unter uns dein Reich, das da besteht in der Gerechtigkeit, im Frieden und in der Freude des Heiligen Geistes. Herr, sei uns freundlich und fördere das Werk unserer Hände, ja das Werk unserer Hände wollest du fördern. Amen. (Robert Grubenmann)