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Psalm 139,1

Psalm 139,1

Andachten

HErr, Du erforschest mich, und kennest mich.

Gott, Du erfüllest mit Deiner heiligen Gegenwart Himmel und Erde. Wo sollen wir hingehen vor Deinem Geist? Lehre uns doch zu Dir beten in wahrem Glauben an Deine heilige und gnädige Gegenwart. Ach, wir bekennen vor Deinen heiligen Augen, dass wir nicht würdig gehandelt haben dem hohen Beruf und den großen Absichten, die Du mit uns hast. O Herr, wie haben wir nicht so zerstreut, so unachtsam, so abgewichen von Dir so manche Stunde zugebracht! Du hast Dich über uns erbarmt und uns aus vielen Banden gerissen, und Deine Gnade in Christo erfahren lassen. O dass wir uns Deiner Gunst hinfort durch nichts weiter verlustig machten! Erneuere in uns den Glauben an Deine gnädige Gegenwart. Lass diese Deine Gegenwart einen beständigen Grund sein zum Frieden, zum Vertrauen, zum Mut auf unserm Pilgerwege. Hast Du Dich zu uns geneigt in Gnaden, o so neige uns doch auch zu Dir, dass wir Dich im Glauben mögen gegenwärtig sehen und gegenwärtig behalten in einem andächtigen und liebenden Herzen! O Herr, lass die Welt je länger je mehr aus unsern Sinnen und Gedanken verschwinden, dass wir von allen nichtigen Dingen mögen absehen. Deine gnädige Gegenwart nehme unser ganzes Herz ein, dass wir mit Dir uns beschäftigen und Dich niemals vermissen mögen. Wir gewöhnen uns nicht genug an Dich: o mache uns doch andächtiger; lass unser Herz unverwandter bei Dir bleiben, dass die Gedanken an Deine Gegenwart und das Gespräch unseres Herzens mit Dir uns immerdar so begleiten, dass wir Deiner weder lebend noch sterbend vergessen können. – Bringe uns zum wahren Herzensgebet. lehre uns auf Deine Stimme lauschen und Deines Geistes Wirkungen Raum geben. Lass uns vor Dir als ein recht priesterliches Geschlecht wandeln. Gib Gnade, dass wir unser Liebstes nirgend scheuen, sondern alles unsrige Dir gern zum Opfer bringen. O lass Alles verzehret und vernichtet werden in unsern Herzen, was nicht von Dir und von Deiner Gnade herrührt, dass endlich nichts in uns lebe, als Du allein. Ist doch unser Herz von Dir erkauft, berufen und erwählt, dass es dir sollte zum Tempel und Heiligtum werden. Nun komm, wir bringen Dir unser armes Herz zum Opfer. Komm und erfülle Dein Heiligtum, und lass ewig nichts Unreines hineinkommen. Amen. (Friedrich Arndt)


Die Gesinnungen, die dieser Psalm ausdrückt, sind es, die den, der Glauben an Gott hat, beseelen. Wer da sagt, dass er einen Gott glaube, und nicht glaubt, dass Gott sieht, Alles sieht, was im Herzen und auf der Zunge und in der Hand des Menschen ist; wer sich nicht fürchtet vor diesem allsehenden Auge, der ist ein Lügner; es ist nicht wahr, er glaubt nicht an Gott. O Glaube Davids! belebe uns! verlass uns nie! du Allsehender! du Allwaltender, Heiliger und Gerechter! Lass uns nicht einen Augenblick vergessen, dass du uns erforschest und kennest; dass du allenthalben und allezeit uns umgibst, dass sich kein Gedanke vor dir verbergen, kein Wort auf unserer Zunge dir entgehen kann! Wer kann dir, wer deinem Geiste entfliehen? Führe ich in den Himmel, so bist du da; bettete ich mir in die Hölle, so bist du auch da! Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meere, so würde mich doch deine Hand daselbst führen, und deine Rechte mich halten. Finsternis kann mich dir nicht verdecken; denn bei dir ist die Nacht auch Licht! - Wer nichts als diese Wahrheit im Geiste Jesu beständig lebendig vor Augen hätte und in diesem gottesfürchtigen Sinn wandelte, wie heilig, wie gerecht, wie zerknirscht und gebeugt, wie zuversichtlich und kindlich würde der immer leben und wandeln! Wer aber diese Wahrheit ganz vergiss, des allsehenden und allwissenden, allforschenden und allgegenwärtigen Heilandes vergisst, wie kann Gottesfurcht, Glauben und Gottseligkeit vor seinen Augen sein? Eitel ist sein Christentum, gottlos ist seine Religion, Heuchelei seine Tugend, Sünde und Laster seine Gerechtigkeit. (Johannes Evangelista Gossner)


Gott hat nicht nötig, nach und nach durch Fragen oder angestellte Versuche etwas zu erforschen, denn es ist Alles bloß und entdeckt vor Seinen Augen; wenn aber Seine Erkenntnis sich auf dasjenige beziehet, das sonst den Menschen, ja allen Geschöpfen verborgen ist, und überdies Sein Licht dasjenige, das verborgen gewesen war, den Geschöpfen entdeckt und offenbart, so wird es ein Erforschen genannt. Kein Mensch kennt sich selber so, wie Gott ihn kennt. Es gibt aber Augenblicke, Stunden und Tage, wo Gott das wesentliche Licht in der Seele helle macht, und derselben etwas von Seiner Erkenntnis mitteilt. Alsdann tut der Mensch Blicke auf sich selbst. Alsdann wird ihm der Rat seines eigenen Herzens in Ansehung seiner Worte und Werke offenbar. Er fühlt zugleich entweder das freundliche Wohlgefallen oder den scheltenden Ernst des HErrn. Er wird gebeugt, klein, demütig vor dem HErrn, und die Eigenliebe und Weltliebe wird von seinen Werken genauer als vorher weggeschmelzt. Dieses ist das Strafen und Züchtigen, wovon der HErr Jesus Off. Joh. 3,19., oder das Rechnen und Rechten, wovon Er Matth. 18,23. und Jes. 1,18. redet. So etwas hatte David erfahren, und sagte deswegen: HErr, Du hast mich erforscht, Du hast das Verborgene meiner Seele mit Deinem Licht beleuchtet und aufgedeckt, und hast mich erkannt, und mir den rechten Bescheid über meinen Zustand gegeben. Er wünscht aber, eben dieses noch mehr zu erfahren, und bat deswegen in den letzten Versen dieses Psalmen darum.

Bei einem solchen göttlichen Erforschen muss der Mensch freilich stehen, und nicht fliehen, aufmerken, und sich nicht zerstreuen. Wenn auch ein scharfes Rügen damit verbunden wäre, und die Angst seines Herzens groß würde, so soll er doch nicht meinen, dass nun über seine Person ein unabänderliches Urteil der Verdammung gesprochen werde. Muss er sich auch als einen Gottlosen und als einen Heuchler ansehen: wohlan, die Gnadenzeit währt noch: er kann noch Gnade finden, es ist im Reich Gottes für ihn noch Raum da. Bei den Gerechtfertigten aber ergeht die göttliche Strenge nicht über ihre Personen oder über ihren ganzen Zustand, sondern nur über die Unreinigkeit, die ohne ihr Wissen noch in ihnen ist, und auch an ihren Worten und Werken klebt. Der HErr schilt sie, wie man ein Kind schilt, dessen Untugenden man hasst, das man aber zugleich doch liebt, und durch das Schelten nicht verderben, sondern besseren will.

Bei der herrlichen Zukunft des HErrn wird ein Jeder in seiner eigentlichen sittlichen Gestalt offenbar werden. Der HErr bewahre uns, dass wir alsdann nicht zu Schanden werden, und erforsche und läutere uns in der Gnadenzeit nach Seiner großen Barmherzigkeit. Lasst uns also nur darauf bedacht sein, dass wir vor Ihm Gnade finden, und Ihm wohlgefallen, übrigens aber in der Welt im Angedenken des HErrn Jesu und nach dem Beispiel Seiner teuersten Knechte mit einer stillen Gelassenheit durch Ehre und Schande, durch böse und gute Gerüchte gehen. Der HErr kenn uns: der HErr ist’s, der uns richtet. Dieses soll uns nicht schrecklich sein, denn es ist besser, in die Hände des HErrn fallen, als in die Hände der Menschen, weil Er barmherzig ist, die Menschen aber das rechte Maß nie treffen. Er ist uns aber auch nahe. Er ist allenthalben um uns. Wenn etwas Gutes von uns geschieht, so schafft Er’s durch Seinen Geist: Ihm gebührt also die Ehre, auch hält Er bei den täglichen Gefahren, denen unser leibliches und geistliches Leben ausgesetzt ist, Seine Hand über uns, und schützt uns. Gebt unserem Gott die Ehre! (Magnus Friedrich Roos)


HErr, Du erforscht mich und kennst mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt Du es; Du verstehst meine Gedanken von ferne.

Meine Feinde und Verfolger, will David sagen, lästern mich, meine Andacht und Gottesfurcht, meinen Glauben und Gebet, womit ich Dir diene; solches verachten sie, und halten es für Heuchelei: Aber Du, mein lieber Gott! Du kennst mein Herz, und weißt, wie ich es meine rc. Wir lernen hier, dass Gott, der HErr, aller Herzen Kündiger, mehr sieht auf unser Herz, als auf unsere Werke, und richtet auch alle unsere Werke nach unsern Herzen - Er sieht nicht auf den äußerlichen Schein, sondern auch auf den Grund des Herzens. Darum sollen wir ja zusehen, dass unsere Worte und Werke gehen aus reiner Absicht, dass wir Gott und Seine Ehre allein meinen in unserm Tun, dass alles aus dem Glauben und der Liebe gehe, dass wir uns nicht selbst in unserm Tun suchen und ehren, denn so taugt alle unser Tun vor Gott nicht. Wir sollen uns dahero auch in der Furcht Gottes halten, unsere Gedanken zähmen zu Gott täglich seufzen, dass nicht unser Fleisch und Blut unsere Gedanken in uns wirken, vielweniger der Satan, sondern dass wir durch Gottes Eingeben denken, was recht ist, und dasselbe durch Seine Kraft vollbringen mögen. Phil. 2,13. (Johann Arnd)

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at/19/psalm_139_1.txt · Zuletzt geändert: von aj
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