Psalm 123,3
Andachten
Sei uns gnädig, HErr, sei uns gnädig; denn wir sind sehr voll Verachtung. Sehr voll ist unsere Seele der Stolzen Spott, und der Hoffärtigen Verachtung.
Dies ist eine betrübte Klage der elenden, verlassenen und verfolgten Christen, die durch falsche Zeugen und Lästerer werden untergedrückt. Hier haben wir eine Lehre und einen Trost. 1. Die Lehre ist, dass Verachtung und Spott der Hoffärtigen nicht das geringste Kreuz ist, dadurch Gott der: HErr die Seinen läutert und probiert, sie züchtigt und demütigt. Und wer dies Kreuz um Christi und Gottes Ehre willen erdulden kann, der hat ein großes Stück vom wahren Christentum erlangt, in demselben lebt Christus mit Seiner Demut und Sanftmut; der ist recht stark in dem HErrn, und in der Macht Seiner Stärke; denn solches kommt nicht von Fleisch und Blut, sondern von dem inwohnenden Christo in unsern Herzen. Darum sollten wir bei Leibe solches nicht rächen mit Wiederverachtung und Wiederschelten, sondern nur allein Gott klagen, und bitten, dass Er uns gnädig sei, und sprechen: Ach lieber Gott! wie ungnädig sind doch die Menschen, wie spotten sie mein, wie verachten und verlachen sie mich! ich will Dir es geklagt und befohlen haben. Darauf antwortet der liebe Gott: Jes. 33,1. Jer. 20,11 - 2. Der Trost aller Verachtung ist Gottes Gnade: Sei uns gnädig, sagt der Psalm. Wenn wir verachtet werden von der Welt, so werden wir geliebt von Gott.
Wenn ich weinen muss, wird Dein Tränenfluss nun die meinen auch begleiten und zu Deinen Wunden leiten, dass mein Tränenfluss sich bald stillen muss. (Johann Arnd)