1. Korinther 1,30
Andachten
Er ist uns von Gott gemacht zur Heiligung und zur Erlösung.
Nicht allein damit, dass Er, wie Joh. 17, V. 19, sich für uns heiligt und zum Opfer gibt, sondern dass Er seinen heiligen Geist uns schenkt, der in uns ein neues Leben anrichtet, der Sünde widerstrebet und uns zum herzlichen Gehorsam gegen Gott treibt. Zur Erlösung. Es falle vor Anfechtung, Not, Kümmernis, Verfolgung, wie sie wollen, doch ist Christus bei uns, dass wir endlich siegen und Erlösung spüren, nicht allein hier zeitlich, sondern eine ewige Erlösung solches reichen, ewigen Erbes sollten wir uns ja herzlich annehmen und freuen; denn zu solcher Hoffnung beruft uns Christus weil Er uns seine Brüder nennt. Aber ein Jammer über alle Jammer ist, dass wir mehr Freude darüber haben, wenn uns von einem Menschen 100 Gulden geschenkt und beschieden werden, denn so uns der Sohn Gottes in sein ewiges Erbe einsetzt. Nun ist's je wahr, wir sollten uns an dem lassen genügen, wenn Christus uns seine Jünger, seine Knechte, seine Schüler ließe sein, oder so Er uns seine Freunde hieße; denn wer wollte doch sich so eines großen Herrn und Meisters nicht rühmen? Er hebt uns aber höher, weil Er es bei einem Geringen nicht lassen bleiben kann, und heißt uns seine Brüder. Darum sollte man solches großen Trostes nicht vergessen, sondern immerdar an diese reiche, ewige Brüderschaft denken, und derselben uns in allen Nöten und im Tode selber trösten. Darum lasst uns dankbar sein für die selige Lehre und sie mit Herzen annehmen, und der Auferstehung Christi also brauchen, dass wir zu Christo, als zu unserm Bruder, ein fest Vertrauen haben, Er werde sein Leben, da Er jetzt innen lebt, zu unserer Seligkeit brauchen und, wie St. Paulus sagt, uns vor allem Zorn behüten. Wer nun solches könnte fest glauben, der würde sich kein Unglück bekümmern lassen. Denn es falle Not und Mangel vor, wie, und was da wolle, so wissen wir, dass Christus lebt, und wir sollen auch mit ihm leben. Was kann uns denn das bekümmern, dass wir hier zeitlich leiden, so wir das Ewige durch Christum gewiss haben. (Martin Luther)
“Welcher uns gemacht ist von Gott zur Weisheit.“
Des Menschen Geist sucht Ruhe und sucht sie von Natur außerhalb des Herrn Jesu Christi. Menschen von Bildung sind, auch wenn sie bekehrt sind, stets geneigt, auf die Einfalt des Kreuzes Christi mit einem zu wenig achtungs- und liebevollen Blick hinabzuschauen. Sie lassen sich in das alte Netz locken, in welchem die Griechen gefangen wurden, und haben eine Neigung, ihre Philosophie mit der Offenbarung zu verflechten. An einen Menschen von scharfem Verstande und guter Erziehung tritt die Versuchung heran, von der einfachen Wahrheit des gekreuzigten Christus abzugehen, und eine geistiger gefasste Lehre aufzustellen, wie man sich auszudrücken pflegt. Dies führte die ersten christlichen Gemeinden zum Gnostizismus und bezauberte sie mit allerlei ketzerischen Lehren. Dies ist die Wurzel der Gottesverleugnung und andrer Aster-Weisheit, die in vergangenen Tagen in Deutschland wucherten, und noch jetzt auf gewisse Richtungen unter den Gottesgelehrten großen Zauber ausüben. Wer du auch bist, lieber Freund, und welche Erziehung du genossen hast; wenn du des Herrn bist, so sei versichert, dass du in einer philosophierenden Religion keine Ruhe findest.
Du kannst dir hier die Lehre irgendeines großen Denkers, dort den Traum eines tiefen Forschers aneignen; aber was die Spreu am Weizen ist, ist dies alles an der reinen Wahrheit des göttlichen Wortes. Alles, was auch die bestgeleitete Vernunft zu erforschen vermag, ist nur das ABC der Wahrheit, und auch da noch fehlt es an Gewissheit, weil in Christo Jesu alle Fülle der Weisheit und der Erkenntnis vereinigt ist. Alle Versuche, sich mit einer Vereinigung aller christlichen Bekenntnisse zu befreunden, sind gescheitert; die wahrhaften Erben des Himmelreichs kommen stets auf die großartig einfache Tatsache zurück, die des Ärmsten Auge mit freudigem Glänzen erfüllt und des Elendesten Herz mit Wonne erquickt: „Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen.“ Jesus gewährt dem höchstgebildetsten Weisen volle Befriedigung, wenn Er gläubig ins Herz aufgenommen wird, aber außer Ihm findet das Gemüt des Wiedergebornen keine Ruhe. „Die Furcht des Herrn ist der Weisheit Anfang; das ist eine feine Klugheit; wer danach tut, des Lob bleibet ewiglich.“ (Charles Haddon Spurgeon)
Von welchem auch ihr herkommt in Christo Jesu, welcher uns von Gott gemacht ist zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Heiligung, und zur Erlösung.
Bei manchen Christen dauert es lange, ehe alles an ihnen geschieht, was geschehen muss und darf, dass sie selig werden; bei andern geht's kurz, wie bei Paulus. Alles aber, was an einem jeglichen Menschenherzen geschehen muss, zeigt sich in diesen vier aufeinanderfolgenden Stufen: Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung. Was uns die Geschichte vom verlorenen Sohn praktisch vorführt: eine Einkehr in sich („Ich will zu meinem Vater umkehren“) und seine wirkliche Umkehr zu ihm, ist uns hier theoretisch gezeigt. In vier kurzen bündigen Worten ist das gesunde, nüchterne, lebendige, wahre Christentum, auf vier Säulen ruhend, gezeigt. Wo eins derselben fehlt, ist das Christentum ungesund oder nur halb. Wie dort dem Propheten Hesekiel der Weg zum vollendeten Heil gezeigt wird, ist's ein Strom, aus dem Heiligtum fließend, der zuerst demselben bis an die Knöchel, hernach an die Knie, endlich an die Lenden ging und zuletzt so hoch und tief wurde, dass der Prophet nicht mehr gründen konnte, sondern fortschwimmend sich ihm überlassen musste.
Das erste, was wir von ihm erfahren, sein erstes Begegnen uns gegenüber, der Anfang des Erlösungswerkes, heißt: Weisheit. Jesus ist uns gemacht zur Weisheit. Die Weisheit der Welt besteht darin, dass man vieles um sich her kennt, und sich selbst nicht. Die Weisheit des HErrn zeigt uns unsere wahre Gestalt im Licht vor seinem Angesicht. Ein Herz, das sich nicht selbst kennt, hat ja zu schwer, andere zu tragen, zu lieben und zu verstehen. Der HErr tadelte eine Sünde Israels, um derentwillen Er seinem Volke Plage, Heimsuchung schickt, indem er sagt: „Sie gehen hin Er und her, und bleiben nicht daheim.“ Es ist die in unseren Tagen so häufige Sucht, nach außen zu bringen, um das Elend des Inneren nicht erkennen zu müssen. Es ist der Zustand des Hausvaters, der nicht gerne daheim ist, um das Elend der Familie nicht zu sehen; des Kaufmanns, der nicht gerne in seine Bücher schaut, um nicht auf das schauerliche Ergebnis seiner Unfähigkeit zum Zahlen zu kommen. Erkenntnis der Sünde ist die erste Frucht von Gottes Werk in uns, wie auch das erste Gefühl der Juden beim Wiederaufbau des verfallenen Zions war: „Des Staubes ist zu viel.“. Schauerlich ist es, auf die Zentnerlast mit Gott hineinschauen, und unwillkürlich spürt die Seele: „Ich bin schwarz.“ Wenn unser Leben uns als etwas vom Tode, unsere Liebe als Fleischlichkeit, unsere Aufopferung als Ruhmsucht, unser Bitten als Selbstsucht aufgedeckt wird, dann sind wir in der Schule der Weisheit. Ja, wäre Christentum nichts als ein Wesen, das schonungslos unser böses Wesen uns aufdeckt, so wäre es zum verzweifeln. Die persönliche Weisheit, Jesus Christus; bringt uns durch den Einblick in unser Herz einen gewaltigen Kampf; es will sich entledigen von der Sünde, es sucht Ruhe. Wo findet es sie? Nicht im anders-anfangen, nicht im Büßen, nicht im Opfer, nicht in Gaben und Geschenken, nicht im Anschauen und Betrachten des Elends, nicht im Trauern und Weinen, nicht im Rennen und Laufen im Ausblick auf Ihn.
Christus ist uns gemacht zur Gerechtigkeit. Im Aufsehen auf Ihn, in vollständiger Übergabe an Ihn, bekommt das Herz die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt: die Vergebung der Sünden. Es ist ja das Präludium der Hölle: Sünde wissen, und keine Vergebung kennen; die Schulden wissen, und keine Kraft zum Zahlen haben; täglich das Haus sehen müssen, dem man Tausende schuldet; den Vater erblicken, dem man heimlich Unrecht getan hat, dessen Gebote man übertreten, und die mögliche Weise, bald die Sünde entdeckt und dann die strafbaren Kameraden sehen, mit denen man Schande getrieben: die Gassen erblicken, in der das Unzuchtshaus steht; das alles fühlen und nicht ruhig sein; im brennenden Hause sein und keine Retter haben. Wohl dem, dem die Missetat vergeben! Im demütigen Bekenntnis der eigenen Schuld und gläubigen Aufschauen auf Ihn liegt das Geheimnis der Vergebung (siehe das Beispiel des Schächers am Kreuz). Bis dahin versteht manches den Heilsweg, es ist ihm eine erfahrene Sache.
So wahr Gottes Sonne am Himmel noch prangt,
So wahr hab' ich Vergebung der Sünden erlangt.
Es sind dies bekannte Dinge, die Lehre von der Sünde und von der Gnade, der Blick aufs Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt. Da aber möchte mancher gerne Ruhe haben und stille stehen, und sieht mit Grauen ein neues Blatt sich entfalten:
Christus ist uns gemacht zur Heiligung. Kaum dass man so recht gerufen: „Wann schlägt die frohe Stunde? ach wann komm ich heim?“ so muss man wieder ins Leben, vom Tabor ins Tal, vom Konzert ins Kindergeschrei, von der Vakanz in die Schule, von der frohen Aussicht über vergebene Sünden in die bedenkliche Einsicht noch vorhandenen Elends. Die Wurzeln einst begangener Sünden, Neigungen zu demselben Sündenstoff entdeckt man, und nun entsteht ein neuer Kampf. Beim ersten Gefecht und Treffen ging's um das Werk der Versöhnung; es hieß: ich bin vom HErrn getrennt und muss versöhnt, vereinigt werden; ich habe den HErrn beleidigt und muss abbitten; ich habe gesündigt und muss Vergebung haben. Bei diesem Kampf genügt Versöhnung nicht; man will Errettung! Das erste Mal hat man es mit etwas Vergangenem zu tun; man hatte rückwärts geblickt, eine alte Schuld sollte abgetragen werden, um selig sterben zu können, und es geschah. Nun blickt das Herz vorwärts, es sehnt sich nach dem Ablassen von der Sünde, es ist der Kampf mit der noch vorhandenen Sünde; man will Jesum nicht wieder betrüben. Heiligung ist der Trieb, von der Macht der Sünde los zu werden. Gott sieht dem Riesenkampfe zu, wie kein Einziger mit seiner eigenen Kraft es dazu bringt, je fertig zu werden. Er sieht die Unruhe, das Bezähmen des Leibes, das Verschließen der Augen, das Ertötenwollen der Sinne und Begierden, und lässt's eine Zeitlang zu. Mit der Heiligung, d. h. mit dem Kampfe gegen die Sünde, wird der Beweis gegeben, dass es ernst ist. Gnade ist in Gott, wenn Er uns zur persönlichen Gerechtigkeit wird. Doch so wenig man bei der Weisheit stille stehen kann, so bestimmt muss auch auf Heiligung Erlösung folgen, sonst wäre das Christentum etwas des Furchtbarsten. Ja wem Jesus zur Heiligung geworden, wen Er zum Kampfe gegen die Sünde gebracht, dem will Er auch sein persönlicher Erlöser werden. Vom Sündenansehen wird man nicht selig, sondern kann höchstens verzweifeln oder verstumpfen. Ruhe für die vergangene und gegenwärtige Sünde ist nur in Jesu. Dass viele in der Heiligung bleiben und schier darin verzagen, liegt einzig darin, dass sie durch Heiligung sich selbst Erlösung schaffen wollen. Aber wie die Gerechtigkeit uns gegeben wird, so wird uns Erlösungen geschenkt, denn:
Christus ist uns gemacht zur Erlösung.
In Christo ist voller Sieg über die Sünde, nur in Ihm. Eine Menge Beter ringen lange vergebens, weil sie sich herumschleppen und wiederkommen mit dem alten Sündenplunder, und nicht Jesum anschauen, sondern sich und die Sünde. Der Mensch allein wird nicht fertig. Der Schluss des großen Erlösungswerkes ist der heilige Sabbat, da man ruht von seinem eigenen Heiligungswerke, wie Gott ruht von seinen Werken.
In der Weisheit arbeitet der Mensch; in der Gerechtigkeit ruht er; in der Heiligung kämpft seine Seele mit der Sünde; in der Erlösung ruht sie in Gott. In der Weisheit werden wir schwarz; durch die Gerechtigkeit werden unsere blutroten Sünden schneeweiß; die Heiligung macht uns zu Kämpfern; die Erlösung legt uns an die Brust Jesu. (Samuel Zeller)
Christus ist uns von Gott gemacht zur Heiligung.
Wir nehmen unter den Christen eine gesetzliche, drückende und eine natürliche, reale, selige Heiligung wahr. Die gesetzliche ist selbstgemacht, krampfhaft errungen, die selige aber eine beständig aus Jesus quellende Heiligung. Er ist's, der Sein Volk von den Sünden seligmacht. Die selbsterworbene Heiligung stürzt unversehens wie ein Kartenhaus zusammen. Und dann ist der Geist namenlos unglücklich. Verzagtheit kommt über einen solchen Menschen. Die Heiligung aber, die aus unserer Verbindung mit dem Herrn fließt, ist uns keine Qual und kann unmöglich wie ein Nebel entweichen. Ist unser Leben mit Christo in Gott verborgen, sind wir wahre Glieder an Ihm, dem heiligen Haupte, so teilt Er uns fort und fort Sein Leben und Wesen mit. Dann ist Sein Lebensgeist in uns; darum wird nun die Frucht, die wir bringen, als aus Ihm erkannt. Aus dem Herrn und für den Herrn leben die Seelen, die im Glauben Ihm verbunden sind. Kinder Gottes bitten darum, dass Christus in ihnen verherrlicht wird, dass der im Himmel Thronende in ihnen wohnen und wirken kann. Dann können sie auch als solche, in denen Er ist, aus Ihm heraus die Welt überwinden, aus Ihm heraus den Nächsten lieben, aus Ihm heraus, in Seiner Kraft und in Seiner Gegenwart sich bewegend, demütig und sanftmütig, gütig und selbstlos sein. Aus Ihm, der in uns ist, haben wir Frieden, Freude, Ruhe, Trost, Kraft, Hoffnung. Diese wahre und selige Heiligung ist ein Bleiben im Herrn, und ihre Frucht ist Hineingestaltung in das Bild Gottes. (Markus Hauser)
Christus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit.
Paulus schrieb 1 Kor. 1,27.: was töricht ist vor der Welt, das hat Gott erwählt, dass Er die Weisen zu Schanden mache, und dieser sein Ausspruch kommt mit der Rede Christi überein: Ich preise Dich Vater und HErr Himmels und der Erden, dass Du (das Evangelium) den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den Unmündigen geoffenbart. Matth. 11,25. Es gibt also Weise unter den Menschen, welche Gott nicht erwählen, oder welchen Er Sein Evangelium nicht offenbaren kann, und man darf hierbei nicht nur an staatskluge oder hochgelehrte Leute gedenken, wiewohl auch solche von dieser Art sein können: denn es gibt unter dem geringen Volk viele, welche sich in falschen Vorstellungen und Meinungen oder auch in lügenhaften Ränken und Behelfen so fest setzen, dass das Evangelium, welches nichts als Wahrheit enthält, bei ihnen keinen Raum oder Kredit findet. Gottes Gedanken, die er im Evangelio offenbart hat, sind nicht ihre Gedanken: weil sie nun in ihre eigenen Gedanken verliebt sind, und sie nicht aufopfern wollen, so sind sie zum Glauben untüchtig. Besser ist’s, töricht vor der Welt zu heißen. Niemand schäme sich dieses Namens, da Paulus 1 Kor. 1. sogar von einer göttlichen Torheit und von einer törichten Predigt geredet hat, weil nämlich Gott selber und Sein Evangelium der Welt, die sich in ihrer Weisheit gefällt, töricht zu sein scheint. Es ist also auch derjenige Mensch töricht vor der Welt, der geradezu glaubt, was man ihm als Gottes Wort sagt, und sich nach dem Maß seiner Einsicht und Kraft im Tun und Reden danach richtet. Einen solchen Menschen hält die Welt für einfältig: sie sagt von ihm, er sei zu ehrlich für den gegenwärtigen Zeitlauf; sie weissagt ihm, er werde sein Glück nicht machen; sie hält ihn für einen Toren, dem es an der rechten Lebensart fehle, und der zu Welthändeln, die man ohne Lügen und Betrug nicht durchsetzen kann, nicht zu gebrauchen ist. Allein solche Leute sind es, die Gott erwählt, und denen Er das Evangelium von Seinem Sohn nach und nach offenbart.
Christus Jesus ist nämlich den Menschen zur Weisheit gemacht. Wer weise sein will, muss Ihn erkennen, und diese Erkenntnis schafft der Geist der Wahrheit, welcher von Christo Jesu und um Seinetwillen zu den Menschen gesendet wird, um sie zu erleuchten, und Christum Jesum in ihnen zu verklären. Niemand denke, dass diese Erkenntnis Christi Jesu etwas Enges und Eingeschränktes sei, und dass die Menschen dadurch nur zur Andacht bei den Religionsübungen tüchtig gemacht werden, zu allen andern Dingen aber ungeschickt bleiben. Die Erkenntnis Jesu breitet ihr Licht auch auf den Weg aus, auf dem man in der Welt wandeln muss. Wer nämlich Jesum kennt, erkennt auch Seinen Sinn, und hat Sein Vorbild und Seine Fußstapfen vor Augen, wie sie nicht nur in Seiner historischen Lebensbeschreibung, sondern auch in Seinen Lehren und Geboten ausgedrückt sind; und dieses ist fürwahr die rechte Weisheit, wenn man gesinnt ist, wie Er war, wandelt, wie Er gewandelt hat, und Seinen Fußstapfen der Geduld, Demut, Liebe, Sanftmut, Keuschheit, Gerechtigkeit usw. nachfolgt. Freilich haben die Menschen viele Wissenschaften und Künste erfunden, allein in diesen Wissenschaften und Künsten ist die Weisheit nicht selber enthalten, sondern sie dienen nur zur Anwendung der Weisheit auf die Bedürfnisse des menschlichen Lebens. Himmlischer Vater! mache uns weise durch die Erkenntnis Deines Sohnes Christi Jesu. (Magnus Friedrich Roos)
Christus ist uns von Gott zur Gerechtigkeit gemacht.
Gleichwie sich die Weisheit und die Heiligung, zu welcher uns Christus von Gott gemacht ist, auf unsere Natur bezieht, in welcher eine große Veränderung vorgehen soll, nach welcher wir aus Toren Weise, und aus unreinen Menschen reine und heilige werden sollen, und gleichwie sich die Erlösung, zu welcher uns Christus Jesus ebenfalls gemacht ist, auf unsere Feinde und auf alles Übel, das uns drückt und plagt, bezieht: also hat die Gerechtigkeit ihren Bezug auf das Verhältnis, in welchem wir mit Gott als unserem Richter stehen. Als ein Richter kann Gott Sünde zurechnen oder nicht zurechnen; Er kann Gnade oder Zorn erzeigen; Er kann ein Urteil zum Leben oder zum Tod sprechen; Er kann segnen oder verfluchen. Und welcher Mensch darf sich erkühnen zu sagen, dass Gott keine Sünden bei ihm finde, die Er ihm zurechnen, oder wegen welcher Er über ihn zürnen, ihn zum Tod verdammen und ihn verfluchen könnte? Es ist also etwas sehr Wichtiges um die Gerechtigkeit, mit welcher man in Gottes Gericht so bestehen kann, dass Gott keine Sünde zurechnet, Gnade erzeigt, über den Menschen den Ausspruch tut: du sollst leben, und ihn unter Seine Gesegneten rechnet. Diese Gerechtigkeit aber entsteht nicht aus den Werken des Menschen, wie die Heilige Schrift an vielen Orten bezeugt, sondern aus dem Glauben an Christum Jesum, welcher uns von Gott zur Gerechtigkeit gemacht ist. Der himmlische Vater hat nämlich Seinen Sohn auch deswegen in die Welt gesandt und in den Tod hingegeben, damit wir durch Ihn gerecht werden könnten. Zu diesem Ende wurden dem Sohn Gottes alle unsere Sünden zugerechnet, oder es wurden, wie Jesaias sagt, alle unsere Sünden auf Ihn geworfen; da Er aber alsdann dem Vater an unserer Statt und als unser Sachwalter den reinsten und tiefsten Gehorsam leistete, und überdies um unserer Missetat willen verwundet, und um unserer Sünden willen zerschlagen, ja, wie Paulus sagt, ein Fluch für uns wurde: so werden uns Sein Gehorsam als für uns geleistet, und Sein Leben als für uns übernommen, zugerechnet, wenn wir an Ihn glauben, und dadurch werden unsere Sünden bedeckt, unsere Schulden für bezahlt geachtet, und das Wohlgefallen Gottes wird auf uns geleitet. Der HErr Jesus ist nicht nur für Seine Person, sondern auch als der Mittler zwischen Gott und den Menschen gerecht: diese Seine Gerechtigkeit aber wird unser durch den Glauben an Ihn. Es setzt aber dieser Glaube voraus, dass der Mensch seine ungeheure Sündenschuld erkenne und eingestehe, und sich nicht mehr einbilde, dieselbe mit eigenen Werken oder Leiden selber bezahlen zu können. Wenn aber der Mensch zu dieser Überzeugung in der Buße gekommen ist, so ergreift der Glaube Christum, beruft sich auf dessen Gerechtigkeit, und bittet um derselben willen um Gnade: ja er ergibt sich an den HErrn Jesum, um in Ihm zu sein, und in Gottes Gericht nur als ein Erlöster durch Christum, nur als ein Schuldner, für den Christus bezahlt hat, und nur als ein Glied und Rebe an Ihm angesehen zu werden. Auf diese Weise wird Christus des Menschen Gerechtigkeit, gleichwie Er ihm von Gott dazu gemacht ist; Gottes Ratschluss und des Menschen Glaube begegnen einander: wie sollte also der Glaube können zu Schanden werden? So oft also eine eigenliebige Betrachtung eigener Tugenden und Werke in uns entsteht, so mache sie der Heilige Geist durch Seine scharfe Zucht zunichte: damit Jesus in uns als unsere Gerechtigkeit recht verklärt werde, und der Ruhm Ihm allein bleibe. (Magnus Friedrich Roos)
Christus Jesus ist uns von Gott gemacht zur Heiligung.
Durch den Sündenfall Adams ist das ganze menschliche Geschlecht unrein und verwerflich worden, und wer alle Namen überdenkt, welche Gott in Seinem Wort den Sündern beilegt, da Er sie Übertreter, Abtrünnige, Ungerechte, Toren usw. nennt, ja wer ihre Beschreibung betrachtet, die Röm. 3,10-18. enthalten ist, kann erkennen, dass Niemand Ursache habe, sich seines menschlichen Namens außer Christo Jesu zu rühmen und zu freuen. Wie werden aber die Menschen wieder ehrlich vor Gott? Wie bekommen sie wieder einen guten Namen? Wie werden sie tauglich, vor dem heiligen Gott zu stehen, und in Seinem Haus oder in Seiner Stadt zu wohnen? Dieses Alles können sie nur durch Christum Jesum erlangen, wenn sie durch Ihn Weisheit und Gerechtigkeit, aber auch die Heiligung erlangen. Ohne Heiligung wird Niemand den HErrn sehen. Der Name heilig gereicht dem Menschen zur höchsten Ehre; denn Gott selbst kann nicht höher gepriesen werden, als dass man sagt: Er ist heilig. Seine Engel heißen heilige Engel. Heiligkeit ist die Zierde Seines Hauses ewiglich. Wer sollte also nicht begierig sein, heilig zu werden? Paulus hatte 1 Kor. 1,28. gesagt: Gott habe aus dem menschlichen Geschlecht, das an sich selbst schon in der Schande der Unreinigkeit steckt, das Unedle vor der Welt und das Verachtete erwählt, und das da Nichts ist, auf dass Er zu Schanden mache, was Etwas ist. Nun kommt es freilich im Reich Gottes nicht auf das Urteil der Welt an. Was vor der Welt unedel ist, ist’s nicht auch vor Gott, und was von der Welt verachtet wird, wird von Gott nicht auch verachtet: doch soll die Welt wissen, dass Gott durch Seine Erwählung das Unedle wirklich adle, und das Verachtete wirklich ehre, und dasjenige, was Nichts ist, und gleichsam weggeschätzt wird, zu Etwas, ja zu etwas Großem macht. Dieses geschieht aber durch die Heiligung. Wie erlangt man aber diese Heiligung? Paulus sagt, Gott habe Christum Jesum uns zur Heiligung gemacht. Wir werden nämlich, wenn wir uns zu Ihm bekehren, in die Gemeinschaft Seines Todes hineingezogen, wodurch wir der Sünde absterben, und in die Gemeinschaft Seiner Auferstehung, wodurch wir ein neues geistliches und ewiges Leben empfangen, wie Paulus Röm. 6. und Eph. 2. ausführlich lehrt, und dieses Alles geschieht durch den Heiligen Geist, den wir von Ihm und um Seinetwillen empfangen; denn wenn Er nicht zu dem Vater gegangen wäre, so käme dieser Tröster nicht zu uns: da Er aber hingegangen ist, so hat Er den Vater gebeten, dass Er Ihn zu uns sende, und Er sendet Ihn auch selbst zu uns. Joh. 14,16. 15,26. 16,7. Weil Er auch gebeten hat, dass diejenigen, die Ihm der Vater gegeben hat, dereinst bei Ihm sein, und Seine Herrlichkeit sehen möchten (Joh. 17,24.), ja weil die Auferstehung der Gerechten eine Folge und Frucht Seiner Auferstehung ist, so ist klar, dass wir auch die Vollendung der Heiligung dem HErrn Jesu zu danken haben.
Lasst uns den HErrn Jesum zu allem demjenigen annehmen, wozu Er uns von Gott dem Vater gemacht ist. Es gibt Leute, welche nur die Erlösung von allem Übel von Ihm begehren. Der Rat Gottes, nach welchem Christus Jesus in die Welt gesandt worden ist, lässt sich aber nicht zerstückeln, und wer Christum Jesum gewinnen und Seiner froh werden will, muss Ihn ganz annehmen. Die Heiligung, wozu Er uns gemacht ist, ist vorzüglich der Prüfstein unserer Redlichkeit. (Magnus Friedrich Roos)
Christus ist uns gemacht von Gott zur Heiligung. Das Wort heilig bedeutet etwas sehr Großes. Als die Seraphim den Dreieinigen Gott hoch preisen wollten, so sagten sie Je. 6,3.: heilig, heilig, heilig ist Gott, der HErr Zebaoth, und die ganze Erde ist Seiner Herrlichkeit voll, und als Petrus alle Gebote Gottes kurz zusammenfassen wollte, so sagte er 1 Petr. 1,14.15.16.: als gehorsame Kinder stellet euch nicht wie vorhin, da ihr in Unwissenheit nach den Lüsten lebt: sondern nach dem, der euch berufen hat, und heilig ist, seid auch ihr heilig in allem eurem Wandel; denn es steht geschrieben: ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig. Auf diese Weise schrieb Paulus 2 Kor. 7,1.: lasst uns von aller Befleckung des Fleisches und des Geistes uns reinigen, und fortfahren mit der Heiligung in der Furcht Gottes, und Hebr. 12,14.: jagt nach dem Frieden gegen Jedermann und der Heiligung, ohne welche Niemand wird den HErrn sehen. Die Heiligung ist also bei den Menschen den sündlichen Lüsten, nach welchen man in der Unwissenheit lebt, oder der Befleckung des Fleisches und des Geistes oder des Leibes und der Seele entgegengesetzt, welche durch Sünden entsteht, die man durch den Leib, oder auch nur durch böse Gedanken und Begierden in der Seele begeht. Wer also heilig werden soll, darf nicht mehr in Unwissenheit nach den Lüsten leben, und muss sich von dieser doppelten Befleckung reinigen durch das Anziehen des HErrn Jesu, dessen Kraft die Finsternis vertreibt und die Sünde tötet. Der treue und liebreiche Gott lässt es aber daran nicht bewenden, sondern so viel man von der Unsauberkeit gereinigt wird, so viel Licht und Leben bekommt der Mensch aus Christo durch Seinen Geist, um dem heiligen Gott ähnlich zu werden. Er wird erneuert nach dem Bild dessen, der ihn geschaffen hat. Er wird in das Bild Christi verklärt von einer Klarheit zu der andern. Er wird also eine schöne, herrliche, edle Kreatur, welche würdig ist, vor dem Thron Gottes zu stehen, in Seinem himmlischen Tempel Ihm zu dienen und dereinst im neuen Jerusalem Sein Angesicht zu sehen. Zu dieser Heiligung ist uns Christus gemacht. Er ist nicht nur das vollkommene Vorbild, nach welchem wir gebildet werden wollen, und hat uns nicht nur Gebote und Lehren hinterlassen, nach welchen unser Sinn und Wandel, wenn er heilig sein soll, eingerichtet sein muss, sondern man stirbt auch durch den Glauben an Ihn der Sünde, und wird mit Ihm lebendig gemacht, auferweckt, und ins himmlische Wesen versetzt. Um Seinetwillen nahet Gott zu dem Menschen, um ihn durch Seinen Geist zu bearbeiten, und zu einer neuen Kreatur zu machen. Er ist’s auch, der unsere Leiber auferwecken und Seinem verherrlichten Leib ähnlich machen wird. Herrlichkeit ist die geoffenbarte oder ausleuchtende Heiligkeit, und Heiligkeit ist eine verborgene Herrlichkeit. Was die heidnischen und alle andern Weltweisen, ohne das Evangelium von Christo dazu zu nehmen, von der Tugend geschrieben haben, reicht, ob es gleich etwas von der Wahrheit enthält, bei Weitem nicht an die Vorstellung von der Heiligkeit hin, welche uns das Evangelium macht, und welche man durch Christum erlangen kann und soll. HErr Jesu, ich liebe Dich deswegen, weil Du mir zur Heiligung gemacht bist, denn mich verlanget nach der Heiligung. (Magnus Friedrich Roos)7
Christus ist uns von Gott gemacht zur Heiligung.
Bei allen Religionen gibt es gewisse wahre oder falsche Heiligtümer, und es wird überall eine gewisse Heiligkeit erfordert, um der Gottheit, die man verehrt, zu gefallen. Die griechischen Heiden, unter welche die Korinther gerechnet wurden, hatten insonderheit eine feine Sittenlehre unter sich, welche hernach zu den Römern, und von diesen zu allen Völkern in Europa überging, und von diesen, seitdem sie etwas Besseres, nämlich das Evangelium von Christo haben, nur allzu hoch geschätzt wird. Paulus schrieb an die Korinther: Christus ist uns von Gott zur Heiligung gemacht. Es sei ferne von uns, diese Worte nur auf die Lehre Jesu zu deuten, welche freilich die wahre Heiligkeit beschreibt und gebietet: allein wer hat jemals von einem Sittenlehrer, dergleichen Salomo und alle Propheten und Apostel waren, gesagt, dass er seinen Schülern von Gott zur Heiligung gemacht sei. Jesus Christus muss auch in Ansehung der Heiligung mehr als nur ein Lehrer sein, weil diese ungemeine Rede nur von Ihm gebraucht wird. Paulus verbindet auch diese Rede mit dem Ausspruch: dass sich vor Gott kein Fleisch rühmen dürfe, und wer sich rühmen wolle, müsse sich des HErrn rühmen, V. 29.31. Wenn nun unsere Natur noch so gut beschaffen wäre, dass sie zur Heiligung nichts nötig hätte als einen Lehrer, der ihr eine gute Sittenlehre predigte und gerechte Gebote vorlegte, aber auch selbst ihr Vorbild bei der Haltung derselben wäre, so hätte sie zwar bei ihrer Heiligung den Ruhm nicht allein, weil auch der Lehrer einen Teil desselben für sich bekäme; sie könnte sich aber doch auch rühmen, dass sie mit ihren eigenen Kräften seine Lehre und Gebote vernommen, gebilligt und nach seinem Vorbild befolgt habe: allein Paulus spricht dem Fleisch oder dem natürlichen Menschen allen Selbstruhm, und 1 Kor. 2,14. alle Fähigkeit ab, und will, dass man sich nur des HErrn rühmen solle, von dem alle Weisheit, alle Gerechtigkeit, alle Heiligung und alle Erlösung herkomme. Was nun insonderheit die Heiligung anbelangt, so besteht dieselbe in der Reinigung von Sünden, in der Ausziehung des alten Menschen, und in der Anziehung des neuen, in der Erneuerung zum Bild Gottes, in der Verklärung in das Bild Jesu von einer Klarheit zu der andern usw. Sie wird in der Heiligen Schrift oft als ein Werk Gottes beschrieben, oft aber auch dem Menschen als eine Pflicht geboten. Die Worte mögen aber lauten, wie sie wollen, so ist gewiss, dass dieses immer zum Grund gelegt sei: Christus Jesus ist uns von Gott zur Heiligung gemacht. Es ist klar, dass Paulus hier auf das Mittleramt Christi Jesu weise, denn um desselben willen trägt Er die Namen: Christus Jesus, und nur in der Absicht auf dasselbe sagt die Heilige Schrift von Ihm, dass Er vom Vater gesandt, gesalbt, gesetzt, versiegelt, gegeben und zu etwas gemacht worden sei. Von Ihm also, als dem Mittler zwischen Gott und Menschen, und um Seinetwillen empfangen wir den Heiligen Geist. Sein Blut macht uns rein von den Sünden, Seine Wunden heilen uns. Sein Tod tötet die Sünde in uns, und Seine Auferstehung ist die Quelle eines heiligen Lebens. Sein heiliger Leib und Sein heiliges Blut befördern die Heiligung, wenn sie im heiligen Abendmahl genossen werden. Durch Ihn und um Seinetwillen wird endlich die Heiligung bei uns vollendet. Wer ist aber nun, der den HErrn Jesum Christum so ergreifen und genießen will, wie Er uns von Gott nicht nur zur Weisheit, und zur Gerechtigkeit, und zur Erlösung von allem Übel, sondern auch zur Heiligung gemacht ist? (Magnus Friedrich Roos)
Christus ist uns von Gott gemacht zur Erlösung.
Adam und Eva wurden durch die Lüsternheit nach einer hohen Weisheit zum Essen von dem verbotenen Baum verleitet, und verfielen dadurch in die größte Torheit. Sie verloren zugleich ihre Gerechtigkeit vor Gott, und ihre Unschuld und Heiligkeit, und zogen sich und ihren Nachkommen vieles Leiden, ja den Tod zu. Christus ist uns hingegen von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung gemacht, damit wir Alles durch Ihn überschwänglich bekommen möchten, was wir in Adam verloren haben. Was nun die Erlösung anbelangt, so hat sie ihren Bezug auf Feinde, die uns gefangen halten, und auf die Not, die uns drückt und bevorsteht. Der Satan ist der gefährlichste, mächtigste und grimmigste Widersacher der Menschen. Er hält sie gefangen, solang sie seinen Willen gern tun, und widersteht ihnen, wenn sie sich zu Jesu wenden, und Ihm dienen wollen. Es gibt Leute, denen er wider ihren Willen unzüchtige, zweifelhafte, ja gotteslästerliche Gedanken gibt. Gegen dieses Alles ist kein Hilfsmittel als dieses, dass ein Mensch den Gedanken fest fasse: Christus ist mir von Gott zur Erlösung gemacht, oder ich bin erlöst durch Christum, dass ich keiner fremden Gewalt mehr unterworfen sein, sondern Ihm leben, Ihm dienen, und ewiglich Sein eigen sein soll. Wer dieses glaubt, entrinnt dem Satan, und wird von seiner Obermacht befreit. Gesetzt, dass man auch bei diesem Glauben seine Anfälle noch eine Zeit lang leiden müsste, so könnte man doch dabei getrost und ruhig sein. Sie müssen dem Glaubenden zum Besten dienen, und der Teufel kann, ob er schon wie ein brüllender Löwe umhergeht, den, der da glaubt, niemals verschlingen. Hat ein Christ Feinde unter den Menschen, so glaube er: Christus ist mir von Gott zur Erlösung gemacht; Er wird mich also bewahren, dass ich nicht zu Schanden werde, und meine Feinde sich nicht über mich freuen können. Er wird nicht zugeben, dass Stolze über mich herrschen, und mich zur Teilnehmung an ihren Missetaten hinreißen. Er wird mich nicht in den Willen meiner Feinde hingeben, Seine Hand über mir halten, Seinen Liebesrat an mir erfüllen, und mir Alles zum Besten dienen lassen; denn ich bin erlöst, und wegen dieser Erlösung Sein Eigentum. Ebenso stehe ein Christ im Glauben an die geschehene Erlösung fest gegen alle Not, welche ängsten, drücken, quälen kann, gegen alle Schrecken, welche der Tod und die Hölle verursachen können. Er ist von Christo erlöst, darum soll er nicht unterdrückt und verschlungen werden. Er soll also nirgends verzagen, nichts Gegenwärtiges und Zukünftiges ängstlich fürchten. Er soll sich befleißigen, Paulo seinen triumphierenden Glaubensruhm nachzusprechen, der Röm. 8,31-39. steht; denn Paulus bauet diesen Ruhm nicht auf seine Apostolischen Vorrechte, sondern auf die Erlösung, die durch Christum geschehen ist, und alle Menschen angeht. Auch soll er am Ende seines Lebens mit Paulo sprechen lernen: der HErr wird mich erlösen von allem Übel, und mir aushelfen zu Seinem himmlischen Reich. Ihm sei Ehre in Ewigkeit.
Lasst uns die Anfechtungen, welche zu unserer Bewährung über uns kommen, im Glauben dulden. Am Ende werden wir fröhlich sagen können: aus allen hat mich der HErr erlöst. (Magnus Friedrich Roos)
Christus Jesus ist uns von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.
Alle die in vorstehenden Schriftworten genannten Gaben verdanken wir dem Kreuze Christi; Gott war in Christo und versöhnte die Welt mit ihm selber, versöhnte sie durch den Kreuzestod Christi; wenn nun Gott seinen lieben Sohn zur Versöhnung der Welt dahingegeben hat, wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken, auch alle die hohen Güter, die Paulus in unserem Spruche hervorhebt? Nachdem unser Herr Jesus Christus am Kreuze uns den Ratschluss der unergründlichen Barmherzigkeit Gottes offenbart hat, so will derselbe Heiland als der zum Himmel erhöhte seine Jünger in alle Wahrheit leiten und ihnen durch sein Wort je mehr und mehr die Tiefen göttlicher Weisheit erschließen. Auf Grund dessen, dass der Sohn Gottes, welcher Mensch geworden, am Kreuz alle Gerechtigkeit erfüllt hat, dass er am Kreuz bezeugt hat: es ist vollbracht, teilt er diese seine vollendete Gerechtigkeit durch seine Gnadenmittel als der Auferstandene seinen Jüngern mit, dass sie würden in ihm die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt. Durch seinen völligen Gehorsam bis zum Tode am Kreuz hat der wahre Hohepriester sich selbst für die Seinen geheiligt, auf dass auch sie geheiligt seien in der Wahrheit (Joh. 17, 19); er hat uns am Kreuz ein wirkungskräftiges Vorbild der Heiligung gegeben; nun wirkt er als der in die Herrlichkeit Eingegangene durch seinen heiligen Geist in seinen Gliedern die Lebensheiligung, dass sie könnten nachfolgen seinen Fußstapfen. Weil der Herr am Kreuz der Schlange den Kopf zertreten hat, den Tod und die Macht der Sünde überwunden hat, so steht er als der Lebendige und Allgegenwärtige den Seinen im Kampfe mit Sünde, Tod und Teufel zur Seite, in ihm haben sie Erlösung von aller Macht der Finsternis und gehen entgegen der endlichen Erlösung von allem Übel. So ist uns der gekreuzigte Christus von Gott gemacht zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung; aber viele, die sich Christen nennen, sind dieser Segnungen doch nicht teilhaftig und können sich ihrer nicht freuen. Gott rückt seine Gaben Niemand auf; wir müssen sie uns schenken lassen, annehmen, was Gott uns gibt und den ernstlichen Willen es anzunehmen mit der Tat beweisen, wir müssen den heiligen Geist in uns wirken lassen den Glauben, mit dem wir Christum und die Früchte seines Kreuzes ergreifen. Dieser Glaube aber soll sich, auf dass wir Weisheit, Gerechtigkeit, Heiligung und Erlösung empfangen, darin erweisen, dass wir fleißig und treulich aus der Weisheitsquelle, dem Worte Gottes schöpfen, dass wir täglich als die armen Sünder in unserer Buße Gerechtigkeit suchen, dass wir der Heiligung nachjagen, Gottes Wort und Gebot wirklich zur Richtschnur unseres Lebens nehmen, und endlich dass wir, die wir umgeben sind von Not und Gefahr, anhalten am Gebet, den Herrn unermüdlich anrufen und anlaufen, damit wir nicht zu Schanden werden. Wenn man mit Paulus bekennt im Blick auf die Gaben Gottes in Christo: ich jage ihm nach, ob ich es auch ergreifen möchte, dann erfährt man etwas von dem Segensreichtum, den Christus uns am Kreuz erworben, dann erlebt man die Wahrheit der Worte: ihr wisst die Gnade unseres Herrn Jesu Christi, dass, ob er wohl reich ist, ward er doch arm um euretwillen, auf dass ihr durch seine Armut reich würdet (2. Kor. 8, 9). (Thomas Girgensohn)
Christus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit, zur Heiligung und zur Erlösung.
Die ganze Gnadenordnung, oder der Heilsweg in vier Worten. Von vorn herein sehen wir: Es ist in keinem Andern Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, darinnen wir sollen selig werden. Aber wozu ist uns Christus gegeben? wie sollen wir ihn, der Ordnung nach, gebrauchen? Zuerst als unsere Weisheit, sagt Paulus. Gib deinen eigenen Meinungen den Abschied, und halte dich an das feste, gewisse Wort Christi; in ihm ist die Wahrheit, nicht in uns. Man hört oft sagen. Ich kann nicht glauben, dass Gott so streng sei, dass ohne Christum niemand könne selig werden, dass man so grundverdorben sei, wie der Pfarrer sagt; allein, du armer Mensch, was du glaubst oder nicht glaubst, darauf kommt es nicht an, sondern was hat Christus gesagt? Daran liegt Alles. In ihm liegen verborgen alle Schätze der Weisheit und der Erkenntnis. Wer sich durch Christum erleuchten lässt, der wird freilich keine erfreulichen Erfahrungen machen. Christus steigt mit seinem Licht in unsere Herzensabgründe, deckt uns eine Sünde nach der andern auf und macht Alles, was von uns kommt, rein zu Schanden. Aber aus lauter Liebe tut er das. Er will selber unsere Gerechtigkeit werden, und wartet nur, bis wir uns als nackte Sünder unter sein Kreuz stellen. Da legt er uns dann aus Gnaden bei, was er für uns getan oder gelitten hat; der Glaube an Christi Gerechtigkeit ist auch eine Mitteilung derselben, und sind wir gerechtfertigt durch den Glauben, so haben wir auch Frieden mit Gott durch unsern Herrn Jesum Christum. Wer feststeht in der Rechtfertigung, der wird Christum auch weiterhin erfahren als seine Heiligung. Die Gewissheit unserer völligen Erlösung durch Christum hat auch eine heiligende Kraft, die uns zu Hilfe kommt im Kampf mit der Sünde und mit Allem, was sonst uns angreift. Der uns heiligt, ist Christus selber, der im Glauben aufgenommene; es sind seine, nicht unsere Kräfte, die unsere alte Natur überwinden. Freilich bleibt auch in diesem Werk der Heiligung immer noch ein stilles Seufzen nach einem andern Zustand übrig, den wir hier auf Erden nicht erreichen können. Die Wurzeln der Sünde sind immer noch in uns, so lang wir im Leibe wallen. Aber das Werk Christi reicht auch bis in die Ewigkeit hinein. Wie er uns gemacht ist von Gott zur Weisheit, zur Gerechtigkeit und zur Heiligung, so ist er uns auch noch gemacht zur Erlösung. Paulus meint die himmlische Verklärung, das Abwerfen des Todesleibes, und die Gleichförmigkeit mit Christi eigenem Bild. Die Gnadenordnung hat nur dann ein Ende. Man fange an, wo anzufangen ist, und verwirre die Ordnung Gottes nicht; so kommt man zu einem seligen Ende, und findet einen treuen Heiland bis zur letzten Lebensstation. (Friedrich Lobstein)