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Matthäus 7,7

Matthäus 7,7

Andachten

Suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
Deshalb soll man glauben und hoffen, und im Gebet verharren und anklopfen, der Herr wird gewiss kommen und nicht verziehen. Denn es ist unmöglich, dass ein solches Gebet, damit man immer anhält und beharret darinnen, nicht sollte erhört werden. Dieweil wir aber nicht glauben, darum erfahren wir auch diese Beharrung nicht, empfinden dazu die große Hilfe und Güte Gottes auch nicht. Darum lässt uns unsere Herzen aufwecken zum Glauben und zum Gebet; und wir sollen wissen, dass Gott dazu Lust hat, wo man also beharret, und da Er die Beharrung geboten hat, da Er sagt: Suchet, so werdet ihr finden, usw. Und das Gebet wird immer reichlicher erhört in solchem Kampf und Seufzen des Glaubens. (Martin Luther)


O, so klinge hin denn, mit neuem Klang in unsrer Mitte, die Glocke des Gebets, dass es zu Gottes Ehren auch dem Widersacher offenbar werde unter uns, dass wir zur Fahne eines lebendigen Gottes geschworen haben, eines Herrn, der Gebete erhört! Betet mit Macht und betet im Staube! Betet für euch und betet für alle und betet in Hoffnung; denn in dem Fels der Unvergänglichkeit ist es geschrieben, das große, ewige Wort, das Himmel und Erde überdauern muss, das Wort: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, so ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen Er wird's euch geben!“ (Friedrich Wilhelm Krummacher)


“Bittet, so wird euch gegeben.“
Es gibt irgendwo eine Ortschaft, wo noch heutiges Tags jedem Durchreisenden, der es begehrt, ein Geschenk von Brot in der Herberge verabreicht wird. So hat auch der Herr Jesus eine solche Liebe zu den Sündern, dass Er für sie eine Herberge errichtet hat auf Golgatha, und jeder hungrige Sünder darf nur anklopfen, so werden alle seine Bedürfnisse gestillt. Ja, Er hat noch mehr getan; Er hat mit seiner Herberge auch ein Bad verbunden, und wo ein Sünder sich findet, der befleckt und besudelt ist, der darf nur hingehen, so wird er abgewaschen und rein gemacht von allen Sünden. Der Brunnen ist stets gefüllt und jederzeit kräftig zur Reinigung. Noch nie ist je ein Sünder hingekommen, der hätte erfahren müssen, dass dieser Brunnen nicht imstande sei, ihn von seiner Befleckung zu reinigen. Sünden, die rot waren wie Scharlach und Rosinrot, sind ganz und gar verschwunden, und der Sünder ist weißer geworden als der Schnee. Aber wie wenn‘s auch hieran noch nicht genug wäre, so ist mit der Golgatha-Herberge auch noch eine Kleiderkammer verbunden, und ein Sünder, der sich einfältig als Sünder bekennt und meldet, wird dort bekleidet vom Kopf bis zum Fuß; und möchte er gern ein Streiter Christi werden, so erhält er nicht nur ein Kleid zum gewöhnlichen Gebrauch, sondern überdies noch eine vollständige Waffenrüstung, die ihn deckt von der Fußsohle bis zum Scheitel. Braucht und verlangt er ein Schwert, so wird ihm eins gegeben, und ein Schild dazu. Nichts, was ihm dienlich sein kann, wird ihm verweigert. Er bekommt Zehrgeld, so lange er lebt, und es ist ein ewiges Erbe von kostbaren Schätzen für ihn bereit, die er empfängt, sobald er eingeht zu seines Herrn Freude.

Wenn alle diese Güter mit einfachem Anklopfen an der Gnadenpforte können erlangt werden, o dann, meine Seele, klopfe heute recht kräftig an, und bitte Großes von deinem großmütigen Herrn. Gehe nicht hinweg vom Gnadenthrone, bis dass du alle deine Anliegen vor dem Herrn dargelegt und durch den Glauben eine tröstliche Zusicherung empfangen hast, dass sie dir sollen gewährt werden. Keine törichte Schamhaftigkeit braucht dich zurückzuhalten, wenn der Herr Jesus dich einladet. Kein Unglaube darf dich hindern, wenn dein Heiland dir etwas verheißt. Keine Kaltherzigkeit darf dich säumig machen, wo du solche Segensreichtümer dir aneignen kannst. (Charles Haddon Spurgeon)


Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; Klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt, und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. Welcher ist unter euch Menschen, so ihn sein Sohn bittet um Brot, der ihm einen Stein biete? Oder so er ihn bittet um einen Fisch, der ihm eine Schlange biete? So denn ihr, die ihr doch arg seid, könnt dennoch euren Kindern gute Gaben geben, wie vielmehr wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen, die ihn bitten?
Der Vater hat uns lieb. Darum lässt er uns nicht umsonst bitten. Darum kann er an unserm Flehen nicht vorübergehen. Darum ist es möglich, dass unser schwaches Stammeln die Kraft hat, durch alle Himmel zu dringen bis in das Ohr Gottes, bis in das Herz Gottes. Warum also glauben wir, dass Gott auf unser Gebet hört? Weil wir an seine Liebe glauben. Das Gebet ist ein Geheimnis der Liebe. - Je reicher du an Liebe zu Gott bist, um so inniger ist dein Beten. Je ärmer dein Leben an Gebet, um so ärmer bist du an Liebe zu Gott. Wenn du Gott liebst von ganzem Herzen, dann wird dein Leben zu einem Gebetsleben werden. Dann wirst du jeden Tag Zeit zum Beten finden. Dann werden in allen Sorgen und Kämpfen der Welt und deines Herzens unwillkürlich stille Gebetsseufzer zu Gott aufsteigen, ungehört von den Menschen. Himmlischer Vater, der du der rechte Vater bist über Alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden, gieße deinen Geist aus über uns, den Geist der Liebe und des Gebetes, dass wir getrost und mit Zuversicht dich täglich anrufen, als die lieben Kinder ihren lieben Vater. Gib, dass wir allezeit heilige Hände zu dir aufheben ohne Zorn und Zweifel. Gib uns Geduld, wenn die Hilfe verzieht, dass wir harren und warten auf deine Stunde in gewissem Vertrauen. Denn du hast Wohlgefallen an Denen, die dich fürchten und auf deine Güte hoffen. Amen. (Adolf Clemen)


Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Das christliche Leben besteht aus drei Stücken: Suchen, Finden, Behalten. Welches dieser drei ist das schwerste? Gewiss das Erste. Bis eine Seele sucht, muss schon viel mit ihr vorgegangen sein. Ist sie wirklich aber ergriffen von der Gnade, so findet sie auch sicherlich; und wer recht im Klaren ist über das, was er gefunden hat, der behält auch sein Kleinod, und Niemand kann es ihm aus den Händen reißen. Hier ist nur von dem ersten dieser drei Stücke die Rede. Es ist das Geheimnis des Suchens, um das es sich handelt. Suchen heißt zuerst beten. Träumen, wünschen, grübeln ist noch kein Suchen. Man gibt sich oft einem Schwarm von Gefühlen hin, und wer so ins Blaue hinaus sich verliert, ohne sich ernstlich an Gott zu wenden, von dem ist noch nicht viel zu hoffen Das rechte Suchen ist schon eine Geistesveränderung. Wo endlich der Geist des Gebetes Eingang gefunden hat, da hat auch die Gnade schon ihr Werk angefangen. Zwischen dem Suchen und dem Finden nennt der Herr aber noch einen andern Zustand: den des Anklopfens. Es kann sein, dass man auch vor Gottes Tür eine Zeit lang stehen muss, klopfend und wartend, damit das Gebet ein anhaltendes werde. Hieran erkennt man die Stärke des Gnadenzuges, wenn man sich des Wartens nicht verdrießen lässt und dem Worte traut: Wer da bittet, sucht, anklopft, der empfängt, findet, und dem wird aufgetan. Wer recht vor Gottes Türe liegen kann, der kann auch am meisten, am öftesten, am sichersten empfangen. Halte an am Gebet, sagt die Schrift; das Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist. Man folge nur den ersten Zügen recht treu und aufrichtig; es sind die Züge des Vaters zum Sohne; Jesus selbst steht hinter der Türe, die man belagert; Er ist der Preis des Finders, und alle Gottesverheißungen liegen in dieser einen unaussprechlichen Gabe. (Friedrich Lobstein)


Klopft an, so wird euch aufgetan.
Es tut sich ein neues Jahr vor uns auf. Damit es segensreich werde, klopfen wir an bei unserm himmlischen Vater als seine lieben Kinder, klopfen an und haben Bitten auf dem Herzen. Die erste Bitte heißt: Du Wort Gottes, Hephata, tu dich auf! Wenn dieses liebe Wort sich uns austut, dann leuchtet sein himmlischer Schein in die dunkelsten Tage hinein und macht sie helle. Aber es muss sich uns auch auftun. Man kann das Wort vom Kreuze lesen und lernen und studieren und es bleibt doch ein verschlossenes Buch. Wenn aber der Heilige Geist gekommen ist und hat uns das Wort aufgeschlossen und hat uns gezeigt, wie herrlich die Liebe Jesu sich darinnen offenbart - dann schaut man hinein und holt dort köstlichen Trost und mächtige Kraft für das kommende Jahr. Deshalb bitte du: Du Wort Gottes, Hephata, tu dich auf! Die zweite Bitte heißt: Du Hand Gottes, Hephata, tu dich auf! Tu dich auf zu reichem Segen. Wir wünschen uns wohl ein gesegnetes neues Jahr. Wir schauen hinein in die kommenden Zeiten und wollen doch gerne glückliche Wege gehen. Wo anders soll der Segen herkommen, als aus der durchgrabenen Hand des Heilandes? Aus dieser Hand fließt der Segen für die Seele, aus dieser Hand strömt auch der Segen für unser leibliches Leben. Darum flehen wir: Du Hand Gottes, Hephata, tu dich auf! Und unsre dritte Bitte lautet: Du Himmel Gottes, Hephata, tu dich auf! Wir ziehen von Jahr zu Jahr dahin, und zuletzt ist die Frage für uns, ob der Himmel sich uns aufschließt. Wenn er sich uns aber an unserm letzten Stündlein aufschließen soll, dann müssen wir ihn auch hier auf Erden schon offen sehen. Darum bitten wir fürs kommende Jahr: Tu dich auf, du liebes himmlisches Vaterland, tu dich auf, du Vaterhaus dort oben, tu dich auf, du Tor an der seligen Stadt, tu dich auf und lass deinen Frieden und deine Freude herein blicken in unser irdisch Wandern! Dann wird es gesegnet. Klopf nur an bei Gott, ruf nur treulich dein Hephata! Wer anklopft, dem wird aufgetan.

Lasst uns beten: Lieber himmlischer Vater, wir wissen nicht, was dies neue Jahr uns bringen wird an Glück und Leid, aber das wissen wir, dass all unsre Tage von dem heutigen Morgen an Segenstage werden sollen. Darum klopfen wir bei Dir an und bitten Dich, tu uns den Schatz Deines seligmachenden Wortes recht weit auf, damit uns für Seel und Leib Segen daraus erwachse; tu Du Deine milde Hand auf und lege Deine Gnade auf all unser Tun und Werk, dass es ein Segenstun werde; tu uns auch Deinen Himmel auf. Lass Deine himmlischen Güter uns offenbar werden, dass unser irdisches Leben den Glanz der Ewigkeit an sich trage. Und wenn wir einmal von allen Erdenjahren Abschied nehmen müssen, dann tu uns Deine ewige Seligkeit auf. Amen. (Wilhelm Hunzinger)


Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt, und wer da sucht, der findet, und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
Weil das Gebet der einzige Weg ist, mit dem lebendigen Gott und mit Jesu Christo in Gemeinschaft zu kommen, wird es auch allen Menschen in der Heiligen Schrift so dringend empfohlen. Betet allezeit, sagte der Heiland, und werdet nicht müde (Luk. 18, 1.). Betet ohne Unterlass, schreibt Paulus 1 Thess. 5, 17. Und das ist uns lediglich zu unserem eigenen Besten geboten. Denn Gott weiß freilich zum Voraus, was wir bedürfen; er bedarf also von seiner Seite unseres Gebets eigentlich nicht; auch geht seine Liebe zu uns so weit, dass er nicht nötig hat, durch unser Gebet erst erweicht und bewogen zu werden, uns zu helfen, uns zu trösten und zu segnen. Aber es ist sein Wille und ein Gesetz in seinem Reich, dass nur diejenigen, die zu ihm kommen und sein Antlitz suchen, ihn finden und sein Heil genießen sollen. Und die Natur der Sache bringt dies selbst mit sich. Denn wie ich einen Menschen nicht kennen lerne, wie ich von seinen Tugenden, von seiner Liebe und Freundlichkeit keine Erkenntnis, keinen Genuss erlangen kann, wenn ich nicht selbst zu ihm gehe und mit ihm rede von Angesicht zu Angesicht, oder wie mich ein Feuer nicht wärmet, wenn ich nicht zu demselben hintrete, so offenbart Gott meiner Seele nur dann seine Liebe und Barmherzigkeit, wenn ich zu ihm selbst komme und mein Herz in seine Gegenwart versetze. Das Beten ist also nichts anderes, als ein Kommen zu Gott, zu Jesus Christus, ein Sprechen der Seele und des Mundes mit ihm, dem Allgegenwärtigen. Und weil er überall ist, so kann der Mensch auch überall zu ihm beten. Im Zimmer, in der Kirche, in der Einsamkeit und unter Menschen, in Feld und Wald oder wo du sonst bist, kannst und darfst du mit deinem Gott und Erlöser reden und je öfter, je anhaltender du dies tust, desto besser ist es. Und die seligste Verheißung, die Gott dem betenden Menschen gibt, ist diese, dass er das Gebet erhören will. Bittet, so wird euch gegeben, sagt der Heiland; bittet, auf dass ihr nehmet und eure Freude vollkommen sei (Joh. 16, 24.). Sollte das einen betenden Menschen, der so vieles nach Leib und Seele nötig hat, nicht Mut und Freudigkeit geben, wenn er hört: der große Gott und Heiland will mir geben, was ich von ihm bitte? (Ludwig Hofacker)


Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.
In unserer klugen und praktischen Zeit gibt es zahlreiche Leute, welche vom Gebet nicht viel halten. Sie sagen, das Beten nütze nichts; es gebe keine Erhörung des Gebetes. Was etwa dafür angesehen werde, das sei Zufall und Aberglaube. Solche Reden kann man öfters hören von rohen Menschen, welche überhaupt keine religiösen Gefühle kennen. Man kann sie hören von leichtsinnigen Menschen, welche ohne ernste Prüfung und Erfahrung über religiöse Dinge aburteilen. Man kann sie mitunter aber auch hören von ganz tüchtigen und ehrenwerten Leuten, welche in ihrem Leben viel gearbeitet und geleistet haben, ohne dazu des Gebetes zu bedürfen, und die daher zu der Überzeugung gekommen sind: Gebet sei eigentlich Zeitverlust; an der Arbeit, an der rastlosen, klugen Tätigkeit, daran liege eigentlich Alles. Wie nahe liegen solche Anschauungen gerade unserer Zeit, wo verhältnismäßig viel gearbeitet und wenig gebetet wird, und welche doch in manchen Gebieten so glänzende Erfolge aufzuweisen hat! Und wie oft haben Leute, die noch beten möchten, einen schweren Stand gegenüber solchen, welche sie deshalb schmähen oder belächeln, vielleicht in ihrer nächsten Umgebung, vielleicht in ihrer eigenen Familie, vielleicht ihren Liebsten und Teuersten gegenüber!

Nun ja, unter Umständen nützt das Beten wirklich nichts. Es kommt alles darauf an, was Du unterm Nutzen des Gebetes, unter Segen und Erhörung verstehst. Erwartest Du etwa, das Gebet müsse den Erfolg haben, dass, wenn man in einer Zeit langer Trockenheit um Regen bittet, sich nun der Himmel sofort mit dichten Wolken bedecke und reichliche Regenströme heruntergieße, oder dass, wenn man an einem Krankenbett inständig um die Genesung des teuren Kranken bittet, nun in einigen Stunden sich eine wesentliche Besserung zeige und die Fieberglut sofort um einige Grade sinke, oder dass, wenn ich in schwerer Sorge und Bekümmernis stehe, und flehentlich um einen Ausweg ringe, nun, nachdem ich kaum Amen gesagt, ein guter Engel in Menschengestalt zur Türe hineintrete und mir Arbeit und sicheres Brot anbiete - ja, wenn Du das vom Gebete verlangst oder erwartest, dann kann es wohl manchmal geschehen, dass Deine Erwartung getäuscht wird und es sich wirklich bestätigt, dass das Gebet nichts nütze. Allein das ist denn doch eine eigentümliche und jedenfalls nicht die christliche Vorstellung vom Gebet. Das Beten ist ja Erhebung des Herzens an Gott, Reinigung, Erquickung, Stärkung und Versöhnung in Gott, in seiner Gemeinschaft, in seinem Geiste, in der Erinnerung an seine ewige Gnade und Hilfe. Das rechte Gebet kann also auch nicht den Zweck haben, Gott und seinen heiligen Willen zu uns herunter zu ziehen, seine ewigen Ordnungen nach unsern beschränkten und kurzsichtigen persönlichen Wünschen abzuändern und umzuwandeln. Sein Zweck kann vielmehr ja nur der sein, uns aus dem Staube zu ihm empor zu heben, unsern Willen nach dem seinigen umzugestalten, unser Herz durch die geistige Gemeinschaft mit ihm zu erfüllen mit neuer Kraft und neuem Leben, mit Geduld und Trost und Frieden. Und in diesem Sinne findet jedes rechte Gebet seine Erhörung und haben wir die volle Freudigkeit zu Gott, dass, so wir etwas bitten nach seinem Willen, er es uns gibt. In diesem Sinne betet Keiner umsonst. Bittet er um Einsicht und Weisheit, das Rechte zu finden, er wird sie erlangen; bittet er um die Kraft, seine Pflicht zu erfüllen, seinen Feinden zu verzeihen, in der Versuchung stark zu bleiben, so wird sie ihm gegeben werden; bittet er um Trost und Mut und Geduld in seinem Leiden, er wird sie sicher gewinnen; bittet er um Vergebung seiner Sünden, um Gnade und neues Leben, so wird Ruhe und Frieden sein Gemüt durchströmen. Ja, wie der Herr sagt: „Wenn schon ihr, die ihr böse seid, könnt euern Kindern gute Gaben geben, wie viel mehr wird der himmlische Vater seinen Heiligen Geist geben denen, die ihn darum bitten?“ Und das sollte nicht Erhörung, nicht Segen des Gebetes sein? O, das ist ein größerer Segen, ein tieferer und dauerhafterer Segen als irgendein äußeres Gut, eine äußere Hilfe, die Gott uns gewähren könnte. Dieser innere Segen wirkt dann immer auch auf das äußere Leben, dass wir freudiger schaffen, mehr leisten und erzielen, gehoben werden in unserer Kraft und in unserem Erfolg; dann geht das Wort in Erfüllung: Bete zu Deinem Vater im Himmel im Verborgenen, und Dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird Dir's vergelten öffentlich. Das hat, der dieses Wort gesprochen, auch selber erfahren, dort in Gethsemane, wo er betet um die Abwendung des Kelches, wo er aber auch betet, dass Gottes Wille geschehe und den eigenen Willen in den Willen des Vaters legt. Wie ist er da so stark und geistesmächtig geworden, dass er nun fest und standhaft den Feinden entgegentritt, das Kreuz auf sich nimmt und siegreich überwindet, und so kann es auch Feder unter uns noch erfahren, wenn wir recht beten, wenn wir unsern Willen in Gottes Willen legen und vor Allem bitten um das Eine, was not tut, um seinen guten, starken, Heiligen Geist, dass wir erhört werden und Allem, was von uns gefordert wird, gewachsen sind.

So bleibt denn doch das Wort: Bittet, so wird euch gegeben, sucht, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan! Nicht etwa wollen diese Worte sagen, dass wir zudringlich immer um ein und dasselbe bitten sollen, was uns gerade für unser äußeres Leben am Herzen liegt; ja wohl, um Alles dürfen wir bitten, was wir nötig und wünschenswert erachten, auch im äußern Leben, aber wenn's dann nicht gewährt wird, denken, sagen wir dann nur nicht, das Beten nützt nichts, es gibt keine Erhörung; sondern prüfen wir uns selbst: haben wir denn auch im rechten Sinne gebetet, im Namen und im Geiste Jesu Christi? haben wir unsern Willen dem göttlichen untergeordnet und hauptsächlich um das gebetet, was er Keinem versagt, um das reine Herz, um den neuen, gewissen Geist? Und dann versuchen wir's wieder und machen wir's besser. Dann klopfen wir aufs Neue an an der Himmelstür, und wahrlich, wir werden nicht vergeblich klopfen, die himmlischen Mächte werden uns hören und auftun. (Robert Grubenmann)


Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden, klopft an, so wird euch aufgetan.
Wer einen tiefen Eindruck von der Größe, Macht und Heiligkeit Gottes empfangen und von der andern Seite einen Einblick in sein eignes Nichts, und in seine Sündhaftigkeit hat, dem sollte es wohl schwer werden, mit Gott in einen vertraulichen Gebetsumgang zu treten, - fällt es uns doch schon schwer, einem Menschen gegenüber, dessen Überlegenheit wir in jeder Beziehung fühlen, alle Befangenheit abzulegen wenn er nicht zugleich auch die tiefe Herablassung Gottes in Christo Jesu herzlich erkannt hat, in welchem Er uns so nahe getreten ist, dass uns derselbe seine Brüder nennt. Wir sehen es daher auch, dass es viele Menschen für geratener halten, sich an irgendeinen Heiligen, als an Gott selbst mit ihrem Gebet zu wenden, was daher kommt, dass ihnen der volle Einblick in die Gnade Gottes in Christo und in dessen vollgültige Versöhnung noch abgeht. Aber bei alle dem würde es auch den Gläubigen als eine große Dreistigkeit erscheinen, alle ihre Anliegen freimütig vor Gott zu bringen, wenn wir nicht den ausdrücklichen Befehl dazu und die Verheißung der Erhörung in seinem Worte vor uns hätten. Nun dürfen wir es wohl wagen, ja, es wäre jetzt unrecht, sündhaft, wollten wir solch gnädigen Befehl, solch liebliche Verheißung unbeachtet lassen. Bittet, spricht der Herr, so wird euch gegeben. Da ist Befehl und Verheißung beisammen. Der Herr hat es ja gewusst, wie vielfach die Hindernisse sind, die uns vom Gebet abhalten, wie einerseits die fleischliche Trägheit unsern Geist zurückhält, sich zum Reden mit dem unsichtbaren Gott auszuschwingen, und wie andrerseits der Unglaube, der Mangel an Vertrauen zu Gott, dass er auch unsere Bitte berücksichtigen und erhören werde, uns den Mut von vornherein benimmt, unsere Anliegen vor Ihm kund werden zu lassen; wie endlich die vielen irdischen Geschäfte unsere Zeit und auch unsere Gedanken in Anspruch nehmen, dass wir zum Gebete weder Ruhe noch Raum finden. Trittst du aber vor Gott, so siehe zu, dass dein Gebet ein Suchen sei, bei welchem es dir auch um ein Finden zu tun ist. Denn die Gebete, welche viele tausend Menschen so nennen, welche aber nichts weiter sind, als ein Hersagen auswendig gelernter Formeln, oder ein Ablesen fremder Gebete, bei welchen aber das eigene Herz unbeteiligt bleibt, dienen doch nur dazu, wie alles äußerliche Werk, den Menschen in der Meinung zu bestärken, als habe er alle Gerechtigkeit erfüllt. Das Benutzen fremder Gebete ist wohl gut, wenn du daraus lernst, wie und um was du beten sollst, und das müssen wir allerdings lernen, denn wir verstehen es von Hause aus nicht; aber dein eigenes Herzensgebet muss sich nun auch daran schließen. Und mit rechter Herzensbeteiligung wirst du dann beten, wenn dir der Gegenstand, um welchen du bittest, als ein lieber, aber verlorener erscheint, den du gern wieder erlangen möchtest. Darum ermahnt der Herr: Suchet, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan. Denn suchest du etwas bei Gott im Gebet, was dir nahe am Herzen liegt, so muss es dir darauf ankommen, dass auch Gottes Herz sich dir öffne, dass Er geneigt werde, dir deine Bitte zu geben. Wie du aber an Gottes Herz zu klopfen hast, damit es sich dir öffne, siehe, dazu gehört dreierlei: erstens, dass du vor Gott tretest im Namen seines Sohnes und auf Grundlage seines Verdienstes, sodann, dass du Gott die Verheißungen seines Wortes im Glauben vorhaltest, und endlich, dass du nichts vor Ihn bringest, was nicht zu seiner Ehre gereiche, dass du aber Alles, was deine irdischen Angelegenheiten angeht, zwar ihm sagest, aber in seinen Willen stellest. Klopfst du so mit herzlichem Vertrauen an, so wird sich dir Gottes Herz auftun und er wird dich finden lassen, was du suchst, und dir geben, was du bittest. (Anton Camillo Bertoldy)

Predigten

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