Psalm 141,1
Andachten
Der Herr ist mit mir; darum fürchte ich mich nicht, was können mir Menschen tun? Also spreche ich mit David, liebreicher Gott, in dieser Abendstunde und sage Dir Dank, dass Du mich diesen Tag unter Deinem väterlichen Schutz und reichen Segen hast zurücklegen lassen. Herr, Deine Güte ist groß, und Deine Barmherzigkeit hat kein Ende. Ach, mein Gott, wie geschwind geht doch ein Tag dahin, wie ein Pfeil wird abgeschossen, so geschwind verfließen unsre Jahre. Darum lehre mich doch, dass es ein Ende mit mir haben muss, und mein Leben ein Ziel hat, und ich davon muss. Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, dass ein Jeglicher empfahe, nach dem er gehandelt hat bei Leibes Leben, es sei Gutes oder Böses. Darum richte ich mich selbst und frage: Meine Seele, wie hast du heute den Tag hingebracht? Hast du auch etwas Gutes gedacht? Ist Gott heute mit dir vereinigt geblieben, oder hast du Ihn mit vorsätzlichen und wissentlichen Sünden von dir gestoßen? Mein Mund, was hast du heute geredet? Ist das Lob Gottes von dir ausgebreitet, die Wahrheit von dir bekannt, die Liebe des Nächsten von dir bezeugt worden, oder bist du mit törichten, unwahren und lieblosen Worten übergeflossen? So seid ihr hingegangen, ihr Füße? Was habt ihr verrichtet und verübt, ihr Hände? Was habt ihr gehört, ihr Ohren? Ihr Augen, wonach habt ihr gesehen? Was ist heute dein Verlangen, Dichten und Trachten gewesen, mein Herz? – Ach, mein Gott, wenn ich auf alle diese Fragen antworten soll, wie werde ich bestehen? Herr, nimm weg mit dem entweichenden Tage meine Übertretungen. Jesu, tilge meine Sünden mit Deinem heiligen Blut. Heiliger Geist, versichere mich der Vergebung aller meiner Sünden, ehe ich noch einschlafe, dass ich nicht, wenn diese Nacht die letzte sein sollte, verloren werde. – Bin ich also von meiner Schuld, dreieiniger Gott, freigesprochen, so schlafe ich mit Ruhe und hüte mich morgen mit größerem Fleiß vor Allem, was Dich betrüben kann. Mein Vater, Deine Liebe decke mich und die Meinigen. Mein Jesu, in Deinen Wunden ruhe ich sanft und wohl. O Heiliger Geist, tue Du den letzten Seufzer in meinem Herzen, ehe ich einschlafe, mit welchem ich meinen Geist in die Hände Gottes empfehle. Amen. (Friedrich Arndt)