Offenbarung 6,1
Andachten
Jesus ist vom 5. bis 19. Kapitel der Offenbarung Johannis dargestellt als das geschlachtete Lamm und zugleich als der Löwe aus dem Stamm Juda, der durch sein geduldiges Leiden und Sterben Alles überwunden hat. In dieser Eigenschaft übernimmt er die Ausführung der sieben Siegel. Bei der Eröffnung dieser Siegel durfte Johannes im Geiste zusehen. Sie weisen hinaus bis auf das große Ziel, wovon es heißt: „Es werden Dir danken, Herr, alle Deine Werke.“ (Ps. 150,10.) Im sechsten Kapitel kommen sechs von diesen Siegeln vor; vier von ihnen gehen auf die sichtbare Welt, die andern auf die unsichtbare. Darum ist der Inhalt der vier ersten durch vier mächtige Reiter vorgestellt, mit verschiedener Farbe ihrer Pferde: weiß, rot, schwarz, fahl. Es ist also allemal eine irdische Macht darunter abgebildet, und zwar, wie unter der Leitung des Lammes Gottes stehen 1) alle Siege der Könige auf Erden, 2) alle Kriege, die so viel Blut kosten, 3) alle teuren Zeiten, 4) alle Sterbefälle. Und in der Tat sind gleich in der ersten Zeit, nachdem die heilige Offenbarung gegeben war, von dieser vierfachen Vollmacht des Lammes augenscheinliche Proben auf Erden vorgekommen. Das fünfte und sechste Siegel führt in die unsichtbare Welt. In jenem sah Johannes die seligen Toten, wie sie unter der gnädigen Macht des Lammes stehen; aber noch nicht im Zustand der letzten Vollendung, wohl aber um eine Stufe wieder seliger geworden. In diesem sah er die unseligen Toten noch unseliger werden, bis der jüngste Tag die völlige Entscheidung bringt. So bleiben also die Menschen in der Trennung, in der sie aus der Zeit in die Ewigkeit gehen und rücken darin immer weiter fort. Wollen wir uns darum nicht in der Zeit der Gnade entscheiden? Wenn wir den Tag des Gerichts immer im Gesicht hätten, so würden wir uns in unserm Tun und Lassen gewiss oft ganz anders bezeugen. Wer zu Zion gehört, der höre, was der Heiland sagt: Wachet und betet! Amen. (Friedrich Arndt)