1. Petrus 3,10
Andachten
Denn wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, dass sie nicht Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach.
1. Petri 3, 10. 11.
Was meint der Apostel, wenn er sagt: Wer leben will und gute Tage sehen? David drückt es in seinem 34. Psalm ein klein wenig anders aus, er sagt nämlich daselbst: „Wer ist, der gut Leben begehrt und gerne gute Tage hätte?“ Nun wird wohl Niemand sein, der auf diese Frage nicht antwortete: Ach, das möchte ich so sehr, ich hätte gar zu gern ein gutes Leben und gute Tage, und so viele von uns noch zur Welt gehören, die wollen damit sagen, dass sie gern alle Tage herrlich und in Freuden leben, dass sie gern recht reich sein möchten und tun könnten, was ihren Augen gefällt. Doch redet David und Petrus von solchen nicht, wenn sie fragen: Wer ist, der gut Leben begehrt und gern gute Tage hätte? Sie richten ihre Frage an die, welche wünschen ein Leben zu führen vor dem Herrn, ihrem Gott; denn das ist ein gutes Leben und das sind gute Tage, wenn man sich der Gemeinschaft seines herrlichen Gottes und Heilandes getrösten darf. Gingen denn auch böse Stürme über uns, haben wir nur den herrlichen Gott zum Freunde und ein gutes Gewissen zu ihm im Blute Jesu, so haben wir auch bei Sturm und Wetter ein gut Leben und gute Tage. Wer ist, der solche gute Tage und solch gutes Leben begehrt? Wohlan, der höre, was er zu tun hat, damit sein Wunsch in Erfüllung gehe: Der schweige seine Zunge, dass sie nichts Böses rede und seine Lippen, dass sie nicht trügen. Denn wenn du deiner Zunge etwa lässt den Zügel schießen und sie nicht schweigen wolltest, sondern zulässt, dass sie Scheltworte ausstieße und Falschheiten über deine Lippen kämen, so würdest du dir selbst das gute Leben verbittern, denn du würdest dich dann ja versündigen mit deiner Zunge und Gott erzürnen und also anstatt des Friedens den Schmerz der Gewissenswunden zu fühlen bekommen. Darum halte deine Zunge im Zaume, das unruhige Übel voll tödlichen Giftes, dass sie gar nichts Böses rede und deine Lippen, dass sie nicht trügen; und damit du das immer gründlicher und nachhaltiger vermagst, so wende dich vom Bösen ganz und gar und hasse das Arge, leide in deinem Herzen keinen Sauerteig der Bosheit und Schalkheit, mache dich in der Kraft des heiligen Geistes von jedem verborgenen Bann los und tue Gutes, wozu du geschaffen bist. Denn die Kinder Gottes sind Gottes Werk, geschaffen zu guten Werken, dass sie darinnen wandeln sollen; darum wandle auch du darinnen, vollbringe Gutes und suche vornehmlich den Frieden mit deinem Nächsten zu erlangen. Und wo du irgend siehst, dass unter den Brüdern der Friede gestört ist, da tritt herzu behutsam und lass es dir angelegen sein, auch dort den gestörten Frieden wieder herzustellen. Der Apostel sagt, du sollst dem Frieden nachjagen, und der Herr Jesus verheißt: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen“. Siehe, wenn du das tust, dann wirst du ein gutes, seliges Leben schon hier im Tränental genießen und der guten Tage viele haben unter deinem herrlichen Gnadenkönige Jesus Christus. (Gustav Knak.)
Wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, dass sie nicht Böses rede, und seine Lippen, dass sie nicht trügen. Er wende sich vom Bösen, und tue Gutes; er suche Friede und jage ihm nach.
dass ich könnte ein Schloss an meinen Mund legen, dass ich nicht dadurch zu Falle käme, dass meine Zunge mich nicht verderbte! dass ich schweigen lernte, denn der Herr spricht: Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt werden, und aus deinen Worten wirst du gerichtet werden, und wir müssen Rechenschaft geben von jedem unnützen Wort, das wir geredet haben. - Das Wort scheint uns so unbedeutend. Worte sind Hauche, denken wir. Aber welche Macht im Guten, wie im Bösen, ist das Wort. Ein einziges Wort, das letzte Wort eines sterbenden Vaters, kann ein bleibender Schutz werden fürs ganze Leben. Aber auch, ein einziges Wort, das Wort des Verführers, welchen Feuerbrand kann's in dem Herzen entzünden! Das Wort des leichtfertigen Spötters, wie viel Ärgernis kann's bereiten! Und grade im engsten, im häuslichen Zusammenleben, wie kann da ein Wort, dem Gifte gleich, von dem ein Tropfen tötet, aufs tiefste verwunden, Wunden schlagen, die langsamer und schwerer vernarben, als die, welche das Eisen schlägt! „Und hüte deine Zunge wohl; bald ist ein böses Wort gesagt.“ Suche Frieden mit deinen Worten; hilf zum Frieden mit deinen Worten, so viel du kannst. Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte? wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? Wer ohne Wandel einhergeht, und recht tut, und redet die Wahrheit von Herzen; wer mit seiner Zunge nicht verleumdet und seinem Nächsten kein Arges tut. (Adolf Clemen)