1. Petrus 1:18
Andachten
Welchen ihr nicht gesehen und doch lieb habt und an Ihn glaubt. 1. Petr. 1,18. In vielen Stellen der Schrift wird der Glaube die Liebe genannt. Auch schon im alten Testament, denn als Gott den Abraham loben will, dass er ihm gefolgt und geglaubt (denn das sagt Paulus: Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet worden,) so sagt Gott zu ihm: Nun weiß ich, dass du Gott lieb hast. Dies ist wohl zu merken, denn das ganze dreizehnte Kapitel 1. Korinther würde sonst ein unverständlich Kapitel sein, wo Paulus so ausdrücklich sagt: Wenn einer auch glaubt, so wird er doch nicht selig, wenn er nicht lieb hat.
Nun sagt der Heiland geradezu: Wer glaubt, der soll selig werden; und Paulus spricht gleichwohl, wenn einer auch glaubt, so wird er doch nicht selig, wenn er nicht lieb hat.
Daher ist ganz klar, dass die heilige Schrift uns darauf weisen will, dass es keinen seligmachenden Glauben gibt, der nicht zugleich Liebe ist zu dem, der sein Leben für uns gelassen hat, ohne den wir keinen Augenblick leben oder bestehen können.(J. Gossner)
Der eitle Wandel nach väterlicher Weise.
Wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise; sondern mit dem teuren Blut Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes (1 Petr. 1,18.19.). Es ist merkwürdig, dass der Apostel den Christen ihr früheres Sündenelend als einen eitlen Wandel nach väterlicher Weise vorhält, von welchem sie mit nichts Geringerem als mit dem Blut Christi erlöst seien. Denn da er ihnen die Liebe Gottes zu bedenken gibt, die sich ihre Erlösung so viel habe kosten lassen, will er mit den Worten: „eitler Wandel nach väterlicher Weise“ - ihr früheres Sündenelend gewiss nicht als gering, sondern als groß darstellen. Diesen Wandel beschreibt er anderwärts (1 Petr. 1,14.) als ein Leben in Unwissenheit nach den Lüsten; ja (1 Petr. 4,3.) als einen Wandel in Unzucht, Lüsten, Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und gräulichen Abgöttereien. Was nun aber die Gefahr, in solchem Wandel hinzufahren und zu verderben, und die Schwierigkeit von solchem Wandel erlöst zu werden, so groß machte, war eben dieses, dass es ein Wandel nach väterlicher Weise war. Wie sie früher wandelten, so sahen sie ihre Väter wandeln, so waren sie es von Haus aus gewohnt, so war es ihnen durch Gewohnheit zur anderen Natur geworden. Sie von solchem Wandel zu erlösen, half die Erkenntnis der Eitelkeit und Erfahrung der Verderblichkeit desselben nichts. Auch von ihnen galt das Wort Jerem. 13,23: „Kann auch ein Mohr seine Haut wandeln, oder ein Parder seine Flecken? So (nämlich wenn das möglich ist; aber eben so wenig als das möglich ist) könnt ihr auch Gutes tun, weil ihr des Bösen gewohnt seid.“ Und nun war es doch geschehen. Was ihnen und dem Gesetz unmöglich war, das hatte Gott getan. Aber es hatte viel gekostet, sie von ihrem eitlen Wandel nach väterlicher Weise zu erlösen; nicht vergängliches Silber oder Gold, sondern das teure Blut Christi. Diese durch das Evangelium ihnen gepriesene und durch den heiligen Geist ihrem Glauben zugeeignete väterliche Weise Gottes, dass er auch seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondern ihn für sie dahin gegeben habe, die zog ihr Herz, ihren Sinn und Wandel ab von jener argen väterlichen Weise; die machte sie los, hinfort, was noch hinterstelliger Zeit im Fleisch war, nicht der Menschen Lüsten, sondern dem Willen Gottes zu leben, und als gehorsame Kinder ihres himmlischen Vaters heilig zu werden in allem ihren Wandel. Lerne daran. Vielleicht kennst du wohl, dass dein bisheriger Wandel ein eitler Wandel gewesen sei; aber du kannst nicht davon los kommen. Nach väterlicher Weise, wie du es von den Vätern gesehen und gehört hast, ist dir der Wandel zur Gewohnheit und zur anderen Natur geworden. Aber wenn du gelernt hast, dass der Wandel nichts taugt, dass und wie andere davon erlöst sind, also auch du davon erlöst werdest, kannst und sollst, so bete und höre das Wort von der erlösenden Liebe des Vaters in Christo. Wenn es dir damit ein Ernst ist, so wirst du je mehr und mehr davon los werden, und ablegen, nach dem vorigen Wandel, den alten Menschen, der durch Lüste in Irrtum sich verderbt; wirst dich im Geiste deines Gemüts erneuern und den neuen Menschen anziehen, der nach Gott geschaffen ist in rechtschaffener Gerechtigkeit und Heiligkeit. Das ist die rechte Weise. Laß, dir raten im Frieden. Dem Narren gefällt seine Weise wohl; aber wer Rat gehorcht, der ist weise (Spr. Sal. 12,16.). (Carl Philipp Johann Spitta)
Und wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.
Würde alles Silber und Gold, alle Macht und Weisheit, alles Werk und Verdienst der ganzen Welt auf einen Haufen gebracht, es wäre zu gering, auch nur eine Seele loszukaufen vom Verderben; was hilft es darum dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne! Aber durch den Glauben das teure Blut zu gewinnen, welches ein unschuldiges und unbeflecktes Lamm, das Christus heißt, vergossen hat zur Vergebung der Sünden: das ist das Eine, was not ist, davon wir sagen: „Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, darin will ich vor Gott besteh'n, wenn ich zum Himmel werd' eingeh'n“. Das heißt dann recht gegürtet sein, wenn wir dies Kleid behalten, welches die Liebe Jesu Christi, gehorsam bis zum Tode, für uns gewebt hat wie aus schneeweißer Lammeswolle, nämlich seiner Gerechtigkeit, und gefärbt mit dem rosinfarbenen Blute der Versöhnung. Niemand kauft ein wollenes Kleid und will Baumwolle darin leiden: so lasst uns darauf sehen, dass unser hochzeitliches Kleid echt sei, kein Faden eigener Gerechtigkeit darin! Das Blut, womit wir erlöst sind, ist ein teures, kostbares Blut. Vieler Opferlämmer Blut war vergossen im alten Testamente, viele Osterlämmer waren geschlachtet und gegessen, und ihre Tadellosigkeit deutete hin auf das Lamm Gottes, unschuldig und unbefleckt, auf Christum, in welchem keine Sünde „nach väterlicher Weise“ war, welcher auch keine Sünde getan hat, auf welchen aber gelegt ward unser aller Sünde. Und was kein irdisches Lammesblut zu leisten vermochte, was die Sündopfer des alten Bundes den nach Erlösung verlangenden Sündern nur vormalten, das hat Christus durch sein teures Blut vollbracht, da er sich selbst ohne allen Wandel durch den ewigen Geist Gott geopfert hat.
Wie im Blute das Leben ist, so ist im Blute Christi das ewige Leben, sein Fleisch und Blut ist Geist und ist Leben; nicht einer menschlichen Person, eines „Sohnes Josephs“, Blut ist das für uns vergossene Blut Christi, sondern es ist das Blut des Sohnes Gottes, des fleischgewordenen ewigen Wortes, des Menschensohnes, in welchem die Fülle der Gottheit wohnt leibhaftig, so dass der heilige Paulus von diesem köstlichen Blute Christi, darinnen der ewige Geist lebt und webt, sagen mag: Gott habe seine Gemeinde erworben durch sein eigen Blut (Apostelgesch. 20,28). Schreibe der heilige Geist das Wort: erlöst durch Christi teures Blut uns lebendig ins Herz! Auf diese Gnade wollen wir unsere Hoffnung sehen, dann hoffen wir recht. Das Lösegeld des Blutes Christi hat nicht vergänglichen, sondern ewigen, nicht umschränkten, sondern unendlichen Wert, würdig gezahlt zu werden dem ewigen unendlichen Gotte, dem wir verschuldet waren durch unsere Sünden. Darum sagt auch die Schrift, das Opfer Christi sei Gott ein süßer Geruch (Ephes. 5,2), und Gott habe uns angenehm gemacht in dem Geliebten, in welchem wir haben die Erlösung durch sein Blut, nämlich die Vergebung der Sünden (Ephes. 1, 6. 7). Wir? ja, wir alle, die wir durch ihn Gott zum Vater anrufen im Glauben. Es ist kein Sünder, dem nicht eine ewige Erlösung erfunden wäre, denn der ganzen Welt Sünde ist gesühnt durch das teure Blut Christi, des Herrn und Heilandes der Welt, der sich teilhaftig gemacht hat meines und deines und aller Menschen Fleisches und Blutes, auf dass er mein und dein und aller Menschen Sündenelend mit Lammesgeduld trüge und mit Gottesmacht überwände. Sein Tod ist unser Tod, sein Leben ist unser Leben. - So spricht der Herr: Mir hast du Arbeit gemacht in deinen Sünden und hast mir Mühe gemacht in deinen Missetaten“ (Jes. 43, 24). Was geben wir ihm dafür? Doch ist noch etwas, dass dir angenehme: „wenn ich des Fleisches Lüste dämpf' und zähme, dass sie aufs neu' mein Herze nicht entzünden mit alten Sünden“. (Friedrich Wilhelm Besser.)
Wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Gold oder Silber erlöst seid von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.
Zu Jesu zu kommen mit einer Bezahlung in der Hand wäre unverzeihlicher Stolz, selbst wenn wir eine Bezahlung bringen könnten. Er bedarf nichts von uns. Und wenn er etwas bedürfte, könnten wir es ihm bringen? Würde er den unschätzbaren Segen seiner Erlösung verkaufen? Das, was er mit seinem Herzblut erworben hat, würde er es um unsre Tränen und Gelübde, um unsre Gefühle und Werke, um unsern äußerlichen Gottesdienst verkaufen? Nein, er verkauft nicht, er gibt umsonst, wie es seiner königlichen Liebe ziemt. Wer ihm einen Kaufpreis anbietet, weiß nicht, mit wem er es zu tun hat und wie er den stets zum Schenken bereiten Geber betrübt. Sünder, die mit leeren Händen kommen, erhalten alles, was sie wünschen. Sie brauchen ja nichts, das nicht in Jesus zu finden wäre, und er gibt ihnen, was sie bitten. Aber wir müssen glauben, dass er alles in allem ist; wir dürfen nicht entfernt daran denken, dass wir vollenden und vervollkommnen könnten, was er vollbracht hat, oder dass wir uns selbst tüchtig machen könnten für das, was er geben will den armen Sündern, die kein eigenes Verdienst haben. (Charles Haddon Spurgeon)
Wisst, dass ihr (nicht mit vergänglichem Silber oder Gold) erlöst seid.
„Wisst!“ so ruft der Apostel. Das ist ein guter Anfang. Kein Wort packt heutzutage besser als das Wort „wissen“. Wissen, Erkennen, Bildung - das ist grade in unserer Zeit das Feldgeschrei aller Welt. Jeder will sein Wissen vermehren und das ist auch gut. Närrisch ist nur, wenn man sich einbildet, dass durch erhöhtes Wissen dem tiefsten Jammer der Welt abgeholfen würde. Und dennoch, durch das Wissen, wovon der Apostel hier spricht, dadurch könnte, kann, soll, wird auch seiner Zeit allem Wehe abgeholfen werden, wenn es erst allgemein geworden, in allen Menschenherzen zu einer selbstständigen inneren Gewissheit geworden ist: „Wir sind durch Christi Blut erlöst“. Hier ist die Wissenschaft aller Wissenschaften, aber auch die Wissenschaft, die heute noch wie vor alten Tagen den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit ist, - den selbstgenügsamen Frommen ein Dorn im Auge, den frechen Sündern ein Hohn und Spott, den feinen Weltleuten eine Beleidigung.
„Wisst, dass ihr erlöst seid!“ schreibt der Apostel den Christen in aller Welt. „Erlöst“ - O, welch wonnevolles Wort! Erlöst aus der Sklaverei, welch ein süßer Klang für den elenden Sklaven, für den die Kaufsumme bezahlt ist und er ist nun ein freier Mann. Erlöst von drückender Schuldenlast, welch ein Wort für den armen geängsteten Familienvater, dessen drängende Gläubiger ein reicher Mann befriedigt hat! Erlöst aus schwerer Leibesnot, welch ein Trost für den Leidenden, wenn er eine gefährliche Operation glücklich überstanden hat!
Erlöst - welch ein Ton für den Ehrenmann, der schändlicher Verbrechen angeklagt war und nun ist seine Unschuld erkannt, Freiheit und guter Name sind ihm wiedergegeben. Ach, von wie viel Erlösung könnte man reden in einer Welt, die voller Ketten, Bande, Druck und Sklavenjoch ist.
Und was auch immer dich bindet, drückt, ängstet, innerlich und äußerlich, das Alles denke dir zusammen, lieber Leser, und sprich zu dir: „davon bin ich durch Christi Blut erlöst“. Nicht, „ich soll davon erlöst werden,“ - nein, ich bins schon, wenn ich's nur glaube. Immer wieder kommen die Apostel auf diesen Punkt zurück, dass die Christen durch das, was Jesus für sie vollbracht hat, Erlöste sind und dass es des Glaubens Sache sei, eben dies zu erfassen: Sie sind den Gefangenen gleich, die lebenslang beim Kerker schmachteten und nun nach Leib und Seele zerknickt sind.
Jetzt werden ihre Ketten zerbrochen, die Kerkertüren weit aufgetan, leuchtend und blendend strahlt die Sonne hinein und eine Stimme tönt in ihr Ohr: „Ihr seid erlöst!“ und wie sie die matten Augen aufschlagen, sehen sie die holdselige Gestalt des Befreiers vor ihnen stehen. Sie sind erlöst. Sie sind erlöst - aber ach, sie sind so elend durch die Gefangenschaft; sie können kaum aufstehen, kaum schleichen, geschweige gehen, jeden Augenblick fallen sie hin, die Kräfte fehlen, ihre Freiheit zu gebrauchen, die Fähigkeit fehlt sogar, sich ihrer Freiheit zu freuen. Aber auch dazu will der Befreier helfen. Er will auch der Arzt sein, der Führer, der Speisemeister; Er will die Erlösten tüchtig machen zum neuen Leben und Werke, innerlich will Er die Erlösung vollenden, wie Er sie äußerlich vollbracht hat. Nur das Eine ist dazu nötig, dass sie Ihm folgen, Ihm gehorchen, Ihm sich ganz und ungeteilt hingeben.
Ist das zu viel verlangt? Ja, für Den, der sich, gleich Millionen von Sündern, so an die Knechtschaft der Sünde und des Todes gewöhnt hat, dass ihm dies Alles der richtige, menschenwürdige, angemessene Zustand erscheint. Ihm ist nicht zu helfen, bis er Knechtschaft und Freiheit, Tod und Leben unterscheiden lernt.
Zu viel verlangt ist's auch für Den, der, trotz aller tröstlichen, liebreichen Zusprache des Befreiers, an der Möglichkeit der Rettung verzagt, weil er zu elend, zu jämmerlich sei. Ihm ist auch nicht zu helfen, bis er sich zu einem freudigen Vertrauen aufschwingt. Denen aber, die den Worten des Erlösers Glauben schenken wollen, ist's selbstverständlich, dass sie ihn nicht nur bewundern, rühmen, preisen, sondern dass sie sich ihm mit Leib und Seele überlassen. Hier ist das ganze Geheimnis des Christentums, das den Klugen verborgen ist und den Unmündigen offenbart. Sprich zu deiner Seele an jedem Morgen: „Wisse, o Seele, dass du erlöst bist!“ und dann schaue Jesum an: „Mein Erretter, mein Arzt, mein Hirte, - zeige mir, führe mich den Weg, den ich wandeln soll'. So wirst du froh werden und bleiben. (Otto Funcke)
Wisst, dass ihr erlöst seid… von eurem eitlen Wandel nach väterlicher Weise.
Ist das nicht eine auffallende Rede? Nicht sagt der Apostel hier: Erlöst von der Gewalt des Teufels, von dem Feuer der Hölle, von Tod, Sünde und allerlei gräulicher Leidenschaft und Lasterhaftigkeit, sondern: „von dem Wandel nach väterlicher Weise“. Was soll denn das heißen? Jeder von uns hat das Wort oft gehört und nachgesprochen. Und doch wie viele haben sich nie etwas Rechtes dabei gedacht. Die Worte des herrlichen Gottes Haben ja, selbst bei Millionen von „Christen“, das traurige Vorrecht, dass man sie immer nachspricht und nichts dabei denkt, dass man sie nie verstehen lernt, weil man sich einbildet, es sei selbstverständlich, dass man sie schon verstehe. So ist's auch hier gewiss Vielen ergangen und das ist schlimm; aber noch schlimmer ist, dass, wenn man erst erfasst hat, was der Apostel meint, dass man dann erst recht nichts davon wissen mag!
Paulus versteht nämlich unter dem „eitlen Wandel nach väterlicher Weise“ nichts Anderes wie die gesamte natürliche Art und Gesinnung, wie wir sie mit auf die Welt gebracht haben; dass wir sind, wie wir einmal sind, dass wir denken, wollen, fühlen, reden, wirken, wie wir einmal tun; dass wir damit zufrieden sind, wie wir's einmal treiben, wie's Vater und Mutter treiben, wie's die Menschen, die uns am nächsten angehen, treiben, wie's Ton und Anstand ist in dem Stück Welt, in das wir gestellt sind. Der ganze natürliche Sinn ist also gemeint, diese Richtung, die wir von Natur haben aufs Irdische, Untere, Diesseitige, Zeitliche, dies Säen aufs Fleisch, gleichviel ob in grober oder in feiner Weise, diese Gesinnung, die von Geschlecht zu Geschlecht forterbt oder die durch Wahlverwandtschaft auf uns kommt, diese Gesinnung, die, (übrigens sehr mannigfaltig gestaltet,) doch darin überall Eins ist, dass sie dem Trieb auf Erneuerung, dem Trieb auf das Göttliche und Ewige total entfremdet ist.
Diese Gesinnung also, die nur aufs Wohlbefinden und Fortkommen, Genießen und Bilden hier unten geht, - diese Gesinnung kann in den verschiedensten Gestaltungen erscheinen, in pharisäischer, sadducäischer, essäischer Gestalt; in der Gestalt des Materialisten und des Idealisten, in der Gestalt des Ungläubigen, wie des Abergläubigen, des Verbrechers und des Tugendhelden, in der Gestalt des Atheisten wie des Pietisten, in der Gestalt des Spötters und des Fanatikers, des Asketen, des Lebemanns usw. Je nach Rasse und Nationalität, nach Geburt und Herkommen, Schule und Erziehung des Menschen, je nach Stand und Weltstellung, je nach der äußeren Lebensführung usw. - je nachdem nimmt dieser „alte Wandel nach väterlicher Weise“ ganz verschiedene Gestalt an. Dennoch ist's, vom Ewigkeitsstandpunkte Gottes aus gesehen, derselbe Geist, obgleich die Welt von den Unterschieden, von der Gestalt und Kleidung, darin dieser Geist erscheint, das allergrößte Aufhebens macht, ja, je nach dieser Gestaltung, die ganze Menschheit nicht nur in Klassen und Stände, sondern sogar in Gute und Böse einteilt.
Der „alte Wandel“ ist also die ganze Lust, die wir von früh auf eingeatmet haben, nicht nur in dem Elternhause, sondern in der ganzen Welt um uns her. Die Macht dieses Einflusses ist ausgedrückt in dem „väterlich“. Niemand mag von Haus aus sein Schicksal von dem der Seinigen trennen. Ich weiß nicht, welcher fränkische König es war, der seinen Fuß schon in das Taufbecken gesetzt hatte und dann doch wieder zurücktrat, als der Missionar, der ihn in die christliche Kirche aufnehmen wollte, in ebenso unverständiger wie unevangelischer Weise dem fragenden Fürsten erklärte, dass er seine Ahnen nicht im Himmel finden werde. Er wollte dann lieber mit ihnen in der Hölle, wie ohne sie im Himmel sein. Ja, die größten Hemmnisse einer wahren Bekehrung liegen in der Familie, der man angehört. Diese Hemmnisse sind am stärksten, wenn diese Familie eine brave, ernste, äußerlich-kirchliche Gesinnung hat, aber von einem neuen inneren Leben nichts wissen will. Sich da innerlich frei zu machen, ist am allerschwierigsten. Aber selbst Dem, der so glücklich war und ist, wahrhast fromme Eltern zu haben, - auch ihm ist der Bruch mit dem alten Leben nicht erspart. Er wird ihm dadurch sehr erleichtert werden, aber erspart kann er ihm nicht werden. Denn es handelt sich hier um die Scheidung von der ganzen Weltgesinnung, um die Erwerbung eines neuen Sinnes, der uns nicht angeerbt werden kann wie der alte. Ohne eine innere Krisis kommen wir nicht davon. Denn nicht in unserer Umgebung nur, nein in uns selbst schon stecken von Natur her diese Selbstsucht, Weltsucht, Kreaturvergötterung, die sterben müssen.
Von dem alten Wandel nun, gleichviel ob er in grober oder feiner, gottloser oder gottseliger Gestalt austritt, sagt der Apostel, dass er „eitel“ sei. Er ist eitel, weil er nicht fähig ist, das Menschenherz in seinen tiefsten Nöten zu trösten, in seinen höchsten Kämpfen durchzubringen, in seinen schreiendsten Bedürfnissen zu stillen. So lange nicht durch die Gemeinschaft Jesu ein neues Element, Ewigkeitslicht, Ewigkeitsleben, Ewigkeitskraft in dem Leben eingetreten ist, so lange ist es ziellos, haltlos, ohne Fundament. So lange du in dem Wandel nach väterlicher Weise einhergehst, ist das Leben, auf den tiefsten Grund gesehen, eitel, arm, leer und unbefriedigt. Sühne und Erlösung, die dein Herz verlangt, himmlische Güter, bleibende göttliche Segnungen findet es nur in Dem, der uns von dem alten Wandel nach väterlicher Weise erlöst hat. Aber du siehst, dass du nicht kannst frei werden, du sprechest denn, ob auch unter Tränen, „Herr, mein Erlöser, ich will, ich will, löse, löse, so leise, so sanft wie möglich, aber löse, erlöse!“ (Otto Funcke)
Wisst, dass ihr erlöst seid nicht mit vergänglichem Silber oder Gold…. sondern mit dem teuren Blute Christi, als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.
1. Petri 1, 18. 19.
Gold und Silber, die gelten in der Welt Alles. Wer es reichlich hat, den nennt die große Menge einen glücklichen Mann. Für Gold und Silber kann man ja auch Alles haben, schlechterdings Alles, was von Genuss, Besitz, Glanz und Ehre in der Welt ist, - AUL, nur nicht was uns das Nötigste ist: Frieden für unsere Seele und ewiges Leben. „Um die Güter dieser Welt zu verachten braucht man nur Die anzusehen, die sie besitzen,“ sagt der weise Hamann; und in der Tat, wer in den Palästen heimisch ist, wird es erkannt haben, (selbst wenn er schlechte Augen hat,) dass durch die Güter dieser Welt kein Mensch wahrhast glücklich und zufrieden wird. Silber und Gold ist auch eitel, ja mit tausend Sünden befleckt und beschmutzt. Ach, wenn ein Goldstück, das zehn Jahre durch die Hände der Menschen hindurchgelaufen ist, seine Geschichte erzählen könnte, sie würde wahrlich nicht lieblich und auch nicht sauber sein. Man würde sich nach Handschuhen umsehen, ehe man es wieder anfassen möchte. Alles Silber und Gold, wie fest und stark es ist, wird auch vergehen in den Feuerflammen des großen Tages, und was wir dadurch erkaufen und einlösen können, wird schon viel eher vergehen; spätestens in der Stunde des Todes wird es so wenig Wert haben wie ein Strohhalm,- es sei denn, dass wir es bei den Elenden der Erde in die Wucherbank gegeben haben.
Nein, nicht durch Silber und Gold sind wir losgekauft aus dem eitlen Wandel nach väterlicher Weise, zu einem neuen Lebenswandel in heiliger selbstloser Liebe, in freudigem Glauben, in beseligender unerschütterlicher Hoffnung, sondern durch das teure Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes. Wie gewaltig, wie schneidend tritt hier der Gegensatz zwischen göttlichem und menschlichem Urteil hervor! Was in der Welt Alles gilt, nämlich Silber und Gold, das achtet Gott für nichts. Das dagegen, was die Welt verachtet als eine unbrauchbare entwertete Münze, das, woran der große Strom der Welt vorüber rauscht und treibt, (wir meinen das Blut Christi,) das ist in Gottes Augen hoch, ja das einzig Hohe, weil es das Einzige ist, was die Menschen aus der Tiefe zur Höhe führen kann. Darum wird es das teure (das kostbare) Blut genannt, weil einzig und allein von Adem, was je auf dieser Erde erfunden wurde, dieses Blut einen bleibenden und ewigen Wert hat.
Wir verstehen schon, wie mit diesem einen Worte „Blut Christi“ das ganze Rettungswerk unseres Heilandes bezeichnet wird, denn „des Menschen Leben ist in seinem Blute“. Nicht anders war es bei Jesu. In dem Blutvergießen erreicht alles lieben, Leiden und Wirken zu unserem Heil seinen Höhepunkt und seine Vollendung, - wie wir bei anderer Gelegenheit näher betrachtet haben. Und dieses Lieben, Leiden und Sterben, es ist ein Leiden und Sterben für uns; - es ist das Sterben des „Lammes“, das sich freiwillig hingeopfert für Die, von denen es geopfert wird. Er, der „das Lamm Gottes“ heißt, Er ist der Einzige, der „unschuldig und unbefleckt“ blieb mitten unter den Schuldigen und Befleckten; der, mitten unter den Sündern, doch von den Sündern abgesondert blieb; der, von den Sündern zertreten, dennoch eben dieser selbigen Sünder Last und Jammer trug, tilgte, wegtrug und sühnte. Für dich vergossen, zur Vergebung deiner Sünden,“ - das ist die Überschrift, die der heilige Gott selbst über dieses Blut gesetzt hat, und die du, o Mensch, der du jetzt dieses Blatt in Händen hältst, anschauen und lesen sollst, zitternd, anbetend, frohlockend. Lesen sollst du diese Überschrift, und aus Christi ganzem Leben und Leiden verstehen lernen, was du liest, und wiederum Christi ganzes Leben verstehen lernen aus dieser Schrift. Anbetend lesen sollst du sie, bis du sie fasst, - nicht durch Kraft deines Verstandes, der macht hier Bankrott, - nicht durch Kraft deines Gefühles, das wird hier verwirrt; nicht durch Kraft der Weltweisheit, die verstummt hier oder sie lacht, - nein, durch Kraft deines blutenden Gewissens, durch Kraft des Geistes Gottes, der diesem deinem blutenden Gewissen offenbar macht: „So, und so allein, konnte und kann dir geholfen werden. Hier wirf die Anker aus, so wird deine Seele still und fest; hier brich anbetend zusammen und du wirst zu einem neuen göttlichen Wandel kommen, zu einem Wandel im Frieden, zu einem Wandel in die ewige Heimat hinein“. (Otto Funcke)