Hebräer 10,39

Andachten

“Wir sind von denen, die da glauben und die Seele erretten.“
Das allein wird uns von den Ungläubigen oder Halbgläubigen schon als schändlicher Hochmut ausgelegt, dass wir unseres Glaubens und damit unserer Seelen-Errettung gewiss geworden sind. Mag sein, dass sie dabei ein wenig das schlechte Gewissen mit dem Vorwurf plagt: warum hast du selbst deine Erwählung nicht festgemacht? Aber ich wüsste wirklich nicht, was eine Ungewissheit des Heilsglaubens für einen Sinn haben sollte. Entweder Gewissheit oder nichts! Soll ich in Stunden, wo mein Gefühl versagt, oder meine Stimmung schlecht ist, oder der Augenschein gegen Gottes Gnade sprechen will, mich ebenso trösten können wie im bangen Sterben, dann muss es dieses Trostes Stärke sein, dass er zuverlässig ist. Unser Glaube macht dazu Belastungsproben durch, wie eine neue Eisenbahnbrücke, bis einem der Zweifel, als ob das alles Einbildung sei, ebenso wenig mehr kommt, als dem Zugfahrer, der täglich über diese Brücke fährt. Fester als alles Irdische, gewisser als die Wirkung der Naturgesetze, ja als meine eigene leibliche Existenz wird mir der Glaube: Da in der unsichtbaren Welt ist jemand, der ist ewig, gut, stark, und der hat mich lieb und hält mich in seinen Händen und garantiert mir eine ewige Seligkeit.

Wir danken dir, Herr Jesu, dass du alles getan hast, um unsern Glauben erst zu entfachen, dann ihn zu verankern und ihn zu stärken. Nun bitten wir dich, kröne ihn mit dem Ende, des wir warten. Amen. (Samuel Keller)


Wir sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben und die Seele erretten.
Wir sind nicht von denen, die da weichen; bräche ich hier ab, so könnte sich der Trotz meines Eigenwillens in dieses Wort verkleiden. Straucheln wir nicht oft, weil wir entschlossen sind, den von uns begangenen Weg nicht aufzugeben, was immer sich uns widersetzen mag? Es ist jedesmal ein schmerzlicher, eine Wunde bewirkender Vorgang, wenn wir einen gefassten Entschluss wieder zerbrechen müssen und ernsthafte Opfer umsonst gebracht wurden. Das schneidet tief und schmerzlich in unsere Eitelkeit hinein. Gibt es ein Merkmal, das deutlich und sicher den eigenwilligen Trotz von der mannhaften Beharrlichkeit trennt? Wir sind, sagt der Apostel, nicht von denen, die da weichen, weil wir zu denen gehören, die da glauben; weil wir glauben, weichen wir nicht. Jetzt kann ich nicht in den Trotz hineingeraten. Denn Trotz und Glaube sind ebenso wenig miteinander vereinbar, als feiges Verzagen mit Glauben zusammengeht. Der Trotz rechnet mit der eigenen Kraft, der Glaube mit Gottes Kraft; das sind zwei inwendig gänzlich verschiedene Vorgänge, die aus zwei verschiedenen Wurzeln stammen; denn der Trotz kämpft für den eigenen Willen, während der Glaube sich an Gottes Willen hängt. Deshalb, weil der Glaube auf Gottes Willen gestellt ist und ihn tun will, macht er mich biegsam. Denn er lässt nicht zu, dass ich mich von der göttlichen Leitung löse; ihr will ich folgen, wohin sie mich ruft. Ich habe ja im Glauben gründlich und völlig darauf verzichtet, wie die Verfügung über Gottes Willen zuzuschreiben oder ihn schon von Anfang an erkennen zu wollen. Ich warte, weil ich glaube, bis Gott redet, höre, wenn er zu mir spricht, und bin für seinen Ruf bereit. Damit endet jener falsche Stolz, der heldenhaft auf seinem eigenen Wege voranstürmt. Aber die Biegsamkeit des Glaubens ist zugleich unbiegsame Unbeweglichkeit, die nicht weichen kann. Denn an Gottes Wort und Gottes Gnade entsteht die feste Gebundenheit an Ihn, die nicht darum nicht zerbrechen kann, weil mein Glaube unbeweglich wäre, sondern deshalb, weil seine treue Hand mich hält. Deshalb legt der Glaube in meine Seele die sichere Hoffnung, die nicht schwanken kann, weil sein Blick auf Gott gerichtet ist, und deshalb beschenkt er mich mit der unermüdlichen Liebe, die vom Dienst nicht lassen kann, weil der Blick des Glaubens auf den gerichtet ist, dem keiner vergeblich dient. Wer glaubt, weicht nicht.
Gib mir, gnädiger Gott, die Festigkeit, die mir das gerade Herz verschafft, das sich nicht krümmt, und den geraden Gang gewährt, der nicht schwankt, und gib mir die wache, zum Hören bereite Beweglichkeit, die nicht rückwärts blickt und am Vergangenen hängt, sondern willig Deiner Leitung folgt. Amen. (Adolf Schlatter)


Wir aber sind nicht von denen, die da weichen und verdammt werden, sondern von denen, die da glauben, und die Seele retten.
Stehet, ruft Paulus den Gläubigen Eph. 6,14. zu, umgürtet eure Lenden mit Wahrheit, und 1 Kor. 16,13.: wacht, steht im Glauben, seid männlich und seid stark. Diesem Stehen ist aber das Weichen entgegengesetzt, wodurch man seinen Glaubensstand verlässt, der Wahrheit sich entzieht, der Zucht des Geistes entweicht, und das sanfte Joch und die leichte Last Christi abwirft. Wer aber seinen Glaubensstand so verlässt, verlässt auch seinen Gnadenstand, wer aber diesen verlässt, und nicht wieder dazu umkehrt, wird als ein Abtrünniger verdammt werden. Zum Weichen können wollüstige Reizungen bewegen, aber auch anhaltende Trübsale. Man mag aber durch jene, oder durch diese, oder auch durch beide versucht werden, so soll man ein Nachfolger derjenigen werden, deren Beispiel Paulus Hebr. 11. angeführt hat, und unter denen Moses durch den Glauben nicht mehr ein Sohn der Tochter Pharao heißen wollte, sondern viel lieber erwählte mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden, denn die zeitliche Ergötzung der Sünde zu haben, Andere aber zerschlagen wurden, und keine Erlösung von der Marter und vom Tod annahmen, ob sie ihnen gleich um die Verleugnung ihres Glaubens von den Tyrannen angeboten wurde; auf dass sie die Auferstehung zum ewigen Leben erlangen möchten, V. 25.35. Nicht ein jeder Christ hat so viele fleischliche Ergötzungen zu verläugnen als Moses, und nicht ein jeder wird durch Marter und Tod versucht, wie die Israeliten zur Zeit der Makkabäer, und doch weichen Viele. Das Wort Gottes ist ihnen nimmer wichtig, der Heiland der Welt nimmer groß in ihren Augen, das himmlische Erbe nimmer kostbar. Eine falsche Klugheit nimmt ihre Seele ein, sie stellen sich der Welt gleich, sie suchen der Welt Freundschaft, wie Gottes Feindschaft ist, sie wollen ihr Glück bei und in der Welt so machen, dass sie, um zu diesem Zweck zu gelangen, im Ernst und in der Verleugnung nachlassen und nachgeben, sie werden träge zum Gebet, schämen sich der Gemeinschaft mit den verachteten Gliedern Jesu Christi, verfallen nach und nach in grobe Sünden, und fahren auf diese Weise, wenn sie sich nicht bald erholen, in die Verdammnis hin. Wenn man den Seelenzustand solcher Leute mit wenigen Worten beschreiben will, so kann man sagen, dass der Unglaube ihre Herzen einnehme: denn diejenigen, die bis ans Ende beharren und selig werden, sind solche Christen, welche glauben und ihre Seelen retten. Wer durch den Glauben in Christo Jesu bleibt, Seine Erlösung und Gnade und die Liebe des himmlischen Vaters hochschätzt, Seine Worte allen Einreden und Einstreuungen als die ewige Wahrheit vorzieht, und nicht auf das Sichtbare, sondern auf das Unsichtbare sieht, errettet auf diese Weise seine Seele von dem ewigen Verderben, und erlangt die Krone des ewigen Lebens. Geduld ist freilich hierbei nötig (V. 36.): der Glaube aber wirkt, so er rechtschaffen ist, Geduld (Jak. 1,3.). Man hat nötig, in der Liebe Gottes und des Nächsten zu wandeln: der Glaube aber ist durch die Liebe tätig, Gal. 5,6. Das Leiden und der ganze Glaubenslauf scheinen oft lange zu währen, aber der Geist sagt: über eine kleine Weile wird kommen, der da kommen soll, und nicht verziehen; der Gerechte aber lebt seines Glaubens. (Magnus Friedrich Roos)

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nt/58/hebraeer_10_39.txt · Zuletzt geändert: von aj
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