Epheser 3,19
Andachten
Dass ihr erfüllet werdet mit aller Gottesfülle.
Lampe und Gefäß, der ganze Mensch soll erfüllet werden mit heiligem öle. Wir dürfen über diese kostbaren Wirklichkeiten nicht gleichgültig hinwegsehen. Wir wollen uns nicht nur Lehren einprägen, unser Leben darf sich auch nicht nur in einem äußeren Dienst verzehren; was uns vor allem anderen am Herzen liegt, das ist das Durchwoben-werden von dem Bilde und von der Lebensmacht Jesu Christi. Unser Wesen soll helle, licht und reine werden. Wachsen in der Gnade und Erkenntnis Jesu Christi wollen wir. Woher kommt es wohl, dass da und dort ältere Christen wie dürre Bäume, ohne Saft und Kraft dastehen? Sie haben bei allem Dulden und Leiden, in aller Mühe und Arbeit es versäumt, sich in wahrhaft realer Weise einzuwurzeln in den lebendigen Christus. Kopf und Verstand sind reichlich mit Schriftwahrheiten angefüllt worden, aber Herz und Leben viel zu wenig mit dem auferstandenen Herrn in Verbindung, in Gemeinschaft gesetzt. Christen dürfen mit ihrem Christus in einem Verhältnis des Lebens stehen. Er ist ewig der Gebende, sie sind immerdar, von Ewigkeit zu Ewigkeit, die Empfangenden. Durch den Glauben stehen wir mit dem unerschöpflichen, unergründlich tiefen Ozean des Lebens in Verbindung, alle Schalen des Heiles, der Weisheit, der Erkenntnis fließen uns nach Maßgabe unseres Glaubens und Flehens immerwährend zu. Der Heilige Geist will uns Licht hierüber schenken, und wer in diesem köstlichen Lichte steht, wird nie einem kahlen, abgestorbenen Baume gleichen; er wird immer grünen und blühen und immer Früchte tragen. (Markus Hauser)
Gott gebe euch, zu erkennen, dass Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen, auf dass ihr erfüllt werdet mit allerlei Gottesfülle.
Wer wirklich Christum im Herzen hat, der muss immer Andern zum Segen sein. Der soll nie zu klagen brauchen: Wo ist eine Seele, die etwas von mir hat, der ich etwas bin; wer verliert etwas, wenn ich einmal sterbe! Der soll sich nie unnütz fühlen auf Gottes Erden, sondern als Gefäß seiner Gnade, erfüllt mit allerlei Gottesfülle, zum Segen der Brüder. Sprich nicht: Ich bin schwach und arm, krank und alt; meine Zeit, meine Kraft ist dahin; wem kann ich noch etwas sein? O wie Mancher hat in seiner Schwachheit, seinem Leiden und Sterben mehr Segen in seiner Umgebung gestiftet, als in den Jahren seiner Kraft! Wie mancher hat in seinem Siechtum mehr Seelen erobert und gewonnen für den himmlischen König, als in seiner äußeren Macht und Ehre. Lass das Leben äußerlich noch so arm sein, wenn nur das Herz erfüllt ist von allerlei Gottesfülle, so ist es doch ein reiches Leben, ein Licht im Hause, eine Erbauung für Alle, die es sehen und hören. Durch deinen Wandel, durch deine Geduld und Demut, die von der Liebe Christi zeugen, wirst du unwiderstehlich die Herzen zu Christo ziehen, hier den Unglauben bekehren, dort die Weltlust beschämen, dort die Verzagtheit trösten und aufrichten. O darum sorge und bitte nur, für dich selbst wie für die Deinen um das Eine, dass ihr erfüllt werdet mit allerlei Gottesfülle. Wenn dann dein Leben einmal zu Ende ist, dann wird dir nicht das Wehe gelten: „Wehe dem, der sterben geht und keinem Liebe geschenkt hat, Dem Becher, der zu Scherben geht und keinen Durst'gen getränkt hat.“ Sondern: Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben, denn sie ruhen von ihrer Arbeit, und ihre Werke folgen ihnen nach! (Adolf Clemen)
„Die Liebe Christi, die alle Erkenntnis übertrifft.“
Die Liebe Christi übertrifft in ihrer Zartheit, in ihrem Reichtum, in ihrer Größe und Treue alle menschliche Fassungskraft. Wo fände man Worte und Ausdrücke, die seine unvergleichliche, seine unerreichbare Liebe gegen die Menschenkinder beschreiben könnten? Sie ist so weit und unabsehbar groß! Gleichwie die Schwalbe das Wasser nur mit den Spitzen ihrer Flügel berührt und sich nicht in seine Tiefen taucht, so berührt jedes Wort der Schilderung nur die Oberfläche, und die unermesslichen Tiefen liegen darunter. Wohl singt mit Recht der Dichter:
„Unergründlich Meer der Liebe!
Abgrund aller Liebeswonne!
Du, der Liebe Lebens-Sonne!“
Denn diese Liebe Christi ist in Wahrheit unermesslich und unergründlich. Wer kann sie fassen? Ehe wir uns von der Liebe Jesu einen rechten Begriff machen könnten, müssten wir seine frühere Herrlichkeit in seiner erhabenen Majestät kennen lernen und müssten verstehen lernen die ganze tiefe der Erniedrigung in seiner Menschwerdung auf Erden. Aber wer kann uns unterweisen von der Hoheit Christi? Als Er auf dem Stuhl saß im höchsten Himmel, da war Er wahrer Gott aus wahrem Gott; durch Ihn sind alle Himmel gemacht mit allen ihren Heerscharen. Sein allmächtiger Arm erhielt den Weltkreis; das Lob der Cherubim und Seraphim umwogte Ihn ohne Aufhören; das volle Jubelgetöne des Halleluja-Gesanges aller Himmelsräume ergoss sich ununterbrochen vor seinem Thron; Er herrschte hoch erhaben über allen seinen Geschöpfen, Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit. Wer kann die Höhe seines Ruhms aussagen? Aber wer vermag auch die Tiefe zu beschreiben, in die Er hinabstieg? Ein Mensch zu werden, das war schon viel, ein Mann der Schmerzen zu werden, weit mehr; zu bluten, zu leiden und zu sterben, das war viel für Den, der Gottes Sohn genannt war, aber so unaussprechliche Angst ertragen, solch einen Tod der Schmach und des Verrats erleiden zu müssen, das ist ein Tiefe der erbarmenden Liebe, welche auch das begeistertste Gemüt in Ewigkeit nie zu ergründen vermag. Das ist Liebe! und wahrlich eine Liebe, „die alle Erkenntnis übertrifft.“ O, dass doch diese Liebe unsre Herzen erfüllte mit anbetendem Dank, und uns zu lebendigen Zeugnissen ihrer Allmacht erhöbe! (Charles Haddon Spurgeon)
“Gott gehe euch zu erkennen, dass Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen, auf dass ihr erfüllet werdet mit allerlei Gottesfülle.“
Der natürliche Mensch erkennt das nicht; ihm ist viel Wissen das höchste Ziel, weil es Macht und Ehre bedeutet. Dass dabei das Herz öde und leer und das Leben sittenlos und verwerflich sein könne, bedenkt er nicht, oder es bedeutet ihm nichts. Wir aber haben schon an dem Wenigen, was wir von der Liebe Christi zu uns und unserer Liebe zu ihm erlebt haben, den übermächtigen Eindruck empfangen, dass auf dieser Linie unseres Erdenlebens Segen, unseres Sterbens Trost und die Herrlichkeit der Ewigkeit uns zuwächst! Darum sehnen wir uns nach mehr Gottesfülle. Ja, nach allerlei Gottesfülle: nicht nur auf einem besonderen Gebiete - der sittlichen Kraft - sondern auf allen Gebieten soll die Liebe Christi unser Glück und unser Reichtum werden. Wenn wir darauf hingewiesen werden, wenn man uns dergleichen erbittet, dann stimmt unsere Seele freudig zu. Denn es stimmt mit den heißesten Wünschen unseres neuen Wesens überein: Christum lieb haben! Dass wir das dürfen, dass wir das verstehen, dass wir darin immer mehr wachsen sollen - wem unter uns schwellt dieses Wort nicht die Brust!
Herr, unser Gott! Führe du uns tiefer hinein in den Zusammenhang mit dir und deinem lieben Sohn. Wir sehnen uns nach mehr Leben und Liebe. Gib uns Erkenntnis und Erleben Christi. Dann ruht unser Herz an deinem Herzen. Amen. (Samuel Keller)
Auch erkennen, dass Christum lieb haben viel besser ist, denn alles Wissen (oder: die Liebe Christi, die alle Erkenntnis übertrifft); auf dass ihr erfüllt werdet mit allerlei Gottesfülle.
Die gewöhnliche lutherische Übersetzung: Christum lieb haben, ist viel besser, denn alles Wissen, hat, dem Sinn nach, nichts Unrichtiges, obwohl sie auch schon missbraucht worden ist. Man hört oft sagen: Wozu die Universitäten, oder die langen Studien der Missionszöglinge? was nützt solch eine Gelehrsamkeit? Christum liebhaben, darin liegt ja Alles; das Übrige ist nur Kot, wie Paulus sagt. So hört man oft erweckte Christen reden. Allein die Vorstudien Pauli kamen ihm gewiss später zu gut, als er den Athenern predigte, und die Wissenschaft, wenn sie dem Glauben zu Hilfe kommt, ist nichts so Kotiges, sondern schärft das Schwert des Geistes. Es gibt Stundenhalter, die sich immer in dem nämlichen Ideenkreise herumdrehen und herzlich langweilen; man kann ihnen die Liebe zu Christo nicht absprechen, aber es fehlt ihnen die geistliche Bildung. Freilich kann die Wissenschaft oft den Glauben verdrängen wollen, und hierin liegt die Gefahr, nicht in dem Erwerb der Kenntnisse selber. Unsere Stelle lautet aber eigentlich: zu erkennen die Liebe Christi, welche die Erkenntnis überragt; also eine Liebe, die über unser Erkennen hinaus geht, wie es einen Frieden gibt, der höher ist, als alle Vernunft. Paulus will sagen: Man kann der Liebe, die Christus zu uns hat, nicht genug zutrauen; sie überragt unsere Engherzigkeit und all unser Misstrauen; man kann sich hinein werfen, wie ein Schwimmer ins Meer; sie will unser ganzes Wesen überfluten, wir können in unsern Sünden, aber nicht in der Liebe Christi untergehen. Die Frucht dieser Liebe ist, dass wir dadurch erfüllet werden mit allerlei Gottesfülle. Alle Mitteilungen Gottes, so verschieden sie auch von einander sind, sind Liebesmitteilungen. Wer Christum hat, in ihm wächst und seiner Liebe immer mehr Raum gibt, in dem wachsen auch die Geistesfrüchte, und dessen Ausbildung wird eine vollständige werden; die Gemeinde des Herrn ist nichts Anderes, als die Fülle Christi. (Friedrich Lobstein)