2. Korinther 1,11
Andachten
Er wird uns auch hinfort erlösen durch die Hilfe eurer Fürbitte.
Bei manchem Schicksal fragen wir, wozu es zu uns komme. Diese Frage hat Paulus nie gequält; für sie hat er stets die Antwort bei der Hand gehabt. Warum kam er in eine Lage, in der er, wie er sagt, bereits auf das Leben verzichtete und meinte, er sei unrettbar dem Tod verfallen, worauf die Gefahr dennoch vorüberging? Solche Erlebnisse kommen nicht umsonst. Durch sie entsteht das, was Gottes Regierung uns geben will, Gebet, zuerst die Bitte, die die Hilfe sucht, dann der Dank, und dies so, dass beides nicht bloß die Sache des Einzelnen bleibt, sondern die Christenheit zum gemeinsamen Handeln vereint. Durch die Weise, wie Paulus die Gemeinde gesammelt hatte, war sie so mit ihm verbunden, dass seine Gefahr auch ihr Bitten und seine Rettung auch ihr Danken schuf, und in diesem gemeinsamen Gebet, das alle durch dieselbe Bitte und denselben Dank verbindet, erkennt Paulus ein so großes Gut, dass er um seinetwillen zu jeder Gefahr bereit gewesen ist. Das ist der Sinn jeder Erfahrung, sei sie Glück oder Leid, dass sie unseren Blick auf Gott richtet, und dies ist der Sinn der Gemeinschaft, in die wir miteinander gebracht sind, dass wir gemeinsam mit einträchtigem Verlangen unsere Herzen zu Gott erheben.
O Herr, ich habe viel zu bitten und noch mehr Grund zum Danken. Ich kann es nicht, wie ich möchte, tue es aber mit meiner geringen Kraft, nicht nur für das, was Du mir sendest, sondern auch für das, was Du uns allen gibst. Was sie hemmt und beschwert, bringe ich vor Dich, und für das, was Du ihnen als Segnung und Hilfe gibst, sei Dir Dank gesagt. Amen. (Adolf Schlatter)