1. Korinther 2,7

Andachten

Wir reden von der heimlichen verborgenen Weisheit Gottes, welche Gott verordnet hat vor der Welt, zu unserer Herrlichkeit.
Vergeblich trachtet man das Evangelium von Jesu Christo so auszuwickeln und aufzuklären, dass es auch den natürlichen Menschen fasslich werde, und dass überhaupt keine dunkle Tiefe oder unübersehliche Höhe dabei übrig bleibe. Wer dieses tun will, kann es nicht anders tun, als durch Verfälschung und Schmälerung des Evangelii, und betrügt also sich und Andere damit. Paulus nennt 1 Kor. 1,21. das Evangelium eine törichte Predigt, weil es den Weisen und Obersten der Welt eine solche zu sein scheint. Er sagt K. 2, V. 6., nur die Vollkommenen erkennen es als eine Weisheit, bekennt aber doch V. 7., es sei eine Weisheit Gottes im Geheimnis, oder es sei eine Weisheit, die in ein Geheimnis eingehüllt sei, folglich ihre Dunkelheit mit sich führe. Man könne dabei nicht Alles auswickeln, nicht von Allem Grund geben, nicht alle Fragen, die man aufwerfen möchte, beantworten. Sie sei überdies den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen, wie auch Christus Matth. 11,25. gesagt hat. Übrigens sei es fest, notwendig und heilsam, denn Gott habe dieses Evangelium oder diese Seine weise Lehre vor der Welt zu unserer Herrlichkeit verordnet, dass wir nämlich die ewige Herrlichkeit dadurch erlangen.

Wer nun auch durch angestellte Proben überzeugt werden will, dass die Weisheit, oder der weise Rat Gottes von unserer Seligkeit, wie er in dem Evangelio von dem gekreuzigten Christo enthalten ist, den Weltmenschen verborgen, an sich selbst aber und in Ansehung aller Menschen in ein Geheimnis eingehüllt sei, versuche es erstlich bei den Weltmenschen, und sage ihnen, wenn sie gutes Muts sind, etwas davon vor. Wenn sie nicht spotten, so werden sie es doch mit Ekel hören, für etwas Altes und Unkräftiges halten, und sich mit ihrem Gemüt alsbald davon wegwenden. Was ist die Ursache hievon? Sie wird Matth. 11,25. angezeigt, ingleichem 1 Kor. 2,14., wo Paulus sagt: der natürliche Mensch vernimmt nichts von dem Geist Gottes, es ist ihm eine Torheit, und kann es nicht erkennen, denn es muss geistlich beurteilt sein. Wenn aber auch ein vollkommener oder erleuchteter Mensch dieses Evangelium hört, und für eine göttliche Kraft und Weisheit hält, so muss er Vieles glauben, das man ihm nicht erklären kann. Wie ist’s möglich gewesen, dass alle Fülle der Gottheit hat in dem Menschensohn Jesu wohnen können? Wie war’s möglich, dass Christus Gott blieb, und Sich doch erniedrigte und ausleerte? Wie hat Sein Leben von nicht gar 33 Jahren und sonderlich Sein letztes Leiden von nicht gar 24 Stunden eine Erstattung für alle Sünden der ganzen Welt und eine Erduldung des ganzen Fluches des Gesetzes sein können? Dergleichen Fragen könnte man noch viele machen. Wer kann aber hier alles ausrechnen, auslegen und aufklären? Gewisslich ist das Evangelium eine Weisheit Gottes im Geheimnis. Allein der Glaube stößt sich nicht daran. Man muss ja nicht Alles deutlich wissen, was man glauben soll: das Klare und das Dunkle, das daran stößt, nimmt der Glaube als eine lautere und kräftige Wahrheit und Weisheit zugleich an, und tut es desto billiger, da auch bei den natürlichen und sichtbaren Dingen, an deren Dasein Niemand zweifelt, überall unerklärliche Geheimnisse anzutreffen sind. Gott ist allein weise. Ihm ist nichts ein Geheimnis. (Magnus Friedrich Roos)

Predigten

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung der Website stimmen Sie dem Speichern von Cookies auf Ihrem Computer zu. Außerdem bestätigen Sie, dass Sie unsere Datenschutzbestimmungen gelesen und verstanden haben. Wenn Sie nicht einverstanden sind, verlassen Sie die Website.Weitere Information
nt/46/1._korinther_2_7.txt · Zuletzt geändert: von aj
Public Domain Falls nicht anders bezeichnet, ist der Inhalt dieses Wikis unter der folgenden Lizenz veröffentlicht: Public Domain