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Johannes 8,31

Johannes 8,31

Andachten

Welche Mühe gibt sich in diesen Worten der Herr, die Juden ihres Irrtums zu überführen! Wie lässt Er sich herab, die Sehnsucht nach dem wahren Leben bei ihnen zu wecken! Wie langmütig und geduldig versucht Er immer von neuem, ihren Sinn für dasselbe aufzuschließen! Doch es scheitert all’ sein Wohlmeinen und seine Sorgsamkeit an der Verkehrtheit der Hörer. Sie wollen die Wahrheit nicht, sondern Bestätigung für ihre Ansichten, und sind im Voraus darüber entschieden, was sie zu glauben haben. Wo sie prüfen sollten, da sind sie absprechend und voll Hohn. So sehr empören sie sich gegen des Herrn Wort, dass sie wuterhitzt Steine aufraffen, Ihm den Tod zu geben. – Noch sollten sie nicht triumphieren, noch entzog sich Jesus ihren Händen. Ihr späteres Triumphgeschrei aber war ihre Schmach und wurde Angstgeschrei zu der Zeit des Elends, die Jesus als Folge davon, dass sie Ihn verworfen, vorhergesagt hatte. Da mochten viele enttäuscht werden, die auf ihren Unglauben so sicher getrotzt hatten. Denn es ist eine große Selbsttäuschung, wenn der Mensch nicht an Jesum glaubt. Schon deshalb, weil er, wie die Pharisäer, durch seinen Unglauben seine Ehre sucht und gerade dadurch sich verunehrt; weil er ferner, wie sie, diesen Glauben Aberglauben, Samariterglauben, Schwärmerei eines Besessenen schilt, und dadurch sich selbst dem schnödesten Aberglauben immer mehr Preis gibt: denn vom Unglauben zum Aberglauben ist nur ein Schritt, und Einem muss der Mensch vertrauen: ist es die Wahrheit nicht, so ist es die Lüge, das Sinnliche und Zeitliche, die Naturanbetung, der Götzendienst mit eigenem Verdienst, die Gespensterfurcht, vor allem der eisigste und teuflischste Aberglaube, der Aberglaube an sich selbst. Endlich täuscht sich der Unglaube auch darin, dass er den Glauben an Christum mit einem freien Lebensgenusse unverträglich hält, und gerade dadurch des wahren Lebens sich beraubt und dem ewigen Tode verfällt. Herr, gib uns Glauben, so haben wir Alles, was wir bedürfen. Bewahre uns vor Sorgen und Lüsten, d.h. vor Weltsinn, zu welchen beiden bösen Dingen es so viel Versuchung gibt durch die Not und durch die lockenden Zerstreuungen auch in dieser Zeit; denn beide vertreiben das höhere Sinnen und die Glaubensfähigkeit, und machen, dass es mit unserm Glaubensleben nicht vorwärts geht. Amen. (Friedrich Arndt)


Selig, wem es gegeben wird, die Wahrheit zu erkennen; denn die Wahrheit wird ihn frei machen! Die erkannte, d. h. Sie zum Besitz und Schatz seines Lebens gewordene Wahrheit wird den Menschen frei machen. Ohne Erkenntnis der Wahrheit werden alle sterben in ihrer Sünde; kraft der Erkenntnis der Wahrheit werden sie leben, mitleben das Leben Christi, der die Wahrheit und das Leben ist, denn sie werden frei werden von der Sünde und von allem, was infolge der Sünde über sie gekommen ist und ihnen wehrt, zu sein, wie Gott will dass sie sein sollen. Das sein wollen und sein können, was wir nach Gottes Willen sein sollen, darin besteht die christliche Freiheit, die köstliche Frucht der Kindschaft Gottes in Christo, in welchem für alle wiedergewonnen ist, was in Adam alle verloren haben. Die Erfüllung aber der Verheißung: die Wahrheit wird euch frei machen wird ihr herrliches Ende erst dann erreichen, wenn erscheinen wird, was Gottes Kinder sein werden, nämlich Ihm gleich, in vollkommener, schauender Erkenntnis der Wahrheit, Ihn sehend, wie Er ist; dann, wenn die Christen ebenso vollkommen heilig, ohne Sünde sein werden nach der Weise JEsu Christi, wie sie jetzt vollkommen gerecht, ohne etwas Verdammliches sind durch den Glauben an Sein Verdienst! Amen. (W. F. Besser.)


So Ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid Ihr meine rechten Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch frei machen.
So sprach Jesus zu den Juden und so spricht er noch heute zu uns! Gott aber wolle geben, dass wir Sein heiliges Wort williger aufnehmen, als die halsstarrigen Israeliten, und nicht uns stemmen und bäumen gegen Sein seligmachendes Wort. Die Juden zürnten, dass der Heiland sie unfrei und Knechte genannt habe, und wähnten, keines Erlösers und Befreiers zu bedürfen, und so sind wohl auch noch heute Viele unter uns, denen das Wort nicht ansteht, ja ich möchte sagen, es ist in einem Jeden von uns eine Regung, ein Gefühl, das sich verletzt meint, gekränkt in seiner eingebildeten Größe, wenn Christus den Menschen, den nichtwiedergebornen, unfrei nennt. Und doch drücken die Fesseln des Satans nicht nur täglich, nein stündlich auf uns, und sie haben die wunderbare Eigenschaft, dem unerleuchteten Auge, das die Wahrheit noch nicht kennt, nicht wie schwere, elende Fesseln, sondern wie goldene Armringe und Spangen und Schmuck zu erscheinen, mit denen angetan man köstlich und herrlich vor der Welt dasteht. Aber am Ende, in dem letzten Stündchen, wenn die Lust erlahmt und die Phantasie nicht mehr vermag, aus einer Wüste einen Paradiesesgarten hervorzuzaubern, da zeigt es sich, wie die Kinder der Welt vom Teufel gebunden und gefesselt sind, zerfressen von dem scheußlichen Gifte der Sünde, das mit dem goldenen Scheine die schweren Fesseln übertüncht hatte und da ringt wohl die Seele vergebens, denn sie kann nicht mehr den Weg finden, der zum Leben führt.

Aber da ist ja ein Helfer, da ist ein Erlöser und Seligmacher, ein Überwinder des Teufels Jesus Christus, der Sohn Gottes. An Ihn geschmiegt, kann uns der Satan nicht erfassen, wenn wir Sein Wort hören und behalten, prallen die Pfeile der Sünde vergeblich an uns ab. Darum lasst uns Seiner süßen Rede lauschen, lasst uns willig den köstlichen Samen der Wahrheit in unsere Herzen aufnehmen. Da wird hell die dunkle Nacht rings um uns her, wie Schuppen fällt es von unsern Augen, wir spotten der Sünde mit gleißendem Schein und wenden uns stracks auf den Weg zum ewigen Heil und behalten fest im Auge das erhabene Kreuz mit dem Gotteslamm, aus dessen blutigen Wunden ein neuer Morgen anbricht für die Welt und für jede einzelne Seele, die sich in gläubigem Vertrauen zu Ihm kehrt.

Und dass wir die Wahrheit recht erkennen möchten und frei werden in ihr, das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist! Amen. (Burghard von Cramm)


So ihr bleiben werdet in meiner Rede, so werdet ihr die Wahrheit erkennen.
Wer scheidet Schein und Wahrheit? Wer ist dazu fähig? Wenn ich auf die Weise sehe, wie sich die anderen verhalten, was ist hier echt und was nachgemacht, was erlebt und was erlernt, was Wirklichkeit und Leben und was Theaterspiel? Doch lass die anderen. Es trägt jeder seine eigene Last, hat seine eigene Verantwortlichkeit und steht oder fällt seinem Herrn. Frage dich, was ist an dir Wahrheit und was Einbildung, was ist in dir gewurzelt und gewachsen und was ist fremdes Eigentum, das du als Schaustück in dir trägst, als wäre es dein? Es gibt unter uns nicht wenige, die die Frage quält: ist nicht alles, was man Christentum nennt, Einbildung, „Autosuggestion“, nicht nur die Geschichte Jesu mit ihren Wundern, sondern auch das eigene religiöse Empfinden, das, was wir unsere Erfahrung heißen, unsere Gegenwehr gegen unseren boshaften Willen, unser Gott hingegebener Glaube bleibt, unsere zum Dienst bereite Liebe, ist nicht alles Schein, alles nur der natürliche Trieb der Eigensucht, hier nur verhüllt in einer phantastischen Tracht? Weil uns diese Sorge quälen kann, wollen wir Jesus dafür danken, da er uns einen Maßstab gegeben hat, der das Echte vom Unechten trennt und uns die Wahrheit erkennbar macht. Dieser Maßstab ist das Bleiben in seinem Wort. Wenn sein Wort klar wie die Tageshelle, durchdringend wie ein Sonnenstrahl, mächtig wie der Hieb eines zweischneidigen Schwerts in mich hineintritt, dann flüchtet sich alles, was nur Schein und Farbe und Traumbild ist. Was sein Wort aushält und an seinem Wort sich bewährt, das ist echt, hat Wirklichkeit und ist von Gott gepflanzt.
Erforsche mich, Herr, und prüfe mich. Vertreibe den Schein, befreie mich vom Lügen und stelle mich auf den Felsen der Wahrheit. Dein Wort ist die Schule der Wahrhaftigkeit. In der Schule der Menschen lerne ich Verstellung und Falschheit. Du aber bist der Weg für mich, weil du die Wahrheit bist. Amen. (Adolf Schlatter)


Da sprach Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: So ihr bleiben werdet in meiner Rede, so seid ihr meine rechten Jünger; und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.
Auch der allerkleinste Glaubensanfang bringt dich mit dem Heilande in wahrhaftige Berührung, und er löscht das glimmende Docht nicht aus. Aber hast du angefangen zu glauben, so liegt's ganz und gar am Bleiben, denn die Anfechtung wird nicht lange auf sich warten lassen. In solcher Anfechtung bleibe das Wort Christi gnädig in uns, und wir treulich in seinem Worte, dann sind und werden wir in Wahrheit das, wozu der Glaube den Menschen macht: Jünger Jesu Christi. Ja, sind wir heute sein, weil wir durch seine Gnade glauben, so wollen wir bitten, dass wir sein bleiben, beharren bis ans Ende: und zwar bleiben in seiner Rede, denn außer seiner Rede bleibt man nimmer in ihm.

Bleibend in Christi Rede werden seine rechten Jünger die Wahrheit erkennen; so lautet des Herrn Zusage. „Du hast Worte des ewigen Lebens,“ bekennt Petrus, „und wir haben (diesen Lebensworten) geglaubt und erkannt, dass du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Das Wort Christi, als das Wort des wahrhaftigen Gottes, ist die Wahrheit; wer durch den Glauben in diesem Worte bleibt, von dessen Licht je mehr und mehr sich durchleuchten lässt, der wird erkennen, was den die Rede Christi verachtenden Juden verborgen blieb, „dass ich es sei“ (spricht der Herr). In ihm ist die Wahrheit Gottes, die gnadenvolle Wahrheit vorhanden, denn sie ist durch ihn geworden: er ist ihr treuer Offenbarer und ihr beseligender Inhalt.

Selig, wem es gegeben wird, die Wahrheit zu erkennen; denn die Wahrheit wird ihn frei machen. Die erkannte, d. h. die zum Besitz und Schatz seines Lebens gewordene Wahrheit wird den Menschen frei machen. Ohne Erkenntnis der Wahrheit werden alle sterben in ihrer Sünde; kraft der Erkenntnis der Wahrheit werden sie leben, mitleben das Leben Christi, der die Wahrheit und das Leben ist, denn sie werden frei werden von der Sünde und von allem, was infolge der Sünde über sie gekommen ist und ihnen wehrt zu sein, wie Gott will, dass sie sein sollen. Das sein wollen und sein können, was wir nach Gottes Willen sein sollen: darin besteht die christliche Freiheit, die köstliche Frucht der Kindschaft Gottes in Christo, in welchem für alle wiedergewonnen ist, was in Adam alle verloren haben.

Die Erfüllung aber der Verheißung: Die Wahrheit wird euch. frei machen, wird ihr herrliches Ende erst dann erreichen, wenn erscheinen wird, was Gottes Kinder sein werden, nämlich ihm gleich, in vollkommener, schauender Erkenntnis der Wahrheit, ihn sehend, wie er ist (1. Joh. 3, 2); dann, wenn die Christen ebenso vollkommen heilig, ohne Sünde, sein werden nach der Weise Jesu Christi, wie sie jetzt vollkommen gerecht, ohne etwas Verdammliches an ihnen, sind durch den Glauben an sein Verdienst. (Friedrich Wilhelm Besser.)

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nt/43/johannes_8_31.txt · Zuletzt geändert: von aj
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