Johannes 4,41
Andachten
Und viel mehr glaubten um seines Wortes willen, und sprachen zum Weibe: Wir glauben nun hinfort nicht um deiner Rede willen, wir haben selber gehört und erkannt, dass dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland.
Der Autoritätsglauben hat in der Welt einen schlechten Ruf. Man sagt, es sei eines gebildeten Menschen nicht würdig, dem Ansehen andrer Menschen solche Ehrfurcht zu zollen, dass man ihren Aussprüchen blinden Glauben schenke. Und in der Tat soll der Autoritätsglaube auch nur den Übergang zum Erfahrungsglauben bilden; er ist eine niedrige Stufe des Glaubens, aber auch als solcher doch immer noch viel besser als der Unglaube. Und diejenigen, welche meist nicht Worte genug finden, um ihre Verachtung gegen den blinden Autoritätsglauben an den Tag zu legen, sind in den meisten Fällen Anhänger des Unglaubens auch nur auf die Autorität dieses oder jenes menschlichen Meisters hin, dessen Reden sie gehört oder dessen Bücher sie gelesen haben. Oder sind deren etwa viel, welche sich ganz unabhängig von anderer Leute Gedanken, ihr eignes System bilden, das aber eben deshalb, weil es ein eignes ist, ein irriges sein muss, da Irrtum aller Menschen Teil ist? Der Unglaube bringt es über den Autoritätsglauben auch niemals hinaus, da man von dem, was in sich nichts ist, keine Erfahrung machen kann. Wenn aber nun Autorität gegen Autorität steht, so gibt es auf Erden keine größere Autorität, als die der christlichen Kirche. Was will dieser Autorität gegenüber das Ansehen irgendeines Gelehrten bedeuten! Man sage nicht, es sei nicht zu ergründen, was eigentlich die Lehre der Kirche sei, da sich die verschiedenen Konfessionen widersprechen. Es gibt dessen, worin sie alle übereinstimmen, noch genug und mehr, als der Unglaube in seinen verschiedenen Vertretern Übereinstimmendes aufzustellen vermöchte. Welches Buch könnte wohl gleiches Ansehen beanspruchen mit der Bibel, welcher Lehrer gleiche Autorität mit Moses und Christus? Und da nun der Mensch die Wahrheit aus sich selbst nicht zu finden vermag, und es keine bessern und höheren Autoritäten gibt als diese, so ist es wahrlich auch der Gebildetsten würdig, sich vor ihnen zu beugen, und Manches diesen Autoritäten aufs Wort zu glauben, was ihrem eigenen Verständnisse sich noch nicht vollkommen erschlossen hat. In seinem Beginn muss jeder Glaube Autoritätsglaube sein, da wir ihn nicht aus uns selbst erzeugen, sondern ihn von andern Menschen überliefert erhalten. Aber es soll und darf nicht beim Autoritätsglauben bleiben, sondern wir müssen, wie jene Samariter, sagen lernen: Wir haben nun selber gehört und erkannt, dass dieser ist wahrlich Christus, der Welt Heiland. Unser Glaube muss auf eigenen Füßen stehen lernen, und sich frei machen und unabhängig werden von der Autorität dieses oder jenes menschlichen Lehrers, so dass, wenn es etwa demjenigen, durch welchen uns der Glaube überkommen, begegnen sollte, dass er an seinem Glauben Schiffbruch litte, oder dass er seine Richtung veränderte, wir deshalb unsern Glauben nicht auch verlieren oder in der Richtung unsres Glaubens an seine Fersen geheftet bleiben, sondern dass wir dann durch eigene Erfahrung so weit gegründet sind, dass unsere Glaubensüberzeugung auch unter den Stürmen aufrecht bleibt. (Anton Camillo Bertoldy)