Johannes 19,12

Andachten

Von dem an trachtete Pilatus, wie er ihn los ließe. Die Juden aber schrien, und sprachen: Lässt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht; denn wer sich zum Könige macht, der ist wider den Kaiser.
Die Hölle, sagt man, ist mit guten Vorsätzen gepflastert. Solch ein ohnmächtiger guter Vorsatz war auch der des Pilatus. Er wollte Jesum frei geben und ließ ihn doch kreuzigen. Es war eben ein Donnerschlag für Pilatus, als die Juden ihm ins Angesicht sagten: Lässt du diesen los, so bist du des Kaisers Freund nicht. Wir sehen hier, wie der Satan jeden Menschen an dem Ort weiß anzugreifen, wo er sich am schwächsten befindet. Die Bedrohung mit des Kaisers Ungnade machte allen guten Regungen Pilati ein Ende. Er fühlt, solche Ungnade könne für ihn den Verlust seiner ganzen zeitlichen Wohlfahrt nach sich ziehen. Eben dieses Vorteils bedient sich der Satan noch immer, die Menschen zu stürzen. Er kennt, als ein erfahrener Naturkundiger, eines Jeden Temperament und herrschende Neigung; danach richtet er seine Versuchungen ein. Einen Hochmütigen lockt er zur Sünde durch die Hoffnung eitler Ehre, und schreckt ihn mit Furcht der Beraubung seiner Dignitäten und Ämter. Einen Wollüstigen lockt er durch allerlei fleischliche Bilder und Versprechungen guter Tage, und schreckt ihn hingegen mit der Furcht vor Ungemach, Gefängnis, Schmerzen und Marter. Einen Geizigen lockt er durch Vorspieglung eines Gewinns und anderer Vorteile, und schreckt ihn mit der Furcht seine Güter zu verlieren. Solange man eben nicht in eine aufrichtige Verleugnung der Welt eindringt, so lange ist man gegen die Anläufe des Satans nicht gesichert. Da ist man gleich einer offenen Stadt, die keine Mauern und Wälle hat, und demnach keine Belagerung aushalten kann. Man gebe lieber dem Teufel den letzten Faden zurück, er könnte ihn bald sonst zu einem Strick machen, um uns ganz in seine Gewalt zu bekommen, und bei allen Aussichten auf Gewinn und Abwendung von Ges fahr verliert man zuletzt Leib und Seele und gewinnt nichts als einen Wurm, der nicht stirbt und ein Feuer, das nicht verlöscht. (Friedrich Lobstein)

Predigten

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nt/43/johannes_19_12.txt · Zuletzt geändert: von aj
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