Johannes 13,30
Andachten
Da er nun den Bissen genommen hatte, ging er so bald hinaus. Und es war Nacht.
Wer so von Jesu scheidet, dem wäre besser, er wäre nie geboren. Denn er scheidet vom Licht, um hinaus zu gehen in die ewige Nacht. Die Nacht der Trübsal und des Todes wird erhellt, wenn wir nur Christum haben. Aber von Ihm geschieden da ist die Hoffnung aus und das Ende ist Verzweiflung. Da er sieht, dass Jesus zum Tode verdammt wird, da gereut es ihn, und er geht zu den Hohenpriestern und spricht: Ich habe übel getan. Aber sie weisen ihn ab: Was geht das uns an, da sieh du zu. Und so weist die Welt, so weisen die Verführer noch immer ihr Opfer ab, wenn es, im Sündendienst elend geworden, sie um Hilfe anfleht: Du hast deinen Lohn empfangen; was geht das uns an, da siehe du zu!
Sie haben kein Erbarmen. Aber Einer hat Erbarmen. Ihn suche, wenn du in der Angst deines Herzens nach Trost, nach Frieden, nach Erlösung seufzest. An seiner Tür klopfe an, wenn du bei Menschen verschlossene Ohren und Herzen findest. Noch hat er seine Arme für uns am Kreuze ausgebreitet. Noch steht die Sonne der Gnade für uns am Himmel. Noch ist es nicht Nacht für uns geworden. Kommt zum Herrn, dieweil er nahe ist. Sucht ihn, weil er zu finden ist. Lasst uns mit all' unserer Not zum Herrn gehen. Er wird nimmer sagen: „Was geht das mich an. Da siehe du zu.“ Bei dem Herrn ist Gnade und viel Erlösung bei ihm. Suche Jesum und sein Licht, alles Andere hilft dir nicht.(Adolf Clemen)
Da Judas nun den Bissen genommen hatte, ging er sobald hinaus. Und es war Nacht. Da er aber hinausgegangen war, spricht Jesus: Nun ist des Menschen Sohn verklärt, und Gott ist verklärt in ihm. V. 32: Ist Gott verklärt in ihm, so wird ihn Gott auch verklären in ihm selbst, und wird ihn bald verklären. V. 34: Und ich sage euch nun: Ein neu Gebot gebe ich euch, dass ihr euch unter einander liebt, wie ich euch geliebt habe, auf dass auch ihr einander lieb habt.
Judas, der Verräter, ist hinausgegangen. Da heißt es: Und es war Nacht! ja, welch' eine Nacht! die dunkelste, die es je auf Erden gegeben. Nacht lagerte über Jerusalem und über dem versammelten hohen Rat; Nacht ist es im Herzen des unglückseligen Jüngers; Nacht ist es, weil die Finsternis nun Macht haben soll über des Menschen Sohn. Und in dieser Nacht spricht nun Jesus: Des Menschen Sohn ist verklärt und Gott ist verklärt in Ihm! das ist der wundervolle Sieg des Lichtes über die Finsternis. Jesus fühlt sich innerlich verklärt, weil Er nun hingeht nach dem Willen des Vaters, Sein Werk zu vollenden. Das grundlose, ewige Erbarmen, womit Gott die Welt geliebt hat, durchleuchtet Ihn ganz und gar. So weiß Er's auch, dass Gott Ihn alsbald verklären wird mit der Klarheit, die Er bei Ihm hatte, ehe denn die Welt war. Nur noch einen Augenblick, da Er von Gott verlassen sein wird um unsertwillen, alsdann aber mit Sieg und Ehren gekrönt ewig. Und wie eine Sonne, so bestrahlt nun die Klarheit Jesu die Jünger, mit dem neuen Gebot, sich zu lieben, wie Er sie geliebt hat! Das ist die neue Sonne, die nun bald aufgehen soll über der dunklen Welt; denn eine Liebe, die da liebt, wie Jesus geliebt hat, d. h.: ohne Ansehen der Person, ohne Unterschied von Freund und Feind, ohn' all' Verdienst und Würdigkeit, die ist noch nie dagewesen auf Erden. In solchem Lichte muss das Alte vergehen und Alles neu werden. So heißt es nun nicht mehr: Und es war Nacht! sondern: Die Nacht ist vergangen und der Tag ist herbei gekommen! O Jesu! lass Dein Antlitz leuchten über uns, dass wir auch verklärt werden durch Deiner neuen Liebe Glanz und Klarheit, und Gott verklärt werde in uns, und also einst verklärt werden nach Deinem Bilde und nach Deiner Ähnlichkeit! Amen! (Nikolaus Fries)