Johannes 10,1
Andachten
Ich habe heute wiederum Dein Wort im Heiligtum gehört, und jetzt eben eine köstliche Rede Deines Mundes über Dich selbst und Dein Verhältnis zu mir gelesen. Es ist der Sonntag des Worts und seiner Aufnahme oder Verwerfung. Wie werde ich Dir würdig danken, Herr, mein Gott, für Dein heiliges Wort? – Ich habe Dein Wort lieb; denn es hat mich gelehrt, Dich lieben, Herr Jesu, als den guten Hirten meiner Seele. Dein Wort ist stärker als die Welt. Es schützt mich, wenn sie droht; es warnt mich, wenn sie lockt; es heilt mich, wenn sie mich verwundet. Dein Wort ist stärker als der Tod. Es erweckt aus den Gräbern die Leichname und macht sie lebendig, dass sie aufstehen und gehen und wandeln im Lande der Lebendigen. Dein Wort ist stärker als die Hölle. Es zerschmettert ihren arm und nimmt ihr ihren Raub und entfesselt ihre Gefangenen. Dein Wort ist der Lebensodem meiner Seele. Dein Wort ist das Brot, das mich nährt, und der Wein, der mich erquickt. Dein Wort ist mein Licht am Tage, und meine Leuchte in der Nacht. Dein Wort ist mein Freudenspiel, wenn ich fröhlich einhergehe; mein Trost, wenn mich Trübsale umringen; mein Stab in der Hand, wenn meine Füße gleiten. Dein Wort ist meine Freistatt in den Nöten; meine Wehr im Streite, damit ich kämpfe und siege; meine Arznei, wenn ich krank daniederliege; mein Schatten, wenn ich schmachte nach Kühlung; meine Quelle, wenn ich Durst leide in der Wüste. Jede neue Geschichte ist eine neue Belebung meines Glaubens, dass Du Deinen Schafen das ewige Leben gibst und sie nimmermehr umkommen, Niemand sie Dir aus Deiner Hand reißen soll. Dein Wort ist das Siegel des Bundes zwischen meiner Seele und Dir; meine Vollmacht, wenn ich bete vor Dir; mein Wegweiser auf dem Wege zum Himmelreich; mein Schlüssel zur engen Pforte in’s Heiligtum. Dein Wort ist mein Gedanke, wenn ich denke; mein Wort, wenn ich rede; mein Lehrer, wenn ich lerne; mein Traum, wenn ich träume. Dein Wort soll in meinem Munde sein, wenn meine Adern starren und meine Augen sich schließen. Dein Wort soll mein Herz Dir vorhalten, wenn ich erwachen werde nach Deinem Bilde. Amen. (Friedrich Arndt)
Ich bin gekommen, dass sie das Leben und volles Genüge haben sollen.
Als der Heiland unter den Menschen erschien, kam er nicht als einer, der für sich eine hohe Stellung suchte, sondern er kam vom Himmel, um den Menschen Gutes zu bringen. Die Unwissenden und Geringen haben an ihm ihren besten Freund. Er ist nicht der strenge Gesetzgeber, der, in seine eigene Tugend eingehüllt, den Übertreter mit dem Auge der Gerechtigkeit ansieht; er ist auch nicht gekommen, um Strafe zu verkündigen und unbarmherzig Frevel und Bosheit aufzudecken. Nein, er ist der liebende Freund unsrer Seelen, der gute Hirte, der gekommen ist, nicht sowohl um den Wolf zu töten, als um die Schafe zu retten. Wie eine Mutter zärtlich über ihr Kind wacht, so wacht er über die Menschenseelen, und wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich Jesus über die armen Sünder. Er zieht sie nicht sowohl zu sich hinauf, er steigt vielmehr zu ihnen hinab; er steht nicht auf dem Bergesgipfel und heißt sie heraufkommen, sondern er kommt vom Berg, mischt sich unter sie und lebt mit ihnen. Er kommt von den hohen Gebirgstriften und sucht seine Schafe in den Tälern und Schluchten, bis er sie ergreift; dann hebt er sie auf seine starken Schultern und trägt sie hinauf in seine Hürde, wo er sie mit reicher Gnade beschenkt und sie rein und keusch bewahrt für die künftige Herrlichkeit. (Charles Haddon Spurgeon)