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Lukas 2,39

Lukas 2,39

Andachten

Und da sie es Alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläa, zu ihrer Stadt Nazareth.
In einem entlegenen Winkel des Jüdischen Landes, in einem seiner geringsten Flecken, erblühte still und verborgen das Leben des Kindes, das nicht nur das Beste und frömmste unter allen Kindern auf Erden, sondern unter allen Menschenkindern das einzige gewesen ist, dessen Seele nie von dem leisesten Hauche der Sünde berührt wurde. Wenn wir des herrlichen Baumes uns freuen, der seine weiten Äste nach allen Seiten hin ausbreitet, und seine Krone gen Himmel streckt, so finden wir das Geheimnis seines Gedeihens zunächst in dem Boden, der seine Wurzeln trägt und speist. Der Boden, der des Kindes Leben trägt, und zum großen Teil die Wohlfahrt und das Gedeihen des späteren Lebens bedingt, ist das Elternhaus. Dürfen wir auch die Herrlichkeit dessen, der die Fülle der Gottheit in Sich beschloss, durchaus nicht ausschließlich aus dem Segen des Elternhauses zu Nazareth ableiten, so ist doch Seine menschliche Entwicklung an die Einflüsse gebunden gewesen, die von dieser Stätte aus sich auf Ihn geltend machten. Die junge Pflanze hat des belebenden Sonnenstrahles elterlicher Liebe bedurft, und die in Ihm schlummernden Kräfte der Gottheit sollten an dem Vorbild menschlicher Frömmigkeit sich entwickeln. Der heutige erste Sonntag nach Epiphanias zeigt uns den zwölfjährigen Knaben im Tempel. In dem Worte, das wir da aus Seinem Munde vernehmen, in dem Geiste, der sich in Seinen Fragen und Antworten kund gibt, finden wir einen Wiederhall des Geistes, der in dem Elternhause zu Nazareth waltete; das Kind würde von der Herrlichkeit des Tempels zu Jerusalem nicht so hingenommen gewesen sein, wenn Ihm nicht das Elternhaus bereits zu einem Tempel geworden wäre, in welchem Maria und Joseph als Gott geweihte Priester ihres heiligen Amtes pflegten, dieser jungen Seele die erste Richtung nach oben zu geben, und sie mit den Eindrücken und Ahnungen einer höheren Welt zu erfüllen. - Wie kommt es denn, dass wir noch in den spätesten Jahren, wenn die Mannigfaltigkeit eines reichen und vielbewegten Lebens an uns vorübergegangen ist, mit dankbarster Erinnerung auf jene Stätte zurückschauen, von wo aus wir den ersten Ausgang in Leben genommen haben? Ist es nicht deshalb, weil wir erst später den Reichtum der Liebe begreifen lernten, die hier an uns arbeitete; weil die Mitgift, die wir von dort aus mit in Leben hinübernahmen an Lehre, Mahnung und Vorbild, erst unter den Kämpfen und Versuchungen der argen Welt uns in der ganzen Fülle ihres Segens und ihrer nachwirkenden Kraft zum vollen Bewusstsein kam? - Hast du noch ein Elternhaus, mein liebes Kind? O sei dankbar für die Wohltaten, die diese gesegnete Stätte dir spendet; lausche den Liebesworten, die dir hier ans Herz dringen; folge ihren Mahnungen, und setze dem höheren, geheiligten Willen, der von Vater und Mutter ausgeht, und dein Tun und Lassen, deines Lebens innerste Richtung bestimmen möchte, nicht den Trotz deines Eigenwillens entgegen; danke deinen Eltern durch den willigen, freudigen, ehrerbietigen Gehorsam, den du ihnen beweisest, dass du einst der Erbe ihres Segens wirst, der den frommen Kindern durch die ganze folgende Zukunft ihres Lebens hindurch die Wege ebnet und das Haus baut. Und bist du selber ein Vater und eine Mutter, hat Gott dir liebe Kinder an das Herz gelegt: o, lass ihnen das Elternhaus zu einem heiligen Tempel werden; lebe mit ihnen häuslich und eingezogen; lebe für sie, und weihe ihnen deine besten Kräfte, deine schönsten Stunden; dein Leben sei ihnen die eindringlichste Predigt; an deinem Vorbild lehre sie Freudigkeit gewinnen, auch an ihrem Teile den schmalen Weg zu wandeln; dann darfst du nicht für sie fürchten, wenn das Elternhaus seine Pforten auftut, und sie aus dem schützenden Bereich hinaus entlässt in die weite, arge Welt; das rechte Elternhaus erzieht sie weiter, und Gottes Segen wird die Aussaat deiner Tränen zu einer Freuden-Ernte für dich und deine Kinder erblühen lassen. (Julius Müllensiefen)


Da sie alles vollendet hatten nach dem Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder in Galiläa, zu ihrer Stadt Nazareth. Aber das Kind wuchs und ward stark im Geist, voller Weisheit und Gottes Gnade war bei ihm.
Teurer Heiland, Herr Jesu, angebetet von den Engeln im Himmel und von allen auf Erden freudig willkommen geheißen, welchen deine Herrlichkeit offenbar ward. Dem Gesetze musstest du untertan werden. Seinen Forderungen ging man nach und stellte dich dem Herrn im Tempel dar. Da fand sich zu dir Simeon, der fromme Greis, und Hanna, die wohlbetagte und gottesfürchtige Witwe. Jener redete von dir viel Seliges und Tröstliches, aber auch viel Schweres und Schmerzliches; diese sprach angesichts deiner von der Erlösung zu allen, welche auf sie, als die von Jerusalem ausgehen sollte, warteten. Beide freuten sich deiner, priesen Gott und segneten dich. Ihr Segen ging mit dir und das Wohlgefallen deines himmlischen Vaters ruhte auf dir, dass du fröhlich gediehest fortan in dem stillen Nazareth, zunahmst an Alter und Weisheit, aber auch an Gnade bei Gott und den Menschen. Du warst ja auch der Verheißene, auf welchen deine Boten, die Propheten des alten Bundes, geweissagt hatten in der Kraft des Heiligen Geistes und darum warst du auch der von allen, die auf die Erlösung zu Jerusalem harrten, Erwartete. Das inbrünstige Sehnen und Verlangen ihrer Herzen nach dir zog sie in den Tempel, und unverwandten Blickes schauten ihre Augen nach dir aus, ob du vielleicht bald erscheinen würdest. Daher die große Freude, als man dich hatte und rufen konnte: „Immanuel, Gott ist bei uns und mit uns“, die große Freude, mit welcher der greise Simeon dich in seine Arme schloss, dass er nun gern in Frieden zu seinen Vätern hinfahren wollte, nachdem seine Augen den Heiland gesehen hatten, die große Freude, mit welcher Hannas der hochbetagten Prophetin und Witwe blöde Augen nach dir hinschauten, und welche ihren Mund fröhlich machte, dass sie gleich wie von neuem wieder auflebte im Lobe des Herrn, ihres Gottes, über dir. Keine Freude ist zwar auf Erden eine ungetrübte und völlige. In Simeons Weissagung und Freude mischte sich der Schmerz, dass du gesetzt seist zu einem Fall vieler in Israel, zu einem Zeichen, dem werde widersprochen werden, und die bittere Klage, dass darüber ein Schwert, nicht auszusagen wie schmerzlich, müsse durch deiner Mutter Seele dringen. Indessen lagst du in Frieden, holdselig wie ein Menschenkind, das unberührt von Freude und Schmerz, und dessen sich unbewusst, was seiner harret, entgegen lächelt der Welt, die es umgibt. In der Hut Gottes und seiner heiligen Engel ruhte Gottes Gnade und sein Segen auf dir. Du warst ja Gottes geliebtes Kind und bist noch heute der eingeborene, geliebte Sohn, an welchem der Vater sein Wohlgefallen hat. Um deinetwillen sind wir auch sein Wohlgefallen; sind Gott angenehm und werden von ihm als seine Kinder geliebt. Darum freuen wir uns deiner Ankunft auf Erden und glauben an deinen teuren Namen. Lass uns mit unsern Kindern nur auch durch deine Gnade und deinen Segen gleich dir zunehmen an Weisheit und Gnade. Lass uns mit ihnen täglich wachsen im Glauben, in der Liebe, im Trost und in der gewissen Hoffnung des ewigen Lebens. Die Jahre vergehen, wir werden älter. Zum letztenmale in diesem Weltjahre sammeln wir uns heute in unserm Gotteshause. Ach, wenn auch das Jahr zu Ende geht, so lass doch deine Gnade nicht aufhören gegen uns. Du bist ja unser Heiland, heute und morgen und alle Tage, bis an der Welt Ende, bis in Ewigkeit. Amen. (Carl Just)

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