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Matthäus 6,7

Matthäus 6,7

Andachten

Wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden, denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Euer Vater im Himmel weiß, was ihr bedürft, ehe ihr ihn bittet.
Siehe! wie warnt uns der Herr vor unserem eigenen heidnischen Sinn, der seine Andacht in Reden setzt oder in andere äußerliche Umstände des Gebets, welche in die Sinne fallen, nicht aber in den inwendigen geistlichen Sinn. Und wie führt er uns dagegen aufs Innerliche, auf das Verlangen und Sehnen des Herzens, das der Vater schon zuvor weiß, davon man also keine große Worte machen darf; denn Gott will nicht als ein stummer Götze traktiert sein, sondern als Geist und Leben. Darin ist er von allen weltlichen Herren unterschieden, dass er nicht langer Vorstellung des Begehrens bedarf oder begehrt, sondern alsobald, wenn ein Verlangen in der Seele aufsteigt, weiß er, was wir wollen. Sollten wir uns nicht freuen, dass wir einen solchen herrlichen Gott haben, mit dem also sicher und unbesorgt zu handeln ist? (G. Arnold.)


Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern, wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr euch ihnen nicht gleichen. Euer Vater weiß, was ihr bedürft, ehe denn ihr ihn bittet.
Und warum sollen wir denn beten, wenn der himmlische Vater weiß, was wir bedürfen, ehe wir Ihn bitten? - Ohne Zweifel, nicht um Gottes willen, sondern um unsertwillen. Denn Gott hat uns erlaubt und hat uns befohlen zu Ihm zu beten nicht etwa deswegen, weil Er es bedürfte über unsere Gedanken, Wünsche und Nöte in Kenntnis gesetzt zu werden, - Er, der Allwissende kennt auch unsere Gedanken besser als wir, sondern weil wir es bedürfen, mit Ihm in geistigen Verkehr zu treten, um dadurch geheiligt zu werden und damit wir die Gaben, um welche wir Ihn gebeten haben, als Seine Gaben erkennen und ihm dafür dankbar werden, wenn Er sie uns zuerteilt. Hat nun aber Gott einmal uns befohlen, unsere Anliegen im Gebet vor Ihn zu bringen, so macht Er nun auch vielfach deren Erfüllung von unseren Gebeten abhängig, und es würde uns manche Seiner Wohltaten vorenthalten bleiben, wenn wir nicht darum bitten würden; ebenso wie ein menschlicher Vater bereit ist seinem Kinde Etwas zu geben, aber es doch für weise hält, damit zu warten, bis das Kind darum bitten lernt, ja, die Gabe ihm wohl auch ganz vorenthält, wenn das Kind das Bitten vergisst, oder sich durchaus nicht dazu entschließen will. Also um unsertwillen ist uns das Gebet geordnet. Aber soll es ein Gott wohlgefälliges und ein erhörliches Gebet sein, so darf es nicht nach heidnischer Weise geist- und gedankenlos, nur ein Aufsagen leerer, wenn auch vieler Worte sein, sondern es muss aus der Tiefe des Herzens aufsteigen, es muss der Ausdruck einer bewegten Seele sein. Und das Herz kann zu Gott schreien, ohne dass auch die Lippen sich nur bewegen, und der Mund auch nur Einen Laut hervorbringt. Ein tief bewegtes, aus geängsteter Seele emporsteigendes „Herr erbarme dich meiner“ findet sicher bei dem erbarmungsreichen Gott besser Erhörung, als ein langes, laues, halbherziges Gebet. Denn Gott ist es allewege um unser Herz zu tun; Er kann sich nicht mit etlichen halben, hingeworfenen Gedanken und Gefühlsbrocken begnügen, Er will, Er muss uns ganz haben, sonst können wir ihn auch nicht haben. Nur einer brünstigen, heiß verlangenden Seele erschließt Er sich; Er will, dass wir mit Ihm ringen, Ihm Gewalt antun, wie Jacob dereinst bei Pniel Ihm sagte: Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn. Fragst du aber, woher nehme ich diesen brünstigen Gebetsgeist? - Freilich nicht aus dir selbst. Gott selbst muss ihn in dir erwecken. Und Er tut es, indem Er dir Sein Wort in die Hand gibt und die Gebete solcher Männer, welche der Heilige Geist entzündet hatte, und indem Er dich in Lagen bringt, welche dich von selbst auffordern, nun in ähnlicher Weise zu Gott zu schreien, wie jene Männer getan; von dir hängt es dann ab, den Zügen des Heiligen Geistes Folge zu geben und nicht zu widerstreben. Wolltest du es aber dabei bewenden lassen, die gelesenen oder erlernten Gebete Andrer Gott ohne warme Beteiligung des eigenen Herzens vorzutragen, oder auch eigene wortreiche aber geist lose Gebete zu tun, so würden dieselben vielleicht die Meinung bei dir hervorrufen, du hast gebetet, vielleicht auch schön, ja rührend schön gebetet, in der Tat aber würde ein solches Gebet, nur aus dem Wissen und dem Gedächtnis, aber nicht aus dem Herzen stammend, wirkungslos in den Lüften verhallen. Danach haben wir wohl unzählige unsrer leisen oder lauten Gebete als kraftloses Geplapper zu verurteilen, aber wir nehmen einen neuen Ansas nunmehr mit brennendem Geiste zu flehen. (Anton Camillo Bertoldy)

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