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Matthäus 5,43

Matthäus 5,43

Andachten

Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen; auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel.
Solche vergebende Liebe zu üben, das kommt unsrem Fleisch und Blut hart an. Aus eigenen Kräften und nach der eigenen Gerechtigkeit können wir nimmermehr den Fluch mit Segen, den Hass mit Wohltun, die Beleidigung mit herzlicher Fürbitte vergelten. Christus muss uns zuvor ein neues Herz, sein Herz geben. Er hat Unrecht gelitten und dem Übel nicht widerstrebt. Er schalt nicht wieder, da er gescholten ward. Er drohte nicht, da er litt, stellte es aber dem anheim, der da recht richtet. Er muss uns seinen Sinn geben, dann können wir die heilige Liebe üben. Ach Herr, du sanftmütiger Heiland, der du uns, da wir noch Feinde waren, geliebt hast bis in den Tod, erbarme dich über uns; vergib uns, dass wir so oft hart und bitter gewesen. Ändere unseren Sinn, gib uns einen neuen Sinn, deinen Sinn, damit wir Böses vergelten mit Gutem, und Kinder sind deines Vaters im Himmel. Lass uns nicht wanken und irre werden im Lieben und Segnen, wenn uns mit Undank vergolten wird. Du hast ja auch über uns mit Strömen der Liebe geregnet, ob wir's gleich nicht verdient. So hilf uns, dass wir deiner Liebe nachfolgen und in der Liebe bleiben bis ans Ende, und nachjagen deiner Gerechtigkeit und (Adolf Clemen) durch dich vollkommen werden, wie unser Vater im Himmel vollkommen ist. Amen.


Die jüdischen Lehrer verstanden unter „Nächster“ nur diejenigen, die aus ihrem Land, ihrer Nation und Ihrer Religion stammten, welche sie bereitwillig als ihre Freunde ansahen. Der Herr Jesus lehrt uns, dass wir jede echte Freundlichkeit ausüben sollen, zu der wir überhaupt in der Lage sind, besonders zu den Seelen der Menschen. Wir müssen für sie beten. Während viele Gutes mit Gutem vergelten, müssen wir Gutes für Böses vergelten; und dies wird als ein besseres Prinzip wirken als das, wonach die meisten Menschen handeln. Andere grüßen ihre Geschwister und umarmen ihre Parteigenossen, Weggefährten und diejenigen, die ihre Meinung teilen, aber wir dürfen unseren Respekt nicht so eingrenzen. Es ist die Pflicht der Christen, sich Vollkommenheit an Gnade und Heiligkeit zu wünschen, sie zu erstreben und ihr nachzujagen. Und darin müssen wir uns üben, uns gemäß dem Beispiel unseres Himmlischen Vaters zu benehmen. (vgl. 1. Pet. 1,15.16). Sicher kann man von einem Nachfolger Jesu mehr erwarten als von anderen; sicherlich wird in ihnen mehr gefunden werden, als in anderen. Lasst uns Gott bitten, dass er uns befähigt, uns als seine Kinder zu erweisen. (Matthew Henry)


“Du sollst deinen Nächsten lieben.“
Liebe deinen Nächsten. Vielleicht schwelgt er in Reichtümern, und du bist arm, du lebst in einer niedrigen Hütte neben seinem herrlichen Palast; du erblickst jeden Tag seine Pracht, seine feine Leinwand und seine üppigen Gastmähler; Gott hat ihm diese Gaben gegeben, beneide ihn um seinen Wohlstand nicht, und hege keine argen Gedanken gegen ihn. Sei zufrieden mit deinem Los, wenn‘s dir nicht gelingt, dich zu verbessern; aber siehe nicht mit Missgunst auf deinen Nächsten, wünsche nicht, er würde deinesgleichen. Liebe ihn, so wirst du ihn nicht beneiden. Oder umgekehrt, vielleicht bist du reich, und neben dir wohnt der Arme. Schäme dich nicht, ihn deinen Nächsten zu heißen. Halte dir‘s vor Augen, dass du zur Liebe gegen ihn verpflichtet bist. Die Welt sagt, er stehe tief unter dir. Worin ist er geringer als du? Er ist weit eher deinesgleichen, als dir untergeordnet an Rang und Stand, denn „Gott hat gemacht, dass von einem Blut aller Menschen Geschlechter auf dem ganzen Erdboden wohnen, und zwar ist Er nicht fern von einem jeglichen unter uns.“ Dein Kleid freilich ist besser als das seine, du selbst aber bist um kein Haar besser als er. Er ist ein Mensch, und was bist du mehr als das? Habe acht, dass du deinen Nächsten liebst, auch wenn er in Lumpen gekleidet oder in die tiefste Armut versunken ist.

Aber du sprichst vielleicht: „Ich kann meine Nächsten nicht lieb haben, denn für alles, was ich an ihnen tue, lohnen sie mir nur mit Undank und Geringschätzung.“ Nun, so kann sich ja die Großmut deiner Liebe nur umso herrlicher offenbaren. Nicht wahr, du wärst lieber ein Federbett-Soldat als ein Streiter, der den schweren Kampf der Liebe wagt? Wer wagt, gewinnt; und ist der Pfad deiner Liebe rau, so nimm ihn mutig unter die Füße, und liebe deine Nächsten immer zu, durch dick und dünn. Sammle feurige Kohlen auf ihr Haupt, und sind sie schwer zufrieden zu stellen, so such‘s deinem Meister recht zu machen, und bedenke das: wenn sie deine Liebe verschmähen, so verschmäht sie dein Heiland nicht, und Er hat sie noch nie zurückgewiesen, und dein Tun ist Ihm so angenehm, wie wenn sie es dankbar anerkannt hätten. Liebe deinen Nächsten, denn wenn du das tust, so trittst du in die Fußstapfen deines Herrn und Meisters. „Denn die Liebe ist von Gott, und wer lieb hat, der ist von Gott geboren und kennt Gott.“ (Charles Haddon Spurgeon)


Ihr habt gehört, dass da gesagt ist: du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen.
Das Alte Testament hat wohl die Nächstenliebe vorgeschrieben, aber den Feind zu hassen, war eine Folgerung und ein Zusatz, den die Ältesten aus ihrem eigenen feindseligen Herzen hinzugefügt hatten. Und wenn es auch die Feindesliebe nicht ausdrücklich gebot, so enthielt es doch Bestimmungen genug, aus denen zu ersehen war, dass dieselbe im Geiste des Gesetzgebers lag1). Der irrigen Auslegung des Gesetzes durch die Ältesten stellt nun Jesus seine rechte Auslegung entgegen und sagt: Ich aber sage euch: liebt eure Feinde. Das allumfassende königliche Gebot der Liebe soll also seine Anwendung auf die Feinde finden. Und Feinde kann ja auch ein wahrer Christ haben, ja er wird sie haben, schon deswegen, weil er ein wahrer Christ ist; wie der Heiland zu seinen Jüngern sagt: „So euch die Welt hasst, so wisset, dass sie mich vor euch gehasst hat.“ Und weil auch die wahren Christen immer noch Sünder bleiben bis ans Ende, so kann es kommen, dass sie wohl auch selbst noch durch die ihnen anklebende Sünde Veranlassung zur Feindschaft geben. Bist du aber ein Christ, so darf die feindselige, Böses wünschende, gehässige Gesinnung in deinem eigenen Herzen keinen Raum finden. Vielmehr wird dein Herz gegen die, welche dir mit oder ohne Ursache feind sind, ohne Bitterkeit, voller Wohlwollen und Sanftmut sein. Hast du Schuld, so wird dein Herz sie nicht ableugnen, hast du keine, so wirst du mehr an das Elend deiner Feinde, als an ihre Schuld denken, denn Hass im Herzen macht nicht glücklich, sondern unglücklich.

Daher wird auch dein Verhalten gegen deine Feinde allzeit ein solches sein, dass sich dieselben zur Versöhnung, zum Frieden, zur Gegenliebe aufgefordert fühlen. Du wirst segnen, die dir fluchen. Deine Worte werden nicht gleich gezückten Schwertern sich in die Seele deines Feindes bohren und sie verwunden, du wirst ihn auch nicht von Oben herab und mit Verachtung behandeln, sondern seine verlegenden Worte wirst du mit freundlicher, lieblicher, bessernder Rede vergelten, und wirst dem Gefallenen mit sanftmütigem Geiste zurecht zu helfen suchen. Du wirst wohl tun denen, die dich hassen. Du wirst es in deiner liebevollen Gesinnung gegen deinen Feind nicht bei Worten bewenden lassen, sondern mit aufopferungsvoller und hingebender Tat beweisen, dass dieselbe Wahrheit und nicht Schein ist, und je mehr dein Feind dir wehe zu tun und dich zu schädigen sucht, desto mehr wirst du ihm sein Böses mit Gutem zu vergelten suchen und also feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln, bis er beschämt und entwaffnet in dem ganzen Ungrunde seiner Bosheit dasteht, und durch so viel Edelmut beschämt, dir um den Hals fällt und dich um Vergebung bittet. Und die Ermahnung des Herrn: „bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen“ findet in deinem Herzen einen fruchtbaren Boden. Von dieser geheimsten Tat deiner Liebe ist zwar Niemand Zeuge als Gott, zu dem du die Fürbitte empor sendest; aber sie befähigt dich zu allen anderen Erweisungen der Liebe, sie ist die geheime Kraft, welche deine Feindesliebe immer aufs Neue wieder auffrischt, und dich auch fernere Beleidigungen und Verfolgungen mit Sanftmut ertragen lässt; deine Fürbitte für den verblendeten und tobenden Feind ist ein Opfer Gott zum angenehmen Geruch und jedes Mal bei Ihm erhört. So hat Christus geliebt. So sollen auch seine Jünger lieben. Und dies ist die Gesinnung, welche die Welt überwindet. Gibt es also für die Christen gar keinen Zorn, gar keinen Eifer? O doch. Hasse, strafe das ungöttliche Wesen und alle Sünde, aber habe lieb die armen von der Sünde geknechteten Personen. Und wenn die Propheten und Apostel, ja der Herr selbst, auch über Personen scharfe Urteile ausgesprochen haben, so waren sie eben als Propheten Verkündiger göttlicher Strafgerichte. Doch aber zeigen sie eben damit auch, dass das Gebot der Liebe das Amt der Strafe nicht aufhebt. (Anton Camillo Bertoldy)

Predigten

1)
2 Mos. 23, 4. 5. Spr. 24, 7; 25, 21. 22. Hiob. 31, 29
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