Matthäus 5,29
Andachten
Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
Ihr habt ja wohl alle dies Gleichnis unseres lieben und treuen HErrn verstanden und richtig aufgefasst. Nun aber kommt alles darauf an, dass wir dasselbe auch einzeln auf uns und unser Leben richtig anwenden! „Denn was zuvor geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben!“ Und eine furchtbar ernste Lehre können und müssen wir diesem JEsuswort entnehmen, damit dereinst nicht unser ganzer Leib in die Hölle geworfen werde. Wie oft ärgert uns unser rechtes Auge, ohne dass wir gehörig darauf merken! Dem einen ist dies, dem anderen jenes ein Ärgernis - da gilt es denn mit Gebet und Flehen bitten um „gesunde Augen, die was taugen.“ Mancher von uns dürfte z. B. lieber nicht ins Theater gehen, weil die Schaustellungen seine Sinne betören und ihn vielleicht von dem „Einen, was not tut“, abziehen. Dieser nun muss sein rechtes Auge ausreißen und von sich werfen, indem er das Theater nicht wieder besucht, also mit anderen Worten den Stein des Anstoßes aus dem Weg räumt. Andere wieder müssten vom Karten- oder Schachspiel lassen, weil diese Beschäftigung ihnen nicht zuträglich ist, ihre Habsucht, ihren Leichtsinn, oder andere Untugenden weckt und fördert! So muss ein jeder von uns das ihn ärgernde rechte Auge von sich werfen, um den Pfad zur seligen Ewigkeit nicht zu verlieren. Lieber doch einige Vergnügen meiden, und ohne den Genuss derselben zum ewigen Leben eingehen dürfen, als die sündliche Lust zu befriedigen und dereinst mit dem ganzen Leib in die Hölle geworfen zu werden!!
O, wollten wir uns Seinen Ernst bewegen lassen, Ihn aufrichtig zu bitten: „Reiß das Herz aus meinem Herzen, Sei es auch mit tausend Schmerzen!“ Amen. (unbekannt)
Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf es von dir; es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir; es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.
Welche Glieder sind dem menschlichen Leibe wohl nützlicher und unentbehrlicher als Auge und Hand? Und nun das rechte Auge und die rechte Hand! Scheinen sie doch von den unentbehrlichen Leibesgliedern die unentbehrlichsten zu sein. Wie schmerzlich und schwer daher, das eine oder das andere zu verlieren! Wie bedauernswert der Unglückliche, der das Opfer bringen muss! Und doch wie schwer und schmerzlich es auch sei, und wie viel Selbstüberwindung, wie viel Mut und Ausdauer solch ein Entschluss auch voraussetzt, wir bringen das Opfer und unterwerfen uns der Verstümmelung und Ablösung jener Glieder, wenn dies die Bedingung ist, unter der allein der Leib und das Leben erhalten werden kann! Tun wir dies aber schon im Leiblichen, um dies äußere Leben zu fristen: wie viel mehr ist es unsere Pflicht, in Beziehung auf die Seele alles daran zu geben, was deren Heil irgendwie beeinträchtigen könnte! Ärgert dich da dein rechtes Auge, d. h. deine Lust, die zunächst durch das Auge entzündet wird, die aber auch ohne leibliches Auge sein kann, und deren Überwindung oft schmerzlicher und schwerer ist; wird sie dir eine Veranlassung zur Sünde und ein Hindernis in der Gottseligkeit: so reiß es aus und wirf es von dir, so lass das Allerliebste, so dulde das Allerschmerzlichste. Merke wohl, der Herr sagt nicht: „so tue deine Augen zu“, sondern: „so reiß sie aus und wirf sie von dir“; er verlangt gänzliche Trennung von der Sünde, Kreuzigung aller Lüste und Begierden, Entbehrung des scheinbar Unentbehrlichsten, des rechtmäßig Besessenen, des von Gott selbst Gegebenen; er verlangt Härte gegen sich selbst, Ankämpfen gegen alle Gefühle und Genüsse, wenn dadurch die Seele errettet werden kann. Das Heil der Seele kann nie zu teuer erkauft werden. Sei es immerhin schwer, die Beschäftigungen und Verbindungen aufzugeben, die die sträfliche Neigung anregen und unterhalten, die Örter und Menschen zu meiden, die an dem Herrn und seinem Gebote irre machen können; koste es immerhin Kampf, sich selbst zu verleugnen und das eigene Herz zu bekämpfen, wie wenn man ein Auge gewaltsam sich ausreißen sollte: so bleibt doch der feste Grundsatz: Nun ab und Christo an, so ist die Sach' getan. Hier, auf diesem Gebiete darf nicht gezärtelt, darf nicht gewartet werden; hier gilt es, die verderbte Neigung mit der Wurzel auszurotten, um im Geiste zu wandeln, damit wir die Lüste des Fleisches nicht vollbringen; hier gilt es, alles anzuwenden, um uns rein zu erhalten von allen Befleckungen des Fleisches und des Geistes, und die Gelegenheit zur Versuchung eben so sehr wie die Gelegenheit zur Sünde zu fliehen. Dies ist das große Eins und Alles! Dies ist der Schlüssel des heiligen Tempels, das A und O des Christentums! Allem ab und Christo an: das ist der entscheidende Schritt des Übergangs von dem Liede: Es kostet viel, ein Christ zu sein, zu dem Liede hin: Es ist nicht schwer ein Christ zu sein. Es macht, was unmöglich war, vor den Augen Aller, zum Erstaunen Aller, wirklich; es macht Zentnerlasten leicht, dass Kinderschultern sie tragwn. (Fr. Arndt.)