Matthäus 21,9

Andachten

Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
So sang Israel, als Jesus seinen feierlichen Einzug hielt in Jerusalem, und so singen wir heute, wo wir in ein neues Kirchenjahr eingetreten sind und der Herr seinen Einzug halten will in unsere Herzen. Die Pforten des Heils haben sich von neuem geöffnet, eine neue Reihe von Sonn- und Festtagen rückt uns entgegen und im Vordergrunde leuchtet das fröhliche Weihnachtsfest mit seinen Hirten und Engeln, als ein Fest des Himmels und der Erde zugleich, in hoher Bewegung. Wie können wir die neue Zeit des Jahres gesegneter für uns beginnen, als mit dem Rufe: Hosianna! d.h. Herr, hilf uns. Hilf uns heraus aus der alten Zeit und dem alten Wesen unseres Herzens, dass Alles, was sündhaft ist, in uns untergehe und versinke in das Meer der Vergessenheit; und hilf uns hinüber in die neue Zeit, dass Alles in uns neu werde, unser Herz neu, unser Leben neu, mit den neuen Gnadenmitteln neue Gnadenwirkungen uns zu Teil werden, mit jedem neuen Sonntage die Sonne des Heils neu belebend, erwärmend und erleuchtend uns aufgehe, und mit jedem neuen Festtage wir ein Vorgefühl der Feste erhalten, die vor Deinem Angesichte gefeiert werden ohne Aufhören immer und ewiglich. Herr, hilf uns! Du kannst, Du willst, Du wirst uns helfen; und wir bedürfen Deiner Hülfe und sind ohne Dich rettungslos verloren. - Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Wir begrüßen Ihn mit offenen Armen, mit den Armen unserer Hingebung und Begeisterung. Keine fröhlichere Kunde kann uns der Advent bringen, als dass Christus wieder zu uns kommt. O, wo Er kommt, da kommt mit Ihm das Heil; Gerechtigkeit, Friede und Freude im heiligen Geist; da werden die Herzen errettet von der Obrigkeit der Finsternis und zu Königen und Priestern gemacht im Reiche Jesu Christi. Herr Jesu, sei denn unserm Herzen willkommen! Wir wollen Dich gern und willig haben, Du bist uns ja der Allerliebste vor andern Heiligen, Engeln und Menschen. Lass unser Herz Dein königliches Adventsschloss sein, ziehe hinein, als in Deinen fürstlichen Palast und in Dein selbsterworbenes Eigentum, regiere da wie ein gebietender Herr, gebeut allen unsern Gedanken, Reden, Gebärden, Tritten, Adern, Blutstropfen und Gliedmaßen, dass sie Dir dienen! Trag' in unser Herz Deine königlichen Schätze, Gerechtigkeit, Hülfe, Sanftmut und Liebe! Verleihe uns ein recht bußfertiges Herz; hilf, dass wir unser Sündenkleid in Demut ablegen, Dich für unseres Glaubens und Lebens gebietenden Regenten erkennen und Dir ein fröhliches Hosianna klingen, so lange ein Atem in uns ist. Herr Jesu, wir schwören noch einmal zu Deiner königlichen Krone: Mit Leib und Seele alleine Dein, wollen wir, Du König der Ehren, Jesu in Ewigkeit sein! Amen. (Friedrich Arndt)


So haben die Leute gerufen, die mit Jesus aus Galiläa gekommen waren, da Er Seinen letzten Besuch in Jerusalem machte. Am ersten Tage zog Er auf einer Eselin reitend in die Stadt ein. Da kam es unwillkürlich an die Leute, ihrerseits es recht öffentlich kundwerden zu lassen, dass sie in dem Kommenden den Heiland der Welt erblickten. Es war ganz ihre Tat; und der HErr konnte sich's um so mehr gefallen lassen, da es Ihm nicht mehr schaden konnte; denn Sein Ende war ohnehin nahe. Sie bezeugten es nun zu Tausenden, wie wenn sie sagen wollten: „Das ist Der, den wir erwarteten, auf den längst ganz Israel wartet!“ Darum nennen sie Ihn den Sohn Davids, den, der im Namen des HErrn komme, und lobsingen Ihm und Gott.

Es war das freilich eine vorübergehende Begeisterung des Volkes, wie das oft vorkommen kann. Indessen hofften sie, sie würden Anklang finden bei der ganzen Bevölkerung Jerusalems. Es durchzuckte auch gewaltig die ganze Stadt, und jedermann sah nach und erkundigte sich. Aber doch trat den Begeisterten Kälte entgegen; denn die Obersten murrten, schalten, hießen die Rufenden stille sein. So wurde gleichsam kaltes Wasser über sie hingeschüttet - und in der Folge wurde an das Ganze gar nicht mehr gedacht. Es war eben doch noch nicht die Zeit des Triumphs. In vieler Herzen hinein war's wohl ein aufflackerndes Licht; aber eine tiefe Nacht folgte. Denn ein paar Tage darauf hing der HErr, der König der Juden, wie es Pilatus anheftete, am Kreuz.

Erschollen aber war einmal der Hosiannaruf, und ganz verstummt ist er seitdem nicht mehr. Schon bei der Auferstehung des HErrn vernahm man den Nachklang, dann bei der Ausgießung des Heiligen Geistes und bei den raschen Bekehrungen von Tausenden, die nachfolgten.

Aber langsam muss sich der König Sein Reich erobern; und so bleibt der Hosiannaruf immer nur bei kleineren Kreisen. Auch wir nehmen ihn immer wieder gerne auf, mitten unter den Ängsten, in denen wir noch schweben.

Er wird aber immer größere Bedeutung bekommen durch alle Welt hindurch, wenn die Zeit da ist, da der HErr - wie wir erwarten dürfen - wieder durch Boten, die in der Vollkraft des Heiligen Geistes stehen, mit Macht Seine Stimme erschallen lässt unter allen Völkern.

Wie groß aber wird doch noch einmal Angst und Not und Anfechtung werden, bevor der HErr mit dem gültigen Hosiannaruf vom Himmel herabkommen wird! Dann aber wird alle Welt jauchzen, und Seine Gläubigen werden dem Kommenden zum letzten Male entgegenrufen: „Komm, O komm, HErr Jesu!“

„Und alle Kreatur, die im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und im Meer und alles, was darinnen ist, wird sagen zu Dem, der auf dem Stuhl sitzet und zu dem Lamm: Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (Off. 5) (Christoph Blumhardt)


Hosianna dem Sohne Davids! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe.
Derselbe Spruch aus dem Worte Gottes hat in den verschiedenen Lebenszeiten einen ganz verschiedenen Klang. So ist es auch mit dem heutigen Palmsonntagsevangelium, vom Einzuge Jesu in Jerusalem. Wir haben uns schon daran erbaut am ersten Advent. Da sollte Christus in die Welt einziehen. Heute zieht er in die Stadt ein, die die Propheten getötet hatte, die sich auch zu seinem Tode rüstete. Da war es wie Sonnenaufgang, wie der Aufgang aus der Höhe. Heute liegt es vor uns wie der letzte Abendschein der Sonne. Noch einmal wendet sie recht voll und groß der Erde ihr Gesicht zu. Aber dahinter lauert die Nacht, die bald herein brechen wird. Wir können es uns nicht verhehlen, dass der fünfte Tag von diesem Tage ab der Todestag des Herrn ist. Doch auch da verliert das Hosianna nicht seinen jubelnden Klang. Hosianna vor dem Kreuze und Hosianna unter dem Kreuze. Der Herr ist die Rose unter den Dornen. Ist nun unser Leben ein Dornenweg, ist der Gang der Kirche ein Dornensteg, er lässt doch hie und da Rosen darauf blühen. Es gibt aber auch noch ein letztes Hosianna. Wenn wir das singen werden, dann wird der stille Gehorsam gekrönt, dann hat der Herr und sein Heer gesiegt. Dann zieht er ein in die neue Stadt. Dann wird kein Priester im neuen Tempel Gottes mehr entrüstet. Der einige Hohepriester, Jesus Christus, nimmt dann die Seinen an als die liebe Herde, die sich um ihren Hirten sammelt. Da schauet fleißig hin, und diese Hoffnung, die Ja und Amen ist, trage uns wie ein Engelsflügel hin über die Not des Herzens, des Hauses und der Kirche zum himmlischen Osterfest.

Herr Jesus Christus, du bist wie ein Lamm zur Schlachtbank geführt und wie ein Schaf, das verstummet vor seinem Scheerer und seinen Mund nicht auftut. Aber auch als Lamm trägst du die Siegesfahne, als Gefangener, Zerschlagener, Verspotteter und Gekreuzigter herrschest du unter deinen Kindern. Du bist mächtig in deiner Ohnmacht, frei in deinen Banden, herrlich in deiner Schmach und Sieger in deinem Unterliegen. Das hast du alles für uns gelitten und getan. Du willst aber dasselbe auch in uns tun. Du willst uns mit dir nehmen auf allen deinen Wegen, mit in deine Gerechtigkeit, Niedrigkeit und Herrlichkeit. Wir sollen mit dir leiden, auf dass wir auch mit dir zur Herrlichkeit erhoben werden. so führe uns auch in dieser heiligen Woche mit dir in deine Erniedrigung, dass du uns auch erhöhen kannst zu seiner Zeit. Amen. (Friedrich Ahlfeld)

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nt/40/matthaeus_21_9.txt · Zuletzt geändert: von aj
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