Matthäus 15,24
Andachten
Er sprach: Ich bin nicht gesandt, denn nur zu den verlorenen Schafen von dem Hause Israel. Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und sprach: Herr, hilf mir.
Israel war das Gefäß, in das der Most der neuen Gnade ausgegossen werden sollte. Dies Gefäß sollte aber überfluten und die Erde sollte überdeckt werden mit den Strömen der neuen Gerechtigkeit. Gesandt war er nur zu Israel; aber wo dies Volk ihn von sich stieß, da traten die Heiden in das Kindesrecht ein. Hier flieht er aus Israel, und das cananäische Weib wird seiner Gnade teilhaftig. Das Weib hört die Worte, womit der Herr die Jünger zurückweist, die für sie baten. Doch sinkt ihr Mut nicht, doch i wird sie nicht irre, sie lässt nicht nach mit Bitten. Merke du dir daraus: Der Glaube muss auch etwas vertragen können. Wer in der Nacht am Fluss steht und will den Fährmann herüber rufen, der am andern Ufer wohnt, der schreit einmal, und wenn er nicht hört, zwei und dreimal und immer weiter. Du kennst den Fährmann, der uns über die Trübsalsfluten fährt. Er heißet Jesus Christus. Wenn er auf den ersten Ruf nicht hört, rufe wieder und immer wieder. Endlich hört er doch. Als dem Weibe dass Nachschreien nichts half, kam sie und fiel vor ihm nieder und sprach: „Herr, hilf mir!“
Herr, barmherziger Heiland, jener Cananiterin war noch keine Bitte von dir erhört. Sie kam zum ersten Male zu dir, und doch wurde sie nicht irre bei deinem Schweigen und deiner Zurechtweisung. Und wir wissen es, wie du die Deinen erhört hast seit jenem Tage, da du sagtest: Was ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben. Wir haben es selbst so oft erfahren, dass man dich nicht vergeblich anruft. Und dennoch sind wir so träge und Kleingläubig beim Beten. Öffne du uns Herz und Mund. Lass uns immer anhaltender, ernster, herzlicher beten, damit wir es von Tage zu Tage wieder erfahren: Ob du uns auch zeitenweise lässt in Angst und Sorge und Kummer, endlich hörst du doch! Amen. (Friedrich Ahlfeld)