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Matthäus 11,7

Matthäus 11,7

Andachten

Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volke von Johanne: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht?
Das Zeugnis Jesu von Johannes! Der Heiland richtet sich an das Volk, das den Täufer hatte predigen hören. Warum habt ihr ihn nicht gehört? will er die Menge fragen. Ach! wie viele Menschen gehen in die Kirche und wissen selbst nicht warum. Es ist eben wieder Sonntag und da pflegt man einen andern Rock anzuziehen und aus alter Gewohnheit einer Predigt zuzuhören. Aber dabei bleibt es. Viele würden gar nicht begreifen, was man sonst noch von ihnen verlangen könnte. Johannes war ein Prediger neuer Art; so predigten die Pharisäer nicht. Wenn ein neuer Name auf dem Kirchenzettel steht, eine Zelebrität oder eine Originalität, wen treibt da nicht die Neugierde zu kommen? Auch dann, wenn der Mann, wie man sagt, ein Höllenprediger ist. Man lässt sich gern ein wenig rütteln und schütteln, das gibt neue Emotionen; das tägliche Leben stumpft so ab! Aber ist es ein anderes Herz, das man in der Kirche sucht? einen neuen Lebenswandel? eine gewisse Hoffnung selig zu werden? Daran hatten Viele nicht gedacht, die damals den Täufer am Jordan gehört und bewundert hatten. Es war leider eine wetterwendische Menge, und nicht ohne Ursache fragt sie der Herr: Wollt ihr ein Rohr sehen, das der Wind hin und her weht? Es gibt auch ein Christentum, das hin und her weht wie ein Rohr, und das nichts Festes hat weder im Leben noch im Sterben. Wie viele Kirchengänger haben gar keinen Unterscheidungsgeist! Predigt man ihnen heute das Evangelium, so finden sie, der Prediger habe Recht; kommt über acht Tage ein Andrer und predigt dieser das Gegenteil, so hat der auch Recht. Es ist dasselbe Volk, das wie ein Rohr vom Wind hin und her geweht wird. Fragen wir uns doch einmal ernstlich: Was suche ich, nicht nur in der Kirche, sondern hier auf Erden? Unser Gebäude muss fest stehen, und dazu gehört ein Fundament. Das Kirchengehen macht es nicht aus, das Zuhausebleiben auch nicht, sondern ein Schrei aus dem Herzen: Was muss ich tun, dass ich selig werde? Dann kann auch die rechte Antwort kommen, die Christus in seiner Person vom Himmel gebracht hat. (Johann Friedrich Lobstein)


Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes: Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, dass der Wind hin und her weht? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ist's, von dem geschrieben steht: Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.
Nun hören wir, wie Christus Johannem den Täufer so hoch lobt, und preist seine Predigt und Beständigkeit, und das Volk straft, dass sie seiner Predigt nicht geachtet noch geglaubt haben. Ich sage euch, Johannes ist nicht ein Rohr, der seine Worte lenket, wie ihr es haben wollt, oder einen Messias predigt, wie ihr ihn träumt. Denn ihr wollet nur einen Christus haben, der euch als heilige Leute rühme, und wartet auf ein Reich, das nur weltlich sei, darin ihr große Ehre, Gewalt und Herrlichkeit habt. Aber da wird nichts aus, sondern wie Johannes gepredigt hat, dabei soll es bleiben; er steht mit seiner Predigt wie eine Mauer, ja, wie ein Fels, wider alle Stürme, wie ihr auch seht, dass er solches in seinem Gefängnis beweist, da er seine Jünger zu mir sendet. Zum andern, so ist er auch nicht sanft und weich gekleidet, wie die an Fürsten- und Königshöfen sind, er trägt einen rauen Kamelspelz, das ist sein Schmuck, daran er sich lässt begnügen. Darum ist er nicht ein Prediger für die, so da gerne das Evangelium wollten angreifen, da es weich und sanft ist und ihnen dient; wie die sind, die wohl das Evangelium annehmen, wo sie es genießen können, dass sie reich davon werden.

Das dritte Stück von Johannis Predigt und Amt ist, dass ihn Christus nicht will für einen Propheten, sondern viel höher und größer gehalten haben. Die Propheten haben bisher alle gepredigt von dem zukünftigen Christus. Und heißt der ein Prophet, der von zukünftigen Dingen sagt oder predigt. Unter diesem Haufen sollt ihr Johannem nicht suchen, sondern das ist sein Name und Amt, dass er heiße, wie ihn GOtt durch Maleachi nennet; GOttes Engel oder nächster Bote, der da vor dem HErrn hergeht, auf ihn zeigt und spricht: Ihr dürfet nun nicht mehr sein warten, er ist schon da, seht nur, dass ihr ihn annehmt. Und ist in diesen Worten angezeigt, wie GOtt durch diese Predigt und Worte Johannis will in den Menschen wirken und kräftig sein. Denn wo Christus soll angenommen und die Leute durch ihn selig werden, da muss er zuvor durch diese Predigt gezeigt und erkannt werden. Darum spricht er: das ist der Engel, der meinen Weg vor dir bereiten soll, das ist, wo ich soll meinen Geist und das ewige Leben geben, da muss diese Predigt, von GOtt gesandt, vor mir hergehen. Und das bereiten heißt hier: den Weg zu richten, dass aus dem Wege getan werde, was den Gang des HErrn hindern mag. Gleichwie auch noch eines Herren Knecht vor dem Angesichte seines Herrn Holz, Steine, Leute und alles, was im Wege stünde, bei Seite täte. Was ist aber Christo im Wege gelegen, das Johannes bei Seite tun soll? Ohne Zweifel die Sünden; vielmehr aber soll er Jedermann zu erkennen geben, dass aller Menschen Werk und Wesen Sünde und Verderben und Christi Gnade bedürftig sei. Das heißt Christo den Weg fein zubereiten. (Martin Luther)

Predigten

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