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Jesaja 60,1

Jesaja 60,1

Andachten

Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.
Du ewiger, wahrhaftiger Sohn Gottes, Du hast Dich heute den Heiden offenbaret, als einen Heiland aller Menschen. Locke auch uns durch den Stern Deines lebendigen Wortes, dass es ein Licht werde auf unsern Wegen, und wir in Deinem Licht wandeln und im Glanz, der über, ja in unserm Herzen aufgehet. Hast Du doch die Weisen treulich bewahret und zurecht gewiesen: ach, so lass auch heute durch Dein Wort unser Herz gezüchtigt werden, damit wir nicht irre gehen. Gehe selbst vor uns her, als die rechte Weisheit, und lass unsern Gang gewiss sein auf Deinen Fußsteigen. Ja, führe uns wie die Jugend, bei unserer Unwissenheit und ungeübten Sinnen, da wir oft das Böse vom Guten nicht wohl unterscheiden mögen. O lass uns gerne in das niedrige Bethlehem der Demut aus unsern stolzen Höhen herunter, damit Du durch Dein Licht und Wahrheit uns bringen könntest zu Deiner heiligen Wohnung. Denn Du hast dich in das Tal der tiefsten Niedrigkeit herabgelassen, und willst dich denen zeigen und schenken, welche bei Dir also Ruhe suchen und von Dir Sanftmut und Demut lernen. Also wollest Du allein unsere Freude und Wonne werden, dass wir ja um Deinetwillen uns selbst und alles, was wir haben, gering halten und auf Dein Erfordern gern fahren lassen, nur dass wir Dich gewinnen. Siehe, wir übergeben uns Dir ganz zu eigen; hast Du wahren Glauben in uns können wirken, so nimm ihn hin als Dein Geschenk, lass ihn helle leuchten, beständig dauern, und durch Deine Gnade bewahret werden. Gibst Du uns wahre Brünstigkeit und Treue, so lass es vor Dir werden ein Rauchopfer zum süßen Geruch dem Herrn. Ja, unser ganzes Leben müsse Deinem Vater also angenehm werden in Dir, dem Geliebten, zu Deinem Preis und Ehre. Und wenn wir auch der Gemeinschaft Deiner Leiden sollen würdig werden, so seien sie uns wie eine köstliche Myrrhe, die uns vor aller Fäulnis der Eitelkeit und Weltliebe bewahre und bis auf Deinen Tag unsträflich behalte. Alsdann werden wir Dich recht anbeten, und in Dir volles Genüge, Friede und Freude im heiligen Geist finden, bis wir wieder in unser erstes Vaterland einziehen, und durch den neuen Weg der Wiedergeburt aller Nachstellung der Feinde entgangen sind. Allda wollen wir Dich ohne Ende anbeten und loben. Amen. Dir sei Ehre und ewiges Reich, Du König der Ehren. Amen. (Friedrich Arndt)


Da tröstet der Prophet sein Volk mit der Erscheinung Dessen, der das Licht der Welt ist. Und was er da weissagt, ist geschehen. Weihnachten hat es uns wieder verkündigt. „Es hat uns besucht der Aufgang aus der Höhe, auf dass er erscheine Denen, die da sitzen in Finsternis und Schatten des Todes“. Aber noch ist er nicht Allen das Licht des Lebens. Noch ist nicht ganz überwunden die Finsternis, die das Erdreich bedeckt. Noch ist es immer Hoffnung: „Dein Licht kommt“. Ein letztes Kommen des Herrn in Herrlichkeit steht noch bevor, wenn es sich im höchsten Sinn erfüllt: „Die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir“. Diese große Hoffnung soll uns erheben über alle Erdensorgen. Will die Seele unter dem Druck des Lebens müde niedersinken, so erweckt sie der Epiphaniasruf zur Arbeit und zum Wandel im Licht, zu neuem Mut. Denn er zeigt uns das Licht der Ewigkeit, das selige Ende; über aller Arbeit und allem Kampf die himmlische Herrlichkeit. Aber freilich, dieser Trost gilt uns nur dann, wenn wir hier im Glauben haben sprechen lernen: „Mein Licht kommt“. Kannst du es nun sagen: Mein Licht ist der Herr? Nicht nur das Licht, zu dem ich mich in einzelnen dunklen Stunden wende, sondern meines ganzen Lebens einziges Licht? Ist dir zerstört, worauf sich sonst dein Herz verlassen: Die Lust der Welt, und die Selbstgerechtigkeit, und der Wahn, du könntest dir selber den Frieden erringen? Dann erst ist dir Fülle des Trostes, was der Welt Schrecken bringt: „Dein Licht kommt!“ Es kommt die Erscheinung der vollen Herrlichkeit des Herrn, und du hast Teil an ihr. (Adolf Clemen)


Mache dich auf, werde Licht! Du kannst es, durch Jesu Gnade. In seinem Licht kannst du immer völliger Licht werden. In seinem Licht durchforsche dein Herz und Leben, wo noch Unlauterkeit und Lüge und Finsternis ist. Dagegen kämpfe und bete, bis du rein geworden bist und ein Kind des Lichts. Bist du aber selber also Licht geworden, so musst du auch Anderen leuchten, als ein Licht in dem Herrn. „Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen, und euren Vater im Himmel preisen.“ Werde ein Licht für Andere. Zuerst für dein Haus, für die dir Nächsten, dass du ihnen voranleuchtest mit deinem Wandel und Glauben. Werde ein Licht auch für Die außerhalb deines Hauses. Hilf mit bauen am Reich Gottes. Hilf mit zerstören die Werke der Finsternis. Hilf mit durch dein Reden und Tun, dass das Reich Gottes zu Allen komme, dass sie Alle Kinder des Lichts werden. Frage und prüfe dich, ob du ein Kind des Lichtes für Andere bist. Frage und prüfe dich vor Allem aber, ob es in deiner eigenen Seele Licht ist. Dann wirst du auch Andere, auch die um dich her, zum Wandel im Licht erwecken. O Herr unser Gott, gib uns deinen Geist, dass wir deinen Trost ins Herz fassen: Der Herr ist mein Licht; - dass wir deiner Mahnung folgen und uns aufmachen zum Wandel im Licht. Herr, dein Reich komme, und deine Herrlichkeit gehe auf über uns. Amen. (Adolf Clemen)


Dass der Prophet das Evangelium nennt ein Licht, Klarheit, Glanz und Aufgang des Herrn, gibt er zu verstehen einen Unterschied unter dem Licht des Evangelii und des Gesetzes; welcher Unterschied gar wohl zu merken ist, dass man nicht Evangelium und Gesetz in einander menge, und das Evangelium heiße, das Gesetz ist; oder wiederum. Denn im Advent haben wir gehört, wie das Evangelium ist ein Wort des Lebens, eine Lehre der Gnaden, ein Licht der Freude, das da zusaget, bringt und gibt Christum mit allen seinen Gütern. Aber das Gesetz ist ein Wort des Todes, eine Lehre des Zorns, ein Licht der Betrübnis, das die Sünde offenbaret und fordert die Gerechtigkeit von uns, welche wir nicht vermögen, damit das Gewissen sich erkennt und fühlt als des ewigen Todes und Zorns schuldig, davon es muss betrübet und unruhig sein. Und einem solchen Gewissen kommt und wird diese fröhliche Prophezeihung Esaia gesungen, dass es wieder erfreuet, lebendig und ledig werde vom Gesetz und Sünden. Darum mögen wir diese zwei Lichter nennen, eines des Herrn Licht, das andere des Knechts Licht, 2 Kor. 3, 13. Des Herrn Licht ist durch Christum, des Knechts Licht ist durch Mosen aufgegangen.

Darum mochte Aaron und die Kinder von Israel nicht leiden das Licht und Klarheit Mosis in seinem Angesicht, sondern er musste eine Decke vorhangen. Aber Christi Angesicht auf dem Berge Thabor, da es verklaret ward, war nicht unleidlich, ja, so lustig und lieblich, dass St. Petrus für Freuden sprach: Herr, hier ist gut sein, willst du, so wollen wir 3 Hütten machen, dir eine, Mos: eine, und Elia eine. Daselbst war auch Mosis Licht nicht unträglich, sondern lieblich; denn das Evangelium machte das Gesetz, den Zuchtmeister, angenehm, der zuvor der Natur unleidlich und unangenehm war. (Martin Luther)


Mache dich auf, werde licht!
„Ich kann nicht, ich vermag es nicht, es ist ganz und gar unmöglich“, klagten wir gestern noch. Aber jetzt geht es los. Wie wunderbar, wir werden licht! Wie geht das zu? Ein Schöpferwort berührt uns, als Leben und Geist erweist sich des Herrn Ruf, wir vernehmen das Wort, es durchdringt uns, und siehe da: Wir werden licht! Sie gehen nicht verloren, unsere Seufzer, der Notschrei ist nicht umsonst, der Herr macht sich für uns auf, wenn wir Seiner begehren. Es ist so: Gott kann überall da etwas tun, wo Menschen sich an die Verheißungen anklammern. Das in Gebet umgesetzte Verheißungswort geht unfehlbar in herrliche Erfüllung. Dein Licht kommt! O Zion, höre es: Dein Licht kommt! Du kennst dein Licht. Finsternis bedecket die Erde, das hat dich lange schon daniedergedrückt. Nach deinem Licht hast du herzlich verlangt, lange, lange ließ es auf sich warten; aber jetzt kommt dein Licht. O, wie Zion sich freut! Unsere Hoffnung ist das kommende Licht, alles wird neu, wenn unser Licht kommt. Die Herrlichkeit des Herrn breitet sich schnell über Zion aus. Als Er in Niedrigkeit durch Palästina wandelte, erhielt die Finsternis einen kräftigen Schlag: Die Geister fuhren aus, die Kranken wurden gesund, die armen Herzen wurden entlastet, Freude erfüllte die Gläubigen. Der Erde war ein Gottestag angebrochen, die Jünger sahen Jesu Herrlichkeit. Jetzt aber erscheint der Herr in hoher Majestät. Wie großartig wird nun die Hilfe werden! Er wird nicht ruhen, bis aller unserer Not ein Ende gemacht ist; allen Fluch nimmt Er hinweg, und der Erde bringt Er das Paradies wieder. (Markus Hauser)


Die Herrlichkeit des Herrn gehet auf über dir.
Das Schönste und Edelste, das Größte und Erhabenste wäre uns hienieden entgangen, hätten wir Jesu Herrlichkeit nicht gesehen. Wie sollten wir jenseits des Grabes Sein Angesicht zu schauen vermögen, wenn Seine Person und Sein Werk hier für uns nichts Anziehendes, nichts Gewinnendes gehabt hätten? Wenn die Liebe und die Heiligkeit Jesu Christi dich hier abstößt, so könntest du dort Seine Gegenwart gewiss nicht ertragen. Seine Nähe wäre dir unangenehm, Sein Wesen, Seine Art wären dir widerwärtig. Wie sollte ein Mensch einzugehen vermögen in Jesu Herrlichkeit, wenn diese im Pilgerleben nicht eingewoben worden wäre in Seine Gesinnung, in Seine Seele, in Seinen Geist, in Seine ganze Person. Die Natur unseres Geistes durchdringt den Nervenleib und gibt der feineren Leiblichkeit, der Seelenhülle das Gepräge, das einst dem Auge sichtbare Gewand. Wer nun diese Herrlichkeit sieht, aus dieser Herrlichkeit schöpft, sich nährt aus Gott, der steht herrlich da, wenn er in die Geisterwelt eintritt, er ist da eine liebliche, himmlische Lichtgestalt. Wandelst du aber in der Finsternis, ertötest du den Hang zur Sünde nicht, gehen deine Triebe auf irdische, sinnliche, fleischliche Dinge und Vergnügungen, so wird dein innerer Mensch ganz finster und hässlich; als eine Jammergestalt erscheinst du dann im Totenreiche, ja, du kommst dir dann selber gespensterhaft und verächtlich vor. Dass du aber so nicht taugst in Jesu Herrlichkeit, nicht dich sehen lassen dürftest in den Kreisen der Lichteskinder, das sagt dir dein eigener Verstand. Unheilige Leute haben keine Gemeinschaft mit dem Herrn, und so werden sie dann dort so wenig als hier Seine Herrlichkeit sehen können. (Markus Hauser)


Mache dich auf, werde Licht; denn dein Licht kommt und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir.“
„Dein Licht kommt!“ so hat's der Prophet geschaut, da er von der hohen Warte seines prophetischen Berufes hinausschaute in die Ferne, noch vom Dämmerlicht umwobene Zukunft. Noch lagert Dunkel über allen Landen, aber über Jerusalem sieht er ein helles Licht anbrechen. Da ruft er in Freuden dem schlafenden Zion zu: dein Licht kommt! Aber er schaut noch mehr. Er schaut, wie dieses Licht hinausstrahlt in die Lande, und wie nun eine mächtige Bewegung anhebt in der Völkerwelt. In großen Zügen kommen sie herangezogen von allen Enden der Erde, aus der Wüste und von den Gestaden des Meeres, und alle eilen sie Zion zu. In ihren Händen prangen Opfergaben, von ihren Lippen ertönen Lobgesänge, denn über ihnen ist aufgegangen die Herrlichkeit des Herrn. Und was der Prophet also geschaut, es hat sich erfüllt in dem, der da spricht: ich bin das Licht der Welt. Nun ist die Herrlichkeit des Herrn erschienen, nicht als etwas, was neben Christo oder außer ihm vorhanden wäre, sondern, in Christo ist sie wahrhaftig erschienen, die Liebesherrlichkeit Gottes, als Gnade gegen die verlorene Sünderwelt, wie Johannes es bezeugt: wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Um die Krippe zu Bethlehem, da leuchtete das Licht, das Jesajas prophetisch schaute, es umstrahlte die Weisen aus dem Morgenlande, die als die Erstlinge der Heidenwelt seinem Scheine nachgezogen waren. Und hinter ihnen her sind sie alle gekommen, die Völker des Morgenlandes und des Abendlandes, um vor ihm, der das Licht der Welt ist, das Knie zu beugen. Und jedes Epiphanien fest, das wir feiern, jede Epiphanienzeit, die wir durchleben verkündigt es uns aufs Neue: das Licht ist erschienen, die Herrlichkeit des Herrn ist aufgegangen über uns. Jede neue Missionsstation, die an fernen Küsten aufgerichtet wird, sie bezeugt es uns, dass die Zeit der Erfüllung da ist.

Aber über der Freude ob solcher Botschaft darf die Mahnung nicht überhört werden, die der Prophet mit solcher Verkündigung begründet: „Mache dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt“ rc. Das ist ja die Heilsabsicht Gottes, dazu hat er das Licht aufgehen lassen über uns, damit wir selbst nicht länger im Finsternis einhergehen, sondern uns so vom Licht durchleuchten lassen, dass wir selbst ganz Licht werden. Denn das ist der Beruf der Jünger Christi. In diesem Sinne hat der Herr ihn bestimmt, wenn er spricht: ihr seid das Licht der Welt. So singen wir in unserem Weihnachtsliede:

Das ew'ge Licht geht da herein,
Gibt der Welt ein'n neuen Schein;
Es leucht't wohl mitten in der Nacht
Und uns des Lichtes Kinder macht.

Es ist freilich ein fast kühnes Wort: werde Licht! Wie darf ein Mensch, und sei er noch so vollkommen und noch so heilig, von sich sagen, dass er ein Licht sei in dem Herrn? Klebt ihm denn nicht noch immer die Sünde an? Empfindet er ihre lähmende und fesselnde Macht nicht um so stärker, je williger er sich vom Lichte Christi durchleuchten lässt und all' sein Tun in das Licht seines Angesichtes stellt? Übersehen wir's nicht! nicht in eigener Kraft soll Solches geschehen. Wir sollen und können licht werden, weil wir selbst über uns haben unsere Sonne der Gerechtigkeit, die da heißt Jesus Christus. Nicht aus uns selbst kommt das Licht, sondern aus ihm. Wohl haben wir immer an uns unseren alten Menschen mit seinen Gebrechen und Schwächen, der folgt uns wie unser Schatten überall hin. Aber je höher die Sonne steigt, um so kleiner wird der Schatten; je mehr unsere Sonne Christus uns ins Herz hineinscheint, je mehr wir in die Liebe unseres Herrn hineinwachsen und je mehr Er uns Alles wird, desto mehr schwindet auch unser Schatten; unser alter Mensch, desto mehr gewinnen wir die Herrschaft über ihn, so dass es zuletzt heißen kann: ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Wer das erreicht, wer durch den Glauben im hellen Lichte Jesu Christi wandelt, der ist ein Licht in dem Herrn geworden, über dem ist die Herrlichkeit Gottes aufgegangen. Denn: Christus in den Christen, das ist die Vollendung des Ratschlusses Gottes an uns: Möge auch die diesjährige Epiphanienzeit uns diesem Ziele näher führen. (Thomas Girgensohn)

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at/23/jesaja_60_1.txt · Zuletzt geändert: von aj
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