Psalm 6,6
Andachten
Im Tode gedenkt man Deiner nicht; wer will Dir in der Hölle danken?
Einem Menschen sollte an Gottes Lob und Ehre alles gelegen sein; er sollte lieber nicht leben, als dass er Gott nicht ehren und loben und sein Leben zu Gottes Lob und Liebe anwenden sollte. Wenn ein Herr einen Knecht oder Gesinde im Hause hat, warum hat er es, als dazu, dass es tue, wozu es der Herr bestellt hat? Also, wozu hat dich, Mensch! Gott anders geschaffen, dir das Leben gegeben und alle Wohltaten erzeigt, denn allein dazu, dass du Ihn lieben, ehren und loben sollst? Wer das in seinem Leben versäumt, der hat das Höchste und Beste versäumt, und den Endzweck seiner Schöpfung, Erlösung und Heiligung nicht erreicht; er ist umsonst in der Welt gewesen.(Johann Arnd)
Wer will Dir in der Hölle danken?
Das wird die Verdammten am meisten peinigen, martern und quälen, dass sie Gottes Zorn und Ungnade ewig tragen müssen, und dass sie Gott in der Hölle nimmermehr loben, noch sich Seiner Gnade trösten können; das ist der Tod der Seele, der unsterbliche Wurm und das unauslöschliche Feuer. Denn in Gottes Lob ist die höchste Freude der Auserwählten, darauf muss folgen, dass es die höchste Pein der Verdammten sein muss, dass sie Gott in der Hölle nimmermehr loben, noch Ihm danken können. Gleich als wenn ein Mensch dasjenige tun sollte, das wider seine ganze Natur ist, so ist dasselbe seine Pein und Tod: Also weil der Mensch zu Gottes Bilde und Lob geschaffen ist, und muss doch hernach ewig das Bild des Satans tragen und dessen Wohnung und Läster-Werkzeug sein; bedenkt, was das allein für eine Pein und Qual sein wird. Darum sollen alle Menschen vor der Sünde, als dem Bilde des Satans, und als vor der höchsten Marter und Pein der Seele erschrecken. (Johann Arnd)
Denn im Tode gedenkt man deiner nicht; wer will dir in der Hölle danken? ich bin so müde von Seufzen, ich schwemme mein Bette die ganze Nacht und netze mit meinen Tränen mein Lager!
Also waren auch die großen Heiligen des Alten Bundes noch nicht wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, welches allein geschehen kann durch die Auferstehung Christi von den Toten. Wohl sind einzelne Hoffnungsstrahlen ihnen in die Seele gefallen, in Stunden außerordentlicher Erhebung und Begnadigung, sonst aber ist ihnen das Totenreich der Ort des Trauerns, des Entbehrens, des Vergessens, wo die Stimmen des Dankes in der Anbetung verstummt und verklungen sind. Darum denn auch über dem Seufzen und den Tränen dieser Erdenwelt das wahre Trostlicht noch nicht scheint, und sie wohl müde werden mochten der kummervollen Tage und Nächte. Aber wie nun, wenn auch Christenleute keinen festen Grund lebendiger Hoffnung unter ihren Füßen haben? fahren mit Stangen im Nebel herum und suchen nach Unsterblichkeits-Beweisen? wenn sie voll Furcht und Zittern sind vor Dem, was jenseits des Grabes liegt, und sprechen in elendem Zweifel und Zagen: es ist Alles dunkel!? Ist hie denn nicht Christus, unser Haupt und unser Bruder, der von den Toten auferstanden ist? hat Er's nicht mit viel heilsamen und trostreichsten Worten verheißen, dass Er uns nach sich ziehen wolle, und dass Sein Diener sein solle, wo Er ist? hat Er nicht den mitgekreuzigten Schächer auf Seinen eigenen Armen als erste Siegesbeute mit sich genommen ins Paradies? ist es nicht, als ob Er Alles dran gesetzt, auch den letzten Schatten von Ungewissheit, Zweifel und Bangen hinweg zu leuchten mit den Strahlen Seines verklärten Antlitzes? - wahrlich, es ist kein Winkel und keine Höhle übrig geblieben, wohinein nicht das sonnenhelle Wort Seiner österlichen Offenbarung hinein gedrungen wäre, es ist Alles, Alles Helle geworden, und nur, wer sich selbst in dunkle Winkel und Höhlen des Unglaubens und Kleinglaubens verkriecht, mag noch zweifeln und zagen! Drum, liebe Seele, werde doch nicht müde über Deinem Seufzen, Hebe Deine Augen auf zu den Bergen, von welchen Dir Hilfe kommt, und stärke Deine müden Knie! hemme doch Deiner Tränen Lauf, stehe, Hier ist der Auferstandene, Er trocknet Dir selber die Tränen von Deinem Angesicht. (Nikolaus Fries)