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Psalm 37,7

Psalm 37,7

Andachten

Sei stille dem HErrn.
Dies Wörtlein: Sei stille dem HErrn! ist wohl zu merken. Was heißt: Dem HErrn stille sein? Antw.: Gottes Werk, das Er mit dir vorhat, nicht verhindern. In dem vorhergehenden Vers dieses Psalmen haben wir gehört, dass unser lieber Gott wolle die Gerechtigkeit der Frommen hervor bringen wie ein Licht, und wie die Sonne am hellen Mittage. Weil nun unser lieber Gott mit allen Gottesfürchtigen ein solch groß Werk im Sinne hat, so sei dem HErrn stille, und verhindere Ihn nicht in Seinem Werke, sondern warte Sein in Geduld; denn Gott muss dich erstlich bewährt machen. Ein Edelgestein hat keinen Glanz, bis er probiert wird: Alle Tugend, wenn sie muss erst durch Widerwärtigkeit bewährt werden. Wer Gottesfurcht und Tugend lieb hat, der schicke sich auf viele Leiden und große Geduld; und Gott pflegt auch die Seinigen durch mancherlei Kreuz hindurch zu führen, wie die Kinder Israel durch die Wüsten. Hernach heißt auch, dem HErrn stille sein, erkennen, dass dein Kreuz und Trübsal von dem HErrn herkomme, Gott tut es, und es ist des HErrn Werk; darum sei dem HErrn stille, und ergib dich Seinem gnädigen Willen, ohne welchen nicht ein Härlein von deinem Haupt fallen kann. (Johann Arnd)


Sei stille dem Herrn, und warte auf ihn.
Stillesein ist der erste Schritt zur Bekehrung und der letzte Schritt der Heiligung. Wenn ein Mensch von dem Geiste Gottes erfasst wird, so zeigt es sich zuerst dadurch, dass derselbe stille wird. Die Welt ist unruhig, sie hat keinen Frieden, sie zerarbeitet sich in der Menge ihrer Wege, sie liebt auch die Ruhe und die Stille nicht, sie muss Unterhaltung haben, muss im Geräusch und Getümmel leben; sie lebt nach außen hin, da will sie glänzen und genießen, dahin ist ihr Sinnen und Trachten gerichtet. Als der verlorene Sohn von Gott erweckt wurde, da schlug er in sich, d. i. sein Denken wandte sich seinem Innern zu. Er kam zur Einsicht; während sein Gesicht früher auf die Güter der Welt gerichtet war, wurde es jetzt nach innen gewandt. Dieses Stillesein bleibt auch bei jedem Gläubigen, und darum werden sie die Stillen im Lande genannt. Nicht etwa, dass von einem jeden Gläubigen eine gewisse äußerliche Art des Stilleseins verlangt werden müsse, während das Temperament vielleicht ein lebhaftes ist, dies wäre, wie alles, bloß äußerliche Formenwesen, im höchsten Grade verkehrt, aber bei jedem Bekehrten wird sich im Gegensatz gegen sein früheres Wesen eine Einkehr in sich und ein Stillewerden zeigen, weil der Schwerpunkt seines Wesens von der Außenwelt in sein Inneres verletzt ist, auf welches sich nun seine ganze Aufmerksamkeit richtet und in welches er sich von allen Zerstreuungen der Außenwelt immer wieder zurückzieht. Aber dieses Stillesein ist weit entfernt, Abstumpfung oder Gleichgültigkeit zu sein; es ist Leben, reges, aber nur innerliches Leben, es ist ein Stillesein dem Herrn, ein Warten auf Ihn. Ein bekehrter Mensch merkt auf den Herrn, auf sein Wort, seinen Willen, seine Wege. Er lernt es, die eigenen Wege zu fliehen, und auf die Führungen des Herrn zu warten; er strebt danach, seinen eigenen Willen immer besser von dem des Herrn unterscheiden und darangeben zu können und sein Verständnis der Weisheit des Herrn unterzuordnen. Es ist dies Stillewerden eine Kunst, daran auch ein Bekehrter sein ganzes Leben zu lernen hat; dies rückhaltlose Zutrauen zum Herrn, diese stille Hingebung an Ihn ist es, in welchem seine Gnade uns übt, zu welchem sie uns führen will. In den großen Leiden und schweren Drangsalen sind wir auf der Hochschule dieser Kunst, und in den letzten Tagen und Stunden unseres Lebens, wo wir uns strecken und fügen müssen und unsere Kräfte schwinden, wird derselben die letzte Weihe gegeben. Es kostet manchen heißen Kampf, wenn dem alten sündlichen Ich die Flügel beschnitten werden, alles Vertrauen in die eigene Weisheit und Kraft aufgegeben werden muss, und wir ganz klein und ganz schwach in uns selbst werden sollen. Aber es muss sein. Des Herrn Weisheit muss unsere Weisheit, seine Kraft unsere Kraft, sein Wille unser Wille, seine Wege unsere Wege werden. Das ist freilich Torheit vor der Welt, welche grade den umgekehrten Weg empfiehlt, wenn Jemand etwas Großes in ihr verrichten will. Aber im Reiche Gottes gilt diese Regel, und dieses bleibt, jene vergeht. Die Ruhe und den Frieden, deren völliger Genuss dem Volke Gottes noch für das Jenseits vorbehalten bleibt, suchen wir hier schon in seligen Anfängen zu erwerben durch das Stillewerden dem Herrn und durch das Warten auf Ihn, und beten mit Tersteegen:

Wie die zarten Blumen sich entfalten,
Und der Sonne stille halten,
Lass mich so, still und froh,
Deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen! (Anton Camillo Bertoldy)

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