Psalm 104,1
Andachten
Ein köstlicher Psalm! Wie der 103. Psalm das Lob Gottes aus den Wundern der Gnade, der 105. das Lob Gottes aus den Wundern der Geschichte enthält, so besingt der 104. Psalm das Lob Gottes aus den Wundern der Natur. Während die alten Griechen und die ungläubigen Naturforscher die Natur außer und ohne Gott beklügeln oder sie uns sich dabei vergöttern, sieht die Bibel in Allem Gottes Hand, erhebt vom Werk zum Werkmeister, vom Körper zur Seele, von der Gabe zum Geber, und schließt zuletzt mit dem erhabensten aller Wünsche, mit dem Blick auf die erneuerte Erde. In diesem Psalm gehen die sechs Tagwerke der Schöpfung Gottes an uns vorüber, zuerst die Schöpfung des Lichts V. 1; dann die der Himmelsveste V. 2-4; darauf die Scheidung von Land und Wasser und die Entstehung der Pflanzenwelt V. 5-18; hiernach die Lichter am Himmel, Sonne, Mond und Sterne V. 19-24; nun die lebendigen Geschöpfe des Wassers und der Luft V. 25. 26, endlich am sechsten Tage die Landtiere und die Menschen V. 27-30. Den Schluss bildet die Ehre und Freude des Herrn an seinen Werken, am Ende der Tage wieder wie ursprünglich am siebenten Tage nach vollbrachter Weltschöpfung, ein freudiger Vorblick auf das, was Gott noch künftig mit der Erde vorhat V. 31-35. Hier kommt das Halleluja zum ersten Male im Psalmbuch vor, und wenn das, was David vorausgesehen, in freudige Erfüllung gehen wird, so wird im Himmel und auf Erden das Halleluja und Lob Gottes in vollen Schwang kommen. Das ist ja der würdigste Zweck des ganzen Daseins, eines solchen Gottes Ehre zu singen und Ihn besonders durch Heiligung zu verherrlichen.
Dir gebühret Lob und Ehren,
Dein ist alle Herrlichkeit,
Alles soll Dein Lob vermehren
Jetzo und in Ewigkeit.
Lass nur bald von dieser Erden
Der verruchten Sünder Rott’
Gänzlich ausgerottet werden;
Ich hingegen lobe Gott. Amen.
(Friedrich Arndt)
Lobe den Herrn, meine Seele. Herr, mein Gott, du bist sehr herrlich; du bist schön und prächtig geschmückt. Licht ist dein Kleid, das du anhast; du breitest aus den Himmel wie einen Teppich.
So schön die Erde - das Gras verdorrt, die Blume verwelkt. Aber wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Da leuchtet eine Sonne, die nie untergeht: Jesus Christus. Da wandeln wir unter einem Himmel, der sich nie bewölkt: der Himmel von Gottes Barmherzigkeit und Gnade. Da wachsen Blüten und Früchte, die in die ewigen Scheuern gesammelt werden: Liebe, Friede, Freude, Geduld, Gütigkeit, Sanftmut. Wir sind Bürger des göttlichen Reiches. Wir warten eines neuen Himmels und einer neuen Erde. Und alle Schönheit dieser Erde soll uns nur ein Vorgeschmack und Gleichnis jener zukünftigen Herrlichkeit sein, und alle Not und Trauer dieser armen Erde soll uns nur die Sehnsucht nach der himmlischen Heimat wecken und stärken. In reicher Pracht glänzt in dieser Jahreszeit Himmel und Erde, die doch so vergänglich sind. Mit welcher Herrlichkeit wird Gott erst den neuen Himmel und die neue Erde schmücken, die nie trachtet nach dem, was droben ist, und nicht nach dem, was auf Erden ist! Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit. Heiliger Gott, lass das unsre vornehmste Sorge sein in diesem Leben, dass wir haben mögen eine gewisse Hoffnung des ewigen Lebens. Stärke durch alle Freude und Treue dieser Welt in uns das Heimweh nach dem neuen Jerusalem, dass wir dahin unsre Herzen richten unverrückt. Amen. (Adolf Clemen)
Lobe den HErrn, meine Seele. HErr, mein Gott, Du bist sehr herrlich; Du bist schön und prächtig geschmückt.
Hier führt David poetischer Weise den allmächtigen Gott als einen großen gewaltigen König ein, und will so viel sagen: Gleichwie die Menschen auf Erden einem mächtigen Könige wegen seiner Gewalt und Tugend sich unterwerfen, ihm dienen, ihn rühmen und ehren; also sollen sie den allmächtigen Gott, der sich in viel größerer Herrlichkeit und Schönheit durch die Kreaturen zu erkennen und gleichsam anzuschauen gibt, loben und preisen, und Ihn mit Furcht und Demut anbeten und rühmen. Er spricht: Du bist schön und prächtig geschmückt, oder: Du hast Herrlichkeit und große Zierde angezogen, das ist: Deine wunderliche und gewaltige Geschöpfe sind dein herrlicher und köstlicher Schmuck, wer denselben ansieht, der sieht darin deine Gewalt, Herrlichkeit und Schönheit. Und hier haben wir nun zu lernen, weil Gott unbegreiflich ist in Seinem unendlichen göttlichen Wesen, und in einem solchen Lichte wohnt, da Niemand zukommen kann, so hat sich Gott etlicher maßen in Seine Kreaturen wunderlich verkleidet, in welchen Er leuchten lässt das Licht Seiner Weisheit, sehen lässt die Süßigkeit Seiner Güte und Liebe. Wir sollen demnach wissen, dass Himmel und Erde und alle Kreaturen gleichsam Gottes Kleid, Gottes Schmuck und Zierde sind, darin Er sich verkleidet hat, und als ein gewaltiger König heraus geht aus Seinem unsichtbaren Wesen - und sich dem Menschen zu erkennen gibt zu Seinem Lob, Ehre und Preis. (Johann Arnd)