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1. Mose 2,16

1. Mose 2,16

Andachten

Und Gott der Herr gebot dem Menschen, und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses sollst du nicht essen. Denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.
Eden! Eden! Paradies! - O, wie diese Klänge aus grauen Tagen der Vergangenheit unser Herz bewegen, dass man stille weinen möchte vor Sehnsucht und Heimweh. Und wer auch meint, dass diese Worte nur die Nachklänge einer schönen Sage seien, der hat doch den heißen Wunsch, dass es Geschichte sei. Und wie sollte das Menschengeschlecht, das unter dem Bann des Todes seufzt seit Jahrtausenden, das von so unnennbarem, vielgestaltigem Wahn fort und fort umfangen war, - wie sollte es zu einer solchen Erinnerung kommen? zu der Erinnerung an eine Zeit, da Gottes Hütte bei den Menschen war, da himmlische und irdische Geister wie Geschwister verkehrten, da Himmel und Erde in einer seligen Lebensharmonie verbunden waren, da kein Missklang die Schöpfung durchzitterte, kein Leib, keine Sorge das Menschenleben trübte, da auch die unvernünftige Kreatur noch nicht seufzte unter dem Bann der Eitelkeit und des Todes, - wie sollte diese selige Erinnerung in ein Menschenherz gekommen sein, wenn nicht aus einem Zustand der wirklich vorhanden war? „Niemand ist unglücklich darüber, dass er kein König ist, als ein entthronter König,“ sagt Pascal. Ja, und Niemand sehnt sich nach einem Besseren, dem das Element, darin er lebt, natürlich ist, der nicht die Anlage für ein Besseres hat. Darum, wohl denen, die stolz genug sind, sich jene Erinnerung nicht rauben zu lassen; selig aber sind nur, denen diese Erinnerung in Christo zu einer gewissen Verheißung der Zukunft geworden ist, die es wissen, dass das Paradies nicht nur hinter ihnen, sondern noch vielmehr vor ihnen liegt.

Vorläufig aber sind wir nicht im Paradies, sondern in der Welt, wo Tod und Tränen, Schweiß des Angesichtes und Herzenszerrissenheit recht eigentlich zur Tagesordnung gehören. Aber wie ist denn das Paradies in ein Sterbefeld voll Seufzen und Stöhnen verwandelt worden? Wir nennen das eine Wort „Sünde“ und haben die Antwort gegeben. Der Mensch sinkt in den Tod, weil er sich durch die Übertretung göttlichen Gebotes losreißt von dem Gotte des Lebens.

„Aber hätte Gott nichts verboten, so hätte der Mensch nicht übertreten!“ klagen Viele, und verklagen damit den Heiligen in der Höhe. O, ihr Unverständigen! wie wenig kennt ihr des Menschen Ehre und Größe? Ihr ahnt nicht, dass ihr mit euren Klagen den Menschen in die Klasse der Tiere herunterdrückt. Ein Mensch, der ohne Sünde bleibt, weil es so selbstverständlich ist, weil es ihm unmöglich ist zu sündigen, ein Mensch, der nur Gott verherrlicht, wie auch die Nachtigall singt, weil es einmal so in sie gelegt ist, der taugt nimmermehr in die Gemeinschaft Gottes, der ist nicht ein Kind Gottes; der ist so wenig heilig, frei und selig, wie ein Tier heilig, frei und selig ist. In der Versuchung erst kann der Mensch seinen Willen offenbaren; in der Versuchung erst wird sein Wille frei; in der Versuchung erst findet er sich selbst und seinen Gott. So viel nur ist der Mensch, so viel er in der Versuchung bewähret ist. Stehet alle auf, die ihr in göttlichen Wegen Erfahrung habt, und bezeuget es wie ein Mann, dass ihr im Erdulden der Versuchungen und Anfechtungen Teilhaber göttlichen Reichtums wurdet!

Die erste Versuchung aber, dahinein Gott den Menschen führt, worin besteht sie? Nicht fordert Gott, dass der Mensch etwas abgibt, was er besitzet. Nicht fordert er, dass der Mensch ein Werk tue, das mühsam und schwer ist. Nicht ein Gebot, sondern ein Verbot schafft dem Menschen die erste Versuchung. Alles soll er haben, alles genießen, was vorhanden ist. Da ist nur Eines, darauf soll er verzichten; „denn dies zu nehmen bringt dir Tod;“ spricht Gott. Der Mensch soll also nur verzichten auf etwas, was noch nicht sein Eigen ist. Freilich er kann es sich nehmen; das tut er dann aber um den Preis der Gemeinschaft mit seinem Gott, also auch um den Preis seines inneren und äußeren Glückes. Wahrlich, man könnte denken, diese Versuchung verdiene nicht den Namen, da dem Menschen ja doch nichts mangelte, was sein Herz begehrte. Nur verzichten soll er auf ein Gut, das er nie besaß.

Nur verzichten sagten wir. Ach, wir wollen dieses „nur“ streichen. Verzichten auf das, was wir nicht haben und uns doch wünschen, ist das allerschwerste. Leicht ist und der schwerste Kampf und die sauerste Arbeit, wobei wir jede Kraft Leibes und der Seele aufs Äußerste anspannen müssen, - gegen das stille aufopfernde Entsagen. Es liegt in unserer Natur, dass uns Alles das, was wir besitzen, nicht so beglückend erscheint als das, was uns versagt blieb. Ja, williger geben wir hin von dem, was in unseren Händen ist, als dass wir diese unsere Hände demütig falten und sprechen: „Ich verzichte, mein Gott, weil Du es so willst.“ Unter denen, die jetzt dieses Blatt in Händen halten, werden zarte Frauen und Jungfrauen, starke Männer und lebensmüde Greise genug sein, die das unter heißen Tränen erfahren haben, dass nichts schwerer ist als auf eine süße stolze Hoffnung zu verzichten.

Aber gerade weil im Verzichten die Seele ihre höchste Kraft beweiset, eben deswegen bleibt es keinem erspart, den Gott zur Vollendung führen will. Auf dem Wege des Verzichtens sollte der erste Adam zum vollkommenen Mannesalter geführt werden, auf dem Wege des stetigen Verzichtens und Sich-selbst-Verleugnens, bis hinein in die Todesnacht, schritt der zweite Adam wirklich zur Gottesherrlichkeit hinauf. O lasst auch uns in seinem Licht und durch seine Kraft die Wege des Verzichtens und Entsagens lieben lernen, so werden auch wir göttlicher Natur fähig und teilhaftig werden. (Otto Funcke)


Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baum des Erkenntnisses Gutes und Böses sollst du nicht essen. Denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.
Gut zu sein war dem Menschen anerschaffen, war ihm natürlich. Aber noch hatte er kein Bewusstsein davon, dass er gut war, und kannte überhaupt noch nicht den Unterschied zwischen gut und böse. Da sollte und musste er lernen, denn anders konnte er nicht zu der Freiheit gelangen, welche ein wesentliches Stück des göttlichen Ebenbildes ist und konnte auch seine Bestimmung nicht erfüllen, ein Stellvertreter Gottes auf Erden zu sein. Sein Geist war in der Kindheit und folgte bewusstlos dem Triebe, welcher ihm mitgegeben, der Richtung, in welche er gebracht worden war. Gleich wie unsere Kinder ihren Neigungen folgen, ohne sich Rechenschaft davon zu geben, warum sie es tun, und ohne zu wissen, dass sie auch anders handeln könnten. Aber auch gleichwie unsere Kinder nicht in diesem Zustande der Unreife bleiben, sondern früher oder später, je nach dem Unterricht, sich der Freiheit bewusst werden, wählen zu können, ob sie so oder so handeln wollen, und dadurch, dass sie immer besser lernen zu wissen, was sie tun, auch auf immer höhere Entwicklungsstufen des Geistes gelangen, - sollte auch Adam zu der Erkenntnis gebracht werden, dass er im Besitz eines Willens sei, welcher die Freiheit hat, sich so oder anders zu entscheiden, er sollte lernen gut zu sein mit Bewusstsein, er sollte erfahren, dass er auch nicht gut sein könnte, wenn er wollte, aber er sollte in dem Gutsein mit bewusstem Willen verharren und das Böse verwerfen lernen. So sollte er sich immer weiter über das unfreie Tier erheben und Gott immer ähnlicher und immer mehr befähigt werden, sich die ganze Erde untertan zu machen, an Gottes Stelle auf Erden zu herrschen und dadurch, dass er im Gehorsam Gottes verharrte, d. h. mit Ihm in Gemeinschaft des Willens blieb, auch auf immer höhere Stufen des Glücks, des Friedens und bewusstvoller Seligkeit gelangen. Und zur Erreichung dieser göttlichen Liebesabsicht diente der Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen mitten im Garten, in welchem der Mensch sein Dasein erblickte. Hatte derselbe besondere Kennzeichen und besondere Eigenschaften, welche mit seiner Bestimmung sterblich zu machen, im Zusammenhang standen? Es ist wahrscheinlich, dass er sich vor anderen Bäumen auszeichnete und den Menschen durch sein Aussehen an das göttliche Verbot erinnerte, vielleicht auch, dass der Genuss seiner Frucht den Keim des leiblichen Todes in den Menschen zu pflanzen vermochte. Sein Vorhandensein und das an ihn geknüpfte göttliche Verbot sollte den Menschen in fortgehender Übung des Gehorsams erhalten, welchen er Gott schuldig war und welchen er zur Erreichung seines Zieles und zur Teilnahme an der göttlichen Seligkeit bedurfte. Keineswegs war der Genuss seiner Frucht, die Übertretung des göttlichen Gebotes, notwendig, um den Menschen zur Erkenntnis des Bösen zu bringen, es ist nicht so, dass der Mensch erst ein Sünder werden musste, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass das Gutsein seine Bestimmung und sein Glück sei. Das Beispiel Christi beweist uns das Gegenteil, denn dieser hat die Versuchung überwunden und hat doch gewusst, was gut und was böse ist. Es ist eine Torheit zu behaupten, um Gott ähnlicher zu werden, müsse man zuerst sein Ebenbild zerstören. Wir wissen: es ist geschehen, der Abfall von Gott hat unsern Willen in eine falsche, in eine ungöttliche Bahn gebracht, und auf diesen Tod, mit welchem unser Geist dem göttlichen Geist abgestorben ist, ist auch das leibliche Absterben gefolgt. Wir sehen die Folgen der Sünde - wir schmecken sie. Wohlan, wir haben in Christo die Erlösung, er reicht uns die Früchte vom Baume des Lebens wieder dar, lasst sie uns genießen, lasst uns von Ihm uns zurückführen zum Vater, lasst uns unsere missbrauchte Freiheit Ihm zu Füßen legen und sie in einen freiwilligen Gehorsam verwandeln.. (Anton Camillo Bertoldy)


Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du sollst essen von allerlei Bäumen im Garten; aber von dem Baume des Erkenntnisses Gutes und Böses sollst du nicht essen. Denn welches Tages du davon isst, wirst du des Todes sterben.
„Ich, der Herr, das ist Mein Name; und Ich will Meine Ehre keinem andern geben, noch Meinen Ruhm den Götzen“ (Jes. 42, 8). Hab Dank, Du treuer Gott, und gebenedeit sei Deine ewige Majestät, dass Du solches für alle Ewigkeit setzt und forderst und willst unser Herr sein und bleiben, und wir sollen nie eines andern sein. Ach, was wird aus uns, wenn wir von Dir weichen, wir sind ja weniger als nichts, wenn wir von Dir weichen, wir sind ja Kinder des Todes! Alles ist unser, wenn wir Dich haben; aber ohne Dich können wir nichts haben, nichts als Elend. Es ist so lieblich, so schön, so herrlich im Paradiese, der reiche Himmelsfriede bedeckt das Gefilde, und selige, heilige Stille erfüllt das Herz, und nichts als Seligkeit und freudiges Dienen hat da seine Stätte, das ganze Leben und Sein ist ein Gottesdienst. Da ist nicht einmal Raum für ein eigentliches Gebot, es ist ja alles selbst verständlich; der Mensch dient Dir, denn dies Dienen ist seine eigenste Natur; er liebt Dich, lobt und preist Dich, tut Deinen Willen, er lebt in Dir und Du in ihm. Es ist doch kein eigentliches Gebot, dass er essen soll von allerlei Bäumen im Garten, es ist ja nur eine Erlaubnis. Wir atmen die Luft, das ist unsere Natur; wir essen und trinken und schlafen, wir gehen und stehen, das ist unsere Natur. Nur der Kranke braucht hier Gebote, der Gesunde atmet, isst, trinkt und schläft von selbst. Ich verstehe es wohl, mein Gott, wie es dort kein Gebot geben konnte, wie das alles, was uns Sündern geboten werden muss, dort ganz selbstverständlich ist, die eigenste Natur des Menschen. Wie lieblich, wie schön, wie herrlich ist das Paradies, dass so alle Gebote getan werden, ehe geboten ist und ohne dass geboten werden kann. Welch ein Staunen würde es sein, wie unverständlich wäre es dort, wenn Gebote laut geworden wären im Paradiese! Das war ja ihr Leben, dass sie Deinen Willen taten; das war ihre Lust, dass sie in Dir lebten und Du in ihnen. Aber ein Verbot ja, ein Verbot hat auch im Paradiese Raum, eine Schranke ist auch dem sündlosen Menschen verständlich, die Schranke gehört ja zum kreatürlichen Leben. Hab Dank, o Gott, dass Du Selbst Erziehung und Führung Deiner Kinder in Deine Hand genommen von Anbeginn; hab Dank, dass Deine Liebe uns über unsere Schranke hinausführen wollte zur Vollendung der Freiheit, in welcher ein Missbrauch des Willens nicht mehr möglich ist; hab Dank, Du treuer Gott, dass überall Deine Treue und Güte uns begegnet auf allen Wegen der Geschichte unseres Geschlechts. Du ewiger, großer, gewaltiger, majestätischer Gott, wie lässt Du Dich hernieder als Vater zu den Kindern, als Erzieher und Führer, und hebst selbst mitten in der Herrlichkeit des Paradieses den Finger auf mit ernstem Drohen, um zu zeigen die verwundbare Stelle unseres Geschlechts, die eben mit dem größten Vorzuge unvermeidlich verbundene schwache Stelle durch ein Verbot zu zeigen und hinzuweisen auf die Möglichkeit des Missbrauchs der Freiheit, damit sie durch eben diese Freiheit überwunden werde. Noch ist das schreckliche Wort nicht genannt, das Wort Sünde; aber die Sache selbst ist bezeichnet, und die schrecklichen Folgen sind bezeichnet und bei Namen genannt. Das Wort ist laut geworden inmitten der Seligkeit des Paradieses, wenn auch sein Inhalt noch so unbekannt, sein Wehe noch so ferne liegt Tod und Sterben. Ich sehe das alles vor mir, mein Gott, ich erlebe es im Geiste. Lass meine Seele erbeben bei diesem Erleben, lass sie in der Tiefe bewegt werden; lass mich vergessen die Gegenwart, dass mir sei, als stände ich noch in Wirklichkeit vor den Ereignissen der Urzeit. Das ist ja der Vorzug der Schriftforschung, wenn sie geschieht an Deinem Tische, da Du das Mahl mit uns hältst und wir mit Dir; Deine Nähe gewährt uns, was wir ohne Dich nicht haben können. Deine Nähe mache mein innerstes Herz erbeben vor diesem Verbot, in welchem die furchtbaren Gewalten der Sünde und des Todes mein Ohr, meine Seele berühren. Gieß über mich Deinen Geist, dass Er mit tiefstem Ernst meine Seele erfülle, dass sie verstehe ganz und nie vergesse, was Du hier an dieser Stelle mir sagst.

Ich weiß es, mein Gott, es war nötig, das Geheimnis der Sünde und des Todes aufzudecken mitten in der Freude des Paradieses, denn Du hast es getan. Alles, was Du tust, ist gut; ich kann nicht mehr fragen, warum? Aber ich brauche auch nicht mehr zu fragen, Deiner Augen Wink hat es schon gesagt. Ich brauche nur zu achten auf die Worte Deines Mundes, nur nicht zu überhören, wie sie lauten und was sie sagen. Du redest ja nicht von etwas, was noch nicht da ist; Sünde und Tod sind ja schon in der Welt, wenn auch außerhalb dieser unserer Erden- und Menschenwelt. Das schreckliche Gift der Sünde und der Jammer des Todes sind ja bereits eine Wirklichkeit in der großen Schöpfung Himmels und der Erde mit ihrem ganzen Heer, und es ist ja diese unsere Erde und Menschenwelt nicht aus dem Zusammenhange des Weltganzen entnommen, steht nicht vereinsamt da, wie die Torheit der Toren in ihrer Beschränktheit träumt. So muss ja der Finger aufgehoben, eine Schranke gezogen werden, damit am Verbot die Freiheit bewährt werde, die Möglichkeit der Sünde aus eigenstem Triebe und innerem Wachsen überwunden, Sünde und Tod auf ewig abgewiesen werden und keinen Zugang mehr finden auf Erden. Ich sehe das alles, ein Bangen ergreift mich für unser Geschlecht; ach, Herr, ich weiß es ja schon, was kommen wird! Ist es denn möglich, dass Dein aufgehobener Finger unbeachtet bleibt? Ist's möglich, dass der Sündlose am Verbote so achtlos vorüber geht, gleitet wie im Traume und fällt? Welch eine berückende Macht muss die Sünde sein!

Ich will mein Angesicht verhüllen und in meine Hände legen, will tiefbewegt vor Dir zum Staube sinken. Ach, wie haben wir Dir Mühe gemacht mit unsern Sünden, wie haben wir Dir Arbeit gemacht mit unsern Missetaten! Wie schwer wiegt das Herzeleid, welches Kinder ihrem Vater bereiten, wenn sie das Wort seiner warnenden, ernsten Liebe so achtlos dahinwerfen! Wie schwer wiegt das Unrecht der Sünde, weil es die Liebe kränkt, weil es von Dir scheidet! Tod ist Scheidung, er reißt auseinander Leib und Seele, Gott und Menschen, Himmel und Erde. O, wie entsetzlich sind Sünde und Tod! Mein Gott und mein Erlöser, hilf mir, lass mich nie vergessen, dass es mitten in der Herrlichkeit und der Seligkeit und dem Frieden des Paradieses ein Beben gibt und geben soll, welches die Seele erstarren macht: der Anblick der Sünde und des Todes, selbst wenn sie noch außerhalb der Welt sind. Wie soll es denn nun meine Seele mit Beben ergreifen, wenn ich jetzt als sündiger Mensch inmitten einer Welt, die im Argen liegt, der Sünde und des Todes gedenke! Lass mich fliehen zu Dir, mein Heiland und mein Retter, lass mich Dich fassen und halten, Dich suchen und finden, wo ich unbedingt sicher, ohne alle Frage gewiss Dich als den Retter habe: in Deiner Kirche, in Taufe, Wort und Abendmahl. Aber auch hier mitten in der Gnade des Lebens, die mir Dein heiliger Bund verbürgt; mitten in dem Frieden der Rechtfertigung, die in sich unantastbar gewiss ist; mitten in der Reinigung durch Dein Blut, das für uns vergossen zur Vergebung der Sünden: in all dieser heiligen Freude der Heilsgewissheit lass mich nie vergessen das Beben vor dem Geheimnis der Sünde und des Todes, das sei und bleibe die Unterlage aller Freude des in der Gnade der Heilsgewissheit sich freuenden Herzens. Amen. (Wolfgang Grashoff)

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