1. Petrus 1,8

Andachten

Welchen ihr nicht gesehen, und doch lieb habt, und nun an Ihn glaubt.
Petrus hatte Jesum vor und nach Seiner Auferstehung lange und oft gesehen, als ihn aber derselbe zuletzt fragte: Simon Johanna, oder Jonas Sohn, hast Du Mich lieb? so konnte er mit einem aufrichtigen Herzen antworten: HErr, Du weiß alle Dinge, Du weißest, dass ich Dich lieb habe. Hernach wurden aber durch das Evangelium, das Petrus und die andern Apostel predigten, viele Leute bekehrt, die Jesum liebten, ob sie schon Ihn nie gesehen hatten. Wie kann ich aber Jemand lieb haben, den ich noch nie gesehen habe? Erstlich muss derselbe durch ein wahres und lauteres Wort mir vor die Augen gemalt werden. ich muss von seiner Vortrefflichkeit, von seiner Liebe gegen mich, und von den Erweisungen derselben eine gewisse Nachricht bekommen, und diese Nachricht glauben. Doch würde dieses Alles mein Herz noch kalt bleiben lassen, wenn nicht seine Liebe auch in meinem Herzen wie ein Balsam ausgegossen würde, oder wenn er mich dieselbe nicht auch empfinden ließe. Man sehe das Hohelied an, welches ein Lied von der Liebe ist. Es fängt mit dem Wunsch an: Er küsse mich mit dem Kuss Seines Mundes; denn Seine Liebe ist lieblicher denn Wein: und so geht es durch dieses ganze Lied durch fort, dass die Sulamith die Liebe des göttlichen Salomo zu empfinden verlangt und bekommt, und hernach brünstig ist, Ihn wiederum zu lieben. Ob ich also gleich die Gestalt Jesu nicht sehe, so kann ich doch mit Wonne empfinden, dass Er mir nahe sei, ich kann schmecken und sehen, wie freundlich Er sei. Mein Herz kann brennen, wenn Er durchs Wort mir Seine Gegenwart zu fühlen gibt, wie die Herzen der zwei Jünger brannten, die nach Emmas gingen. So entsteht die Liebe gegen den nicht unbekannten, aber doch unsichtbaren Sohn Gottes.

Man wird Jesum freilich einmal sehen, man wird Seine Herrlichkeit sehen, die Ihm der Vater gegeben hat, und dadurch unaussprechlich erquickt werden. Johannes sah Ihn, alldieweil er noch seinen sterblichen Leib anhatte, in verschiedenen Gestalten. Er sah Ihn (Off. 1.) als den Hirten und Bischof der Schafe, wie Er unter allen Gemeinden wandelt, und Aufsicht darüber hat. Er sah Ihn (Off. 5.) als ein Lamm auf dem höchsten Thron der Gottheit, das die Merkmale seiner Schlachtung an sich hatte, und ein Buch mit sieben Siegeln von dem Vater empfing: folglich wurde dem Johannes hier das Königreich und das Priestertum Christi durchs Schauen gezeigt. Er sah Ihn ferner (Off. 19.) als einen Helden, der viele Königsbinden auf dem Haupt hatte, daher kommen, um Seine Feinde zu vertilgen; folglich als einen siegenden König. Und endlich sah er Ihn (Off. 20.) auf einem großen weißen Thron sitzen, als den Richter der Lebendigen und der Toten. Dieses sah Johannes, als er im Geist oder entzückt war: aber im Himmel wird man an Einem fort im Schauen wandeln, und die Herrlichkeit Jesu Christi in einem noch größeren Glanz sehen, als Johannes sie in seinem sterblichen Zustand hat sehen können.

Nun ist aber noch nötig, Jesum zu lieben, und an Ihn zu glauben, ob man Ihn schon nicht sieht: und diese Liebe und dieser glaube sind die Wurzeln der Geduld in dem Leiden und des ganzen heiligen Wandeln, den ein Christ führen soll. (Magnus Friedrich Roos)


Welchen (Christum) ihr nicht gesehen und doch lieb habt und nun an Ihn glaubt, wiewohl ihr Ihn nicht seht, so werdet ihr euch freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude.
Das Wunder der Zeiten - so nennt Jemand die Christen, denen der König des Himmels gegeben, was Keinem, als ihnen nur selber bekannt ist. Es ist wahr, Christen sind ein Wunder nicht bloß in den Augen der Welt, sondern auch in ihren eignen Augen, denn sie glauben an Jesum Christum, wiewohl sie Ihn nicht sehen; es ist wahr, dass ihnen nur selber bekannt ist, was ihnen der König gab denn sie lieben Christum. Der heilige Petrus gibt auf die Frage: Hast du Mich lieb? die Antwort: Ja, Herr, Du weißt, dass ich Dich lieb habe. Und wie hätte er dem eine andere Antwort geben können, den er nun seit drei Jahren kennen gelernt hatte, dass Worte des ewigen Lebens von Ihm ausgingen! Wie sollte Petrus Christum nicht lieben, der ihn von seinem tiefen Falle so unausdenklich freundlich wenn auch unter bitteren Tränen aufgerichtet und so viele Liebe nach der Auferstehung ihm hatte widerfahren lassen? Gewiss, Petrus, man glaubts dir, dass du Jesum lieb hast; denn welchem viel vergeben ist, der liebt viel.

Und sollte ich Dich nicht lieben, o Jesu, obwohl ich Dich nicht gesehen habe? Ich sehe Dich nicht aber darum bist Du doch, der Du warst. Nichts ist verloren von Deiner Lieblichkeit und Schönheit, Du Schönster, wie Deine heiligen Apostel Dich im Fleische wandeln sahen voll Gnade und Wahrheit. Keine Kraft ist Deinen Worten des ewigen Lebens entzogen, seitdem Du gen Himmel gefahren bist. Vielmehr ist dies die große Kraft Deines Evangeliums, dass es uns Dich Selbst vor die Augen stellt und Glauben an Deinen Namen und Liebe zu Dir ins Herz pflanzt. Ich gönne den heiligen Aposteln ihr Glück, dass sie Dich gesehen und geliebt haben und freue mich des Glückes, das Gott mir gönnt, dass ich ohne Sehen an Jesum glaube und Ihn liebe.

Herr, wie sollte ich Dich nicht lieben? Es gab eine Zeit, wo ich Dich nicht kannte und nicht liebte. Das ist ein armes, bitteres Leben, wenn man ohne Dich lebt. Dann kam Licht in meine Finsternis und siehe! mein Leben war Schuld und nichts als Schuld ohne Zahlung und Lösung, ich selbst ein unruhiges Meer, ein zitterndes Blatt, ein verwirrter Knäuel. Dann bist Du gekommen, Du Einziger und Hochgelobter. Du bist umgeben von Propheten und Aposteln, die Deinen Ruhm verkündigen, dass Du Dein Leben für mich zum Schuldopfer gegeben und erschienen bist, die Sünde wegzunehmen. Welch ein Evangelium welche Gnade! So groß, dass es unmöglich wäre, daran zu glauben, wo nicht Deine Kraft aus der Höhe in mir Vermögen dazu schaffte. Nun glaube ich nach der Wirkung Deiner mächtigen Stärke. Ephes. 1, 19. Du gabst und gibst mir zu glauben, dass Du mich in dem Gerichte längst mit Ehren durchgebracht. Wie sollte ich Dich nun nicht lieben! Jammer und Schade, dass meine Liebe nicht ein stiller, tiefer Strom in meinem Herzen ist. Und doch liebe ich Dich o Jesu, obwohl ich meinen Glauben und meine Liebe nicht rühmen kann, sondern Dich allein rühme, Du, an dem mein Glaube hängt und den meine Liebe umfängt. Ich weiß auch nichts, worin ich ein Vertrauen wegen meiner Bewahrung sehen könnte, als Dich allein. Herr, wie sollte ich Dich nicht lieben, der Du mein Heiland warst und bist und alle Tage sein wirst. Ohne Dich komme ich keinen Schritt weiter.

Unaussprechliche, herrliche Freude, wenn Du endlich offenbart wirst! Dann will ich Dir im neuen Liede bekennen, dass ich Dich lieb habe und will Dich lieben und sehen und wiederum sehen und lieben. Unaussprechliche Freude, wenn ich erwache nach Deinem Bilde und satt werde, weil ich Dein Antlitz schaue, o Jesu Christe, Du Leben und Liebe unsrer Seelen.(Theodor Schmalenbach)

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