Römer 13,13
Andachten
Lasst uns ehrbar wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid.
Fressen und Saufen, Kammern und Unzucht, Hader und Neid sind so recht offenbare Werke der Finsternis, und wo das eine ist, da pflegt auch das andere zu sein. Aber wenn der Apostel beispielsweise nur diese sechs Stücke nennt, so will er damit die andern Werke nicht ausgeschlossen haben, die nicht minder der Finsternis angehören, und fasst alles zusammen in die Worte: Lasst uns ehrbar wandeln als am Tage. Wenn wir nun auch gerade nicht in solchem Schmutz der Sünde leben, wie er in die Augen fällt, ja wenn wir einen gründlichen Ekel und Abscheu davor haben, so wollen wir zwar Gott dafür danken, aber nicht wie der Pharisäer. Wir wollen nicht vergessen, dass auch wir noch vieler Sünden wegen uns zu demütigen haben, und dass auch wir, so lange wir in der Welt leben, täglich ihren Versuchungen ausgesetzt sind, die uns zu Falle bringen können. Es steht nicht gut mit uns, wenn wir uns sicher wähnen und keine Furcht davor haben, dass wir etwas tun könnten, was dem Namen des HErrn zur Unehre, unserm Nächsten zum Ärgernis und uns selbst zum schweren Falle gereicht. Und wenn wir es auch nicht so weit bringen können, dass wir im Herzen allezeit fest und unbeweglich sind, so können wir mit des HErrn Hilfe doch soweit kommen, dass unser auswendiger Wandel von groben Anstößen frei bleibt. Es erfordert das aber allen Fleiß und ein fortwährendes Aufmerken auf uns selbst; denn die böse Wurzel steckt in uns so gut, wie in jedem andern, und ein unbewachter Augenblick ist genug, um uns zu Falle zu bringen. Deshalb, wenn uns das Heil nahe ist, so wird uns auch die Pflicht umso näher gelegt, im Lichte zu wandeln und alle Tage abzutun, was sich mit dem Lichte nicht verträgt.
Nur reine Herzen, o HErr, werden Dich schauen, und doch ist unser Herz noch so voll von unreinen Gedanken, Lüsten und Begierden, und wenn wir auch dagegen streiten, so kehren sie doch noch immer wieder. Nur das tröstet uns, dass Du Mitleid hast mit unserer Schwachheit und denen helfen willst, die ein zerschlagenes Gemüt haben. Darum ist das auch unsere brünstige Bitte: Schaffe Du in uns ein reines Herz und gib uns einen neuen gewissen Geist. Und Du wirst es auch tun, wenn wir nur mit unsern Bitten nicht nachlassen, das ist unsere Zuversicht. Amen. (Hermann Haccius)
Lasst uns ehrbar wandeln, als am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Kammern und Unzucht, nicht in Hader und Neid, sondern zieht an den Herrn JEsum Christ, und wartet des Leibes, doch also, dass er nicht geil werde.**
An die Korinther schreibt Paulus: „Das ist unser Ruhm und das Zeugnis unseres Gewissens, dass wir in einfältigem Herzen und göttlicher Lauterkeit gewandelt haben auf dieser Welt.“ Darum, wie es die Unwissenden bedürfen, dass man ihnen die Lehre predige, also bedürfen es die Wissenden, dass man ihnen Reizung predige, dass sie nicht abfallen vom angefangenen guten Leben, durch Widerstreit des tobenden Fleisches, der listigen Welt und des schalkhaftigen Teufels. Darum warnt der Apostel vor den Werken des Fleisches, fasst aber alles zusammen, indem er ihnen das höchste Exempel vorhält, den Herrn selbst, und spricht: „zieht an den HErrn“; das reizt gar sehr. Denn es muss ein Schelm sein, der seinen Herrn sieht fasten und Hunger leiden, arbeiten, wachen und müde werden, und er wollte schlemmen, schlafen und in Wollust leben. Welcher Herr könnte das von seinen Knecht leiden? Oder welcher Knecht könnte sich das unterwinden? Es kann ja nicht sein, der Mensch muss sich schämen, wenn er Christum ansieht, und sich so gar ungleich findet. Wer nicht von Christi eigenem Exempel ermahnt und gereizt wird, wer wird den reizen und bewegen? was sollen die Blätter und Worte mit ihrem Rauschen ausrichten, wenn diese Donnerschläge von Christi Beispiel nicht bewegen? Darum sagt Paulus sonderlich: „Zieht an den Herrn JEsum Christum“, als wollte er sagen: lasst euch nicht viel und groß dünken, die ihr Knechte seid, seht euren Herrn an, der selbst also tut und ist es doch nicht schuldig.
Zweierlei Sorge oder Warten des Leibes berührt Paulus mit kurzen Worten. Die erste ist natürlich, dass der Leib mit Speise und Kleid zur Notdurft versorget werde, dass er leben und wirken möge, aber es ist sündlich, wenn man sein wartet nach seinen Begierden. Das Fleisch ist also zu kasteien, dass es diene und untertan sei dem Geiste, und den Herrn nicht aus dem Sattel werfe, wiederum auch also, dass es den Herrn tragen könne. Es hat immer zweierlei Menschen gegeben: Etliche, die unter dem Schein der Notdurft die Lust büßen und decken, und das ist so leicht zu versehen, dass auch viel Heilige darüber klagen und demselbigen zuwider ihrem Leibe zu weh getan haben. Andere, die da meinen, Gottes Reich stehe in Essen, Trinken und Kleiden, das sie erwählen, sehen nicht weiter, denn in das Werk, und achten, wenn sie also fasten, dass der Leib abnimmt, so haben sie genug getan. Davon sagt Paulus: Essen und Trinken macht uns vor Gott nicht angenehm; essen wir, so werden wir darum nicht besser sein, essen wir nicht, so werden wir darum nichts weniger sein. Es sind auch etliche, die ihnen sonderliche Tage zum Fasten erwählen. Es soll ohne Unterschied der Tage und Speise das ganze Leben mäßig und nüchtern sein. Denn so es Waffen des Lichts sein sollen, und das ganze Leben keusch und rein sein soll, müssen wir die Waffen nimmer ablegen, sondern immerdar nüchtern und mäßig erfunden werden. (Martin Luther)