Apostelgeschichte 2,41
Andachten
Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen, und wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen. Sie blieben aber beständig in der Apostel Lehre und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und im Gebet. Es kam auch alle Seelen Furcht an, und geschahen viele Wunder und Zeichen durch die Apostel.
Das sind von damals her, für alle Zeiten die Kennzeichen der wahren Kirche Jesu Christi: Der Apostel Lehre, die brüderliche Gemeinschaft, das lautere Sakrament und das Gebet um den heiligen Geist. In diesen Stücken besteht die Verbindung zwischen dem erhöhten Haupte, Christus, und Seinen Gliedern hier auf Erden: Er spendet Wort und Sakrament - und sie schließen sich Ihm an in der Gemeinschaft und im Gebet. Danach sind gerichtet Alle, die von diesen Stücken abweichen: wo kein lauteres Wort und kein reines Sakrament, wo keine brüderliche Gemeinschaft und kein Beten im Geist und in der Wahrheit, da ist nicht die Kirche Jesu Christi. Von jeher hat der Feind das Unkraut unter diesen Weizen gesät, und wir sehen's mehr denn je zu unserer Zeit, wie üppig dieses Unkraut emporgewuchert, dass es vieler Orten den Weizen zu ersticken droht. Doch haben wir, Gott sei Dank, das Wort unseres Herrn: Lasst beides miteinander wachsen bis auf den Tag der Ernte! nur dass wir uns den Blick klar halten, zu erkennen, was Unkraut ist und was Weizen. Damals, heißt es, kam die Seelen eine Furcht an, - das ist heilsame Furcht! sie fühlten es, dass sie himmlische Schätze trügen in irdischen Gefäßen und fürchteten sich, diese Schätze zu verunreinigen oder gar zu verlieren; sie fühlten, dass der Herr selbst in Seinem Heiligtum, dass ein Neues, Großes, noch nie Dagewesenes angefangen sei, so fürchteten sie das eigene Unvermögen und Unwürdigkeit, als die Träger solches Neuen. Wollte Gott, dass wir auch einmal solch' heilsames Fürchten spürten, und nicht so unempfindlich und unempfänglich hinlebten! Der Apostel Lehre und das Brotbrechen am Altar sind nach wie vor die Schätze und Heiligtümer der Gemeinde Jesu, und wir sollen drüber wachen, dass wir sie rein behalten bis an unser End' in der Gemeinschaft und im Gebet. ! (Nikolaus Fries)
Die nun sein Wort gerne annahmen, ließen sich taufen, und wurden hinzugetan an dem Tage bei dreitausend Seelen.
Das waren die ersten Anfänge, aus denen die christliche Kirche hervorging, dreitausend Seelen; und jetzt, wer zählt sie alle, die Völker und Nationen, die aus allen Zonen der Erde auf den verschiedensten Stufen menschlicher Bildung sich um die Fahne des Kreuzes scharen; wer zählt sie, selbst nach den mannigfaltigen Abstufungen, die ihr kirchliches, ihr Glaubens-Leben bestimmen, nach den Konfessionen, Sekten, und vielfach voneinander abweichenden Richtungen, in welche die Eine Gemeine Jesu Christi auseinandergeht! Ist es denn wahr, wenn wir bekennen: Wir glauben an Eine christliche Kirche; ist es denn wirklich Eine? Und welche ist es denn, und wo ist sie gelegen? Es will uns fast wie ein Trost bedünken, dass es auch von der Kirche gilt, was von dem Kommen des Reiches Christi auf Erden: „Man wird auch nicht sagen: Siehe, hier oder da ist es.“ (Luk. 17, 21.) Es ist sehr bedeutsam, dass schon die dreitausend, welche die ersten Glieder der christlichen Kirche bildeten, obwohl sie an Einer Stätte und zu derselbigen Stunde gewonnen wurden, doch nicht Einer Nation und Sprache, Einer bestimmt ausgeprägten, geistigen Richtung oder Bildungsstufe angehörten, sondern dass aus gar mancherlei Völkern die größte Mannigfaltigkeit der Individuen die erste Gemeinde darstellte. Und doch bildeten sie bei der größten Verschiedenheit der äußerlichen Verhältnisse und Lebensstellungen, bei der größten Mannigfaltigkeit der geistigen Richtungen nur Eine Gemeinde, denn Eins waren sie in der innersten Natur ihres Wesens, in ihrer Liebe zu dem Herrn, und in dem Bemühen, ihr Leben Seinem Dienste zu weihen; sie Alle waren wie Pilgrimme, ihre Lenden gegürtet, ihr Angesicht dem Ausgang zugewendet, ihr Herz voll sehnenden Verlangens, die selige Gottesstadt zu er reichen, und mit dem Herrn, als dem Gegenstand ihrer Liebe, vereint zu sein immer und ewiglich. - Wo ist die Eine Kirche? Überall da, wo Seelen wohnen, die von solchem Streben, von solchen Geistes - Trieben erfüllt sind. Es ist wohl ein arges Geschlecht, das auf der Erde wohnt, aber Glieder der Einen unsichtbaren Kirche gibt es allenthalben. Wir sind wohl Alle schon auf unsren Lebenswegen Einem und dem Andern begegnet, dem's Niemand angesehen hätte, dass seiner droben eine Krone warte; wenn wir in solch' Antlitz schauten, dann grüßte es uns allemal, wie ein Zug aus des Meisters Bildnis selber; dann fühlten wir uns mit neuer, freudiger Zuversicht erfüllt, und konnten wieder Mut fassen, den Wegen unsres Gottes und Heilandes viel treuer und ernstlicher, als bisher, nachzufragen. Sie sind schon lange nicht mehr Alle hier, die das Siegel der Kindschaft an ihren Stirnen trugen; als Johannes im Gesicht die großen Scharen der Vollendeten in den himmlischen Wohnungen schaute, und die Frage erhub: „Wer sind diese, mit weißen Kleidern angetan, und woher sind sie gekommen?“ da wird ihm zur Antwort: „Diese sind es, die gekommen sind aus großer Trübsal, und haben ihre Kleider gewaschen, und haben ihre Kleider helle gemacht im Blute des Lammes. Darum sind sie vor dem Stuhle Gottes und dienen Ihm Tag und Nacht in Seinem Tempel, und der auf dem Stuhle sitzt, wird über ihnen wohnen.“ (Offenb. Joh. 7, 13 u. ff.) Das sind sie, die in dem Glauben und in der Liebe die Treue bewahrt haben bis an ihr Ende; sie bilden die Glieder der triumphierenden himmlischen Gemeinde, und auch mit ihr, wie mit allen wahren Frommen auf Erden wissen sich alle Jünger Jesu ewig verbunden für Zeit und Ewigkeit. O, was für eine Gnade ist das, dass solche Gemeinschaft Einen heben und tragen darf; möchte sie uns nur immer wahrhaft läutern, und uns treuer machen im Wachen und Beten, im Ringen und Kämpfen um das himmlische Kleinod! Nun wohlan denn, wenn jemals wiederum der Glaube uns ermatten, der Mut uns sinken will, dann wollen wir eurer gedenken, ihr lieben Brüder und Schwestern, die ihr in allen Lagen des Lebens so viel treuer als wir, und unter so viel schwererem Kreuze nur danach gerungen habt, wie ihr Gott gefallen könntet. Und wenn wir einmal gewahren werden, dass unser Leben immer längere Schatten wirst, und die Stille, das Dunkel umher uns öfter an das Bangen der letzten Stunde erinnern, dann wollen wir zu euch ausschauen, ihr lieben selig Vollendeten, die ihr die Siegespalmen in euren Händen tragt und Kronen auf euren Häuptern; euer Sieg und eure herrliche Vollendung wird uns dann das mahnende und verheißende Wort des Herrn in die Seele flüstern: „Sei getreu bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben!“ (Julius Müllensiefen)